AUTONOMES FAHREN IM ÜBERBLICK · 06. OKTOBER 2026

Wer mit dem Robotaxi schon ohne Fahrer fährt und was Deutschland erlaubt
In den USA, China und Dubai steigen jeden Tag Fahrgäste in Autos, in denen niemand am Steuer sitzt. Deutschland erlaubt solche Fahrzeuge seit 2021 per Gesetz, doch in jedem Robotaxi-Testwagen hierzulande sitzt noch ein Sicherheitsfahrer.
Konzerne kündigen ständig neue Starttermine, Städte und Flotten an. Wer wissen will, wie weit das Robotaxi wirklich ist, braucht einen harten Maßstab. Fahren zahlende Fahrgäste mit, ohne dass ein Mensch im Fahrzeug eingreifen kann? Alles andere ist Test, Pilot oder Absichtserklärung.
Diesen Test besteht Waymo am längsten. Die Alphabet-Tochter öffnete im Oktober 2020 in Phoenix ihren fahrerlosen Dienst für die Öffentlichkeit. Im September 2026 meldete Waymo mehr als eine halbe Million bezahlte Fahrten pro Woche. In China und im Nahen Osten fahren Baidu, Pony.ai und WeRide ebenfalls ohne Sicherheitsfahrer, Zoox und Tesla in einzelnen US-Städten.
In Deutschland ist noch kein Robotaxi im Regelbetrieb unterwegs. MOIA testet in Hamburg mit Fahrgästen und Sicherheitsfahrer, Waymo kartiert München und peilt den kommerziellen Start für Ende 2027 an. Seit dem Gesetz zum autonomen Fahren von 2021 dürfen fahrerlose Autos fahren. Erlaubt ist das aber nur in genehmigten Gebieten und unter der Aufsicht eines Menschen aus der Ferne.
Inhalt
Was macht ein Auto zum Robotaxi
Ein Robotaxi ist ein Auto der Stufe 4 auf der SAE-Skala: Die Software übernimmt die gesamte Fahraufgabe, aber nur in einem festgelegten Gebiet. Niemand an Bord muss eingreifen können, Lenkrad und Pedale sind deshalb verzichtbar (mehr dazu: SAE-Level beim autonomen Fahren).
Die Grenze zur Fahrassistenz verläuft scharf. Bei Systemen der Stufe 2 bleibt der Mensch hinter dem Steuer verantwortlich und muss jederzeit übernehmen. Im Robotaxi gibt es diese Person nicht, der Betreiber braucht dafür eine eigene Genehmigung. Ein Auto mit Sicherheitsfahrer am Steuer ist darum noch kein Robotaxi im Regelbetrieb, auch wenn die Software dieselbe ist.
Ganz ohne Menschen kommt auch ein Robotaxi-Dienst nicht aus. Steckt ein fahrerloses Auto fest, etwa vor einer Baustelle, hilft ein Mitarbeiter aus einer Leitstelle. In Deutschland heißt diese Rolle Technische Aufsicht, sie gibt vorgeschlagene Manöver frei und kann das Auto stoppen.
Wer fährt im Oktober 2026 wirklich ohne Sicherheitsfahrer
Stand Oktober 2026 melden Waymo und Baidus Dienst Apollo Go die höchsten Fahrtenzahlen ohne Menschen am Steuer. Pony.ai, WeRide, Zoox und Tesla betreiben kleinere fahrerlose Robotaxi-Flotten in China, am Golf und in einzelnen US-Städten.
Waymo führt 15 US-Metropolen als Einsatzgebiet, darunter Phoenix, San Francisco, Los Angeles, Atlanta und Miami. Seit September 2026 sind Denver, San Diego, Tampa und Las Vegas dazugekommen. London und Tokio stehen auf der Liste der nächsten Städte.
