PRODUKTION · 06. AUGUST 2026
Hyndum SteelHydnum Steel: 150 Millionen Euro für erstes Clean-Steel-Werk Spaniens
Das spanische Staatsunternehmen COFIDES investiert 150 Millionen Euro in Hydnum Steel. Die geplante Anlage in Puertollano wäre die erste Clean-Steel-Fabrik der Iberischen Halbinsel.
COFIDES investiert 150 Millionen Euro in Hydnum Steel. Mit dem Geld aus dem staatlichen Ko-Investitionsfonds FOCO soll in Puertollano die erste Clean-Steel-Anlage der Iberischen Halbinsel entstehen: 2,7 Millionen Tonnen Flachstahl pro Jahr, produziert mit Elektrolichtbogenöfen, grünem Wasserstoff und 100 Prozent erneuerbarem Strom.
Die Zusage kommt vom Co-investment Fund (FOCO), einem 2-Milliarden-Euro-Fonds aus dem spanischen Wiederaufbauplan PRTR, gespeist aus EU-Mitteln von NextGenerationEU. Verwaltet wird er von COFIDES, einem staatlichen Beteiligungsunternehmen mit Mehrheitsaktionär Spanien und den Banken Santander, BBVA, Sabadell und CAF als weiteren Anteilseignern. FOCO fördert gezielt ausländische Ko-Investitionen in Sektoren, die Spanien als strategisch einstuft, Stahl gehört seit der Ankündigung von Hydnum Steel 2023 dazu.
Träger des Projekts ist der Anlagenbauer Russula, gemeinsam mit Siemens für Digitalisierung, Automatisierung und Cybersecurity, dem Energieversorger ABEI Energy für erneuerbare Erzeugung und grünen Wasserstoff sowie Primetals Technologies für die Metallurgietechnik. Kernprozess ist der Elektrolichtbogenofen (EAF), betrieben mit grünem Strom und grünem Wasserstoff, komplett ohne fossile Brennstoffe. Gewalzt wird mit der Endless-Strip-Production-Technologie von Arvedi, die Wasseraufbereitung läuft nach dem Zero-Liquid-Discharge-Prinzip ohne Abwassereinleitung.
Für den Netzanschluss steht eine Kapazität von 500 Megawatt am Knotenpunkt Brazatortas bereits fest. Die Guadalquivir-Flussbehörde hat die hydrologische Anpassung positiv beschieden.
Die Regionalregierung von Castilla-La Mancha hat dem Projekt im Frühjahr 2026 den Status als Vorhaben von regionalem Interesse und vorrangiges Projekt final zuerkannt. Der Baubeginn mit Erdarbeiten ist laut Fahrplan für das Jahresende 2026 vorgesehen.
Wie Salzgitter mit dem SALCOS-Programm baut auch Hydnum Steel auf den Umstieg von der Hochofenroute auf strombasierte Stahlerzeugung. Die Salzgitter AG setzt bei SALCOS auf eine integrierte DRI-EAF-Route: Eisenerz wird zunächst per Wasserstoff-Direktreduktion (DRI) zu Eisenschwamm reduziert, bevor der Elektrolichtbogenofen daraus Stahl macht.
Hydnum Steel geht den umgekehrten Weg und startet direkt mit dem Elektrolichtbogenofen als Kernprozess, eine ergänzende Wasserstoff-Direktreduktion ist laut Unternehmensangaben erst für eine spätere Ausbaustufe vorgesehen, wenn mehr grüner Wasserstoff verfügbar ist. Beide Wege zielen auf dieselbe Kennziffer: bis zu 98 Prozent weniger CO2 in Scope 1 und 2 gegenüber der klassischen Hochofen-Konverter-Route.
Die Gesamtinvestition für das Werk liegt laut Unternehmensangaben bei rund 1,65 Milliarden Euro, davon etwa 600 Millionen Euro Eigenkapital und rund 1 Milliarde Euro Fremdkapital. Die 150 Millionen Euro von COFIDES sind nicht die einzige öffentliche Unterstützung: Bereits Anfang Juli 2026 hatte Hydnum Steel eine Förderzusage von 60 Millionen Euro aus dem spanischen PERTE-Programm zur Dekarbonisierung der Industrie erhalten, ein separater Fördertopf. Das Unternehmen rechnet mit über 5.000 Arbeitsplätzen, davon mehr als 1.000 direkt und hochqualifiziert, der Rest indirekt und induziert in der Region Castilla-La Mancha.
Für die deutsche Stahlindustrie ist ein Vertrag von April 2025 der greifbarste Anknüpfungspunkt: thyssenkrupp Materials Processing Europe hat sich mit Hydnum Steel auf eine strategische Liefervereinbarung geeinigt. Ab Produktionsstart soll thyssenkrupp bis zu 100.000 Tonnen dekarbonisierten Flachstahl pro Jahr beziehen, zunächst für sieben Jahre. Für die erste Produktionsphase insgesamt hat sich Hydnum Steel nach eigenen Angaben bereits Abnahmeverträge über die komplette Kapazität der ersten fünf Betriebsjahre gesichert.
„Über FOCO unterstützen wir Projekte, die zur Transformation strategischer Wirtschaftssektoren beitragen. Hydnum Steel ist dafür ein klares Beispiel, industrielle Innovation, nachhaltige Produktion und der Aufbau produktiver Kapazitäten kommen hier zusammen”, sagte Ángela Pérez, Vorsitzende und CEO von COFIDES. Eva Maneiro, CEO von Hydnum Steel, ordnete die Investition politisch ein: „Die Unterstützung durch COFIDES und die Aufnahme in die PERTE-Dekarbonisierungsförderung sind ein entscheidender Schub für unser Projekt und seine Rolle bei der Reindustrialisierung und Dekarbonisierung der europäischen Industrie.”
Das Weltwirtschaftsforum hat Hydnum Steel als eines von fünf weltweit besonders innovativen Projekten zur Energiewende in der Stahlherstellung ausgezeichnet. Ob Puertollano den Zeitplan hält, entscheidet sich am Baubeginn Ende 2026 und daran, wie schnell grüner Wasserstoff in der Region verfügbar wird, den auch die spätere Ausbaustufe braucht. Für den europäischen Stahlmarkt zeigt das Projekt schon jetzt: Die Umstellung auf strombasierte Verfahren läuft parallel in mehreren EU-Ländern, jeweils mit staatlichem Geld.
2,7 Mio. t
GEPLANTE JAHRESPRODUKTION
Flachstahl aus Elektrolichtbogenöfen, Werk Puertollano
1,65 Mrd. €
GESAMTINVESTITION
davon 150 Mio. Euro von COFIDES/FOCO, 60 Mio. Euro PERTE-Förderung
98 %
CO2-REDUKTION
Scope 1+2, gegenüber konventioneller Hochofenroute
QUELLEN
- Pressemitteilung Hydnum Steel/COFIDES, 05.08.2026.
- El Economista: Cofides invierte 150 millones de euros en Hydnum Steel, 05.08.2026.
- Junta de Castilla-La Mancha: La planta de acero verde de Hydnum Steel recibe la declaración de interés, 2026.
- thyssenkrupp Materials Processing Europe: Agreement between Hydnum Steel and thyssenkrupp Materials Processing Europe, 02.04.2025.
- CLM24: Hydnum Steel logra 60 millones del PERTE para la acería de Puertollano, 01.07.2026.