ELEKTROMOBILITÄT · 29. JULI 2026
KI-generiertSchnellladen in Europa: Jedes vierte neue Auto weltweit fährt elektrisch
Jedes vierte neu verkaufte Auto weltweit fuhr 2025 elektrisch, 21 Millionen Elektroautos und Plug-in-Hybride kamen in einem einzigen Jahr hinzu. Beim Schnellladen in Europa offenbart die aktuelle Roland-Berger-Studie zugleich eine Lücke: Westeuropa kommt auf 20 Prozent Schnellladeanteil, China auf 48 Prozent.
Die siebte Ausgabe des EV Charging Index untersucht 34 Länder und bilanziert für 2025 ein Absatzwachstum von über 20 Prozent. Der weltweite Bestand wuchs um 40 Prozent auf 73 Millionen Elektrofahrzeuge, mehr als fünf Prozent aller Pkw und leichten Nutzfahrzeuge in den untersuchten Märkten fahren damit elektrisch.
Die Disruption im Markt für E-Pkw und E-Lkw beschleunigt sich 2026 weiter. Der Engpass verschiebt sich dabei vom Fahrzeug zur Ladeleistung.
Das Tempo gibt China vor: Mit 49,9 Prozent fuhr dort 2025 fast jeder zweite Neuwagen elektrisch, in der Region Asien-Pazifik stellt das Land neun von zehn Elektroauto-Verkäufen. Der Kostendruck aus Fernost setzt Volkswagen, Mercedes und BMW zusätzlich unter Druck.
Europa erholte sich vom schwachen Vorjahr auf 3,7 Millionen verkaufte Fahrzeuge, ein Plus von rund einem Drittel. Deutschland liegt mit 28,3 Prozent Anteil elektrischer Neuwagen inklusive Plug-in-Hybriden auf Rang 12 der 34 Länder.

Schnellladen in Europa: 20 Prozent im Westen, 45 Prozent im Osten
Als Schnellladepunkt zählt die Studie jede öffentliche Ladesäule mit mehr als 22 Kilowatt Leistung, als ultraschnell gelten 150 Kilowatt und mehr. Weltweit kamen 2025 rund 1,1 Millionen öffentliche Ladepunkte hinzu, weniger als in den beiden Jahren zuvor. Roland Berger deutet die Verlangsamung als Reifung: Der Fokus wandert vom reinen Ausbau zur Leistungsfähigkeit der Standorte.
| Region | Schnellladeanteil 2022 (%) | Schnellladeanteil 2025 (%) |
|---|---|---|
| China | 43 | 48 |
| Osteuropa | 28 | 45 |
| Global | 34 | 39 |
| Nordamerika | 21 | 28 |
| Westeuropa | 15 | 20 |
| Asien-Pazifik ohne China | 14 | 19 |
Beim Schnellladen in Europa ist die Spreizung groß. Spanien, Portugal, Polen, Großbritannien und Norwegen kommen jeweils auf über 25 Prozent Schnellladeanteil. Das Schlusslicht bilden mit fünf Prozent die Niederlande, die früh ein dichtes Langsamladenetz aufgebaut haben und deren Netzengpässe höhere Leistungen begrenzen.
Osteuropa hat den eigenen Schnellladeanteil binnen drei Jahren von 28 auf 45 Prozent gesteigert und damit fast zu China aufgeschlossen.
Das am schnellsten wachsende Segment ist das Ultraschnellladen. Mehr als die Hälfte der europäischen Schnellladepunkte schafft inzwischen 150 Kilowatt oder mehr, vor fünf Jahren war es rund ein Viertel.
Warum 45 Elektroautos pro Schnellladepunkt ein Vorschuss sind
In Westeuropa teilen sich derzeit rund 45 reine Batterie-Elektroautos einen Schnellladepunkt. Für einen wirtschaftlich tragfähigen Betrieb erwartet Roland Berger mittelfristig mehr als 100 Batterie-Elektroautos je Schnellladepunkt.
