El Niño 2026: Was wirklich dahintersteckt

KLIMAPHÄNOMEN · 12. JUNI 2026

El Niño einfach erklärt: Was hinter dem Klimaphänomen wirklich steckt

El Niño ist keine Wettermaschine mit Aus-Knopf, sondern ein Pendel im Pazifik, das die Welt aus dem Takt bringt. Wie das System funktioniert, wie Forscher seine Stärke messen und warum der „Super El Niño" der Schlagzeilen ein Wort ohne wissenschaftlichen Gehalt ist.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 14 Min. Lesezeit LESEN


Alle paar Jahre kippt im tropischen Pazifik ein Gleichgewicht, und plötzlich verschiebt sich Wetter auf der halben Welt. Dürre in Australien, Sturzregen in Peru, gestörte Monsune in Indien. Das Phänomen heißt El Niño, und kaum ein Begriff aus der Klimaforschung wird so oft falsch verwendet. Spätestens seit die Boulevardmedien einen „Super El Niño" ausgerufen haben, der angeblich den deutschen Sommer ruiniert, lohnt sich ein Blick auf das, was Wissenschaft tatsächlich weiß und was sie ausdrücklich nicht behauptet.

Dieser Beitrag erklärt das System von Grund auf. Er ist die wissenschaftliche Ergänzung zu unserer aktuellen Berichterstattung über das El-Niño-Ereignis 2026, das die japanische Wetterbehörde JMA inzwischen als gesichert einstuft. Wer verstehen will, warum die Prognosen mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten und nicht mit Gewissheiten, findet hier die Grundlagen.

Animation der Meeresoberflächentemperatur im tropischen Pazifik von Januar bis Juni 2026, El Niño baut sich auf
So baut sich El Niño 2026 auf: die Abweichung der Meeresoberflächentemperatur im tropischen Pazifik vom 1. Januar bis 8. Juni 2026. Rot steht für wärmer, blau für kühler als normal. Grafik: NOAA Satellites

Ein Pendel im Pazifik: Was ENSO bedeutet

El Niño ist nur eine Hälfte einer Geschichte. Der vollständige Name lautet ENSO, El Niño-Southern Oscillation. Gemeint ist ein gekoppeltes System aus Ozean und Atmosphäre im tropischen Pazifik, das zwischen drei Zuständen schwankt: El Niño als Warmphase, La Niña als Kaltphase und dazwischen ein neutraler Normalzustand, in dem sich das System die meiste Zeit befindet.

Der Motor dieses Pendels sind die Passatwinde. Sie wehen entlang des Äquators von Ost nach West und schieben warmes Oberflächenwasser vor sich her, das sich vor Indonesien und Australien staut. Vor der Küste Perus und Ecuadors strömt im Gegenzug kaltes, nährstoffreiches Tiefenwasser nach oben. Diesen Prozess nennt die Ozeanografie Upwelling. Das Ergebnis ist ein kräftiges Temperaturgefälle quer über den Pazifik: warm im Westen, kühl im Osten.

In manchen Jahren schwächen sich die Passatwinde ab oder drehen sich kurzzeitig um. Dann wird weniger warmes Wasser nach Westen transportiert, der Auftrieb des kalten Tiefenwassers vor Südamerika bricht ein, und vor der südamerikanischen Küste sammelt sich plötzlich warmes Oberflächenwasser. Genau das ist ein El Niño. La Niña ist das Spiegelbild: besonders starke Passatwinde, besonders kaltes Wasser im Ostpazifik.

Schema Normalzustand ENSO: Passatwinde, warmes Oberflächenwasser im Westen, Upwelling vor Peru
Normalzustand: Kräftige Passatwinde schieben warmes Wasser nach Westen, vor Peru steigt kaltes Tiefenwasser auf. Grafik: Cleanthinking.de

So sieht der Ausgangszustand aus, gegen den sich alles Weitere abspielt. Solange die Passatwinde kräftig wehen, bleibt das warme Wasser im Westen und der kühle Auftrieb vor Südamerika stabil. Erst wenn dieses Gleichgewicht kippt, beginnt ein El Niño oder eine La Niña.

