Cleanthinking.de
Sauber in die Zukunft

Werbung

Elon Musk: Genialer Visionär, exzentrischer CEO – was treibt den Unternehmer an?

1 452

Elon Musk, Visionär, Unternehmer, CEO, will die Erde retten und plant dennoch die Kolonialisierung auf dem Mars. Porträt eines Exzentrikers.

Der Investor, Unternehmer und CEO Elon Musk hat mit Tesla seit 2004 Unvorstellbares geleistet: Als er die Tesla-Gründer Martin Eberhard und Marc Tarpenning mit 70 Millionen US-Dollar aus dem erfolgreichen PayPal-Verkauf unterstützte, ahnte er wohl kaum, wie steil und steinig gleichermaßen der Weg von Tesla an die Weltspitze sein würde. Aber der gebürtige Südafrikaner Musk ist eine zwiespältige Persönlichkeit: Was treibt ihn an?

2019 ist für Elon Musk ein entscheidendes Jahr. Der CEO des Elektroauto-Pioniers Tesla steht unter gewaltigem Druck. Trotz großer Versprechen ist Tesla unter Führung von Elon Musk nach zwei Quartalen mit Gewinnen wieder tief in die roten Zahlen gerutscht. Selbst Auslieferungsrekorde helfen nicht, aus den Schulden herauszukommen. Frisches Kapital wird selbst für den einstigen Liebling der Börse teurer und teurer.

Die Zahl der ausgelieferten Elektroautos sollte schon in vergangenen Jahr bei 600.000 liegen, versprach Elon Musk einst. Mit Ach und Krach geschafft werden dürften 350.000 – ein Jahr später. Qualitätsprobleme, Brände von Solaranlagen und massive Kritik am Tesla-Service sorgen für Skepsis an der Börse, was den Aktienkurs bröckeln lässt. Der Wert von Tesla liegt längst nicht mehr bei 60 Milliarden wie einst, sondern schafft gerade so 40 Milliarden Dollar.

Immer mehr Kritik konzentriert sich mittlerweile auf den genialen Visionär Elon Musk, der gerne über die Kolonialisierung des Mars philosophiert, und zwar nicht nur, um seinen Raketenkonzern SpaceX nach vorne zu bringen. Wenn nun der größte Aktionär James Anderson, Kopf eines 200-Milliarden-Investmentfonds, der 7,5 Prozent der Anteile an Tesla hält, öffentlich ausplaudert, er könne sich Tesla auch ohne Elon Musk als operativ tätigem CEO vorstellen, hat das Gewicht.

Denn immer klarer wird, wie Elon Musk selbst zum Problem des Auto- und Energiekonzerns wird. Insbesondere sein Führungsstil ist in Frage zu stellen – Anderson nennt es „Mikromanagement“. Musk will bestimmen und kontrollieren, wirft oft das, was seine engsten Manager entwickelt haben, komplett über den Haufen – und vertreibt damit die engsten Mitarbeiter, weil er signalisiert: Ich vertraue niemandem.

Erfahrungen in Südafrika prägen ihn bis heute

Wahrscheinlich ist es klar, dass jemand mit der Biografie von Elon Musk anderen Menschen kein Vertrauen entgegen bringen kann. Seine Schulzeit in der Apartheit in Südafrika bezeichnet er als Nonstop-Terror – einerseits in der Schule, aber andererseits auch im Elternhaus bzw. mit einem prügelnden Vater, bei dem Musk lebte, bis er 16 war. Geboren ist Musk 1971, aufgewachsen in Pretoria.

Elon Musk Konkurrenz Porsche Taycan
Konkurrenz für Elon Msuk: Porsche Taycan

Solche Erlebnisse prägen: Elon Musk las Bücher, zog sich zurück, begann aufgrund dieser Prägung mit dem Programmieren, dem Experimentieren an Raketen-Treibstoff mit knappsten Mitteln und schließlich, unternehmerisch tätig zu werden. Enger Verbündeter dabei: Sein jüngerer Bruder Kimbal Musk, den er auch mit nach Kanada nahm, um dem Wehrdienst in Südafrika zu entfliehen. Elon studierte Volkswirtschaftslehre und Physik in Kanada und den USA und entschied sich dann dazu, keinen Doktor in Stanford zu machen, sondern im Silicon Valley ein IT-Unternehmen zu gründen.