Die Betreiber haben das Netz damit vor die Nachfrage gebaut. Aus Sicht von Cleanthinking ist die schwache Auslastung von heute deshalb ein Vorschuss auf die Flotte von morgen und kein Konstruktionsfehler.
Dafür spricht die Dynamik im Bestand. Die Zahl der Fahrzeuge wächst inzwischen wieder schneller als die Schnellladeinfrastruktur, die Auslastung bestehender Standorte steigt also von selbst. Wer heute Schnellladeparks betreibt, hat die Durststrecke eher hinter als vor sich; derselben Logik folgt hierzulande Decade Energy, das Ladeparks für Elektro-Lkw baut, bevor die Flotten kommen.
„Die nächste Phase der Elektromobilität entscheidet sich […] an der Ladesäule“, sagt Martin Weissbart, Partner bei Roland Berger. Das Wachstum der Elektromobilität müsse in Europa und Deutschland mit einem Ladeangebot einhergehen, das den Bedürfnissen künftiger Fahrerinnen und Fahrer gerecht werde.
Bei der Grundversorgung steht Deutschland solide da: 16 Elektrofahrzeuge teilen sich hierzulande einen öffentlichen Ladepunkt gleich welcher Leistung, im weltweiten Durchschnitt sind es zwölf. Diese Kennzahl umfasst alle Elektrofahrzeuge und alle Ladepunkte, die 45 Batterie-Elektroautos je westeuropäischem Schnellladepunkt sind eine engere Größe.
Ladezeit schlägt Säulenzahl
Die Investitionsrichtung beim Schnellladen in Europa deckt sich mit den Wünschen der Fahrerinnen und Fahrer. In der Nutzerbefragung der Vorgängerausgabe, die der aktuelle Index zitiert, steht die zu lange Ladezeit mit 47 Prozent an der Spitze der Kritikpunkte am öffentlichen Laden. Erst dahinter folgt mit 45 Prozent die Zahl der verfügbaren Säulen.
Die Fahrzeugseite treibt das Tempo mit, etwa CATL mit seiner schnellladefähigen Shenxing-Batterie. Ob Westeuropa den Abstand zu China verkürzt, zeigt die achte Ausgabe des Index.
Häufige Fragen zum Schnellladen in Europa
Welches Land in Europa hat den geringsten Schnellladeanteil?
Die Niederlande. Dort erreichen nur fünf Prozent der öffentlichen Ladepunkte mehr als 22 Kilowatt, weil das Land früh ein sehr dichtes Wechselstromnetz zum langsamen Laden aufgebaut hat. Netzengpässe begrenzen zusätzlich den Einsatz höherer Leistungen.
Wie viele Elektroautos kommen auf einen öffentlichen Ladepunkt?
Weltweit teilen sich 2025 zwölf Elektrofahrzeuge einen öffentlichen Ladepunkt, in Deutschland sind es 16. Betrachtet man nur die Schnellladepunkte, kommen in Westeuropa rund 45 reine Batterie-Elektroautos auf einen Anschluss.
Warum ist das Schnellladenetz in Westeuropa noch nicht ausgelastet?
Roland Berger erwartet für einen tragfähigen Betrieb mittelfristig über 100 Batterie-Elektroautos je Schnellladepunkt, aktuell sind es in Westeuropa rund 45. Die Betreiber haben die Infrastruktur vor der Nachfrage gebaut. Mit wachsender Fahrzeugflotte steigt die Auslastung und damit die Wirtschaftlichkeit.
Wie hoch ist der Elektroauto-Anteil in Deutschland 2025?
28,3 Prozent der Neuwagenverkäufe entfielen 2025 auf Elektroautos und Plug-in-Hybride, davon 18,3 Prozentpunkte auf reine Batteriefahrzeuge. Damit liegt Deutschland auf Rang 12 der 34 untersuchten Länder, hinter Österreich und vor Frankreich.
QUELLEN
- Roland Berger: EV Charging Index 2026, siebte Ausgabe, Juli 2026.
- Roland Berger: Pressemitteilung zum EV Charging Index 2026, München, Juli 2026.