Drei Monate Tankrabatt kosten mehr als sechs Jahre Förderung neuer Erneuerbarer

KÜRZUNGSPLÄNE FÜR WIND UND SOLAR · 12. OKTOBER 2026

400 Millionen Euro im Jahr reichen für die Förderkosten neuer Wind- und Solaranlagen

Je Kilowattstunde aus neuen Windrädern an Land und Solaranlagen fallen im Schnitt 0,72 Cent EEG-Förderung an. Im Anlagenbestand sind es 6,58 Cent. Das hat das Beratungshaus enervis für den Landesverband Erneuerbare Energien NRW errechnet.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 5 Min. LESEN


Die Kurzstudie von enervis erfasst Windräder, Solarparks und große Dachanlagen, die seit Anfang 2025 einen Zuschlag erhalten haben und noch nicht am Netz sind. Dazu kommen kleinere Dachanlagen, die in den vergangenen zwölf Monaten in Betrieb gingen. Zusammen bringen sie es auf 37,8 Gigawatt Leistung und 55,8 Terawattstunden förderfähigen Strom im Jahr. Bei den Marktwerten von 2025 summieren sich die Förderkosten neuer Wind- und Solaranlagen auf rund 400 Millionen Euro jährlich. Für die bestehenden Wind- und Solaranlagen fallen 14,8 Milliarden Euro an.

Je Kilowattstunde liegt die Förderung neuer Anlagen damit um 89 Prozent unter dem Bestand. Die Studie setzt bei Wirtschaftsministerin Katherina Reiche an. Sie hatte in der Haushaltsdebatte im September 2025 fast 18 Milliarden Euro für die Förderung erneuerbarer Energien genannt. Solche Gesamtsummen vermischten alte Zahlungsverpflichtungen mit den Kosten des heutigen Zubaus, argumentiert enervis. „Der heutige Ausbau ist in einer völlig anderen Kostenwelt angekommen“, sagt LEE-NRW-Geschäftsführer Christian Vossler.

Grafik: jährlicher EEG-Förderbedarf neuer Wind- und Solaranlagen von 400 Millionen Euro gegenüber 14,8 Milliarden Euro im Bestand, spezifische Förderkosten 0,72 statt 6,58 Cent je Kilowattstunde
Jährlicher Förderbedarf und Förderkosten je Kilowattstunde: neue Wind- und Solaranlagen im Vergleich zum EEG-Bestand. QUELLE: ENERVIS FÜR LEE NRW

Windparkbetreiber erhalten für Zuschläge ab 2026 kaum noch Marktprämie

Die Marktprämie zahlt die Differenz, wenn der Strom am Markt weniger erlöst als der anzulegende Wert aus der Ausschreibung. Bei Windrädern an Land ergibt sich dieser Wert aus dem Gebot und einem Korrekturfaktor für die Standortgüte. Der Jahresmarktwert für Windstrom lag 2025 bei 7,44 Cent.

Der mittlere Gebotswert sank von 7,00 Cent in der ersten Runde 2025 auf 5,06 Cent im Mai 2026. Der anzulegende Wert fiel im selben Zeitraum von 8,79 auf 6,27 Cent. Bei einem Marktwert wie 2025 erhalten alle Anlagen aus der ersten Runde 2025 eine Prämie, von den Zuschlägen ab 2026 weniger als fünf Prozent.

Für 20 Gigawatt Wind an Land rechnet enervis mit 258 Millionen Euro im Jahr, das sind 0,61 Cent je Kilowattstunde. Neue Windräder liegen damit leicht über dem Windbestand mit 0,52 Cent. Die 89 Prozent beziehen sich auf das Gesamtportfolio. Die noch niedrigeren Zuschläge aus der Runde im August 2026 mit durchschnittlich 4,79 Cent sind nicht eingerechnet.