Baidus Robotaxi-Dienst Apollo Go absolvierte im ersten Quartal 2026 nach Konzernangaben 3,2 Millionen fahrerlose Fahrten, in der Spitze über 350.000 pro Woche. Im Mai 2026 zählte Baidu 27 Städte, außerhalb Chinas fährt Apollo Go in mehreren Zonen von Dubai ohne Fahrer. In der Schweiz und in London laufen erst Tests.
Pony.ai meldete für das zweite Quartal 2026 eine Flotte von 1.975 Robotaxis, unter anderem in Guangzhou und Shenzhen. Bis Jahresende will das Unternehmen über 3.500 Fahrzeuge erreichen. WeRide zählte Ende Juli 2026 mehr als 1.800 Robotaxis und baut den fahrerlosen Betrieb im Nahen Osten aus. Beide Cleantech-Unternehmen haben in Europa bisher nur Pilotprojekte, Pony.ai etwa in Luxemburg.
Amazons Tochter Zoox verlangt seit August 2026 in Las Vegas Geld für Fahrten in einem Fahrzeug ohne Lenkrad. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA erlaubte dafür eine Ausnahme für bis zu 2.500 Fahrzeuge. In San Francisco, Austin und Miami fährt Zoox Testkunden kostenlos.
| Anbieter | Fahrerlos mit Fahrgästen | Europa | Kennzahl laut Unternehmen |
|---|---|---|---|
| Waymo | seit 2020, 15 US-Metropolen | München und London geplant | über 500.000 bezahlte Fahrten pro Woche (Sept. 2026) |
| Baidu Apollo Go | China, Dubai | Tests in der Schweiz und London | 3,2 Mio. fahrerlose Fahrten (1. Quartal 2026) |
| Pony.ai | China, u. a. Guangzhou, Shenzhen | Pilot in Luxemburg | 1.975 Robotaxis (2. Quartal 2026) |
| WeRide | China, Naher Osten | Pilotprojekte | über 1.800 Robotaxis (31.07.2026) |
| Zoox | bezahlt seit August 2026 in Las Vegas | keine | Ausnahme für bis zu 2.500 Fahrzeuge (NHTSA) |
| Tesla | seit Januar 2026 in Austin, Teil der Flotte | keine | 45 Cybercabs für Texas zugelassen (03.09.2026) |
Quelle: Waymo, Baidu, Pony.ai, WeRide, Reuters, Bloomberg Government, Forbes, Stand Oktober 2026
Wie weit ist Tesla mit Robotaxi und Cybercab
Tesla fährt in Austin seit Januar 2026 mit einem Teil seiner Flotte ohne Sicherheitsperson im Auto, seit September 2026 auch mit dem Cybercab ohne Lenkrad. Fahrtenzahlen veröffentlicht Tesla nicht, die Flotte ist deutlich kleiner als die von Waymo.
Den Dienst startete Tesla im Juni 2025 in Austin mit einem Sicherheitsmitarbeiter auf dem Beifahrersitz. Im Januar 2026 kündigte Elon Musk die ersten Fahrten ohne diese Aufsicht an. Teslas KI-Chef Ashok Elluswamy sprach damals von wenigen Fahrzeugen, gemischt mit der beaufsichtigten Flotte.
Das Cybercab nimmt seit Anfang September 2026 in Austin zahlende Fahrgäste mit. Laut Forbes waren am 3. September 2026 erst 45 dieser Zweisitzer für den kommerziellen Robotaxi-Betrieb in Texas zugelassen (mehr dazu: Launch des Cybercab in Austin).
In weiteren Städten wie Dallas, Houston oder Miami betreibt Tesla Robotaxi-Dienste mit dem Model Y. Wie viele dieser Autos dort ohne Sicherheitspersonal unterwegs sind, legt Tesla nicht offen.
