MYTHOS FUSSBODENHEIZUNG · 14. OKTOBER 2026

Wer eine Wärmepumpe ohne Fußbodenheizung plant, prüft zuerst die Heizkörper
Das Fraunhofer ISE hat 77 Wärmepumpen in älteren Wohnhäusern vermessen, viele davon mit klassischen Heizkörpern. Wo diese groß genug waren, lagen die Heiztemperaturen ähnlich niedrig wie bei einer Fußbodenheizung.
Eine Wärmepumpe ohne Fußbodenheizung gilt vielen Hauseigentümer*innen als Notlösung, die im Winter kalte Räume und hohe Stromrechnungen bringt. Wer das glaubt, rechnet beim Heizungstausch gleich aufgestemmte Estrichböden und neue Bodenbeläge mit ein. Forscher*innen, die Wärmepumpen über Jahre in bewohnten Häusern vermessen, kommen zu einem anderen Ergebnis.
Wie effizient eine Wärmepumpe heizt, hängt vor allem an der Vorlauftemperatur, also an der Temperatur des Heizwassers auf dem Weg in die Heizflächen. Je niedriger sie liegt, desto mehr Wärme entsteht aus jeder Kilowattstunde Strom (mehr dazu: Wie funktioniert eine Wärmepumpe). Bei einer Fußbodenheizung genügt wenig Temperatur, weil die Wärme über eine große Fläche in den Raum geht. Mit einem ausreichend großen Heizkörper gelingt das auf weniger Wandfläche ebenfalls.
Ob die vorhandenen Heizkörper reichen, können Hausbesitzer*innen mit dem 55-Grad-Test für die Wärmepumpe im Altbau selbst grob einschätzen. Belastbar wird die Antwort erst mit einer raumweisen Heizlastberechnung. Wo einzelne Räume durchfallen, genügt oft der Tausch weniger Heizkörper.
Inhalt
Welche Jahresarbeitszahlen hat das Fraunhofer ISE mit Heizkörpern gemessen
In Häusern, die ausschließlich mit Heizkörpern beheizt werden, hat das Fraunhofer ISE für 2024 Jahresarbeitszahlen von mindestens 3,0 gemessen. Der Spitzenwert dieser Gruppe lag bei 4,0. Über alle 49 ausgewerteten Luft/Wasser-Wärmepumpen ergab sich ein Mittelwert von 3,4, also 3,4 Kilowattstunden Wärme aus einer Kilowattstunde Strom.
Die Zahlen stammen aus dem Projekt „WP-QS im Bestand“, das das Institut im November 2025 abgeschlossen hat. Das Team vermaß laut Abschlussbericht von Juli 2021 bis Dezember 2024 insgesamt 77 Anlagen in Ein- bis Dreifamilienhäusern mit Baujahren von 1826 bis 2001. In knapp einem Viertel der Gebäude sind nur Heizkörper installiert, in einem ähnlich großen Teil nur Fußbodenheizungen, in etwa der Hälfte beides.
Einen Zusammenhang zwischen Baujahr und Effizienz fanden die Forscher*innen nicht. Ein messbarer Zusammenhang zeigte sich nur zwischen Jahresarbeitszahl und Heizkreistemperatur. Häuser nur mit Fußbodenheizung verteilten sich dabei über fast die gesamte Bandbreite der Messwerte, von schwachen bis zu sehr guten Jahresarbeitszahlen.
Schon im Vorgängerprojekt „WPsmart im Bestand“ maß das Institut von Juli 2018 bis Juni 2019 ähnliche Werte. Laut Schlussbericht von 2020 lag die Jahresarbeitszahl damals in allen Häusern nur mit Heizkörpern bei mindestens 2,5. Die Winter im Messzeitraum von „WP-QS im Bestand“ fielen allerdings leicht milder aus als im langjährigen Mittel. Die Altbauten der Stichprobe sind zudem etwas umfangreicher saniert als der Bundesdurchschnitt.
| Kennwert | WPsmart im Bestand (Juli 2018 bis Juni 2019) | WP-QS im Bestand (2024) |
|---|---|---|
| Ausgewertete Luft/Wasser-Wärmepumpen | 29 | 49 |
| Jahresarbeitszahl Luft/Wasser, Mittelwert | 3,1 | 3,4 |
| Jahresarbeitszahl Luft/Wasser, Spanne | 2,5 bis 3,8 | 2,6 bis 4,9 |
| Jahresarbeitszahl Erdreich, Mittelwert | 4,1 | 4,3 |
| Kleinste Jahresarbeitszahl in Häusern nur mit Heizkörpern | 2,5 | 3,0 |
| Anteil Heizstab an der elektrischen Arbeit (Luft/Wasser) | 1,9 % | 1,3 % |
Quelle: Fraunhofer ISE, Abschlussberichte „WPsmart im Bestand“ (2020) und „WP-QS im Bestand“ (2025), Pressemitteilungen vom 27. Juli 2020 und 3. November 2025.
