KÜNSTLICHE INTELLIGENZ · 18. AUGUST 2026
Illustration: SpaceXTerafab: Musk misst seine Chipfabrik in Terawatt
SpaceX und Tesla bauen ihre gemeinsame Chipfabrik Terafab in Grimes County, Texas. Die erste Bauphase kostet rund 16,8 Milliarden Dollar. Mindestens 3.000 Arbeitsplätze sollen entstehen.
Den Standort haben beide Unternehmen am 6. August 2026 bekanntgegeben. Geplant sind mehr als 100 Millionen Quadratfuß Fertigungsfläche, umgerechnet über 9,3 Millionen Quadratmeter. Spätere Ausbaustufen sollen deutlich teurer werden als die erste.
Gefertigt werden sollen Chips für Optimus-Roboter und selbstfahrende Cybercabs, dazu Hochleistungschips für SpaceX' Rechenzentren im All. Die Fabrik ist eine Folge von Teslas Robotaxi- und Roboter-Vision, die ohne eigene Chipfertigung an Lieferengpässen hängen würde. Mit der Terafactory in Austin, in der Tesla seit 2020 Fahrzeuge baut, hat sie nichts zu tun. Gemeinsam sind beiden nur der Namensbestandteil und der Bundesstaat.
Ein Satz aus der Mitteilung sticht heraus. „The combined SpaceX and Tesla demand for chips is expected to be in excess of 1 terawatt (TW) of compute, which is significantly larger than the current global supply“, schreibt SpaceX. Die gemeinsame Chipnachfrage beider Konzerne werde 1 Terawatt Rechenleistung überschreiten. Das sei deutlich mehr als das heutige weltweite Angebot.
Terawatt misst elektrische Leistung. Für Halbleiter ist das keine übliche Kennzahl, hier werden Wafer, Stückzahlen oder Rechenoperationen gezählt.
Was ein Terawatt Rechenleistung bedeutet
Ein Terawatt sind 1.000 Gigawatt. Die US-Energiebehörde EIA weist für Ende 2025 eine installierte Erzeugungskapazität von 1.281 Gigawatt aus, Aufdach-Solar nicht eingerechnet. Terafabs Chipbedarf läge damit in der Größenordnung von drei Vierteln des gesamten amerikanischen Kraftwerksparks.
Der Vergleich taugt zur Anschauung, nicht als physikalische Gleichung. Chips laufen nicht gleichzeitig, nicht am selben Ort und nicht dauerhaft unter Volllast, ein Teil von ihnen soll nach SpaceX' Plänen ohnehin im Orbit arbeiten.
In Deutschland waren nach der Kraftwerksliste der Bundesnetzagentur Ende Juni 2026 rund 294,7 Gigawatt installiert. Ein Terawatt wäre mehr als das Dreifache.
Auch gegen reale KI-Rechenzentren wirkt die Zahl außer Verhältnis. Das inzwischen zu SpaceX gehörende Colossus-Zentrum bei Memphis läuft mit gut einem Gigawatt, der Ausbau auf 2 Gigawatt ist ein Ziel und kein Zustand.
Meta baut in Ohio mit Prometheus ein Rechenzentrum mit 1 Gigawatt, Inbetriebnahme 2026, in Louisiana mit Hyperion bis zu 5 Gigawatt, davon 2 Gigawatt bis 2030. OpenAI hat für Stargate im Januar 2025 eine Zielmarke von 10 Gigawatt ausgegeben. Ein Terawatt wäre rund das Tausendfache des größten heute laufenden KI-Rechenzentrums.
Die Internationale Energieagentur rechnet in ihrem Bericht „Energy and AI“ damit, dass der weltweite Stromverbrauch aller Rechenzentren bis 2030 auf rund 945 Terawattstunden steigt. Das wären knapp drei Prozent des globalen Stromverbrauchs. SpaceX selbst legt einen anderen Maßstab an und vergleicht die eigene Nachfrage mit dem globalen Chip-Angebot.
