VON DER SONNE BIS ZUR ERWÄRMUNGSPAUSE · 15. OKTOBER 2026

Womit Forschende die häufigsten Argumente der Klimawandelleugnung widerlegen
Das Klima habe sich immer gewandelt, die Sonne sei schuld, die Fachwelt sei uneins: So klingt Klimawandelleugnung. NASA, die US-Behörde NOAA, der EU-Dienst Copernicus und der Weltklimarat IPCC halten jedem dieser Sätze Messreihen und Studien entgegen.
Wer Klimawandelleugnung betreibt, bestreitet eines von drei Dingen: die Erwärmung der Erde, den Menschen als Ursache oder das Gewicht der Folgen. Der Weltklimarat IPCC hielt 2021 fest, dass der Mensch Atmosphäre, Ozean und Land „eindeutig“ erwärmt hat. Im Jahrzehnt 2011 bis 2020 lag die globale Oberflächentemperatur 1,09 Grad über dem Mittel der Jahre 1850 bis 1900. Den vom Menschen verursachten Anteil beziffert der IPCC für 2010 bis 2019 auf 1,07 Grad.
In Kommentarspalten, Talkshows und Parlamentsreden kehren trotzdem dieselben Einwände wieder. Sechs davon gehören zum festen Repertoire der Klimawandelleugnung. Zu jedem haben Behörden und Forschungsgruppen Messreihen oder Studien vorgelegt. Mit Klimawandelleugnung sind dabei Argumente gemeint, die gesicherte Messbefunde bestreiten, nicht Menschen, die Fragen stellen. Den Treibhauseffekt selbst setzen die folgenden Antworten voraus (mehr dazu: Klimawandel verstehen: Ursachen, Folgen, Wege aus der Krise).
| Argument der Klimawandelleugnung | Befund | Kennzahl |
|---|---|---|
| „Das Klima hat sich immer gewandelt“ | Erwärmung seit 1970 schneller als in jedem 50-Jahres-Zeitraum der letzten 2.000 Jahre | CO2 2019 so hoch wie seit mind. 2 Mio. Jahren nicht |
| „CO2 ist zu wenig“ | CO2-Strahlungsantrieb am Boden direkt gemessen | +0,2 W/m² pro Jahrzehnt (2000 bis 2010) |
| „Die Sonne ist schuld“ | Natürliche Antriebe ohne nennenswerten Beitrag | -0,1 bis +0,1 °C (1850 bis 1900 zu 2010 bis 2019) |
| „Die Erwärmung macht Pause“ | Die letzten elf Jahre sind die elf wärmsten | 2015 bis 2025 |
| „Die Modelle liegen falsch“ | Projektionen von 1970 bis 2007 stimmen mit Messungen überein | 14 von 17 |
| „Es gibt keinen Konsens“ | Fachstudien von 2012 bis 2020 bestätigen den menschlichen Einfluss | über 99 % von 88.125 |
Quelle: IPCC AR6 WG1 (2021), Feldman et al. in Nature (2015), Copernicus (2026), Hausfather et al. in Geophysical Research Letters (2020), Lynas et al. in Environmental Research Letters (2021); Stand Oktober 2026.
Inhalt
Hat sich das Klima nicht schon immer gewandelt
Ja, das Erdklima hat sich immer gewandelt, etwa durch Schwankungen der Erdumlaufbahn. Die heutige Erwärmung verläuft aber schneller als jede Schwankung der vergangenen 2.000 Jahre.
Nach dem IPCC-Bericht von 2021 ist die globale Oberflächentemperatur seit 1970 schneller gestiegen als in jedem anderen 50-Jahres-Zeitraum dieser zwei Jahrtausende. Das Jahrzehnt 2011 bis 2020 war wärmer als die letzte mehrhundertjährige Warmphase vor rund 6.500 Jahren. Vergleichbare Temperaturen gab es laut IPCC zuletzt vor etwa 125.000 Jahren.
Den wahren Kern dieses Arguments der Klimawandelleugnung bestätigt die US-Raumfahrtbehörde NASA: Die Eiszeitzyklen gehen auf Änderungen der Erdbahn zurück. Für die Erwärmung der vergangenen Jahrzehnte wirkt dieser Antrieb nach ihrer Einschätzung viel zu langsam. Wer auf frühere Klimawechsel verweist, belegt vor allem, wie empfindlich das Klima auf einen Antrieb reagiert. Diesmal liefert der Mensch ihn: 2019 lag die CO2-Konzentration laut IPCC höher als zu jedem Zeitpunkt der mindestens zwei Millionen Jahre davor.