Die Kelvinwelle und der Mechanismus dahinter

Wie genau kippt das System? Den Anstoß geben oft Schübe von Westwinden im westlichen Pazifik. Sie schicken eine sogenannte Kelvinwelle auf die Reise: einen riesigen Schwall warmen Wassers, der sich in der Tiefe nach Osten ausbreitet, für Satelliten unsichtbar, oft 100 bis 250 Meter unter der Oberfläche. Erreicht diese Warmwasserwelle den Ostpazifik, drückt sie die Grenzschicht zwischen warmem und kaltem Wasser, die Thermokline, nach unten. Das Upwelling kommt zum Erliegen, die Meeresoberfläche erwärmt sich.

Schema El Niño: abgeschwächte Passatwinde, warmes Wasser breitet sich nach Osten aus, Upwelling unterdrückt
El Niño: Die Passatwinde erlahmen, warmes Wasser schwappt ostwärts, das Upwelling vor Peru bricht ein. Grafik: Cleanthinking.de

Jetzt setzt eine Rückkopplung ein, die nach dem Klimaforscher Jacob Bjerknes benannt ist. Wärmeres Wasser im Ostpazifik schwächt die Passatwinde weiter, schwächere Winde lassen das Wasser noch wärmer werden. Das System verstärkt sich selbst. Diese atmosphärische Komponente, die Walker-Zirkulation genannte Luftströmung über dem Pazifik, ist nach Forschung des Kieler GEOMAR entscheidend dafür, wie stark ein El Niño am Ende ausfällt.

Weil die Wärme im tropischen Pazifik wie ein gigantischer Heizkörper auf die Atmosphäre wirkt, verschiebt ein El Niño Hoch- und Tiefdruckgebiete weit über den Pazifik hinaus. Über sogenannte Telekonnektionen verändern sich Windbänder wie der Jetstream, und Wettermuster auf anderen Kontinenten geraten in Bewegung. So wird aus einer regionalen Ozeananomalie ein globales Ereignis.

Schema La Niña: verstärkte Passatwinde, besonders kaltes Wasser im Ostpazifik, intensiviertes Upwelling
La Niña, das Spiegelbild: Besonders starke Passatwinde treiben das Upwelling an, der Ostpazifik kühlt extrem aus. Grafik: Cleanthinking.de

Das Gegenstück zu El Niño ist La Niña. Hier wehen die Passatwinde nicht schwächer, sondern besonders kräftig. Sie stauen das warme Wasser noch stärker im Westen und ziehen vor Südamerika so viel kaltes Tiefenwasser nach oben, dass der Ostpazifik ungewöhnlich weit auskühlt. Beide Phasen sind keine Störung von außen, sondern zwei Ausschläge desselben Pendels.

Schwach, moderat, stark, sehr stark: Wie Forscher die Intensität messen

Um El Niño messbar zu machen, beobachten Klimabehörden die Meeresoberflächentemperatur in einem festgelegten Streifen des zentralen Pazifiks, der Region Niño 3.4. Die US-Behörde NOAA bildet daraus den Oceanic Niño Index, kurz ONI: ein gleitendes Dreimonatsmittel der Temperaturabweichung vom langjährigen Durchschnitt. Liegt dieser Wert über fünf aufeinanderfolgende Dreimonatszeiträume bei mindestens plus 0,5 Grad, gilt ein El Niño als offiziell aufgetreten.

Die Stärke wird über denselben Index abgestuft. Ein schwacher El Niño liegt bei einer Abweichung von 0,5 bis 0,9 Grad, ein moderater bei 1,0 bis 1,4 Grad, ein starker bei 1,5 bis 1,9 Grad. Erst ab plus 2,0 Grad spricht die Wissenschaft von einem sehr starken El Niño. Genau hier liegt der Kern des Missverständnisses: Eine Kategorie „Super El Niño" gibt es in dieser Klassifikation nicht. Der Begriff stammt aus den Medien, nicht aus der Forschung.

Andere Wetterdienste nutzen eigene Maßstäbe. Die japanische Behörde JMA bezieht ihren Index auf eine andere Referenzregion und eine gleitende Klimaperiode, die australische BoM und die WMO bündeln mehrere Indizes. Diese Unterschiede erklären, warum verschiedene Dienste ein El-Niño-Ereignis zu leicht verschiedenen Zeitpunkten ausrufen. Keiner liegt falsch, sie schauen nur durch unterschiedlich geschliffene Linsen auf dasselbe Phänomen.