Tom's Hardware hat die Rechnung am 7. August 2026 aufgemacht: Ein Terawatt Rechenleistung entspräche in der Größenordnung 22 Millionen fortschrittlichen Logik-Wafern pro Jahr, mit Speicher gerechnet eher 41 Millionen. Dafür wären über 150 Fab-Module nötig und rund 12.600 Lithografie-Anlagen. ASML lieferte 2025 insgesamt 179 Stück aus, an alle Kunden weltweit.
Wie kommt Musk auf ein Terawatt?
Dass die Watt-Angabe kein Versehen ist, belegt ein früheres Update. Am 2. Februar 2026 kündigte SpaceX die Übernahme von xAI an, und Musk legte dazu eine Rechnung für satellitengestützte Rechenzentren vor. Wer eine Million Tonnen Satelliten pro Jahr starte, die jeweils 100 Kilowatt Rechenleistung pro Tonne erzeugten, komme auf 100 Gigawatt zusätzliche KI-Rechenkapazität jährlich. Betriebs- und Wartungsaufwand fielen dabei nicht an.
Musk rechnet Rechenleistung also tatsächlich als Leistungsaufnahme. Am Ende derselben Passage steht der Satz, es gebe einen Weg, ein Terawatt pro Jahr von der Erde aus zu starten. Für den Mond nennt er 500 bis 1.000 Terawatt jährlich, per elektromagnetischem Massebeschleuniger.
Seine eigene Ausgangszahl relativiert das Ziel. 2025 war das startreichste Jahr der Raumfahrtgeschichte, weltweit kamen rund 3.000 Tonnen Nutzlast in den Orbit, und diese Zahl nennt Musk selbst.
Eine Million Tonnen pro Jahr wäre das 333-Fache. Bei 200 Tonnen Nutzlast pro Flug entspräche das 5.000 Starship-Starts im Jahr, Musk spricht von Starts im Stundentakt.
Real hat Starship 2026 zwei Mal geflogen. Flug 12 startete am 22. Mai als erstes Fahrzeug der V3-Generation, danach verhängte die Luftfahrtbehörde FAA ein Grounding. Flug 13 folgte am 24. Juli und setzte erstmals 20 Starlink-V3-Satelliten aus. Die Auslieferung in einen operativen Orbit steht noch aus.
Auf der Erde: Gasturbinen statt Solar
Wie Terafab mit Strom versorgt werden soll, hat der Journalist Fred Lambert von Electrek recherchiert. SpaceX hat demnach bestätigt, die Fabrik mit eigenen Erdgaskraftwerken und großen Batteriespeichern zu betreiben. Tesla-Solar taucht im Strom-Plan nicht auf, obwohl Tesla an dem Projekt beteiligt ist.
Auf dem Grundstück stand bis 2021 die Gibbons Creek Steam Electric Station, ein Kohlekraftwerk. SpaceX sagt zu, Wasser aus dem benachbarten Reservoir zu nutzen statt Grundwasser. Der Steuervertrag mit Grimes County vom 23. Juni 2026 lässt trotzdem einen Grundwasserantrag zu, mit 30 Tagen Vorlauf beim Bluebonnet Groundwater Conservation District.
Das Gas-Muster ist bei Musk nicht neu. Das Colossus-Zentrum bei Memphis läuft seit 2024 mit Gasturbinen, ein Teil davon ohne Genehmigung. NAACP, Southern Environmental Law Center und Earthjustice klagen wegen 27 ungenehmigter Turbinen im nahen Southaven, Mississippi.
Im Juni 2026 wurde bekannt, dass Musk den Gasturbinenhersteller APR Energy persönlich übernommen hat, mit über einem Gigawatt Turbinenkapazität. An APR Energy hält er 100 Prozent, an Tesla rund 20 Prozent. SpaceX hat separat über 2,8 Milliarden Dollar für Gasturbinen eingeplant.
Parallel haben Tesla, Sunrun und Renew Home im Juni 2026 ein Programm für ein virtuelles Kraftwerk angekündigt, das auf mehr als 16 Gigawatt flexible Kapazität zielt und ausdrücklich Rechenzentren adressiert. Verfügbar sind davon bislang gut 300 Megawatt. xAI kaufte allein im April 2026 Tesla-Megapacks für 269 Millionen Dollar.
