Was Heizen im Winter 2026/27 wirklich kostet

WÄRMEWENDE · 4. OKTOBER 2026

Wer im Winter 2026/27 mit Wärmepumpe heizt, gewinnt den Heizkosten Vergleich

Als Muster für den Heizkosten Vergleich dient ein Einfamilienhaus mit 20.000 Kilowattstunden Wärmebedarf. Mit Preisen vom Stand September 2026 zahlt der Haushalt mit Wärmepumpe 1.600 bis 2.500 Euro im Jahr, mit Gas rund 2.770 Euro.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 9 Min. LESEN


Am teuersten heizen im Herbst 2026 Haushalte mit Öl. Im Musterhaus kostet die Wärme aus dem Tank rund 3.120 Euro, weil der Heizölpreis seit März 2026 kräftig gestiegen ist. Fernwärme liegt im Mittel ähnlich hoch, streut aber stark zwischen den Netzen. Alle Zahlen stammen aus Primärquellen wie BDEW, Destatis, Bundesnetzagentur und der Wärmepreis-Transparenzplattform der Fernwärmebranche.

Der Heizkosten Vergleich erfasst nur die laufenden Energiekosten. Anschaffung, Wartung und Schornsteinfeger fehlen, und genau dort liegt der Nachteil der Wärmepumpe beim Einbau. Wer heute noch eine neue Gasheizung plant, sollte deshalb auch fragen, wer am Ende die Rechnung für die Gasheizung zahlt.

Was kostet eine Kilowattstunde Wärme im Herbst 2026

Erdgas kostete Haushalte im August 2026 im Schnitt 12,45 Cent je Kilowattstunde, Heizöl im Juli 2026 umgerechnet rund 14,1 Cent. Wärmepumpenstrom mit eigenem Zähler lag bei 27,44 Cent, Fernwärme im gewichteten Mittel bei 15,6 Cent je Kilowattstunde Wärme.

Für den Heizkosten Vergleich zählen Bruttopreise inklusive Mehrwertsteuer. Der Gaswert stammt aus der BDEW-Gaspreisanalyse August 2026 für ein Einfamilienhaus mit 20.000 Kilowattstunden Verbrauch, Grundpreis anteilig eingerechnet. Im Jahresschnitt 2026 liegt der Preis bisher bei 11,93 Cent. Der BDEW führt den Anstieg seit März 2026 auf den Iran-Krieg zurück. Für Haushaltsstrom nennt die BDEW-Strompreisanalyse August 2026 einen Durchschnitt von 37,0 Cent je Kilowattstunde.

Beim Heizöl meldet das Statistische Bundesamt im Bericht zur Energiepreisentwicklung für Juli 2026 einen Preis von 118,11 Euro je Hektoliter ohne Mehrwertsteuer. Das gilt für Lieferungen von 40 bis 50 Hektolitern. Mit 19 Prozent Umsatzsteuer ergibt das 1,41 Euro je Liter. Ein Liter leichtes Heizöl enthält laut BAFA zehn Kilowattstunden Energie, also kostet die Kilowattstunde rund 14,1 Cent.

Die Energieträger haben sich sehr ungleich entwickelt. Laut Destatis-Verbraucherpreisen für August 2026 kostete leichtes Heizöl 49,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Strom wurde um 5,5 Prozent billiger, Erdgas um 2,9 Prozent und Fernwärme um 1,0 Prozent.

Welche Annahmen stecken im Heizkosten Vergleich für das Musterhaus

Das Musterhaus braucht 20.000 Kilowattstunden Wärme im Jahr, und jede Heizung muss genau diese Menge liefern. Die Brennwertheizung für Gas oder Öl arbeitet mit 90 Prozent Wirkungsgrad, die Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl zwischen 3,0 und 3,4.

