Arkaya-Wärmepumpe für Molkereien: Käserei halbiert Stromkosten

WÄRMEPUMPE · 11. AUGUST 2026

Wärmepumpe für Molkereien: Käserei halbiert Stromkosten

Eine neuartige Wärmepumpe von Arkaya Energy kühlt frisch gemolkene Milch und leitet die entstehende Abwärme direkt ins Reinigungswasser. Englands älteste Cheddar-Molkerei spart dadurch jährlich rund 94.000 Dollar Stromkosten.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 3 Min. Lesezeit LESEN


Seit 1833 lässt Barber's Farmhouse Cheesemakers seine Kühe auf den grünen Weiden von Somerset grasen und die Milch mit über Generationen weitergegebenen Kulturen zu preisgekröntem Cheddar reifen. Bei der Energieversorgung setzt der Familienbetrieb inzwischen auf eine Technologie, die es in dieser Form erst seit 2024 gibt: eine Wärmepumpe, die frisch gemolkene Milch kühlt und die dabei entstehende Abwärme sofort zum Erhitzen von Reinigungswasser nutzt.

Gebaut hat sie das britische Startup Arkaya Energy. Das Prinzip: Milch verlässt die Kuh warm und muss danach schnell heruntergekühlt werden, damit sie frisch bleibt. Genau diese Wärme, die bislang meist ungenutzt verpuffte, fängt die Anlage ab und pumpt sie in einen zweiten Kreislauf, der Wasser auf bis zu 92 Grad Celsius bringt. Dieses heiße Wasser braucht jeder Milchbetrieb ohnehin, um Euter, Melkanlagen und Tanks zu reinigen.

Ein Gerät statt zwei getrennter Systeme

Bislang lief das in britischen Molkereien meist über zwei getrennte Systeme: eine Kältemaschine mit Eisspeicher kühlte die Milch, ein separater Elektro- oder Gaskessel erhitzte das Waschwasser. Die sogenannte Abwärme-Rückgewinnung, die dabei schon etwas Wärme vorwärmt, gilt in Großbritannien seit Jahren als Goldstandard. Sie ersetzt aber nie den zusätzlichen Boiler, der die letzten Grade bis zur Reinigungstemperatur draufsatteln muss.

Arkayas Milch-Wärmepumpe verschmilzt beide Schritte zu einem einzigen Gerät. „Es ist eine vorhersagbare Energiequelle, wann immer gemolken wird", erklärt Firmengründer Kumo Sharma den Kerngedanken hinter der Technologie. Welches Kältemittel dabei zum Einsatz kommt, verrät das vierköpfige Unternehmen nicht.

Bei Barber's ist die Rechnung eindeutig. Drei der sieben Melkstände laufen inzwischen mit der neuen Technik, der Stromverbrauch an diesen Standorten hat sich halbiert. Macht rund 70.000 Pfund, etwa 94.000 Dollar, Ersparnis pro Jahr und knapp 66 Tonnen weniger CO2-Ausstoß. Amortisiert hat sich die Investition in weniger als zwei Jahren.

„Es ist einfach ein wunderbares Gefühl, wenn wir Energie sparen, die Kosten senken und gleichzeitig unseren CO2-Fußabdruck reduzieren können", sagt Chris Barber, Betriebsleiter des Familienunternehmens in siebter Generation. Bis 2028 sollen alle verbleibenden Melkstände umgerüstet werden.

Warum das Beispiel über Somerset hinausweist

Der Fall zeigt ein Muster, das sich durch die gesamte Industriewärme-Debatte zieht: Elektrifizierte Prozesswärme scheitert selten an der Technik. Sie scheitert daran, dass Betriebe die Lösung nicht kennen oder dem Strompreis misstrauen. Eine Amortisation unter zwei Jahren ist ein Argument, das sich gegen beide Vorbehalte richtet.

Milchviehbetriebe und Molkereien sind auch in Deutschland ein energieintensiver Mittelstandssektor mit exakt derselben Prozesskombination: kühlen und gleichzeitig heizen. Wie stark sich das direkte Elektrifizieren von Wärme in der Industrie insgesamt rechnet, zeigt das Beispiel des Flumroc-Ofens, der Prozesswärme jenseits der Molkerei elektrifiziert. Auch die geplante CO2-freie Eisfabrik von Florida Eis in Schönebeck setzt auf dasselbe Grundprinzip: Kälte- und Wärmebedarf am selben Standort clever miteinander verzahnen, statt sie getrennt zu bedienen.

Arkaya hat bislang 27 Anlagen installiert und will bis Jahresende 34 weitere ausliefern, vorerst nur in Großbritannien. Danach soll Irland folgen, später der übrige europäische Markt. In den USA, wo laut Sharma niemand eine vergleichbare Lösung für die komplette Wassererhitzung im Melkstand anbietet, fehlt die Technik bislang komplett.

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