FOSSILE PANIK · 5. JUNI 2026
Weißes HausFossiles Zeugverbrennen: Trump verbrennt weitere 700 Mio. Dollar für den Petrostaat von gestern
Donald Trump pumpt 700 Millionen Dollar Steuergeld in die sterbende Kohleindustrie. Er nutzt dafür ein Kriegsgesetz aus den 1950er Jahren. Dieser verzweifelte Versuch, die Realität durch fossiles Zeugverbrennen auszutricksen, zeigt, wie gewaltig die fossile Panik ist.
Es ist ein Bild, das die Energiewelt in zwei Hälften teilt: Während Solar, Wind und Batteriespeicher im ersten Amtsjahr der Trump-Regierung 55.800 Megawatt an neuer Kapazität zubauten, verlor Kohle im selben Zeitraum 4.400 Megawatt. Die Verhältnisse sind glasklar: Die erneuerbare Realität verdrängt fossiles Zeugverbrennen. Und genau in diesem Moment beschließt Donald Trump, 700 Millionen Dollar in der Kohleindustrie zu verbrennen.
Der US-Präsident nutzt dafür den Defense Production Act, ein Gesetz aus der Zeit des Kalten Krieges, das dem Präsidenten Eingriffsrechte in Industrien einräumt, die als entscheidend für die nationale Sicherheit gelten. Trumps Begründung: Der steigende Strombedarf durch Rechenzentren für Künstliche Intelligenz. Seine bizarrer Aussage im Oval Office dazu: Länder, die Kohle nutzen, seien angeblich erfolgreich. Länder, die auf Wind setzten hingegen, seien gescheitert.
Was Trumps Kohle-Förderung wirklich bedeutet
Das Paket verteilt sich auf drei Bereiche: 425 Millionen Dollar fließen über den Defense Production Act in die Modernisierung von 13 bestehenden Kohlekraftwerken in 10 Bundesstaaten. Weitere 185 Millionen Dollar gehen als Co-Finanzierung in Kohleprojekte in Alaska, Maryland und West Virginia, darunter die zwei ersten neuen Kohlekraftwerke seit 2013. Und 75 Millionen Dollar sollen den Bau eines Kohle-Exportterminals an der Westküste finanzieren, über das US-Kohle nach Asien verschifft werden soll.
Die meisten geförderten Anlagen liegen in Bundesstaaten, die Trump bei der Präsidentschaftswahl 2024 gewonnen hat. Die versprochene Sicherung von 14.000 Arbeitsplätzen steht gegen eine nüchterne Statistik: Die Zahl der Beschäftigten im US-Kohlebergbau sank laut US-Notenbank von 51.500 im Jahr 2017 auf 39.800 im vergangenen Jahr. Trotz aller Deregulierung konnte Trump den Trend nicht umkehren.
Die erneuerbare Realität auf dem US-Strommarkt
Die Fakten sprechen gegen jeden Versuch einer Kohle-Renaissance. Kohle lieferte 2025 nur noch 15 Prozent des US-Stroms, verglichen mit mehr als 50 Prozent im Jahr 1990. Die installierte Kohlekapazität ist seit ihrem Höchststand von 340 Gigawatt im Jahr 2010 um 43 Prozent auf 190 Gigawatt geschrumpft. Für 2026 prognostiziert die US-Energiebehörde EIA einen weiteren Rückgang auf einen Anteil von nur noch 15 Prozent.
Gleichzeitig dominieren Erneuerbare den Kapazitätszubau. 2025 kamen 27.700 Megawatt Utility-Scale-Solar hinzu, dazu 6.300 Megawatt Aufdach-Solar und 15.800 Megawatt Batteriespeicher. Für 2026 plant die EIA 62 Prozent mehr Zubau durch Solar, Wind und Speicher als im Vorjahr. Nahezu die gesamte neue Erzeugungskapazität in den USA kommt aus erneuerbaren Quellen.
Der Kostenvergleich macht die Absurdität greifbar: Laut einer Analyse von Energy Innovation sind 99 Prozent aller US-Kohlekraftwerke teurer im Betrieb als der Neubau von Solar- oder Windanlagen in derselben Region. Bei 80 Prozent der Kraftwerke liegen die Kosten der erneuerbaren Alternative mindestens 30 Prozent niedriger. Die Umstellung würde 589 Milliarden Dollar an Investitionen freisetzen.
Fossiles Zeugverbrennen: Petrostaat statt Elektrostaat
Was Trump als nationale Energiestrategie verkauft, lässt sich im Rahmen der Electrotech-Revolution deutlich präziser einordnen. Der Ember-Stratege Kingsmill Bond beschreibt seit Jahren den fundamentalen Wandel: Länder spalten sich in Petrostaaten, die an fossilen Geschäftsmodellen klammern, und Elektrostaaten, die die Elektrifizierung als geopolitischen Vorteil nutzen. China hat diese Rolle als erster Elektrostaat besetzt, mit globaler Dominanz bei Solarpanels, Batterien, Wechselrichtern und Elektrofahrzeugen.
Die USA stehen vor einer paradoxen Situation. Ihre Wirtschaft elektrifiziert sich rasant, getrieben von privaten Investoren, Energieversorgern und Bundesstaaten. Die föderale Politik unter Trump zieht in die entgegengesetzte Richtung. Das ist fossile Panik in ihrer reinsten Form: Ein politisches System, das die ökonomische Realität leugnet, um die Interessen einer schrumpfenden Industrie zu bedienen.
Trumps Entscheidung, ein Notstandsgesetz zu bemühen, um fossiles Zeugverbrennen als Frage der nationalen Sicherheit zu framen, ist aufschlussreich. Der Defense Production Act wurde für Krisenlagen geschaffen. Trump nutzt ihn, um eine Industrie zu stützen, deren Geschäftsmodell der Markt bereits abgewickelt hat. Kit Kennedy vom Natural Resources Defense Council brachte es auf den Punkt: Ob als Nächstes Steuergeld für den Bau neuer Telefonzellen komme. Der Sierra Club kündigte rechtliche Schritte an.
Die Ironie dieser Politik liegt in Trumps eigenem KI-Argument. Rechenzentren brauchen verlässlichen, günstigen Strom in rauen Mengen. Solar plus Batteriespeicher oder Geothermie liefert genau das, zu sinkenden Kosten, mit planbarer Verfügbarkeit. Kohle liefert das Gegenteil: steigende Kosten, alternde Infrastruktur, regulatorische Risiken. Kein Tech-Konzern der Welt plant ein Rechenzentrum mit Kohlestrom.
700 Millionen Dollar Steuergeld für Kohle sind in einem 27-Billionen-Dollar-Haushalt eine Randnotiz. Aber sie sind ein Signal: Die USA unter Trump wählen den Weg des Petrostaats. Die Frage ist nur, wie lange sich eine Volkswirtschaft gegen physikalische und ökonomische Gesetze stemmen kann, bevor die Kosten untragbar werden.
QUELLEN
- DIE ZEIT US-Regierung kündigt Förderung für Kohleindustrie an
- CBS News Trump announces $700 million investment in coal plants
- Energy Innovation The Coal Cost Crossover 3.0
- EIA Coal's share of U.S. electricity generation
- Energy Innovation What Is Coal's Future In The United States?
- Ember The Electrotech Revolution
- SUN DAY Campaign / Electrek 62% more renewable energy capacity coming in 2026