SPEICHER · 20. JUNI 2026
LytenLyten kauft Northvolt-Reste in Heide für 60 Millionen Euro
Der Spiegel berichtet heute Morgen von einer Einigung zwischen dem Batteriehersteller Lyten, der Förderbank KfW sowie den Regierungen in Land und Bund. Nach der Northvolt-Pleite eine positive Nachricht für die Region.
Das amerikanische Cleantech-Unternehmen Lyten will auf dem ehemaligen Northvolt-Grundstück in Heide sowohl eine Batteriezellfabrik als auch einen Großbatteriespeicher und ein Datencenter errichten. Das berichtet der Spiegel über die Nutzung der Northvolt-Reste. Die Pläne ähneln sich dem, was Lyten in Schweden vor hat: Lyten finanziert sein Batteriewerk mit den Einnahmen aus einem Datenzentrum.
Das amerikanische Cleantech-Startup Lyten gilt als kleiner, aber innovativer Player im globalen Batteriemarkt. Das Unternehmen setzt - ähnlich wie etwa Skeleton Technologies bei Ultrakondensatoren - auf das Material Graphen. Dieses ist stärker als Stahl, besonders leicht und leitfähig. Lyten hat aus der eindimensionalen Struktur eine dreidimensionale Struktur gemacht: Das Graphen ähnelt einem zusammengeknüllten Stück Papier. So kann sich das Material mit anderen Elementen chemisch verbinden. Das Unternehmen bezeichnet diese Erfindung als 3D-Graphen.
Neben der speziellen Nutzung von 3D-Graphen setzt Lyten auf Lithium-Schwefel-Batterien. „Die Lithium-Schwefel-Batterie hat das Zeug dazu, die globale Disruption zur Elektromobilität zu beschleunigen“, wird Carlos Tavares, der frühere Stellantis-CEO auf der Webseite zitiert. Besonders das Fahrzeuggewicht könne durch die Technologie reduziert werden - eine entscheidende Größe insbesondere im Automobilsektor.
Einigung auf Übernahmepreis von 60 Millionen Euro
Mit der mutmaßlichen Einigung auf einen Übernahmepreis von 60 Millionen Euro für die Flächen in Heide, gelingt es den beteiligten Regierungen zumindest, 1.000 Arbeitsplätze zu schaffen und einen bedeutenden industriellen Energieverbraucher anzusiedeln.
Wirtschaftsminister Ruhe Madsen hatte vor einigen Wochen in der ARD-Sendung Maischberger im Gespräch mit Herbert Diess deutlich gemacht, wie händeringend die Netzbetreiber im norddeutschen Bundesland nach Abnehmern für den vorhandenen Windstrom werben. Um die Vorteile des grünen Stroms auch für die Wasserstoff-Produktion nutzen zu können, erwägt Schleswig-Holstein zusammen mit Hamburg und Westdänemark die Einführung einer eigenen Preiszone.
Über die Übernahme der Vermögenswerte von Northvolt muss aber noch der Finanzausschuss des Landtags befinden - Ministerpräsident Daniel Günther hatte zuletzt im Landtag Fehler bei der Ansiedlung von Northvolt eingeräumt. Letztlich betont der Ministerpräsident aber, er würde in der gleichen Lage wieder genauso entscheiden. Wohlwissend, dass es Risiken bei der Ansiedlung einer solchen Fabrik gäbe. Die Kritik der Opposition zielt vor allem darauf ab, dass der Landtag selbst nicht ausreichend informiert wurde.
Bund und Land hatten insgesamt 600 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Davon konnten aber etwas mehr als 220 Millionen Euro gerettet werden. Die 60 Millionen Euro für den Verkauf der Northvolt-Reste ist laut SPIEGEL ein guter Deal. KMPG hatte den Wiederverkaufswert auf sieben bis 12 Millionen Euro taxiert.
Übernahme der Northvolt-Reste aus Electrotech-Sicht
Aus Sicht der Electrotech-Revolution und im Hinblick auf die Versuche der EU, u.a. mit AccelerateEU sich unabhängiger aufzustellen, ist die voraussichtliche Entscheidung für die Ansiedlung von Lyten eine gute Nachricht. Klar ist aber auch, dass Lyten ein jüngeres Unternehmen ist als Northvolt - und somit auch hiermit Risiken verbunden sind.
Aus technologischer Perspektive muss Lyten nun unter Beweis stellen, dass sie im großen Maßstab sehr gute Qualität abliefern können und Batteriezellen entstehen, die vom Markt wirklich nachgefragt werden. Letztlich ist aus einer europäischen Ansiedlung eine amerikanische Ansiedlung geworden. Nach den Irrungen und Wirrungen der vergangenen Monate eine Kröte, die geschluckt werden muss.
QUELLEN
- DER SPIEGEL: Lyten will rund 60 Millionen Euro für Northvolt-Reste bei Heide zahlen, 20. Juni 2026