RONI: Warum die NOAA ihren Index gerade reformiert hat

Es gibt ein Problem mit dem klassischen ONI, und es ist hausgemacht durch die Erderwärmung. Der Index misst die Abweichung von einem 30-jährigen Mittelwert. Doch wenn sich der gesamte Pazifik durch den Klimawandel erwärmt, sieht jeder El Niño automatisch stärker aus, als er im Verhältnis zum Umfeld tatsächlich ist, und jede La Niña schwächer. Der Maßstab selbst verrutscht.

Deshalb hat das Climate Prediction Center der NOAA Anfang 2026 erstmals seit Jahrzehnten auf einen neuen Leitindex umgestellt: den Relative Oceanic Niño Index, RONI. Er bereinigt eine Datenreihe, die bis 1950 zurückreicht, um den globalen Erwärmungstrend. Er zieht von der Temperatur in der Niño-3.4-Region die mittlere Erwärmung der gesamten Tropen ab und misst so nur noch das eigentliche ENSO-Signal, bereinigt um den globalen Trend. Die Folge ist bemerkenswert: Zwei Winter, die nach altem ONI als neutral galten, würden nach RONI als klare La-Niña-Phasen eingestuft. Erst dieser Index macht ein Ereignis von 1950 mit einem von 2026 wirklich vergleichbar.

Während das Pendel kippt, wird die Messtechnik abgebaut

Eine El-Niño-Vorhersage ist nur so gut wie die Daten, auf denen sie beruht. Bojen, Tiefseesensoren und treibende Argo-Schwimmer messen Temperatur und Strömung dort, wo das Signal entsteht, unter der Oberfläche. Ausgerechnet diese Infrastruktur wird in den USA gerade demontiert. Die Trump-Administration baut das 368 Millionen Dollar teure Ozeanbeobachtungsnetz Ocean Observatories Initiative ab und zieht bis 2027 Instrumente aus vier großen Arrays. Eines davon, das Endurance-Array vor Oregon und Washington, liegt im Nordostpazifik, genau dort, wo der El Niño diesen Sommer auf die nordamerikanische Küste trifft.

Der Abbau hat System. Für das Haushaltsjahr 2026 will die Regierung rund 1,7 Milliarden Dollar aus dem NOAA-Etat streichen und die Forschungssparte der Behörde nahezu auflösen. Schon im Februar 2025 wurden etwa zehn Prozent der NOAA-Belegschaft entlassen, darunter Hunderte Meteorologen. Die Zahl der weltweiten Argo-Schwimmer ist auf rund 3.600 gesunken. Forscher warnen, dass die globale Fehlerquote bei der Messung der Ozeanerwärmung um über 160 Prozent steigen würde, fielen die US-Beiträge ganz weg.

Für die Praxis heißt das zweierlei. Erstens verliert die Welt Augen unter der Wasseroberfläche, während ein starkes Klimaereignis aufzieht. Zweitens verschiebt sich das Gewicht der verlässlichen Beobachtung Richtung Europa und Asien. Noch liefert die NOAA ihre Advisories, wie zuletzt Mitte Juni 2026. Doch die offene Frage ist die langfristige Verlässlichkeit: Wer den El Niño künftig verfolgt, schaut zunehmend auch auf die laufenden Lageberichte der japanischen JMA und auf den europäischen Copernicus-Dienst, während die zeitlosen methodischen Grundlagen wie die ONI- und RONI-Definition weiter von der NOAA stammen. Dieser Beitrag stützt sich bei aktuellen Werten bewusst auf mehrere Dienste, nicht allein auf eine US-Quelle, deren Zukunft unsicher ist.

Was El Niño weltweit anrichtet

Die Folgen sind regional sehr unterschiedlich, und das ist wichtig zu betonen: Es gibt nicht das eine El-Niño-Wetter. Am stärksten betroffen ist die Pazifikregion selbst. Peru und Ecuador erleben während kräftiger Ereignisse ungewöhnlich hohe Niederschläge bis hin zu Überflutungen und Erdrutschen. Australien und Indonesien dagegen leiden unter Hitze, Dürre und einem erhöhten Waldbrandrisiko. Mehrere der schwersten australischen Buschfeuersaisons fielen in Jahre mit sehr starkem El Niño, auch wenn längst nicht jedes Feuerjahr ein El-Niño-Jahr war.

