Lidl schickt ersten Lkw ohne Fahrer auf die Straße

E-LKW · 16. SEPTEMBER 2026

Lidl beliefert Filiale Edermünde erstmals mit fahrerlosem Lkw von Einride

Das Kraftfahrt-Bundesamt hat den Level-4-Betrieb des fahrerlosen E-LKW des schwedischen Cleantech-Unternehmens Einride durch Lidl bis Ende Februar 2027 genehmigt. In Edermünde bei Kassel ersetzt ein fahrerloser Lkw jetzt erstmalig die reguläre Belieferung einer Lidl-Filiale.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 4 Min. Lesezeit LESEN


Der E-Lkw, der seit Dienstag in Edermünde bei Kassel zwischen einem Lidl-Warenverteilzentrum und einer Filiale pendelt, hat kein Lenkrad, keine Pedale und keine Fahrerkabine. Ein Mensch könnte ihn gar nicht steuern. Lidl und das schwedische Cleantech-Unternehmen Einride setzen das Fahrzeug im laufenden Handelsbetrieb ein, auf öffentlicher Straße.

Das Kraftfahrt-Bundesamt hat die Erprobungsgenehmigung dafür am 14. August 2026 erteilt, befristet bis zum 28. Februar 2027. Sie gilt für den Betrieb auf SAE-Level 4: Das Fahrzeug fährt in einem festgelegten Betriebsbereich und unter festgelegten Bedingungen vollständig selbstständig, ohne dass ein Mensch eingreift. Der Einride eBot ist ein fahrerloser Lkw mit 15 Stellplätzen für Europaletten.

Die Strecke zwischen Lager und Filiale misst rund 400 Meter. Der Lkw fährt sie bis zu dreimal täglich und übernimmt damit die gesamte Belieferung der Filiale mit Trockensortiment auf dieser Route. In den vier Monaten des Projekts sollen so über 3.000 Paletten ihr Ziel erreichen. Schneller als 25 Kilometer pro Stunde darf das Fahrzeug im Pilotbetrieb nicht fahren.

Im Fahrzeug sitzt niemand, daneben steht trotzdem Personal. Ein Begleitfahrzeug mit Fahrer muss hinter dem autonomen Lkw herfahren, das verlangt das Kraftfahrt-Bundesamt für den Pilotbetrieb; in ihrer eigenen Mitteilung erwähnen Lidl und Einride diese Auflage nicht. Ein Local Operator aus diesem Begleitfahrzeug be- und entlädt den Lkw in der ersten Projektphase. Eine Technische Aufsicht überwacht den Betrieb aus der Ferne und kann die autonome Fahrfunktion abschalten, auch das schreibt das deutsche Recht vor. Wie viele Menschen diese Aufsicht besetzen, teilt Einride nicht mit.

Edermünde: Lidl und Einride erhalten Genehmigung für SAE-Level-4 - auf Zeit

Genehmigungen für Level 4 vergibt das Kraftfahrt-Bundesamt seit Jahren, bisher aber fast nur für Busse, Shuttles und Pkw, und fast immer saß ein Sicherheitsfahrer am Steuer. Volkswagens Tochter Moia testet einen Minibus in Hamburg, ZF Mobility erhielt im März 2025 eine bundesweite Erprobungsgenehmigung für Busse, DB Regio Bus fuhr mit einem SUV durch Darmstadt und Offenbach, Motor Ai bewegt einen Kleinbus durch Berlin. Das Lkw-Projekt MAN ATLAS-L4 lief auf der Autobahn und endete im Mai 2025 als Forschung. Alle diese Fahrzeuge hatten einen Fahrerplatz.

Der Einride eBot hat keinen. Das ist der eigentliche Bruch, zusammen mit dem zweiten Unterschied: Hier läuft kein Forschungsprojekt, sondern die reguläre Warenversorgung eines Handelsunternehmens. Und der Betreiber ist weder ein Fahrzeughersteller noch ein Institut, sondern ein Discounter.

Die Dimension bleibt dabei bescheiden. Vierhundert Meter, Schrittgeschwindigkeit plus wenig, ein Auto mit Fahrer im Schlepptau und ein Mensch, der die Paletten bewegt: So weit reicht, was in Deutschland heute genehmigungsfähig ist. Der Wert des Projekts liegt deshalb nicht im Transport, sondern im Bescheid. Einride hat gezeigt, dass sich ein kabinenloses Fahrzeug in einem der strengsten Zulassungsverfahren der Welt durchbringen lässt. Wie weit das Kraftfahrt-Bundesamt den Betriebsbereich danach öffnet, entscheidet sich an diesen vier Monaten.

In Schweden kooperiert Einride schon länger mit der Supermarktkette Lidl - erst im August 2026 hatte das Cleantech-Unternehmen die Ausweitung der Zusammenarbeit angekündigt.

Einride wurde 2016 in Stockholm gegründet und fährt in den USA und Europa bereits autonome Lieferungen mit realen Volumina nach festen Zeitplänen. Den ersten kabinenlosen Lkw brachte das Unternehmen 2022 auf eine öffentliche Straße in Tennessee. Sein Fahrsystem legt Einride fahrzeugunabhängig aus und bringt es auch in Serien-E-Lkw von DAF.

Für Lidl hängt der nächste Schritt an der Zahl der Strecken. Der Discounter betreibt in Deutschland 39 Verwaltungs- und Warenverteilzentren und über 3.250 Filialen, viele davon in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander. Ab 2027 soll an einem weiteren Standort ein Milkrun mit mehreren Stopps folgen, später möglicherweise Einsätze bei anderen Unternehmen der Schwarz Gruppe. Angestoßen haben das Vorhaben Schwarz Corporate Solutions und Schwarz Digits.

„Intelligenz schafft Effizienz und das ist das Rückgrat für eine dauerhaft verlässliche Warenverfügbarkeit", sagt Thomas Dangelmayer, Leitung Operative Logistik bei Lidl in Deutschland. Einride-Chef Roozbeh Charli nennt die deutsche Genehmigung die Voraussetzung, um anschließend schnell wachsen zu können.

400 m

STRECKE IN EDERMÜNDE

Zwischen Warenverteilzentrum und Filiale, Höchstgeschwindigkeit 25 km/h.

3.000

PALETTEN IN VIER MONATEN

Geplantes Transportvolumen des Pilotbetriebs, bis zu drei Fahrten am Tag.

28.02.2027

GENEHMIGUNG BEFRISTET BIS

KBA-Erprobungsgenehmigung für SAE-Level 4, erteilt am 14. August 2026.

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