Lyten finanziert Batteriewerk mit 1-GW-Datenzentrum

SPEICHER · 26. MAI 2026

Nach Northvolt: Lyten finanziert Batteriewerk mit 1-GW-Datenzentrum

Das kalifornische Cleantech-Startup Lyten will seine übernommenen Northvolt-Werke in Schweden und Polen nicht allein durch Batterieverkäufe finanzieren. In Skellefteå entsteht eines der größten Datenzentren Europas - als Querfinanzierung für die Lithium-Schwefel-Produktion.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 4 Min. Lesezeit LESEN


Mehr als ein Jahr nach der Insolvenz von Northvolt steht die frühere Vorzeige-Gigafabrik Northvolt Ett in Skellefteå vor einem ungewöhnlichen Neustart. Lyten, das kalifornische Start-up, das die schwedischen und polnischen Northvolt-Assets übernommen hat, setzt bei der Finanzierung seiner europäischen Werke auf einen überraschenden Partner: die KI-Industrie.

Konkret hat Lyten einen Vertrag mit EdgeConnex unterzeichnet - einem auf Hyperscale-Rechenzentren spezialisierten Entwickler mit Sitz in Virginia, der zum schwedischen Investmentfonds EQT gehört. Auf dem Northvolt-Gelände soll ein Datenzentrum mit einer Leistungsaufnahme von einem Gigawatt entstehen. Baubeginn ist für Ende 2026 geplant, die Investitionssumme übersteigt zehn Milliarden US-Dollar. Damit würde der Standort zu einem der größten Rechenzentrumsstandorte in Europa.

Wasserkraft und Netzinfrastruktur als eigentlicher Wert

Was Lyten bei der Übernahme des insolventen Northvolt-Geländes tatsächlich erworben hat, erklärt Nachhaltigkeitschef Keith Norman gegenüber dem Fachmedium Canary Media ungewohnt offen: „Die wertvollsten Assets auf dem Gelände sind die Umspannwerke, die Wasserkraftverträge und die Genehmigungen." Die Batterieproduktion selbst, die Lyten schrittweise wieder hochfährt, sei zwar das Kerngeschäft - aber nicht der finanzielle Anker.

EdgeConnex wird das Datenzentrum besitzen und betreiben. Die Grundlage dafür sind Lytens bestehende Stromverträge und die Netzinfrastruktur vom Northvolt-Standort. Lyten versichert, dass die Kapazität für die Batterieproduktion dadurch nicht sinkt - das Gelände verfüge über ausreichend Stromkapazität für beide Nutzungen.

Das „Industrial Hub"-Modell als Antwort auf Northvolts Scheitern

Lyten nennt seinen Ansatz „Industrial Hubs": Auf einem Gelände werden mehrere Industrienutzer gebündelt - Batterieproduktion, Datenzentrum, Forschung und Entwicklung. Die Idee dahinter ist strukturell: Ein einzelnes Batteriewerk, das erst über Jahre zur vollen Kapazität hochgefahren werden muss, ist für Investoren schwer finanzierbar. Mit einem Datenzentrum als Mieter mit gesichertem Strombedarf ändert sich die Risikostruktur erheblich.

Norman bringt es auf den Punkt: „Batterieproduktion scheitert nicht, weil das Produkt schlecht ist - sondern wegen der Zeit, die es braucht, um Skalierung zu erreichen." Lytens Strategie setzt daher auf übernommene Bestandswerke statt teurer Greenfield-Projekte, kombiniert mit stabilen Einnahmen aus der KI-Infrastruktur, um den langen Weg zur Vollauslastung zu überbrücken.

Das Modell wird auch in Polen erprobt. Dort hat Lyten im vergangenen Herbst Northvolts Werk Dwa übernommen - ebenfalls mit geplanten Industrial-Hub-Strukturen. In Deutschland laufen laut WP Intelligence-Bericht Verhandlungen über Northvolt-Assets, ein Abschluss steht noch aus. Das Heide-Werk in Schleswig-Holstein, über das Cleanthinking bereits berichtet hat, bleibt damit weiter ein offenes Kapitel.

Lyten-Batterien als Stromspeicher für KI-Chips

Neben der reinen Querfinanzierung gibt es eine technische Synergie: Lytens Lithium-Schwefel-Batterien reagieren auf Leistungsschwankungen im Millisekundenbereich. KI-Rechenzentren erzeugen genau solche abrupten Lastspitzen, wenn GPU-Cluster hochgefahren werden. Lyten kann dem Datenzentrum also nicht nur Strom liefern, sondern auch Netzdienste zur Stabilisierung anbieten.

Für die europäische Batterieindustrie ist der Lyten-Ansatz ein bemerkenswerter Strategiewechsel: Statt auf staatliche Subventionen oder Automobilkunden als alleinige Abnehmer zu setzen, wird die KI-Boom-Infrastruktur zur Finanzierungsquelle. Ob das Modell trägt, wird sich in Skellefteå zeigen - dem Ort, an dem Northvolt einst Europa beweisen wollte, dass Batterieproduktion auch ohne asiatische Hersteller gelingt.

Deutschland: Northvolt-Pleite wird zum politischen Nachspiel

Während Lyten in Schweden neu aufbaut, zieht die Northvolt-Insolvenz in Deutschland politische Konsequenzen nach sich. In Schleswig-Holstein zitieren SPD und FDP Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) am 27. Mai vor den Wirtschaftsausschuss des Landtags. Grundlage ist ein Bericht des Landesrechnungshofs, der der Landesregierung grobe Haushaltsfehler bei der Absicherung einer Wandelanleihe vorwirft. FDP-Fraktionschef Christopher Vogt beziffert den entstandenen Schaden auf rund 200 Millionen Euro.

Oppositionsführerin Serpil Midyatli (SPD) wirft der Regierung vor, Risiken kleingeredet und das Parlament auf Basis unvollständiger Informationen entscheiden lassen zu haben. Finanzministerin Silke Schneider (Grüne) hatte den Bericht verteidigt: Die Entscheidung sei damals „gewissenhaft und gründlich geprüft" worden. Für das geplante Northvolt-Werk in Heide - das unter Lyten weiter als offenes Kapitel gilt - ist die politische Aufarbeitung damit noch nicht abgeschlossen.

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