Die Formel ist einfach: Energiebedarf gleich Wärmebedarf geteilt durch Wirkungsgrad, Kosten gleich Energiebedarf mal Preis. Für Gas ergeben sich 22.222 Kilowattstunden, für Öl die gleiche Energiemenge in rund 2.222 Litern. Die Jahresarbeitszahl gibt an, wie viele Kilowattstunden Wärme die Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom macht. Bei Fernwärme rechnet der Versorger die gelieferte Wärme direkt ab, Umwandlungsverluste im Haus entfallen.

Die Tabelle zeigt die Heizkosten im Vergleich, brutto und ohne Investition, Wartung oder Zählergebühren. Stand der Preise ist jeweils der genannte Monat, Stand der Rechnung September 2026.

Heizung und PreisannahmePreis in ct/kWhEnergiebedarf in kWhKosten in Euro pro Jahr
Erdgas, BDEW August 202612,4522.2222.767
Erdgas, BDEW Schnitt 2026 bisher11,9322.2222.651
Heizöl, Destatis Juli 202614,0622.2223.123
Heizöl, Destatis Juli 2025 (zum Vergleich)9,4822.2222.107
Wärmepumpe JAZ 3,4, Wärmepumpentarif (BNetzA, April 2025)27,445.8821.614
Wärmepumpe JAZ 3,0, Wärmepumpentarif27,446.6671.829
Wärmepumpe JAZ 3,4, Haushaltsstrom (BDEW 2026)37,05.8822.176
Wärmepumpe JAZ 3,0, Haushaltsstrom37,06.6672.467
Fernwärme, gewichteter Mischpreis (April 2026)15,620.0003.120
Fernwärme, Spanne der meisten Kunden12,5 bis 17,520.0002.500 bis 3.500

Quellen der Tabelle sind BDEW, Destatis, Bundesnetzagentur und die Transparenzplattform, Heizwert Öl laut BAFA, eigene Berechnung. Der Wirkungsgrad von 90 Prozent entspricht der Annahme der Monopolkommission in ihrem Energiegutachten 2025. Im Heizkosten Vergleich liegt die Wärmepumpe in jeder Variante vor der Gasheizung. Gegen Heizöl zum Preis von Juli 2025 hätte sie mit Haushaltsstrom allerdings verloren.

Wie stark hängen die Kosten der Wärmepumpe von Tarif und Jahresarbeitszahl ab

Je nach Tarif und Effizienz schwanken die Jahreskosten der Wärmepumpe im Musterhaus um rund 850 Euro. Mit Wärmepumpentarif und Jahresarbeitszahl 3,4 zahlt der Haushalt etwa 1.610 Euro, mit Haushaltsstrom und Jahresarbeitszahl 3,0 etwa 2.470 Euro.

Die Effizienzwerte stammen aus einem Feldtest des Fraunhofer ISE in 77 Bestandsgebäuden mit Baujahren von 1826 bis 2001. Die 61 Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichten im Mittel eine Jahresarbeitszahl von 3,4, die Spanne reichte von 2,6 bis 4,9. Erdreich-Wärmepumpen kamen auf 4,3. Laut Fraunhofer ISE verursachten die Anlagen 64 Prozent weniger CO2 als Gasheizungen.

Am schwächsten Gerät im Feldtest wird die Grenze der Rechnung sichtbar. Mit Jahresarbeitszahl 2,6 und Haushaltsstrom kostet die Wärme im Musterhaus rund 2.850 Euro und damit knapp mehr als mit Gas. Wer eine Wärmepumpe plant, sollte sich die erwartete Jahresarbeitszahl deshalb vom Fachbetrieb schriftlich rechnen lassen. Die Vor- und Nachteile der Wärmepumpe hängen stark vom Gebäude ab.

Den Tarif bestimmt der Haushalt selbst. Laut Monitoringbericht 2025 der Bundesnetzagentur kostete Wärmepumpenstrom zum 1. April 2025 im Schnitt 31,70 Cent, mit getrennter Messung 27,44 Cent. Bei eigenem Zählpunkt entfallen KWK-Umlage und Offshore-Netzumlage. Steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG zahlen geringere Netzentgelte.