Welche Regeln gelten in Deutschland für fahrerlose Autos
Deutschland erlaubt seit dem Gesetz vom 12. Juli 2021 Autos, die ohne fahrzeugführende Person fahren, allerdings nur in einem behördlich genehmigten Betriebsbereich. Jedes solche Fahrzeug braucht eine Technische Aufsicht: einen Menschen, der es aus der Ferne abschalten und Ausweichmanöver freigeben kann.
Die Regeln stehen im Straßenverkehrsgesetz in den Paragrafen 1d bis 1l. Der Gesetzgeber definiert den festgelegten Betriebsbereich als örtlich bestimmten öffentlichen Straßenraum. Die Technische Aufsicht muss die Fahrt nicht permanent verfolgen. Der Hersteller muss das Fahrzeug so auslegen, dass es Systemgrenzen meldet und im Zweifel an einer möglichst sicheren Stelle anhält.
Nach Paragraf 1e müssen für den Betrieb drei Genehmigungen zusammenkommen. Das Fahrzeug braucht eine Betriebserlaubnis des Kraftfahrt-Bundesamts oder eine EU-Typgenehmigung nach der Durchführungsverordnung 2022/1426. Den Betriebsbereich genehmigt die nach Landesrecht zuständige Behörde, auf Autobahnen die Autobahn GmbH des Bundes. Danach folgt die normale Zulassung.
Details stehen in der Verordnung über autonome Fahrzeuge (AFGBV), in Kraft seit Juli 2022 und zuletzt im Mai 2026 geändert. Die Technische Aufsicht braucht demnach einen Abschluss als Ingenieur oder staatlich geprüfter Techniker, eine Schulung beim Hersteller und einen passenden Führerschein. Hersteller müssen dem Kraftfahrt-Bundesamt unter anderem eine Risikobeurteilung und eine sichere Funkverbindung nachweisen.
Wer nur testen will, braucht nach Paragraf 1i eine Erprobungsgenehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts. Bei autonomen Fahrfunktionen muss die Technische Aufsicht dann vor Ort anwesend sein. Das Bundesverkehrsministerium soll die Regeln wissenschaftlich auswerten und kann diese Prüfung bis 2030 wiederholen.
Wann startet in Deutschland das erste Robotaxi ohne Fahrer
Einen festen Termin gibt es nicht. MOIA will in Hamburg ab Ende 2026 schrittweise weniger Fahrereingriffe zulassen, Waymo nennt für München Ende 2027 als Ziel für den kommerziellen Start.
MOIA, der Mobilitätsdienst von Volkswagen, nimmt seit dem 15. Juli 2026 registrierte Fahrgäste kostenlos mit. Bis zu zehn elektrische ID. Buzz AD fahren in Teilen von Winterhude, Barmbek und Wandsbek, stets mit Sicherheitsfahrer am Steuer. Das Bundesverkehrsministerium fördert das Projekt ALIKE mit 26 Millionen Euro über 36 Monate. Ob und wann die Busse ganz ohne Fahrer fahren, entscheiden die Genehmigungsbehörden (mehr dazu: autonomer ID. Buzz in Hamburg).
Waymo hat im August 2026 angekündigt, nach München zu kommen. Zunächst steuern geschulte Fahrer die Jaguar I-Pace von Hand, um die Straßen hochauflösend zu kartieren. Waymo testet nach eigenen Angaben „gemäß den Richtlinien des Kraftfahrt-Bundesamtes“, so steht es auf der deutschen Projektseite. Eine Genehmigung für den fahrerlosen Betrieb hat Waymo in Deutschland noch nicht (mehr dazu: Waymo: Robotaxis kommen 2027 nach München).
Ohne Menschen an Bord fährt in Deutschland bereits ein Lastwagen. Lidl und Einride lassen in Edermünde bei Kassel einen Lkw ohne Fahrerkabine rund 400 Meter zwischen Lager und Filiale pendeln, mit Erprobungsgenehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts.