Weltkarte der globalen Auswirkungen von El Niño im Winter und Sommer
El Niño: globale Auswirkungen im Nordhalbkugel-Winter (Dezember bis Februar) und -Sommer (Juni bis August). Grafik: NOAA Climate.gov (gemeinfrei)

In Indien kann El Niño den Sommermonsun schwächen und Dürreperioden begünstigen, mit unmittelbaren Folgen für Landwirtschaft und Ernährungssicherheit. Selbst indirekte Effekte reichen weit: Nach Überschwemmungen in Ostafrika haben Forscher in der Vergangenheit El Niño mit dem Ausbruch von Cholera in Verbindung gebracht. Das System ist ein Verstärker, der bestehende Verwundbarkeiten freilegt.

Der Vergleich mit La Niña macht das Muster anschaulich: Wo die Warmphase eine Region austrocknet, bringt die Kaltphase oft das Gegenteil. Beide Karten zeigen zudem, wie stark sich die Auswirkungen zwischen Winter und Sommer unterscheiden.

Weltkarte der globalen Auswirkungen von La Niña im Winter und Sommer
La Niña zum Vergleich: In vielen Regionen kehrt sich das Muster gegenüber El Niño um. Grafik: NOAA Climate.gov (gemeinfrei)

Und Europa? Der eigentliche Treiber heißt Klimawandel

Hier wird es für deutsche Leser entscheidend. Europa liegt am Ende einer langen, abgeschwächten Wirkkette. Die Fernwirkung von El Niño reicht zwar über das Windsystem bis in den Atlantik, doch was bei uns ankommt, ist ein schwaches, von anderen Faktoren überlagertes Signal. Für das mitteleuropäische Wetter ist die Nordatlantische Oszillation meist bestimmender als ein Ereignis im fernen Pazifik. Ein starker El Niño kann durchaus mit einem unauffälligen europäischen Sommer zusammenfallen.

Wenn Deutschland und Österreich also einen Hitzesommer mit Dürreperioden erleben, ist El Niño bestenfalls ein indirekter Mitspieler, nicht der Haupttreiber. Der Haupttreiber ist der Klimawandel. Europa hat sich seit den 1980er-Jahren etwa doppelt so schnell erwärmt wie der globale Durchschnitt. Hinzu kommt ein Faktor, der medial kaum vorkommt: die ausgetrockneten Böden. Der Frühling 2026 war in Österreich der trockenste der Messgeschichte, in Teilen Deutschlands zeigen die Dürremonitore extreme Defizite. Trockene Böden verlieren ihre kühlende Wirkung und heizen jede Hitzewelle zusätzlich an.

Das ist die eigentlich relevante Geschichte für unsere Breiten, und sie hat mit dem Pazifik wenig zu tun. Sie handelt von sinkenden Grundwasserständen, von Wasserverbrauch und von einer Erwärmung, auf die wir direkten Einfluss haben. Den vollständigen Strang dieser Einordnung, inklusive der wirtschaftlichen Folgen für Energiepreise und fossile Abhängigkeit, vertiefen wir in unserem aktuellen Beitrag zum El Niño 2026.

Warum „Super El Niño" eine Erfindung der Schlagzeilen ist

Die Wissenschaftskommunikatorin Aerri hat das Problem in einem sehenswerten Video auf den Punkt gebracht: Der Begriff „Super El Niño" existiert in der Forschung schlicht nicht. Er ist eine Wortschöpfung der Medien, die von Artikel zu Artikel weitergereicht wird, ohne dass jemand prüft, ob es die Kategorie überhaupt gibt. Das Tückische daran ist nicht nur die Ungenauigkeit. Wenn am Ende die angekündigte Katastrophe ausbleibt, heißt es schnell, die Wissenschaft habe übertrieben, obwohl sie das Wort nie benutzt hat.

Aerri erklärt verständlich und mit hörbarem Frust über schlechten Wissenschaftsjournalismus, warum es den „Super El Niño" nicht gibt. Quelle: YouTube

Was mit „Super El Niño" gemeint sein könnte, ist am ehesten ein sehr starkes Ereignis ab plus 2,0 Grad. Doch ob ein El Niño diese Schwelle erreicht, steht früh im Jahr noch nicht fest. Und damit zum entscheidenden Punkt, den seriöse Berichterstattung von Panikmache trennt.

