Cybercab: Teslas Robotaxi ohne Lenkrad startet

ELEKTROMOBILITÄT · 24. AUGUST 2026

Tesla Cybercab: Der Robotaxi-Härtetest beginnt

Am 3. September lädt Tesla in Austin zum Cybercab-Launch. Die Serienproduktion läuft seit April, Nevada hat gerade 5.000 Robotaxi-Plätze genehmigt, und die US-Verkehrsbehörde NHTSA verschärft parallel ihre Ermittlungen zum Autopiloten.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 5 Min. Lesezeit LESEN


Die Einladungen sind verschickt: Wer in der Vorwoche in Texas Teslas Robotaxi-Dienst genutzt hat, darf beim Cybercab-Event in Austin dabei sein. Ein Gast pro Person, ausdrücklich kein Content Creator. Tesla verspricht, man könne „die Zukunft der Autonomie erleben".

Allein im August hat Tesla die Chipfabrik Terafab in Texas angekündigt und von Einride eine Bestellung über 500 Tesla Semi eingesammelt. Das Cybercab bringt dieselbe Verschränkung aus Elektrifizierung und Automatisierung, den Kern der Electrotech-Revolution, in den Individualverkehr.

So sieht das Tesla Cybercab aus

Wer in das Cybercab einsteigt, sucht vergeblich nach dem Vertrauten: kein Lenkrad, keine Pedale, keine Türgriffe, nicht einmal ein Ladestecker. Geladen wird ausschließlich induktiv, über eine Bodenplatte. Die Flügeltüren schwingen nach oben, dahinter liegt ein zweisitziger Innenraum, der eher an eine Lounge erinnert als an ein Cockpit: dunkel gehalten, ein großer Bildschirm für Route und Medien, große Fensterflächen.

Außen ist das kompakte Coupé konsequent auf Aerodynamik gezeichnet, mit vollverkleideten Rädern, durchgehendem Lichtbalken an der Front und kleinem Heckspoiler, eine Formensprache zwischen Cybertruck und VW XL1, wie sie Tesla bei der Enthüllung im Oktober 2024 erstmals zeigte. Das Design erzählt bereits das Geschäftsmodell: Ein Fahrzeug ohne jede manuelle Steuerung kann nur als Dienst funktionieren, nicht als klassisches Privatauto.

Serienproduktion seit April, Zielpreis unter 30.000 Dollar

Seit Mitte April läuft die Serienproduktion in der Gigafactory Texas. Ein erstes Fertigungsexemplar hatte Tesla schon im Februar gezeigt. Gefertigt wird im „Unboxed"-Prozess, bei dem Baugruppen parallel statt nacheinander montiert werden, um die Stückkosten radikal zu senken.

Der Verkaufspreis soll unter 30.000 US-Dollar liegen, zuletzt sprach Elon Musk sogar von rund 25.000 US-Dollar. Ein Model 3 kostet in den USA mehr als das Doppelte. Kaufen sollen das Cybercab dabei nicht nur Flottenbetreiber: Musk plant, dass private Besitzer*innen ihr Fahrzeug in Teslas Robotaxi-Netz einstellen und mitverdienen, wenn es sonst leer herumstünde, eine Mischung aus Uber und Airbnb.

Robotaxi-App: Der Flottenservice läuft schon in sechs Städten

Das Netz, in das das Cybercab einrücken soll, existiert bereits. Teslas Robotaxi-Dienst fährt aktuell mit autonomen Model Y in begrenzten Gebieten von sechs US-Städten: Miami, Orlando und Tampa in Florida sowie Austin, Dallas und Houston in Texas. Bestellt wird über die eigene Robotaxi-App, angemeldet mit dem Tesla-Account: Ziel eingeben, Fahrpreis und Wartezeit prüfen, bestätigen. Das Fahrzeug wartet sieben Minuten am Abholpunkt, gestartet wird die Fahrt per Tipp in der App.