Liniendiagramm: Gebotswerte und anzulegende Werte für Wind an Land sinken von 2025 bis Mai 2026 unter den Jahresmarktwert von 7,44 Cent je Kilowattstunde
Wind an Land: Liegt der anzulegende Wert unter dem Marktwert von 2025, fällt keine Marktprämie an. Das gilt für fast alle Zuschläge seit Ende 2025. QUELLE: ENERVIS FÜR LEE NRW

Der Förderbedarf hängt stark am Strompreis. Steigt der Marktwert für Windstrom um zwölf Prozent, sinken die Förderkosten je Kilowattstunde neuer Windräder um rund 70 Prozent, rechnet enervis vor. Das Hochpreisjahr 2026 hat das Beratungshaus bewusst nicht angesetzt. In die andere Richtung wirken die geplanten Differenzverträge und Netzentgelte für Einspeiser: Die Zuschlagswerte dürften damit wieder steigen, erwartet enervis. Bei hohen Marktpreisen zahlen Betreiber mit Differenzvertrag dann aber Geld zurück.

16 Cent je Kilowattstunde gehen an ältere Dachanlagen

Den großen Abstand zum Bestand erzeugt die Photovoltaik. Solarparks auf Freiflächen erhielten in den Ausschreibungen seit 2025 im Mittel 5,18 Cent, der Marktwert für Solarstrom lag 2025 bei 4,51 Cent. Für 10,2 Gigawatt ergeben sich so 37 Millionen Euro im Jahr oder 0,43 Cent je Kilowattstunde. In Stunden mit negativen Strompreisen zahlt das EEG keine Prämie, das betraf 2025 knapp ein Viertel der Solarerzeugung.

Neue Dachanlagen mit 7,5 Gigawatt kosten 105 Millionen Euro, das sind 2,24 Cent je Kilowattstunde. Anlagen bis ein Megawatt erhalten einen festen Fördersatz ohne Wettbewerb. Den selbst verbrauchten Strom fördert das EEG nicht, er senkt die geförderte Menge. Im Bestand liegen die Werte um ein Vielfaches höher, bei 6,80 Cent für Freiflächenanlagen und 16,31 Cent für Dachanlagen. Viele ältere Dachanlagen stammen noch aus den Jahren hoher Einspeisevergütungen.

Die beiden Vergleichswerte beruhen auf unterschiedlichen Bezugsgrößen. Für Neuanlagen nutzt enervis die förderfähige Strommenge, für den Bestand die Bruttoerzeugung. Die Bestandskosten je Technik leitet die Studie aus einer Prognose der Übertragungsnetzbetreiber ab. Biomasse, Wasserkraft und Geothermie hat enervis nicht untersucht, ebenso wenig Kosten für Netze und Speicher.

LEE NRW vergleicht die Förderkosten neuer Wind- und Solaranlagen mit dem Tankrabatt

Den Tankrabatt bis Ende Dezember beziffert das Bundesfinanzministerium nach Angaben des Verbands auf rund 2,5 Milliarden Euro Steuerausfall. Drei Monate Tankrabatt kosten damit so viel wie gut sechs Jahre Förderung für alle neuen Wind- und Solaranlagen der Studie. Vossler fordert, alle Instrumente mit demselben Maßstab zu bewerten.

Das EEG sei bei neuen Anlagen weniger ein Förderinstrument als eine Absicherung für Investitionen, sagt Vossler. Es schaffe langfristige Erlössicherheit und damit günstige Finanzierung. Treiben teure fossile Brennstoffe die Strompreise nach oben, sinke die Marktprämie, im Zweifel bis auf null. Wind und Sonne liefern ihren Strom ohne Brennstoffkosten.

Im Bundestag liegt der Regierungsentwurf zum EEG 2027. Diskutiert werden kürzere Förderzeiträume und niedrigere Höchstwerte in den Ausschreibungen. CDU und CSU verlangen in einem internen Papier, die Förderdauer für Neuanlagen bis 2035 schrittweise auf zehn Jahre zu senken. Aus den hohen Zahlungen für Altanlagen lasse sich kein Kürzungsbedarf für neue Windräder und Solaranlagen ableiten, warnt der LEE NRW.

QUELLEN

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  1. LEE NRW: Pressemitteilung „Die EEG-Kosten der Vergangenheit sind eben nicht die EEG-Kosten des heutigen Ausbaus!“, 9. Oktober 2026.
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