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Elon Musk: Genialer Visionär, exzentrischer CEO – was treibt den Unternehmer an?

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Elon Musk, Visionär, Unternehmer, CEO, will die Erde retten und plant dennoch die Kolonialisierung auf dem Mars. Eigenwillig kauft er im April 2022 Twitter. Porträt eines Exzentrikers.

Der Investor, Unternehmer und CEO Elon Musk hat mit Tesla seit 2004 Unvorstellbares geleistet: Als er die Gründer Martin Eberhard und Marc Tarpenning mit 70 Millionen US-Dollar aus dem erfolgreichen PayPal-Verkauf unterstützte, ahnte er wohl kaum, wie steil und steinig gleichermaßen der Weg von Tesla an die Weltspitze sein würde. Aber der gebürtige Südafrikaner ist eine zwiespältige Persönlichkeit zwischen genialer Visionär und exzentrischer CEO: Was treibt Elon Musk an?

2019 ist für ihn ein entscheidendes Jahr. Der CEO des Elektroauto-Pioniers Tesla steht unter gewaltigem Druck. Trotz großer Versprechen ist Tesla unter seiner Führung nach zwei Quartalen mit Gewinnen wieder tief in die roten Zahlen gerutscht. Selbst Auslieferungsrekorde helfen nicht, aus den Schulden herauszukommen. Frisches Kapital wird selbst für den einstigen Liebling der Börse teurer und teurer.

Die Zahl der ausgelieferten Elektroautos sollte schon in vergangenen Jahr bei 600.000 liegen, versprach der exzentrische Unternehmer einst. Mit Ach und Krach geschafft werden dürften 350.000 – ein Jahr später. Qualitätsprobleme, Brände von Solaranlagen und massive Kritik am Tesla-Service sorgen für Skepsis an der Börse, was den Aktienkurs bröckeln lässt. Der Wert von Tesla liegt längst nicht mehr bei 60 Milliarden wie einst, sondern schafft gerade so 40 Milliarden Dollar.

Immer mehr Kritik konzentriert sich mittlerweile auf den genialen Visionär Elon Musk, der gerne über die Kolonialisierung des Mars philosophiert, und zwar nicht nur, um seinen Raketenkonzern SpaceX nach vorne zu bringen. Wenn nun der größte Aktionär James Anderson, Kopf eines 200-Milliarden-Investmentfonds, der 7,5 Prozent der Anteile an dem Autobauer hält, öffentlich ausplaudert, er könne sich Tesla auch ohne ihn als operativ tätigem CEO vorstellen, hat das Gewicht.

Denn immer klarer wird, wie Elon Musk selbst zum Problem des Auto- und Energiekonzerns wird. Insbesondere sein Führungsstil ist in Frage zu stellen – Anderson nennt es „Mikromanagement“. Musk will bestimmen und kontrollieren, wirft oft das, was seine engsten Manager entwickelt haben, komplett über den Haufen – und vertreibt damit die engsten Mitarbeiter, weil er signalisiert: Ich vertraue niemandem.

Erfahrungen in Südafrika prägen ihn bis heute

Wahrscheinlich ist es klar, dass jemand mit der Biografie von Musk anderen Menschen kein Vertrauen entgegen bringen kann. Seine Schulzeit in der Apartheit in Südafrika bezeichnet er als Nonstop-Terror – einerseits in der Schule, aber andererseits auch im Elternhaus bzw. mit einem prügelnden Vater, bei dem Musk lebte, bis er 16 war. Geboren ist Musk 1971, aufgewachsen in Pretoria.

Elon Musk Konkurrenz Porsche Taycan
Konkurrenz für Elon Musk: Porsche Taycan

Solche Erlebnisse prägen: Elon Musk las Bücher, zog sich zurück, begann aufgrund dieser Prägung mit dem Programmieren, dem Experimentieren an Raketen-Treibstoff mit knappsten Mitteln und schließlich, unternehmerisch tätig zu werden. Enger Verbündeter dabei: Sein jüngerer Bruder Kimbal Musk, den er auch mit nach Kanada nahm, um dem Wehrdienst in Südafrika zu entfliehen. Elon studierte Volkswirtschaftslehre und Physik in Kanada und den USA und entschied sich dann dazu, keinen Doktor in Stanford zu machen, sondern im Silicon Valley ein IT-Unternehmen zu gründen.

