Screenshot Phoenix, PK am 22. April 2026
Katherina Reiche zu Westenergie: Presseanfrage und BMWE-Antwort im Wortlaut
Dokumentation einer Presseanfrage
Bei der Pressekonferenz zur Frühjahrsprojektion 2026 hat Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche diese Woche erklärt, das Geschäftsfeld der Westenergie umfasse „kein Gasgeschäft„. Cleanthinking.de hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie um Stellungnahme gebeten. Die Antwort liegt vor und wird hier im Wortlaut dokumentiert.
Vorgestern hat die Ministerin Katherina Reiche bei der Vorstellung der Frühjahrsprojektion 2026 auf eine Journalistenfrage zu ihrer früheren Tätigkeit für Westenergie und den Verband kommunaler Unternehmen (VKU) mehrere Aussagen getätigt, die mutmaßlich mit öffentlich dokumentierten Fakten in Widerspruch stehen.
Cleanthinking.de hat daraufhin noch am selben Tag eine Presseanfrage mit vier präzisen Fragen an das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gerichtet.
Die Antwort der BMWE-Pressestelle ist am 23. April 2026 um 20:06 Uhr eingegangen. Diese Seite dokumentiert Anfrage und Antwort vollständig im Wortlaut. Eine journalistische Einordnung erfolgt bewusst nicht an dieser Stelle. Das Material steht zur freien Verwendung für Redaktionen, Abgeordnete, NGOs und Fachöffentlichkeit zur Verfügung.
Die Presseanfrage vom 22. April 2026
Anlass der Anfrage sind Aussagen der Ministerin bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der Frühjahrsprojektion 2026 auf eine Journalistenfrage (Quelle, ab Timecode 1:10:33). Im Wortlaut der Aufzeichnung:
„Ich weise das zurück. Ich war nie in der Gaslobby tätig. Ich habe für ein Unternehmen gearbeitet, das Stromleitungen gebaut hat und an der Energiewende gearbeitet hat. Ich habe für ein Unternehmen gearbeitet, was Solaranlagen angeschlossen hat, was Windparks angeschlossen hat. Das Geschäftsfeld der Westenergie umfasst kein Gasgeschäft. Das ist falsch und die Behauptung, die Sie aufstellen, wird auch nicht richtiger, wenn Sie sie konstant wiederholen. […] Ich war Vorstandsvorsitzende eines Unternehmens, was Energieinfrastruktur betrieben hat und das ist nicht nur ein wesentlicher Unterschied, das ist ein gravierender Unterschied. Insofern weise ich Ihre Behauptungen zurück.“
Bundesministerin Katherina Reiche, 22. April 2026
Auf Grundlage dieser Aussagen wurden folgende vier Fragen an die Pressestelle des BMWE gerichtet:
Frage 1. Die Westenergie AG weist auf ihrer eigenen Unternehmensseite rund 37.000 km Gasnetz (Westenergie-Gruppe inklusive vollkonsolidierter Beteiligungen) aus. Die 100-prozentige Tochter Westnetz GmbH bezeichnet sich in ihrer offiziellen Unternehmenskommunikation als „Strom- und Gasverteilnetzbetreiber im Westen Deutschlands“ und verantwortet laut eigenen Angaben rund 24.000 km Gasnetz. Darüber hinaus bestehen langfristige Gaskonzessionsverträge, etwa der mit der Stadt Datteln mit Laufzeit bis 31.12.2041. Wie ist vor diesem Hintergrund die Aussage der Ministerin zu verstehen, dass „das Geschäftsfeld der Westenergie kein Gasgeschäft“ umfasse? Hält die Ministerin diese Aussage aufrecht?