Enge Partner von Elon Musk verlassen Tesla

Aber Elon Musk wäre nicht der umstrittene CEO von Tesla, wenn er sich das gefallen lassen würde. Mikromanagement meint, Musks geniale Seite – er ist in der Lage, komplizierteste Berechnungen im Bereich der Raketenwissenschaft im Kopf durchzuführen und weiß über Raktentechnologie mehr als viele seiner höchst spezialisierten Ingenieure. Diese geniale Seite, seine penible Art, sein Riecher für Kostensenkungen, trug entscheidend zum Überleben und rasanten Aufstieg seiner Unternehmen bei.

Jetzt allerdings verlassen immer mehr enge Partner Tesla: Pater Hochholdinger, Jeffrey Straubel und viele weitere sind es Leid, die exzentrische, ja cholerische Seite von Elon Musk erleben zu müssen. Entscheidungen werden aus der Hüfte geschossen, Aktionismus statt Strategie beherrscht das Tagesgeschäft, wenn Musk es für nötig hält, einzugreifen.

Die Folge sind nicht nur wirre und teure Posts auf Twitter, sondern zunehmend vergrätzte Kunden, die sich über Preissprünge über Nacht und qualitativ schlechter werdende Fahrzeuge ärgern. Aber genau dieser Ärger wird jetzt zum Problem: Statt Teslas Model 3 mit einem Grinsen im Gesicht viral weiterzuempfehlen, häufen sich kritische Videos in der Szene derer, die das Unternehmen und seine Produkte entscheidend geprägt haben.

Tesla Model 3 ohne Lenkrad Elon Musk
Elon Musk will Roboterautos auf den Markt bringen

Noch ist Tesla allein auf weiter Flur: Aber Porsche rammt mit dem Taycan bereits Ende des Jahres einen richtigen Pflock in den Markt, der die ohnehin schwächelnden Verkaufszahlen des Tesla Model S weiter nach unten ziehen könnte. Der Taycan ist das erste Elektroauto in Stückzahlen der deutschen Autoindustrie, das wirklich eine Chance hat, mit dem Tesla mitzuhalten – oder ihm sogar den Rang abzulaufen.

Noch darf Tesla weiter Kapazitäten aufbauen und das Model 3 mit teilweise fragwürdiger Qualität ausliefern. Aber wenn BMW, Audi oder die Newcomer Lucid Motors, Byton, Polestar oder NIO Ernst machen, wird das Tesla-Image weiter bröckeln.

Tesla braucht ein neues, operatives Management

Elon Musk ist definitiv genial darin, ein Startup wie Tesla auf ein Niveau der Weltspitze zu entwickeln. Aber es ist mehr als fraglich, ob ein Charakter wie Elon Musk, der Menschen kaum vertraut wirklich noch einen Großkonzern wie Tesla führen kann. Denn Ordnung und strategische Planung bis ins Detail langweilen Musk – abgeben möchte er diese Aufgaben bislang aber auch nicht.

Daher ist 2019 ein entscheidendes Jahr für Tesla und Musk: Schafft es der Konzern, sich so aufzustellen, dass er die Angriffe der Konkurrenz wird abwehren können? Das Marktwachstum wird weiter rasant zunehmen – wenn Tesla seine Marktanteile halten will, braucht es Ordnung und Planung. Wenn Elon Musk dazu keine Führungspersonen ins Team holt oder zulässt, dürfte der Versuch der Shortseller, den Aktienkurs zu drücken, noch Monate weitergehen.

Volkswagen-CEO Herbert Diess ist großer Tesla-Fan

Gelingt es den Shortsellern, die Oberhand zu behalten für eine Weile, würde sich Tesla zum feindlichen Übernahmeziel mausern. Herbert Diess, Volkswagen-CEO, trifft sich immer wieder mit Elon Musk – ungefähr zwei Mal im Jahr. Sicher nicht, um über eine Übernahme zu verhandeln. Aber womöglich, um gemeinsame Visionen für die Elektromobilität zu schmieden…

Das könnte dir auch gefallen
1 Kommentar
  1. […] Elon Musk: Genialer Visionär, exzentrischer CEO – was treibt den Unternehmer an? […]

Hinterlasse eine Antwort

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

This website uses cookies to improve your experience. We'll assume you're ok with this, but you can opt-out if you wish. Accept Read More