PRE-COP TAKU-PAKASOA-ERKLÄRUNG · 8. OKTOBER 2026
JialiangGao / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0Rund 30 Staaten fordern vor COP31 die Abkehr von fossilen Energien
Nach einem Besuch auf Tuvalu haben rund 30 Staaten auf Fidschi die Taku-Pakasoa-Erklärung angenommen. Sie verlangen tiefe, schnelle und anhaltende Emissionssenkungen und bekräftigen den Dubai-Beschluss zur Abkehr von fossilen Energien.
Zur Delegation gehörten neben den Staats- und Regierungschefs der Pazifikinseln auch Vertreter Frankreichs, Indiens und der Vereinigten Arabischen Emirate, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. In Tuvalu sahen sie, wie Arbeiter mit Baggern Sand aufschütten und neues Land gewinnen, das dem steigenden Meeresspiegel standhalten soll. Die Erklärung nahmen sie am Dienstag an, beim Gipfel der Staats- und Regierungschefs vor den eigentlichen Ministerverhandlungen.
Die Pre-COP bereitet die Weltklimakonferenz COP31 vor, die am 9. November im türkischen Antalya beginnt. Die Türkei richtet sie aus, Australien führt die Verhandlungen.
Die Unterzeichner berufen sich auf den Dubai-Beschluss
Taku Pakasoa bedeutet auf Tuvaluisch Stärke durch Einheit und gemeinsames Handeln. In der dreiseitigen Erklärung rufen die Unterzeichner alle Vertragsstaaten des Pariser Klimaabkommens auf, das 1,5-Grad-Ziel in Reichweite zu halten. Die Wissenschaft sei eindeutig, heißt es dort. Nötig seien Emissionssenkungen, die Ausmaß und Dauer des Overshoots begrenzen, also der Phase, in der die Erwärmung über 1,5 Grad liegt.
„Jeder Bruchteil eines Grads Erwärmung beschleunigt die Folgen des Klimawandels", heißt es in der Präambel. Das erhöhe das Risiko unumkehrbarer Verluste und Schäden, vor allem für kleine Inselstaaten und die am wenigsten entwickelten Länder. Die Präambel verweist auf die nahende 1,5-Grad-Marke und auf starke El-Niño-Bedingungen.
Die Unterzeichner bekräftigen den Beschluss der Weltklimakonferenz in Dubai von 2023. Er ruft die Staaten auf, bis 2030 die Kapazität erneuerbarer Energien zu verdreifachen und das Tempo bei der Energieeffizienz zu verdoppeln. Dazu gehört die Abkehr von fossilen Energien in den Energiesystemen, gerecht, geordnet und ausgewogen, mit dem Ziel Netto-Null bis 2050.
Ausdrücklich begrüßen die Unterzeichner die weltweiten Bemühungen, die Elektrifizierung bis 2035 auf 35 Prozent des globalen Endenergieverbrauchs zu beschleunigen. Diese Marke hatte die türkische COP31-Präsidentschaft im Juni vorgeschlagen (mehr dazu: 35 Prozent Strom bis 2035). Vor allem mit erneuerbaren Energien könne Elektrifizierung Kosten senken und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern, heißt es in der Erklärung.
Lynda Tabuya pocht auf die 1,5-Grad-Grenze
„Wir rasen an der 1,5-Grad-Grenze vorbei", sagte Fidschis Klimaministerin Lynda Tabuya am Mittwoch zum Auftakt der Ministerverhandlungen in Nadi. Vertreter aus mehr als 50 Staaten nehmen daran teil. Ein Überschreiten nähmen die Pazifikstaaten nicht stillschweigend hin, sagte Tabuya. Die Grenze zu halten, sei die wichtigste rechtliche Pflicht der Verhandelnden.
Für Dechen Tsering ist ein Überschreiten inzwischen unvermeidbar. Sie leitet das Regionalbüro Asien-Pazifik des UN-Umweltprogramms UNEP. Bleibe die Welt hundert Jahre länger über 1,5 Grad, steige der mittlere Meeresspiegel bis 2300 um rund 40 Zentimeter zusätzlich, sagte Tsering.
Der türkische Umweltminister Murat Kurum leitet die COP31 als Präsident. Er nannte es das gemeinsame Ziel des Gipfels, den Overshoot zu begrenzen.
Deutschland kürzt die Klimafinanzierung im Haushalt
Für Deutschland nimmt Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth an der Pre-COP teil, die am Donnerstag endet. Viele Inselstaaten hängen nach Angaben des Bundesumweltministeriums an importiertem Öl und Gas, deren Preise mit der Krise um die Straße von Hormus steigen. Deutschland setze sich mit der EU für eine schnellere Elektrifizierung und die schrittweise Abkehr von fossilen Energien ein, teilte das Ministerium mit.
Ohne das Bündnis zwischen Europa und den Inselstaaten hätte es 2015 in Paris das 1,5-Grad-Ziel nicht gegeben, sagte Flasbarth. Tuvalu richtet im Juli 2027 gemeinsam mit Irland die zweite internationale Konferenz zur Abkehr von fossilen Energien aus. Die erste hatte im April im kolumbianischen Santa Marta stattgefunden.
Die Erklärung verlangt deutlich mehr Klimafinanzierung, vor allem für Anpassung in Ländern mit wenig eigenen Mitteln. Deutschland hat seine eigene Zusage zuletzt verfehlt. Aus dem Bundeshaushalt flossen 2025 rund 4,75 Milliarden Euro in internationalen Klimaschutz und Anpassung, nach 6,1 Milliarden im Vorjahr. Das berichten Bloomberg und Clean Energy Wire. Das Ziel liegt bei mindestens sechs Milliarden Euro im Jahr.
Das Entwicklungsministerium rechnet private Mittel und Kredite mit ein und kommt so auf knapp elf Milliarden Euro. Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig wirft der Bundesregierung vor, mit gebrochenem Wort nach Antalya zu reisen.
QUELLEN
- Bundesumweltministerium: Vorbereitung der Weltklimakonferenz: Pre-COP31 findet in Fidschi statt, 5. Oktober 2026.