Enge Partner verlassen Tesla

Aber er wäre nicht der umstrittene CEO des Unternehmens, wenn er sich das gefallen lassen würde. Mikromanagement meint, Musks geniale Seite – er ist in der Lage, komplizierteste Berechnungen im Bereich der Raketenwissenschaft im Kopf durchzuführen und weiß über Raktentechnologie mehr als viele seiner höchst spezialisierten Ingenieure. Diese geniale Seite, seine penible Art, sein Riecher für Kostensenkungen, trug entscheidend zum Überleben und rasanten Aufstieg seiner Unternehmen bei.

Jetzt allerdings verlassen immer mehr enge Partner: Peter Hochholdinger, Jeffrey Straubel und viele weitere sind es Leid, die exzentrische, ja cholerische Seite von Elon Musk erleben zu müssen. Entscheidungen werden aus der Hüfte geschossen, Aktionismus statt Strategie beherrscht das Tagesgeschäft, wenn Musk es für nötig hält, einzugreifen.

Die Folge sind nicht nur wirre und teure Posts auf Twitter, sondern zunehmend vergrätzte Kunden, die sich über Preissprünge über Nacht und qualitativ schlechter werdende Fahrzeuge ärgern. Aber genau dieser Ärger wird jetzt zum Problem: Statt Teslas Model 3 mit einem Grinsen im Gesicht viral weiterzuempfehlen, häufen sich kritische Videos in der Szene derer, die das Unternehmen und seine Produkte entscheidend geprägt haben.

Elon Musk Tesla Model 3 ohne Lenkrad Elon Musk
Elon Musk will Roboterautos auf den Markt bringen

Noch ist der E-Auto-Pionier allein auf weiter Flur: Aber Porsche rammt mit dem Taycan bereits Ende des Jahres einen richtigen Pflock in den Markt, der die ohnehin schwächelnden Verkaufszahlen des Tesla Model S weiter nach unten ziehen könnte. Der Taycan ist das erste Elektroauto in Stückzahlen der deutschen Autoindustrie, das wirklich eine Chance hat, mit dem Tesla mitzuhalten – oder ihm sogar den Rang abzulaufen.

Noch darf das Unternehmen weiter Kapazitäten aufbauen und das Model 3 mit teilweise fragwürdiger Qualität ausliefern. Aber wenn BMW, Audi oder die Newcomer Lucid Motors, Byton, Polestar oder NIO Ernst machen, wird das Tesla-Image weiter bröckeln.

Unternehmen braucht ein neues, operatives Management

Musk ist definitiv genial darin, ein Startup wie Tesla oder SpaceX auf ein Niveau der Weltspitze zu entwickeln. Aber es ist mehr als fraglich, ob ein Charakter wie Elon Musk, der Menschen kaum vertraut wirklich noch einen Großkonzern führen kann. Denn Ordnung und strategische Planung bis ins Detail langweilen Musk – abgeben möchte er diese Aufgaben bislang aber auch nicht.

Daher ist 2019 ein entscheidendes Jahr für den Tesla-Chef: Schafft es der Konzern, sich so aufzustellen, dass er die Angriffe der Konkurrenz wird abwehren können? Das Marktwachstum wird weiter rasant zunehmen – wenn Tesla seine Marktanteile halten will, braucht es Ordnung und Planung. Wenn Elon Musk dazu keine Führungspersonen ins Team holt oder zulässt, dürfte der Versuch der Shortseller, den Aktienkurs zu drücken, noch Monate weitergehen.