Wie warm muss das Heizwasser an kalten Tagen sein
Auch an den kältesten Tagen sollte das Heizwasser nicht wärmer als 55 Grad sein müssen. Die Energieberatung der Verbraucherzentrale nennt 35 bis 55 Grad als Arbeitsbereich von Wärmepumpen. Bei 27 von 42 vermessenen Anlagen mit Heizkörpern oder heizkörpergeführten Mischsystemen lag der höchste Tagesmittelwert 2024 bei höchstens 50 Grad.
Im Jahresmittel lag die Heizkreistemperatur in „WP-QS im Bestand“ bei Häusern nur mit Heizkörpern bei 38,5 Grad, bei Häusern nur mit Fußbodenheizung bei 32,0 Grad. Das Fraunhofer ISE folgert im Bericht, dass Auslegungstemperaturen von 55 Grad und deutlich weniger auch mit Heizkörpern funktionieren können.
Den meisten Heizbedarf hat ein Haus nicht bei minus zwölf Grad, sondern bei Außentemperaturen knapp über null. An diesen Tagen braucht das Heizwasser weit weniger Temperatur als im Auslegungsfall. „Die seltenen Extreme fallen daher in der Jahresbilanz kaum ins Gewicht“, sagte Marek Miara, damals Koordinator Wärmepumpen am Fraunhofer ISE, zum Abschluss des WPsmart-Feldtests 2020.
In den Messdaten steckt auch verschenkte Effizienz. Bei rund der Hälfte der Heizkörper-Anlagen sank die Vorlauftemperatur nie unter 35 Grad, auch an milden Tagen nicht. Bei einigen lag sie dauerhaft über 40 Grad, hier halten die Forscher*innen eine bessere Einstellung der Heizkurve für denkbar.
Wann reichen die Heizkörper für eine Wärmepumpe ohne Fußbodenheizung
Die Heizkörper reichen, wenn jeder einzelne von ihnen die Heizlast seines Raums bei niedriger Vorlauftemperatur deckt. In vielen Bestandsgebäuden ist das ohne Umbau der Fall. Oft haben Installateure die Heizkörper einst großzügig bemessen, oder Eigentümer*innen haben mit neuen Fenstern und Dämmung den Wärmebedarf gesenkt.
„Heizkörper in Altbauten sind tatsächlich überraschend oft überdimensioniert“, sagt Peter Kafke, Energieexperte der Verbraucherzentrale. Oft sei deshalb nur der Austausch einzelner Heizkörper nötig. In der Fraunhofer-Stichprobe waren bei Häusern bis Baujahr 1979 schon 95 Prozent der Fenster und 82 Prozent der Dächer energetisch saniert.
Wie stark eine Sanierung wirkt, rechnen die Autor*innen des WPsmart-Berichts an einem Plattenheizkörper vor. Deckt er die Heizlast im unsanierten Haus bei 70 Grad Vorlauf und 55 Grad Rücklauf, genügen nach Halbierung der Heizlast 50 und 41 Grad. Derselbe Heizkörper liegt damit im Bereich von 35 bis 55 Grad, den die Verbraucherzentrale für Wärmepumpen nennt.
Die Temperatur im ganzen Heizkreis richtet sich nach dem ungünstigsten Heizkörper, also dem mit der knappsten Leistung im Verhältnis zur Heizlast seines Raums. Ist ein einziger Heizkörper im Bad oder Eckzimmer zu klein, fließt durch das ganze Haus wärmeres Heizwasser als nötig. Das Fraunhofer ISE nennt neben Typ und Größe auch die Inbetriebnahme als Einflussgröße, etwa einen fehlenden hydraulischen Abgleich.
Wie stark sich die Temperatur mit einem größeren Heizkörper senken lässt
Mit einem Heizkörper gleicher Länge, aber mehr Platten und Lamellen lässt sich die nötige Heizwassertemperatur um knapp 16 Grad senken. Das zeigt eine Beispielrechnung im WPsmart-Bericht für einen Heizkörper mit einem Kilowatt Wärmeleistung.
Bei gleicher Länge sinkt die mittlere Heizkreistemperatur vom Typ 21 mit 63,0 Grad auf 54,1 Grad beim Typ 22 und 47,1 Grad beim Typ 33. Die erste Ziffer nennt die Zahl der Platten, die zweite die Reihen mit Konvektionslamellen. Wächst der Heizkörper von einem auf anderthalb Meter Länge, fällt die Temperatur je nach Typ um weitere sieben bis knapp zwölf Grad.
Daraus leitet das Fraunhofer ISE seine Empfehlung ab: Planer*innen sollen die Heizkörper raumweise prüfen und gezielt die zu klein dimensionierten austauschen. „Ein teurer und aufwändiger Umbau auf Flächenheizungen ist deshalb nicht nötig“, heißt es im Abschlussbericht von „WP-QS im Bestand“. Eigentümer*innen sollen über die Möglichkeit des selektiven Tauschs informiert werden.