Warum schwanken die Fernwärmepreise so stark

Fernwärmeversorger sind lokale Monopolisten und legen ihre Preise netzweise über Preisgleitklauseln fest. Für das Musterhaus zahlen die meisten Fernwärmekunden deshalb zwischen 2.500 und 3.500 Euro im Jahr, je nach Netz.

Die Zahlen veröffentlichen AGFW, BDEW und VKU auf der Plattform waermepreise.info. Zum Stichtag 1. April 2026 lag der gewichtete Mischpreis bei 15,6 Cent je Kilowattstunde brutto, gerechnet für ein Mehrfamilienhaus. Die große Mehrheit der Kunden zahlt laut AGFW-Halbjahresbericht zwischen 12,5 und 17,5 Cent. Die Betreiber erfassen dort 710 Teilnetze und mehr als die Hälfte des deutschen Fernwärmeabsatzes.

Die Monopolkommission hat im November 2025 369 Tarife für ein Einfamilienhaus ausgewertet. Für 2025 errechnete sie im Mittel 14,49 Cent netto je Kilowattstunde Fernwärme, für Gas 9,10 Cent und für Wärmepumpenstrom 6,98 Cent. Die Werte gelten je Kilowattstunde Wärme, Investitionen sind nicht enthalten. „Bisher fehlt es an einer angemessenen Regulierung der Fernwärme“, schreibt die Kommission.

Sie empfiehlt eine Preisgrenze nach Benchmark und eine gestärkte Transparenzplattform. Wer Fernwärme bezieht, kann den Anbieter praktisch nicht wechseln. Beim Neubau oder Anschluss lohnt deshalb der Blick auf die Frage Fernwärme oder Wärmepumpe.

Was gilt beim CO2-Preis 2026, 2027 und ab 2028

Im nationalen Emissionshandel gilt 2026 ein Preiskorridor von 55 bis 65 Euro je Tonne CO2. Für 2027 will die Bundesregierung denselben Korridor, der Bundestag hat das Gesetz aber noch nicht beschlossen.

Bei der ersten Versteigerung der Zertifikate am 1. Juli 2026 lag der Zuschlagspreis laut Deutscher Emissionshandelsstelle bei 65 Euro, also an der Obergrenze. Im Gaspreis 2026 stecken laut BDEW 1,14 Cent netto je Kilowattstunde CO2-Kosten. Das Bundeskabinett hat die Änderung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes am 12. August 2026 beschlossen.

Der Bundestag hat den Entwurf am 24. September 2026 in erster Lesung beraten und an den Umweltausschuss überwiesen. Ohne Neuregelung müsste sich der Preis 2027 aus dem Durchschnitt der Versteigerungen im EU-Emissionshandel ergeben. Die Hintergründe zum eingefrorenen CO2-Preis 2027 hat Cleanthinking gesondert aufgeschrieben.

Den europäischen Emissionshandel für Gebäude und Verkehr, kurz ETS2, haben die EU-Staaten um ein Jahr verschoben. Der Rat der EU gab am 5. März 2026 grünes Licht für den Start 2028 statt 2027. Welche Heizkosten mit dem ETS2 drohen, hängt vom dann gebildeten Marktpreis ab.

Ein zweites Kostenrisiko steht im Gebäudemodernisierungsgesetz, das seit 29. Juli 2026 gilt und das Gebäudeenergiegesetz ablöst. Laut Infoportal des Bundes müssen neue Gas- und Ölheizungen ab 2029 mindestens zehn Prozent biogene Brennstoffe oder Wasserstoff nutzen. Die Quote steigt auf 15 Prozent ab 2030, 30 Prozent ab 2035 und 60 Prozent ab 2040.