Volkswagen-CEO Herbert Diess ist großer Fan

Gelingt es den Shortsellern, die Oberhand zu behalten für eine Weile, würde sich Tesla zum feindlichen Übernahmeziel mausern. Denn noch liegt Volkswagen im Vergleich zu Tesla weit zurück – mit dem Einstieg in die Gigafactory Berlin und somit Deutschland hat Elon die hiesige Wirtschaft gestärkt, und gleichzeitig die Automobilwirtschaft düpiert. Im Mutterland des Verbrennungsmotors, ausgerechnet in Deutschland, will Elon einen entscheidenden Schritt zur Weiterentwicklung seines führenden Unternehmens gehen und Milliarden investieren.

Herbert Diess, Volkswagen-CEO, trifft sich immer wieder mit dem Visionär – ungefähr zwei Mal im Jahr. Sicher nicht, um über eine Übernahme zu verhandeln. Aber womöglich, um gemeinsame Visionen für die Elektromobilität zu schmieden… Diess, so wird heute erzählt, hätte vor Jahren einmal Tesla-Chef werden können, aber schlussendlich kam es nicht dazu. Ob Diess das heute bereut?

Elon Musk kauft Twitter

Wie exzentrisch Elon Musk tatsächlich ist, wird in vielen Beispielen deutlich. Das beste Beispiel: Im April 2022 entschied sich der Unternehmer, für 44 Milliarden US-Dollar den Kurznachrichtendienst Twitter zu übernehmen. Eine Plattform, die Musk sehr eifrig nutzt, ihm aber auch bereits Ärger einbrachte, als er twitterte „Funding Secured“ – und in diesem Tweet andeutete, dass Tesla von der Börse genommen werden sollte. Heute bezweckt Musk damit den Wunsch, Twitter zu verbessern – ob Meinungsfreiheit aus seiner Sicht ein Gewinner für das System des Kurznachrichtendienstes wird? Abwarten.

Seit 2019 als dieser Artikel ursprünglich erschien, hat sich Tesla einen völlig neuen Status erarbeitet. Lange verlacht oder belächelt, spricht die Konkurrenz mittlerweile voller Hochachtung von Elon und seiner unternehmerischen und Leistung sowie der als Ingenieur. Der Autobauer schafft es, zu liefern – und dabei innovativ zu sein, etwa im Hinblick auf die Art der Produktion und die eingesetzten Batteriesysteme, die mittlerweile teilweise zum Rumpf geworden sind.

Musk denkt anders – er stellt die Überlegung an, was die Welt brauchen würde, um den Wandel hin zu erneuerbaren Energien und E-Autos zu schaffen. Dann kommt er zum gewaltigen Ziel, dass Musks Tesla eines Tages 20 Millionen Autos pro Jahr herstellen muss. Und, ausgehend von dieser gewaltigen Ambition wird die Frage beantwortet, wie viele Fabriken es braucht, wie automatisiert diese sein muss oder wie viele Rohstoffe aus Recycling notwendig sind.

Dort, wo Musk Probleme erkennt, wird darauf reagiert – so wird auf stark steigende Nickel-Preise mit dem Einstieg ins Nickel-Mining reagiert. Die Hälfte der Fahrzeuge Stand April 2022 kommt mittlerweile ohne Kobalt aus.

Aber die Frage rund um die Twitter-Übernahme bleibt schon: Hat der Milliardär wirklich die Kraft, sich noch mit einem weiteren „Klotz am Bein“ zu befassen? Hat er gerade beim Autokonzern die Strukturen so gut geschaffen, dass er von dieser Rolle Zeit abknapsen kann? Was bei SpaceX mit einer CEO sehr gut funktioniert, mündet beim Auto- und Energiekonzern immer wieder in Manager-Fluktuation. Die Zukunft wird zeigen, ob der egozentrische Unternehmer diese Herausforderungen wird bewältigen können – oder sein unheimlicher Erfolg doch irgendwann endet.

Dieser Beitrag über den exzentrischen Unternehmer und Visionär und Tesla-Chef, der auch SpaceX führt und Twitter übernehmen will, entstand zuerst am 25. August 2019, wurde am 27. April 2022 zuletzt aktualisiert.

1 Kommentar
  1. […] vor wenigen Tagen hat Elon Musk 100 Millionen Dollar für exzellente Ideen zur Abscheidung von CO2 aus der Atmosphäre ausgelobt […]

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