Frage 2. Frau Reiche war von 2015 bis 2019 Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU). Der VKU ist im Lobbyregister des Deutschen Bundestages als Interessenvertretung eingetragen, zahlreiche VKU-Mitgliedsunternehmen sind im Gasgeschäft tätig, und der VKU hat in der Vergangenheit energiepolitische Positionen u.a. zum Gebäudeenergiegesetz vertreten, die Gasinteressen berührten. Direkt im Anschluss, von 2020 bis 2025, war Frau Reiche Vorstandsvorsitzende einer E.ON-Tochter, die rund 37.000 km Gasnetz verantwortet. Wie grenzt die Ministerin vor diesem Hintergrund ihre Aussage „Ich war nie in der Gaslobby tätig“ konkret ab? Welche Definition von „Gaslobby“ legt die Ministerin dieser Aussage zugrunde?
Frage 3. Ist die Ministerin bereit, die öffentlich getätigte Aussage zum Geschäftsfeld der Westenergie AG zu präzisieren oder zu korrigieren?
Frage 4. Welche Vorkehrungen hat die Ministerin getroffen, um Interessenkonflikte zwischen ihrer früheren Tätigkeit als Vorstandsvorsitzende eines großen Verteilnetzbetreibers mit erheblichem Gasnetzanteil und ihrer aktuellen Zuständigkeit für Regulierungsvorhaben wie die EEG-Novelle 2026 sowie das Netzpaket 2026 zu vermeiden?
Die Antwortfrist wurde mit 24. April 2026, 12:00 Uhr angegeben.
Die Antwort des BMWE vom 23. April 2026
Die Antwort der BMWE-Pressestelle ist am 23. April 2026 um 20:06 Uhr eingegangen. Absenderin: Susanne Ungrad. Im Wortlaut:
Sehr geehrter Herr Jendrischik,
zu Ihrer Anfrage kann ich Ihnen für das BMWE sagen:
Die Worte der Ministerin stehen für sich.
Sie hat insbesondere darauf hingewiesen, dass das Unternehmen Westenergie kein Lobbyverband ist, sondern allgemein Infrastruktur betreibt, insbesondere auch im Strombereich.
Zur Vermeidung von Interessenskonflikten in der Bundesregierung gibt es klare gesetzliche Vorgaben. Selbstverständlich werden diese eingehalten.
Mit freundlichen Grüßen
BMWE-Pressestelle, 23. April 2026, 20:06 Uhr
Susanne Ungrad
Reaktionen auf Katherina Reiches Westenergie- und VKU-Aussagen
Die Aussagen von Katherina Reiche haben für breites Aufsehen gesorgt. So fragt Günther Klebinger, ob Katherina Reiche vergesslich sei.
Fragesteller Tilo Jung wirft der Ministerin „Lüge“ vor.
Auch T-Online berichtet über den mutmaßlichen Fehltritt der Ministerin als „Falschaussage“.
Und Grünen-Politikerin Lisa Badum äußert sich auf X sehr deutlich.
Zur Verwendung des Dossiers Katherina Reiche Westenergie
Anfrage und Antwort werden auf dieser Seite vollständig und unverändert im Wortlaut wiedergegeben. Das Material darf von Redaktionen, Abgeordneten, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Fachöffentlichkeit frei zitiert und verwendet werden. Um eine Nennung als Quelle („Cleanthinking.de“) wird gebeten.
Die PDF-Version steht hier zum Download bereit: Cleanthinking-Dossier Reiche-Anfrage (PDF, 3 Seiten).

Martin Ulrich Jendrischik, Jahrgang 1977, beschäftigt sich seit 20 Jahren als Journalist und Kommunikationsberater mit sauberen Technologien. 2009 gründete er Cleanthinking.de – Sauber in die Zukunft. Im Zentrum steht die Frage, wie Cleantech dazu beitragen kann, das Klimaproblem zu lösen. Die oft als sozial-ökologische Wandelprozesse beschriebenen Veränderungen begleitet der Autor und Diplom-Kaufmann Jendrischik intensiv. Als „Clean Planet Advocat“ bringt sich der gebürtige Heidelberger nicht nur in sozialen Netzwerken wie Linkedin und Facebook über die Cleanthinking-Kanäle ein.