Wie viel mehr zahlen Gas- und Ölkunden bei höherem CO2-Preis

Mit jeden zusätzlichen zehn Euro je Tonne CO2 zahlt der Gas-Haushalt im Musterhaus rund 48 Euro mehr im Jahr. Beim Öl-Haushalt sind es rund 70 Euro, jeweils brutto. Die Wärmepumpe trifft der Aufschlag nicht, weil der nationale Brennstoffemissionshandel Brennstoffe wie Gas und Öl bepreist.

Cleanthinking rechnet mit den Emissionsfaktoren des BAFA: 0,201 Tonnen CO2 je Megawattstunde Erdgas und 0,266 Tonnen je Megawattstunde Heizöl, bezogen auf den Heizwert. Das Gas-Musterhaus stößt damit rund 4,0 Tonnen CO2 im Jahr aus, das Öl-Musterhaus rund 5,9 Tonnen. Bei 65 Euro je Tonne entfallen darauf brutto etwa 313 Euro beim Gas und 457 Euro beim Öl.

Wer den Heizkosten Vergleich mit 100 Euro je Tonne rechnet, erhält beim Gas rund 482 Euro CO2-Kosten und beim Öl rund 703 Euro. Das sind 169 beziehungsweise 246 Euro mehr als beim Zuschlagspreis von 65 Euro. Die 100 Euro sind ein Rechenbeispiel und keine Prognose für den ETS2-Preis. Unterstellt ist, dass die Versorger den CO2-Preis vollständig weitergeben.

Bei Fernwärme hängt die Wirkung vom Brennstoffmix des jeweiligen Netzes ab. Laut AGFW stammen 29 Prozent des erfassten Wärmeabsatzes bereits aus klimafreundlichen Quellen. Netze mit hohem Kohle- oder Gasanteil geben einen steigenden CO2-Preis über die Preisgleitklausel mit Verzögerung weiter.

Welche Förderung gibt es im September 2026 für den Heizungstausch

Die KfW bezuschusst den Heizungstausch im Programm 458 mit 30 Prozent Grundförderung, Boni heben den Satz auf höchstens 70 Prozent. Förderfähig sind laut Merkblatt, gültig ab 24. September 2026, bis zu 28.000 Euro für die erste Wohneinheit.

Der Klimageschwindigkeitsbonus beträgt 16 Prozent und sinkt ab Februar 2027 halbjährlich um vier Prozentpunkte. Hinzu kommt ein Einkommensbonus, den die KfW nach dem zu versteuernden Haushaltseinkommen staffelt. Bei 70 Prozent Fördersatz erhält ein Eigentümer für die erste Wohneinheit 19.600 Euro Zuschuss.

Die Investitionskosten fehlen in dieser Rechnung, weil sie je nach Gebäude, Wärmequelle und Handwerksbetrieb stark streuen. Wer die Heizkosten im Vergleich über 20 Jahre betrachtet, muss Zuschuss, Einbau und Wartung gegen die jährliche Ersparnis stellen. Mit Wärmepumpentarif und Jahresarbeitszahl 3,4 spart der Haushalt gegenüber Gas rund 1.150 Euro im Jahr, mit Haushaltsstrom und Jahresarbeitszahl 3,0 nur rund 300 Euro. Entsprechend unterschiedlich schnell verdient er einen höheren Einbaupreis wieder ein.

QUELLEN

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  1. BAFA: Informationsblatt CO2-Faktoren, Version 3.4, 01.06.2026.
  2. Wärmepreis-Transparenzplattform von AGFW, BDEW und VKU: waermepreise.info, abgerufen 28.09.2026.
  3. Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit: Drittes Gesetz zur Änderung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes, Kabinettsbeschluss 12.08.2026.
  4. KfW: Merkblatt Heizungsförderung für Privatpersonen, Zuschuss Nr. 458, gültig ab 24.09.2026.
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