Wie sicher sind Robotaxis laut Unfallstudien
In einer Auswertung von Versicherungsansprüchen schneidet Waymo deutlich besser ab als menschliche Fahrer. Für die übrigen Anbieter fehlen vergleichbar ausgewertete Daten.
Waymo-Forscher werteten gemeinsam mit dem Rückversicherer Swiss Re 25,3 Millionen fahrerlose Meilen in Phoenix, San Francisco, Los Angeles und Austin aus. Verglichen mit neueren Autos der Baujahre 2018 bis 2021 fielen 86 Prozent weniger Sachschäden und 90 Prozent weniger Personenschäden an. Statt der erwarteten 26 Ansprüche wegen Verletzungen gingen zwei ein. Waymo führt die Arbeit als begutachtete Studie, die Autoren arbeiten aber für Waymo.
Neuere Zahlen stammen von Waymo selbst. Für 270 Millionen Meilen bis Ende Juni 2026 meldet das Unternehmen 82 Prozent weniger Unfälle mit Verletzten als bei Menschen auf denselben Strecken. Die Daten stammen aus fünf US-Städten mit überwiegend mildem Wetter. Schnee, enge Altstädte und deutsche Verkehrsregeln kommen darin nicht vor.
Baidu spricht im Quartalsbericht von einer herausragenden Sicherheitsbilanz, nennt aber keine Unfallraten. Tesla meldete im September 2026 eine Million Meilen ohne Aufsicht im Auto, ebenfalls ohne Unfallstatistik.
Was bedeuten Robotaxis für Klima, Fläche und Nahverkehr
Waymo, Zoox, Tesla und MOIA setzen batterieelektrische Fahrzeuge ein, jede Fahrt statt im Benzin- oder Dieseltaxi spart damit lokale Abgase. Ob Städte dadurch Platz und Emissionen sparen, hängt davon ab, ob die Fahrzeuge geteilt werden und den Nahverkehr ergänzen.
Das Internationale Verkehrsforum der OECD hat das für Lissabon 2015 durchgerechnet. Mit geteilten fahrerlosen Flotten könnten unter bestimmten Bedingungen neun von zehn Autos überflüssig werden, und große Parkflächen würden frei. Die gefahrenen Kilometer stiegen in den meisten Szenarien trotzdem. Entscheidend sind laut Studie Fahrzeugtyp, Verbreitung und ein leistungsfähiger öffentlicher Verkehr daneben.
Waymo selbst setzt auf die Verbindung mit Bus und Bahn. Nach einer Umfrage des Unternehmens nutzen in San Francisco, Los Angeles und Phoenix über die Hälfte der Fahrgäste auch den Nahverkehr. In der Bay Area startete Waymo im September 2026 ein Bonusprogramm. Wer Robotaxi und Nahverkehr innerhalb von zwei Stunden kombiniert, bekommt den Preis einer Busfahrt gutgeschrieben.
Für Deutschland liegt der größte Hebel abseits der Großstädte. Dort fehlen vielerorts Busfahrer. Fahrerlose Kleinbusse auf Abruf könnten diese Lücken füllen (mehr dazu: autonomer Nahverkehr im ländlichen Raum). Das Hamburger Projekt ALIKE ist ausdrücklich als Ergänzung zu Bus und Bahn angelegt.
QUELLEN
- Pony AI Inc.: PONY AI Inc. Reports Second Quarter 2026 Financial Results, 18.08.2026.
- Forbes: Tesla Cybercab Launches With Closed Event, Riling Some Fans, 03.09.2026.
- EV Wire: Tesla Cybercab to launch public rides in Austin Sept 4, Unsupervised Robotaxis hit 1 million miles, September 2026.
- Waymo: Servus München: Waymo is Coming to Germany, 25.08.2026.
- Bundesministerium der Justiz: § 1f StVG, Pflichten der Beteiligten beim Betrieb von Kraftfahrzeugen mit autonomer Fahrfunktion, abgerufen am 04.10.2026.