ENERGIEWENDE · 23. JUNI 2026

Erneuerbare drücken Strompreise in der Türkei auf ein Rekordtief
Ein Rekordanteil erneuerbarer Energien hat die Großhandels-Strompreise in der Türkei im Mai 2026 auf den tiefsten Stand seit Marktöffnung 2011 gedrückt. Das spart dem Staat 746 Millionen US-Dollar an Stromsubventionen.
Erneuerbare Energien haben in der Türkei einen Effekt erzielt, der die Fossil-Lobby nervös machen dürfte. Weil Wind, Sonne und vor allem Wasserkraft in den ersten fünf Monaten 2026 einen Rekordanteil an der Stromerzeugung stellten, fiel der Großhandelspreis für Strom auf ein Allzeittief. Nach Berechnungen des Energie-Thinktanks Ember sparte der türkische Staat dadurch 746 Millionen US-Dollar an Subventionen für Haushaltsstromrechnungen.
Der Hintergrund: Die Türkei stützt seit 2021 die Strompreise privater Haushalte. Damals trieb die Erholung der Fossil-Nachfrage nach der Corona-Pandemie zusammen mit dem russischen Angriff auf die Ukraine die Großhandelspreise erstmals über den regulierten Haushaltstarif. Seither glich der Staat die Differenz aus.
Warum die Strompreise in der Türkei auf Rekordtief fallen
Im Zeitraum Januar bis Mai 2026 stieg die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen um 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 87 Terawattstunden, den höchsten je gemessenen Wert. Der Anteil der Erneuerbaren an der gesamten Stromerzeugung kletterte auf 61 Prozent. Das ist der höchste Stand seit 26 Jahren.

Weil erneuerbarer Strom deutlich niedrigere Erzeugungskosten hat als fossiler, sank der reale Großhandelspreis im Vergleichszeitraum um 48 Prozent. Besonders deutlich war der Effekt im Mai: Mit einem Erneuerbaren-Anteil von 73 Prozent fiel der Preis um 82 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat und damit auf den tiefsten Stand seit Gründung des Day-Ahead-Marktes 2011.
Treiber des Rekords war die Wasserkraft. Außergewöhnlich hohe Niederschläge ließen ihre Erzeugung auf einen historischen Höchstwert steigen. Ihr Anteil an der erneuerbaren Stromerzeugung legte um 10 Prozentpunkte auf 54 Prozent zu.
Was das für die Energiewende-Debatte bedeutet
Die Türkei liefert ein Lehrstück für die ökonomische Logik der Electrotech-Revolution: Je höher der Anteil günstiger Erneuerbarer, desto stärker sinkt der Marktpreis. Das entlastet nicht nur den Staatshaushalt, sondern auch jene Haushalte, die gar nicht unter das Subventionsschema fallen und deren Rechnung direkt am Markt hängt.
Im April und Mai fiel der Großhandelspreis erstmals seit fast fünf Jahren wieder unter den Hochverbrauchs-Haushaltstarif. Der Löwenanteil der verbliebenen Subventionen entfiel damit auf den Niedrigverbrauchstarif, der einkommensschwache Haushalte schützt. Die teure Stütze für den Normalverbrauch wird überflüssig, sobald der Markt selbst günstiger liefert.
Das Risiko heißt Dürre
Der Haken liegt im Wetter: Ein großer Teil des Rekords beruht auf der Wasserkraft. Bleiben die Niederschläge aus, könnten Dürreperioden die ökonomischen Gewinne wieder zunichtemachen. Die Versorgungssicherheit hängt damit an einem Faktor, den niemand steuern kann.
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Ember rät der Türkei deshalb, die Genehmigungsverfahren für speichergekoppelte Wind- und Solarprojekte sowie für hybride Solarkraftwerke zu beschleunigen. Vor allem aber müsse das Land seine Dächer erschließen. Einfachere Regeln für Aufdach-Solaranlagen seien der Schlüssel, um das enorme Potenzial zu heben und den Rekord vom Wetter unabhängig zu machen.