Tesla Robotaxi-App: Kartenansicht und Anmeldebildschirm auf zwei Smartphones
Die Robotaxi-App: Ziel eingeben, Fahrpreis prüfen, einsteigen. Bild: Tesla

Unterwegs steuern Fahrgäste Klima, Sitzposition und Musik über App oder Touchscreen, die Einstellungen wandern im Passagierprofil von Fahrt zu Fahrt mit. Wer selbst einen Tesla besitzt, bekommt sogar eigene Fahrerprofil- und Medieneinstellungen ins Robotaxi gespiegelt. Und jederzeit lässt sich per App anhalten oder rechts ranfahren. Das Cybercab, so formuliert es Tesla auf der Robotaxi-Seite, „wird künftig Fahrten in Ihrer Region anbieten".

Nevada öffnet die Tür, aber nicht sofort weit

Ende Juli erteilte die Nevada Transportation Authority Tesla Robotaxi LLC zunächst nur eine Übergangserlaubnis für zehn Fahrzeuge auf dem Las-Vegas-Strip. Am 20. August folgte die volle „Autonomous Vehicle Network Company"-Lizenz: bis zu 5.000 autonome Fahrzeuge im gesamten Clark County, zwölf Monate gültig.

Parallel erhielten Uber und Waymo vergleichbare Lizenzen. Laut The Information startet der Cybercab-Betrieb zunächst mit Fahrten für Tesla-Mitarbeitende, bevor die Fahrzeuge in den kommerziellen Dienst wandern.

Die NHTSA gräbt tiefer, während Tesla feiert

Bereits Ende 2024 stand Teslas Fahrassistenzsystem „Full Self-Driving" unter verschärfter Beobachtung der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA. Im März 2026 stufte die Behörde ihre Untersuchung zu Unfällen bei eingeschränkter Sicht zur Engineering Analysis hoch, dem Schritt vor einem möglichen Rückruf. Betroffen sind rund 3,2 Millionen Fahrzeuge mit FSD.

Im Juli verlangte die Behörde zusätzlich ein internes Tesla-Dokument mit dem Titel „Radar Saves Us" heraus. Der Titel zielt auf die umstrittenste Technikentscheidung des Unternehmens: Tesla hat Radarsensoren entfernt und verlässt sich allein auf Kameras. Ob das Dokument interne Zweifel daran belegt, ist offen, geklärt werden muss es ausgerechnet in dem Moment, in dem ein Serienfahrzeug ohne Lenkrad auf die Straße kommt.

Sebas Wette: Das Auto verschwindet aus der Stadt

Das Cybercab ist der erste Serien-Testfall in den USA für eine Prognose, die der Vordenker Tony Seba seit Jahren vertritt: Autonome Elektroflotten machen das private Auto ökonomisch überflüssig, weil der gefahrene Kilometer im Sharing-Betrieb nur noch einen Bruchteil kostet. Um 2030, so Seba, verdrängen Städte private Pkw zunehmend aus den Zentren, und fahrerlose Fahrzeuge übernehmen den Rest, eine These, der auch BVG-Chef Henrik Falk folgt, wenn er den Berliner Nahverkehr auf autonome Shuttles vorbereitet.

Ein zweisitziges Fahrzeug ohne Lenkrad für 25.000 bis 30.000 Dollar, eingebunden in einen Flottenservice, ist genau das Werkzeug für dieses Szenario. Ob die Rechnung aufgeht, hängt an der regulatorischen Geschwindigkeit und an der technischen Verlässlichkeit, an der die NHTSA zweifelt.

Für Europa läuft die Uhr mit. Sollte Tesla den Beweis liefern, dass autonomes Fahren zu Kampfpreisen skaliert, gerät jeder Hersteller unter Druck, der auf teure Assistenzsysteme mit Fahrer*in setzt, ein Muster, das auch für Grünheide diskutiert wird, wo Tesla laut Berichten an der Cybercab-Fertigung und an einem günstigeren Model 2 arbeitet.

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