Ist CO2 nicht viel zu wenig und obendrein Pflanzennahrung
CO2 macht nur rund 0,04 Prozent der Luft aus, hält aber messbar Wärme zurück. Pflanzen profitieren von mehr CO2, doch der Düngeeffekt lässt mit der Zeit nach und hebt die Erwärmung nicht auf.
Im Jahresmittel 2025 enthielt die Atmosphäre nach Daten der US-Wetter- und Ozeanbehörde NOAA 425,62 Teilchen CO2 pro Million Luftteilchen (ppm). Am Mauna-Loa-Observatorium auf Hawaii stieg das Jahresmittel von 315,98 ppm im Jahr 1959 auf 427,35 ppm im Jahr 2025 (mehr dazu: Keeling-Kurve einfach erklärt).
Gegen die Spurengas-These der Klimawandelleugnung steht eine Messung direkt am Boden. Ein US-Forschungsteam wertete 2015 in der Fachzeitschrift Nature Strahlungsdaten aus den südlichen Great Plains der USA und von der Nordküste Alaskas aus. Zwischen 2000 und 2010 stieg dort der CO2-Strahlungsantrieb an der Oberfläche um 0,2 Watt pro Quadratmeter und Jahrzehnt. Gemeint ist die zusätzliche Wärmestrahlung, die das Gas zum Boden zurückschickt. Die Autoren führen den Anstieg direkt auf 22 ppm zusätzliches CO2 zurück.
In der Klimawandelleugnung taucht CO2 oft als harmloser Pflanzendünger auf. Eine Studie mit NASA-Beteiligung führte 2016 rund 70 Prozent der beobachteten Begrünung der Erde tatsächlich auf diesen Düngeeffekt zurück. Koautor Philippe Ciais wies jedoch darauf hin, dass sich Pflanzen an höhere Konzentrationen anpassen und der Effekt mit der Zeit nachlässt.
Land und Ozean nahmen nach dem IPCC-Bericht von 2021 jedes Jahr rund 56 Prozent der menschlichen CO2-Emissionen auf. Mit steigenden Emissionen schlucken Wälder, Böden und Meere laut IPCC anteilig weniger, ein wachsender Teil bleibt in der Luft.
Ist die Sonne schuld an der Erderwärmung
Nein, die Sonne liefert der Erde seit den 1950er-Jahren keine zusätzliche Energie. Satelliten messen das seit 1978 direkt, und die Werte folgen nur dem elfjährigen Sonnenzyklus.
Die NASA hält es deshalb für äußerst unwahrscheinlich, dass die Sonne den Erwärmungstrend des vergangenen halben Jahrhunderts verursacht hat. Laut IPCC veränderten Sonne und Vulkane die globale Temperatur um höchstens 0,1 Grad. Der Vergleich reicht vom Mittel der Jahre 1850 bis 1900 bis zum Jahrzehnt 2010 bis 2019. Dem Sonnen-Argument der Klimawandelleugnung bleibt damit ein Spielraum von einem Zehntelgrad, nach oben wie nach unten.
Ein drittes Indiz steckt in der Atmosphäre selbst. Würde die Sonne stärker strahlen, erwärmten sich alle Luftschichten gemeinsam. Die NASA misst ein anderes Muster: Am Boden wird es wärmer, in der Stratosphäre kälter, so wie es Treibhausgase erwarten lassen.
Gab es eine Pause bei der Erderwärmung
Nein, die Oberflächentemperatur stieg zwischen 1998 und 2012 weiter, nach älteren Datensätzen nur langsamer. Die elf Jahre von 2015 bis 2025 waren die elf wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen.
Das Pausen-Argument der Klimawandelleugnung stützte sich auf diese älteren Datensätze. Ein Team der NOAA korrigierte sie 2015 im Fachjournal Science bei den Meerestemperaturen. Bojen messen nach Angaben der NASA etwas kühler und genauer als Schiffe, die vor den Siebzigerjahren den Großteil der Daten lieferten. Nach der Korrektur lag der Trend für 1998 bis 2012 laut einer Auswertung des kanadischen Pacific Climate Impacts Consortium bei 0,086 Grad pro Jahrzehnt. Mit den alten Daten waren es 0,039 Grad gewesen.
2024 lag die globale Temperatur nach Copernicus 1,60 Grad über dem vorindustriellen Niveau, so hoch wie nie seit Beginn der Reihe 1850. 2025 folgte mit 1,47 Grad auf Platz drei, und der Dreijahresschnitt 2023 bis 2025 überschritt erstmals 1,5 Grad.
