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Remilk zu Käse: Israelisches Startup hat die Formel für tierfreie Milchproteine

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Milchalternative auf Basis mikrobieller Fermentation kann wie gewöhnliche Milch verarbeitet werden – Hochland beteiligt sich an Finanzierungsrunde.

Dem Cleantech-Startup Remilk aus Israel ist es gelungen, Milch auf Basis tierfreier Milchproteine herzustellen. Das Verfahren der mikrobiellen Fermentation ähnelt der Möglichkeit, Fleisch im Bioreaktor auf Basis von Stammzellen zu züchten. Vorteil der Fake-Milch: Im Gegensatz zu pflanzlichen Milchalternativen etwa von Oatly aus Schweden, kann die Milch aus Israel wie gewöhnliche Kuhmilch verarbeitet werden – genau deshalb hat sich eine deutsche Familienkäserei an Remilk beteiligt. Und: Im April 2022 gab das Cleantech-Unternehmen den Aufbau der europäischen Produktion in Dänemark bekannt.

Mit der Finanzierungsrunde von ca. zehn Millionen Euro will Remilk nun auf die globale Markteinführung der eigenen Produkte vorbereiten. Das Cleantech-Unternehmen gibt Milchverarbeitern wie der traditionsreichen Familienmolkerei Hochland aus dem Allgäu ganz neue Möglichkeiten: Sie können plötzlich neben der Milch vom Erzeuger auch die Alternative aus dem Fermenter verarbeiten – und so viel leichter vegane Produkte schaffen, die etwa ganz natürlich laktosefrei sind.

Das Erste, im Labor hergestellte Milchprodukt von Remilk auf Basis der Formel für tierfreie Milchproteine, ist nach Unternehmensangaben von natürlichen Milchprodukten nicht zu unterscheiden. Das ist die entscheidende Voraussetzung dafür, den authentischen Geschmack und die Textur von Milchprodukten wie Käse, Joghurt und Sahne ohne tierische Proteine zu ermöglichen. Das von Remilk entwickelte Verfahren ist patentiert, und in der Lage, die Eigenschaften von Milchproteinen zu replizieren.

„Unsere proprietäre Technologie liefert das authentischste tierfreie Milchprodukt auf dem Markt und ist identisch mit natürlichen Milchprodukten. Mit unseren neuen Partnerschaften für Produktion und Vertrieb werden wir bald bereit sein, diese Multimilliarden-Dollar-Industrie neu zu erfinden.“

Aviv Wolff, Mitgründer und CEO von Remilk

Finanzierungsrunde für Remilk

Die im Dezember abgeschlossene Finanzierungsrunde in Höhe von ca. 10 Millionen Euro wurde von fresh.fund angeführt. Beteiligt haben sich OurCrowd, CPT Capital, ProVeg sowie die Lebensmittelhersteller Hochland, Tnuva und Tempo. Außerdem trugen einige Serienunternehmer (wie Bradley Bloom oder Sake Bosch) bei. Die Runde war sogar größer als vorgesehen – es ist davon auszugehen, dass 2021 eine weitere folgen wird.

Die kommerziellen Herstellungs- und Vertriebspartner von Remilk nutzen die funktionale tierfreie Milch als Ausgangsmaterial für die großtechnische Milchproduktion. Die Hochland Gruppe, die jährlich rund 380.000 Tonnen Käse, herstellt – und dabei bereits intensiv auf Nachhaltigkeit achtet – sieht in der Technologie von Remilk eine „interessante Möglichkeit, innovative und nachhaltige Produkte zu entwickeln.“ Remilk sei der ideale Partner für Hochland, um diese neue Rohstoffbasis gemeinsam zu erschließen.

„Sich auf Tiere zu verlassen, um unsere Nahrung zu produzieren, ist nicht mehr nachhaltig. Dieses Modell der Lebensmittelproduktion hat seine Grenzen in Bezug auf Umfang, Reichweite und Effizienz fast erreicht, und die Folgen sind verheerend für unseren Planeten. Remilk verändert die Art und Weise, wie wir Lebensmittel auf der ganzen Welt produzieren, und, was noch wichtiger ist, es schafft ein nachhaltiges und umweltfreundliches Lebensmittelsystem, das nicht mehr verbraucht, als unser Planet geben kann“, so Remilk-CEO Wolff.