Warum im Frühjahr niemand die Stärke kennt

Klimamodelle liefern keine festen Aussagen, sondern Szenarien mit unterschiedlichen Eintrittswahrscheinlichkeiten. Sie werden im Jahresverlauf mehrfach mit neuen Daten aktualisiert. Aus einer 60-Prozent-Wahrscheinlichkeit eines Modells eine absolute Schlagzeile zu machen, ist genau der Fehler, vor dem Forscher warnen.

Es gibt dafür sogar einen physikalischen Grund, der in der Aufregung meist untergeht: die sogenannte Frühjahrsbarriere der Vorhersagbarkeit, im Fachjargon Spring Predictability Barrier. Das Frühjahr ist ausgerechnet die Phase, in der ein altes ENSO-Ereignis abklingt und sich noch nicht entschieden hat, was als Nächstes kommt. Die Kopplung zwischen Ozean und Atmosphäre ist dann schwach, das Verhältnis von echtem Signal zu zufälligem Rauschen ungünstig. Modelle, die im Februar oder März rechnen, treffen deshalb über die spätere Stärke kaum verlässliche Aussagen.

Das ist der Kern der Sache. Die lautesten Super-El-Niño-Schlagzeilen stammen genau aus diesem unsicheren Frühjahrsfenster. Erst ab Juni, wenn die Barriere durchschritten ist, gewinnen die Prognosen an Schärfe. Die Weltwetterorganisation rät ausdrücklich, Vorhersagen aus der ersten Jahreshälfte nur als Richtwert zu lesen. Wer im März eine Gewissheit für den Hochsommer verkauft, ignoriert eine bekannte Grenze der Wissenschaft.

Für 2026 zeigt sich das exemplarisch. Noch im April sah die japanische JMA die Wahrscheinlichkeit eines El Niño im Sommer bei 70 Prozent. Im Juni-Advisory vom 10. Juni 2026 stuft sie das Ereignis als seit dem Frühjahr aufgetreten ein, mit einer Meeresoberflächentemperatur von plus 1,2 Grad im Mai und einer Fortdauer bis in den Herbst, die sie als praktisch sicher angibt.

Auch die US-Behörde NOAA gab am 11. Juni 2026, nach Durchschreiten der Frühjahrsbarriere, ein offizielles El-Niño-Advisory aus. Sie erwartet eine Verstärkung auf ein moderates bis starkes Niveau im Herbst. Erstmals nennt sie auch eine Zahl für die Spitze: eine 63-prozentige Chance, dass die Meeresoberflächentemperatur die Schwelle von plus 2,0 Grad überschreitet, also die Grenze zum sehr starken Ereignis. Dass ein El Niño da ist, ist damit gesichert. Ob er wirklich sehr stark wird, bleibt eine Wahrscheinlichkeit, kein Fakt, auch wenn sie nun konkret beziffert ist. Alle hier genannten Werte sind der Stand von Juni 2026 und werden von den Diensten laufend aktualisiert.

Das ist die nüchterne Wahrheit hinter den Horror-Headlines. El Niño ist real, mächtig und global wirksam. Aber er ist kein Schicksal mit fixem Drehbuch, sondern ein Wahrscheinlichkeitsraum, der sich Monat für Monat verengt. Wer das versteht, ist gegen die nächste reißerische Schlagzeile immun.

QUELLEN

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  1. NOAA (11. Juni 2026): El Nino forms, expected to strengthen, say NOAA forecasters
  2. JMA (10. Juni 2026): El-Niño-Monitoring (Kanshi Joho No. 405)
  3. NOAA Climate.gov: El Niño & La Niña (ENSO)
  4. NOAA CPC: Oceanic Niño Index (ONI)
  5. NOAA CPC (Februar 2026): CPC adopts Relative Oceanic Niño Index (RONI)
  6. NOAA Climate.gov: The Spring Predictability Barrier
  7. GEOMAR: El Niño im Klimawandel
  8. Bureau of Meteorology: El Niño and Australia
  9. CNN (3. Juni 2026): The Trump administration just ditched a vital deep-sea monitoring system
  10. OPB (3. Juni 2026): Scientists lose critical climate monitoring in oceans
  11. DIE ZEIT / AP (28. Februar 2025): US-Regierung entlässt Hunderte Meteorologen der Wetterbehörde NOAA
  12. Aerri: El Niño und Super El Niño erklärt (Video)
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