Liegen Klimamodelle mit ihren Prognosen daneben
Nein, die meisten Klimamodelle der vergangenen Jahrzehnte haben die spätere Erwärmung gut vorhergesagt. Von 17 Projektionen aus den Jahren 1970 bis 2007 stimmten 14 mit den Messungen bis Ende 2017 überein.
Den Abgleich veröffentlichte ein Team um Zeke Hausfather Anfang 2020 in den Geophysical Research Letters, mit dabei war Gavin Schmidt vom NASA-Institut GISS. Zehn Projektionen trafen die Beobachtungen direkt. Vier weitere lagen richtig, nachdem die Forschenden abweichende Annahmen über CO2 und andere Antriebe herausgerechnet hatten. Eine systematische Über- oder Unterschätzung der Erwärmung fanden sie nicht (mehr dazu: Zeke Hausfather misst, wie schnell sich die Erde erwärmt).
Fehlerfrei rechnen die Modelle trotzdem nicht. Einige Modelle der jüngsten Generation reagieren besonders stark auf CO2. Hausfather und vier Mitautoren forderten 2022 in Nature, dieses Problem „heißer“ Modelle anzuerkennen. Der IPCC gewichtet Modelle in seinem sechsten Bericht danach, wie gut sie andere Belege nachbilden, und die Autoren empfehlen das der gesamten Forschung. Wer daraus ein Argument der Klimawandelleugnung macht, übersieht die Herkunft der Kritik: Sie stammt aus der Klimaforschung selbst.
Sind sich Fachleute beim Klimawandel wirklich einig
Ja, mehr als 99 Prozent der Fachstudien bestätigen, dass der Mensch das Klima erwärmt. Zu diesem Ergebnis kam 2021 eine Auswertung von 88.125 Fachartikeln in den Environmental Research Letters.
Die untersuchten Arbeiten erschienen zwischen 2012 und November 2020. Zunächst prüfte das Team eine Zufallsstichprobe von 3.000 Arbeiten und fand darin vier skeptische. In der Gesamtmenge äußerten sich nur 28 Arbeiten implizit oder explizit skeptisch, alle in kleineren Fachblättern. Die Behauptung, die Wissenschaft sei gespalten, zählt dennoch zum Kern der Klimawandelleugnung.
Eine ältere Auswertung um John Cook hatte 2013 insgesamt 11.944 Kurzfassungen aus den Jahren 1991 bis 2011 geprüft. Von den Kurzfassungen, die Stellung bezogen, stützten 97,1 Prozent den menschengemachten Klimawandel. 66,4 Prozent äußerten sich gar nicht zur Ursache. Die 97 Prozent beziehen sich also nur auf Arbeiten mit einer Aussage zur Ursache.
Was unterscheidet Verzögerungsdiskurse von Klimawandelleugnung
Wer in Verzögerungsdiskursen argumentiert, erkennt den Klimawandel an und begründet, warum Klimaschutz warten oder kleiner ausfallen soll. Diese Sprecher bestreiten anders als in der Klimawandelleugnung nicht die Physik, sondern die Dringlichkeit des Handelns. Ein Team um William F. Lamb hat 2020 in der Fachzeitschrift Global Sustainability zwölf solcher Muster in vier Gruppen beschrieben.
Lamb und seine Mitautoren unterscheiden vier Gruppen: Verantwortung abschieben, unzureichende Lösungen bewerben, die Nachteile von Klimapolitik betonen und aufgeben. Zur vierten Gruppe zählen Aussagen, Klimaschutz sei unmöglich oder zwecklos. In einer einzigen Juliwoche 2026 tauchten alle vier Muster in Großbritannien und Deutschland auf (mehr dazu: Vier Ausreden, seit Leugnen nicht mehr reicht).
Offene Klimawandelleugnung gibt es weiterhin, etwa im Streit um das Wort „menschengemacht“ (mehr dazu: Menschengemachter Klimawandel: Wie die AfD ein Wort umbesetzt). Gegen die Kapitulations-These spricht die Geschichte der Ozonschicht. Staaten unterzeichneten das Montreal-Protokoll 1987. Seit 1989 regelt es den Ausstieg aus Herstellung und Verbrauch ozonschädigender Stoffe (mehr dazu: Ozonloch: Die Schicht heilt, das Gas bleibt giftig).
QUELLEN
- NOAA Global Monitoring Laboratory: Mauna Loa CO2 annual mean data, abgerufen am 12. Oktober 2026.
- Science: Karl et al., Possible artifacts of data biases in the recent global surface warming hiatus, Juni 2015.