SPRIND GmbHInnovation Höhenwindrad: Deutschlands Sprung in die Zukunft der Windenergie?
Leipziger beventum und Dresdner GICON bauen das größte Windrad der Welt in der brandenburgischen Lausitz.
In der Strukturwandelregion Lausitz entsteht das erste Höhenwindrad überhaupt. Die 365 Meter hohe Stahlkonstruktion ist ein Symbol für Deutschlands Willen zur Innovation für die Energiewende. Seit der Grundsteinlegung am 19. September 2024 wächst die Anlage bei Schipkau: Am 16. Juli 2026 hat GICON den Rohbau fertiggestellt, die Inbetriebnahme ist für Ende 2026 geplant. Die Höhe bietet klare Vorteile: stärkere Winde und konstantere Windrichtungen. Ist das Konzept der Leipziger beventum GmbH Deutschlands Sprung in die Zukunft der Windenergie?
"Deutschland braucht eine Willkommenskultur für Innovation", sagte BDI-Präsident Siegfried Russwurm zuletzt bei einem Impulsforum in Südwestfalen. Rund um Klettwitz in Brandenburg gibt es diese Willkommenskultur. Denn dort baut die tief verwurzelte Dresdner GICON das Höhenwindrad, das Maßstäbe setzen soll. Widerstände aus der Bevölkerung gab es keine - auch, weil die Bewohner von Anfang an informiert und mit einbezogen wurden.
Die Geschichte des Höhenwindrads beginnt aber nicht in der Lausitz, sondern in Leipzig beim Ingenieur Horst Bendix, der bis zu seinem Tod im Juni 2023 von seiner Idee überzeugt war: Windräder einfach höher zu bauen, um die stärkeren und stetigeren Winde in großen Höhen zu nutzen. Seine Dreibein-Konstruktion, die den klassischen Aufbau von Windkraftanlagen revolutionierte, ermöglichte erstmals solche Höhen.
Bendix' Vision wurde vom Leipziger Cleantech-Unternehmen beventum, einer Tochtergesellschaft der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND), aufgegriffen und weiterentwickelt. „Das erste Höhenwindrad ist ein echter Meilenstein in der Windenergie und ein Aushängeschild für den Wirtschaftsstandort Deutschland“, betont Dr. Martin Chaumet (linkedin), Geschäftsführer der beventum.
Höhenwindrad: Von der Idee zur Realität
Die Umsetzung des Projekts übernahm GICON, die bereits Erfahrung mit Höhenwindrädern hatte. Am 19. September 2024 folgte in der Lausitz die Grundsteinlegung für das weltweit höchste Windrad. „Innovationen gefördert durch den Bund werden Realität in Brandenburg. Die Höhenwindanlagen sind ein leuchtendes Beispiel dafür“, sagte Wirtschafts-Staatssekretär Michael Kellner bei der Veranstaltung.
Zuvor wurde dort der weltweit höchste Windmessturm errichtet, um aus den dort gesammelten Daten Rückschlüsse auf die Konstruktion der Höhenwindkraftanlage ziehen zu können.
Mit einer Nabenhöhe von 300 Metern und einer Gesamthöhe von rund 365 Metern wird das Höhenwindrad mehr als doppelt so viel Energie erzeugen wie herkömmliche Windkraftanlagen. „Der Wind hat in dieser Höhe nicht nur höhere Mittelwerte, sondern auch eine breitere Verteilung, was zu deutlich mehr Volllaststunden bei Windenergieanlagen in dieser Höhe führt“, sagt GICON-Gründer und Geschäftsführer Jochen Großmann. Das sei vergleichbar mit Offshore-Anlagen auf See, „aber bei Onshore-Betriebsverhältnissen. Das heißt, die Kosten bei der Errichtung und Wartung sind deutlich geringer, was sich positiv auf die Wirtschaftlichkeit auswirkt.“
Anders als vom Leipziger Ingenieur Bendix vorgesehen, werden die Generatoren bei der Brandenburger Pilotanlage nicht am Fuß des Turms stehen, sondern oben in der Nabe, so wie man das von allen Anlagen kennt. Statt drei Beinen gibt es vier. Völlig neu ist auch die Konstruktion mit einem inneren und äußeren Turm: Damit lässt sich die Turbine, die auf dem inneren, beweglichen Teil befestigt ist, bis auf eine Höhe von 300 Metern ausfahren.
Wie läuft der Bau des Höhenwindrads? Stand: Juli 2026
Der Rohbau steht: Am 16. Juli 2026 hat GICON die Stahlkonstruktion aus Innen- und Außenmast fertiggestellt. Der Turm misst derzeit rund 167 Meter, weil der innere Turm noch eingefahren ist. Als Nächstes montieren die Ingenieure Turbine und Rotorblätter in Bodennähe, anschließend fahren hydraulische Pressen den Innenturm auf die Nabenhöhe von 300 Metern aus.

Reibungslos lief der Bau nicht. Ende 2025 stellte die interne Qualitätskontrolle Abweichungen an Stahlelementen eines Subunternehmens fest, GICON stoppte die Montage über den Winter und tauschte die betroffenen Bauteile bis Ende März 2026 aus. Seit dem 2. März 2026 wächst der Turm wieder, im Mai hob der Großkran ein rund 300 Tonnen schweres Gittersegment an seinen Platz.