Remilk-Produkte sind cholesterinfrei und enthalten keine Laktose, Antibiotika oder Wachstumshormone. Dazu ist Remilk nachhaltiger und umweltfreundlicher als herkömmliche Molkereiprodukte. Für die Herstellung wird ein Prozent der Fläche, vier Prozent der Rohstoffe und zehn Prozent des Wassers benötigt.

Remilk stellt tierfreie Milch im Präzisionsfermentations-Verfahren her

Zum Vergleich: Traditionelle Milchwirtschaft benötigt mehr als 1.000 Liter Wasser, um einen Liter Milch zu produzieren. Die Tierhaltung verursacht ca. 14,5-18 Prozent der Treibhausgasemissionen – mehr als die gesamte globale Automobilindustrie. 91 Prozent der Regenwaldflächen, die abgeholzt werden, soll Platz für Rinderzucht und Soja-Anbau schaffen.

Am 7. Januar 2022 machte Remilk den nächsten Schritt in Richtung Finanzierung: In der Series-B-Kapitalrunde sicherte sich das Unternehmen frisches Kapital in Höhe von 120 Millionen US-Dollar. Die Runde wurde von Hanaco Ventures angeführt. Der Milchproteinhersteller soll ein Hauptakteur der Branche für kultivierte Milchprodukte werden.

Europäische Produktion in Dänemark

Im April 2022 gab Remilk die Pläne zum Bau seiner ersten eigenen Anlage zur Produktion von tierversuchsfreier Milchprodukte bekannt. Es ist die weltweit größte Anlage ihrer Art – und sie soll in Dänemark entstehen. Damit kommt Remilk der großtechnologischen Produktion von Milchproteine, gewonnen durch Präzisionsfermentation, wieder einen Schritt näher. Entstehen soll die großer Produktionsstätte auf einem Grundstück in Kalundborg. Eine gute Standortwahl: Denn dort befindet sich ein nachhaltiges, industrielles Ökosystem, das öffentliche und private Unternehmen umfasst – künftige Nachbarn sind etwa Novozymes oder Novo Nordisk.

Nach Angaben von Firmengründer Aviv Wolff hat Remilk an mehreren Standorten weltweit mit einer Großserienproduktion begonnen – die Anlage in Dänemark wird aber die größte Produktionsstätte sein.

Remilk setzt sich dafür ein, die Milchindustrie auf freundliche und nachhaltige Weise neu zu erfinden. Die Notwendigkeit von Tieren im Ernährungssystem zu eliminieren, ist die Möglichkeit, den wachsenden Bedarf unserer Welt zu decken, ohne ihn dabei zu zerstören. Bei der Technologie der Präzisionsfermentation werden Mikroorganismen zur Produktion von Proteinen programmiert. So wird etwa Milch neu erfunden.

Insbesondere produziert der auf Hefe basierende Fermentationsprozess nicht-tierische Milchproteine wie Kasein oder Molke ​​zur Verwendung in Milchprodukten. Laut Remilk ist das Ergebnis die Herstellung von Produkten, die in Geschmack und Funktion nicht von traditionellen Milchprodukten zu unterscheiden sind. Konkret möchte Remilk sowohl Beta-Lactoglobulin, das wichtigste Molkenprotein von Kuh- und Schafsmilch, wie auch Kaseinproteine ​​Alpha 1, Alpha 2, Beta und Kappa herstellen.

Auch Alpha-Lactalbumin – das wichtigste Serumprotein der Muttermilch, das auch in Kuhmilch vorkommt – ist ebenfalls auf dem Radar von Remilk. Das israelische Unternehmen konzentriert sich auf den B2B-Markt und sucht Partnerschaften mit Unternehmen, die Fertigprodukte auf dem Milchmarkt herstellen.

(Dieser Artikel über Remilk erschien zunächst am 23. Dezember 2020, wurde im am 27. April 2022 zuletzt um die Ankündigung des Fabrikneubaus in Dänemark erweitert)

1 Kommentar
  1. Katharina Hoecker sagt

    Hallo,
    interessantes Detail, dass das Start-up aus Israel kommt: wie wird Remilk in der jüdischen koscheren Ernährung eingeschätzt, bzw: kommt diese Idee gerade deshalb aus Israel? Die koschere Lebensweise verbietet ja den zeitgleichen/gleichzeitigen Verzehr von Fleisch und Milch.
    Daher frage ich: gilt diese Remilk nicht als Milch und kann daher zusammen mit Fleisch gegessen werden? Gibt es dazu schon eine Stellungnahme der jüdischen Institutionen?
    Über diesbezügliche Informationen würde ich mich freuen! Kath

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