Wer eine Wärmepumpe ohne Fußbodenheizung plant, rechnet damit anders. Statt Estrich, Bodenbelag und neuer Verteilung in jedem Raum fallen einzelne Heizkörper an, die ein Installateur an die vorhandenen Leitungen anschließt. Wie sich das in der Gesamtinvestition niederschlägt, zeigt der Überblick zu den Kosten einer Wärmepumpe. Den Effekt einer höheren Jahresarbeitszahl auf die laufenden Ausgaben rechnet der Heizkosten-Vergleich vor.
Wofür sich Niedertemperatur- und Gebläseheizkörper eignen
Niedertemperatur- und Gebläseheizkörper eignen sich für Räume, in denen für einen größeren klassischen Heizkörper kein Platz bleibt. Mit ihnen lässt sich bei gleichem Platzbedarf die Heizkreistemperatur deutlich senken.
Schon zum Abschluss von „WPsmart im Bestand“ 2020 wies das Fraunhofer ISE darauf hin, dass Hersteller solche Heizkörper anbieten. Im zugehörigen Bericht nennen die Autor*innen den Wechsel vom Gussradiator zum Niedertemperaturheizkörper ausdrücklich als Stellschraube für die Heizkreistemperatur.
Bei Gebläseheizkörpern und Gebläsekonvektoren sitzt zusätzlich ein kleiner Ventilator im Gehäuse. Die Raumluft strömt dadurch schneller durch die Lamellen und nimmt auch bei niedriger Wassertemperatur mehr Wärme auf. Dafür ist an jedem Gerät ein Stromanschluss nötig. Im WPsmart-Feldtest lief eine Anlage ausschließlich mit Gebläsekonvektoren, im Mittel bei 39,1 Grad Heizkreistemperatur und mit einer Jahresarbeitszahl von 3,0.
Im neueren Projekt „WP-QS im Bestand“ setzten drei der 77 Häuser Gebläsekonvektoren ein, jeweils kombiniert mit Fußbodenheizung oder Heizkörpern. Die Geräte sind dort jeweils Ergänzung zu einem anderen Heizsystem.
Wie ermittelt ein Fachbetrieb die Heizlast Raum für Raum
Ein Fachbetrieb berechnet für jeden Raum die Wärmeleistung, die der Raum am kältesten Auslegungstag braucht. Diesen Wert vergleicht er mit der Leistung des vorhandenen Heizkörpers bei niedriger Vorlauftemperatur. Für Bestandsgebäude beschreibt die Norm DIN/TS 12831-1 dafür ein vereinfachtes raumweises Verfahren.
In die Rechnung gehen Raummaße, Fensterflächen, Außenwände und deren Dämmstandard ein. Liegt die berechnete Raumheizlast über der Leistung des Heizkörpers bei der geplanten Vorlauftemperatur, steht dieser Raum auf der Tauschliste.
Die Normberechnung fällt vorsichtig aus. Wärme von Personen, Geräten und Sonne bleibt unberücksichtigt, die errechnete Heizlast liegt deshalb je nach Gebäude zu hoch. Das Fraunhofer ISE rät, Eigentümer*innen zu erklären, dass die Berechnung für sehr seltene, außergewöhnlich kalte Tage gilt. Bei den vermessenen Luft/Wasser-Wärmepumpen lag die Heizleistung bei minus sieben Grad im Mittel etwa 50 Prozent über der aus Verbrauchsdaten abgeleiteten Heizlast.
Nach dem Tausch stellt der Installateur die Heizkurve so flach wie möglich ein und gleicht die Heizkörper hydraulisch ab. Bei rund 20 der vermessenen Anlagen wurde die Heizkurve im Lauf des Jahres 2024 verstellt, bei einigen Heizkörper-Anlagen um zehn Grad und mehr. Für eine Wärmepumpe ohne Fußbodenheizung zählt am Ende, dass Planer*innen die Heizkörper auf die tatsächliche Raumheizlast abstimmen und die Regelung danach nachjustieren.
QUELLEN
- Fraunhofer ISE: Wärmepumpen heizen auch im Altbau klimafreundlich - Forschungsprojekt des Fraunhofer ISE abgeschlossen (Pressemitteilung), 3. November 2025.
- Fraunhofer ISE: Auch in Bestandsgebäuden funktionieren Wärmepumpen zuverlässig und sind klimafreundlich - Feldtest des Fraunhofer ISE abgeschlossen (Pressemitteilung), 27. Juli 2020.
- Verbraucherzentrale Bundesverband, Energieberatung: So funktioniert die Wärmepumpe im Altbau (Pressemitteilung), 29. Juni 2023.