Die Inbetriebnahme ist für Ende 2026 geplant, ursprünglich sollte die Anlage bereits im Sommer 2025 Strom liefern. Auf dem Turm arbeitet künftig eine Vensys-Turbine mit 3,8 Megawatt Leistung und 126 Metern Rotordurchmesser. Nach der Teleskopierung ist das Höhenwindrad Schipkau mit rund 365 Metern die höchste Windenergieanlage der Welt und nach dem Berliner Fernsehturm das zweithöchste Bauwerk Deutschlands.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Nabenhöhe | 300 Meter |
| Gesamthöhe nach Teleskopierung | rund 365 Meter |
| Turbine | Vensys 126, 3,8 Megawatt, 126 Meter Rotordurchmesser |
| Bauzustand Juli 2026 | Rohbau fertig, rund 167 Meter (Innenturm eingefahren) |
| Geplante Fertigstellung | Ende 2026 |
| Prognose künftiger Anlagen (ab 8 MW) | 30 bis 33 GWh pro Jahr, Stromgestehungskosten unter 5 ct/kWh |
Sprunginnovation „Made in Germany”
Das Höhenwindrad könnte eine sogenannte Sprunginnovation sein, die bestehende Technologien grundlegend verändert und neue Märkte erschließt. Weltweit gibt es unzählige Binnenwindstandorte, die mit der neuartigen Windkraftanlage erheblich mehr Energie erzeugen können als bislang mit herkömmlichen Turbinen. Sicherlich nicht auf Anhöhen oder dort, wo ohne Widerstände vorhanden sind - dafür aber beispielsweise ideal für die ehemaligen Kohleregionen.
Der zweite Windmessturm entsteht auf RWE-Gelände im Rheinischen Revier. Hier könnte die nächste GICON-Höhenwindkraftanlage entstehen. Künftig können die Standorte über LIDAR-Sensorik vom Boden aus ausgemessen werden.
Einschätzung von Cleanthinking-Gründer Martin Jendrischik
Das Höhenwindrad in Brandenburg ist ein Symbol für Deutschlands Willen zur Innovation und seinen Beitrag zur Energiewende. Mit dieser potenziellen Sprunginnovation kann das Land zu einem Vorreiter für eine neue Phase der Onshore-Windkraft werden. Gerade, um gegenüber China wettbewerbsfähig zu sein. Der Prototyp wird aber zunächst viel teurer als klassische Windkraftanlagen, weil deutlich mehr Stahl verbraucht wird. Die findigen Ingenieure bei GICON, beventum oder SPRIND haben aber bereits Ideen, diese Nachteile zu beheben.
Stand Juli 2026 gilt: Der Zeitplan hat sich um gut ein Jahr verschoben, auch weil GICON beim Stahl auf Nummer sicher ging und fehlerhafte Bauteile eines Zulieferers konsequent austauschte. Für einen Prototyp dieser Dimension ist das kein Makel, sondern Ingenieursalltag. Entscheidend wird, ob Turbinenmontage und Teleskopierung in den kommenden Monaten gelingen und die prognostizierten Erträge sich im Betrieb bestätigen.
Wie hoch ist das höchste Windrad der Welt?
Das GICON-Höhenwindrad im brandenburgischen Schipkau erreicht nach der Fertigstellung rund 365 Meter Gesamthöhe bei einer Nabenhöhe von 300 Metern. Es ist damit die höchste Windenergieanlage der Welt und nach dem Berliner Fernsehturm das zweithöchste Bauwerk Deutschlands.
Wann geht das Höhenwindrad in Schipkau in Betrieb?
Die Fertigstellung ist für Ende 2026 geplant. Der Rohbau wurde am 16. Juli 2026 abgeschlossen. Es folgen die Montage von Turbine und Rotorblättern in Bodennähe sowie die Teleskopierung des Innenturms auf 300 Meter Nabenhöhe.
Wie viel Strom erzeugt ein Höhenwindrad?
Die Pilotanlage in Schipkau nutzt eine Vensys-Turbine mit 3,8 Megawatt. Für künftige Höhenwindtürme mit Anlagen ab 8 Megawatt prognostiziert GICON 30 bis 33 Gigawattstunden pro Jahr, rechnerisch der Bedarf von rund 7.500 Vier-Personen-Haushalten, bei Stromgestehungskosten unter 5 Cent pro Kilowattstunde.
Warum werden Windräder in 300 Metern Höhe gebaut?
In 300 Metern Höhe weht der Wind stärker und gleichmäßiger als in üblichen Nabenhöhen. Das bringt mehr Volllaststunden und Erträge wie auf See, aber zu Onshore-Kosten bei Errichtung und Wartung.
QUELLEN
- Niederlausitz aktuell: Rekord-Höhenwindturm in Schipkau erreicht nächsten Meilenstein, 17. Juli 2026.
- Niederlausitz aktuell: Hochbauarbeiten an Rekord-Windrad in Schipkau werden fortgesetzt, 2. März 2026.
- GICON: Der GICON-Höhenwindturm, das höchste Windrad der Welt, Projektseite, abgerufen im Juli 2026.
- SPRIND: Projekt beventum: Höhenwindrad, Projektseite, abgerufen im Juli 2026.
Das Höhenwindrad ist wirklich beeindruckend! Es verkörpert nicht nur innovative Ingenieurskunst, sondern auch Deutschlands Engagement für nachhaltige Energie. Diese Fortschritte in der Windenergietechnologie sind einfach inspirierend und zeigen, wie wir die Herausforderungen der Energiewende kreativ angehen können.