Lambert räumt ein, dass ein Gigawatt-Rechenzentrum im Dauerbetrieb heute kaum allein mit Solar zu versorgen ist und gesicherte Leistung braucht. Sein Einwand zielt auf die Bauform und die Treiber dahinter: Tempo und Kosten sprächen für Gas, ein Solar-Gas-Hybrid mit sinkendem Gasanteil sei erst gar nicht geplant. Der Fall zeigt damit sehr konkret, wem der KI-Boom energiewirtschaftlich wirklich nützt.
Beim Wasser bleibt eine Lücke. Eine Leading-Edge-Fabrik zieht große Mengen: TSMCs Fab 1 in Arizona entnimmt rund 4,75 Millionen Gallonen täglich, knapp 18 Millionen Liter, alle drei dortigen Fabs zusammen 17,2 Millionen Gallonen. Entnahme ist dabei nicht Verbrauch, TSMC recycelt heute rund 65 Prozent und will ab 2027 auf 90 Prozent kommen.
Für Terafab selbst gibt es bislang keine veröffentlichte Verbrauchszahl. Im Brazos Valley wird derweil gestritten. Ein Regionalplan würde ein Absinken des Simsboro-Aquifers um bis zu 330 Fuß über 50 Jahre erlauben, Anwohner fordern eine Deckelung bei 283 Fuß.
Im Orbit: Startmasse und Kühlphysik
Der zweite Weg, den Musk beschreibt, verlagert Rechenzentren in den Weltraum, mit Solarenergie statt Gas. Die Vorteile sind real: Im Orbit scheint die Sonne nahezu ununterbrochen, Kühlwasser wird nicht gebraucht, Fläche auf der Erde auch nicht.
Der begrenzende Faktor ist die Kühlung. Ohne Atmosphäre fehlt das Medium für Konvektion, Wärme lässt sich ausschließlich abstrahlen. In einem Gastbeitrag für das Weltwirtschaftsforum rechnet der Ingenieur Tony Pan im Juni 2026 vor, was das bedeutet.
Ein beidseitig abstrahlender Radiator gibt bei rund 20 Grad Celsius netto etwa 633 Watt pro Quadratmeter ab, nach Abzug von Erdabstrahlung und Albedo. Ein Rechenzentrum mit einem Megawatt bräuchte danach rund 1.600 Quadratmeter Radiatorfläche, etwa ein Eishockeyfeld. Ein Gigawatt wären 1,6 Quadratkilometer.
Validiert ist bislang der Kilowatt-Maßstab. Das Unternehmen Starcloud betreibt mit Starcloud-1 eine einzelne 700-Watt-H100-GPU im niedrigen Erdorbit, gekühlt per Immersionskühlung und passiven Radiatoren. Google verfolgt mit Project Suncatcher einen vergleichbaren Ansatz, erste TPU-Prototypen sollen Anfang 2027 starten.
Zwischen einer GPU im Orbit und einem Terawatt liegen neun Größenordnungen. Auf der Erde lässt sich die anfallende Wärme immerhin weiternutzen, wie Projekte zeigen, die Abwärme aus Rechenzentren in Fernwärmenetze einspeisen. Wie schnell der Bedarf wächst, zeigt die Rechnung dazu, was eine Milliarde humanoider Roboter an Strom brauchen würde.
Was für Terafab spricht
Die Gegenposition hat ernstzunehmende Argumente. Der Wedbush-Analyst Dan Ives sieht Terafab als Fundament für Tesla als KI-Konzern und hält die Chip- und Speicherversorgung für die größte Wachstumsbremse der Branche. Er spekuliert sogar über eine Fusion von Tesla und SpaceX im Jahr 2027, bestätigt ist davon nichts.
Das Souveränitätsargument wiegt schwerer. Die USA holen Halbleiterfertigung seit Jahren mit Milliardenbeträgen ins Land zurück, Terafab passt in diese Linie, Texas steuert 30 Millionen Dollar aus dem Texas Enterprise Fund und eine Grundsteuerbefreiung bei.
Vertikale Integration ist die zweite ernsthafte Karte. Logik, Speicher und Advanced Packaging unter einem Dach zu bündeln, wäre die erste größere Abweichung vom TSMC-Modell seit Jahrzehnten und könnte Entwicklungszyklen verkürzen. Solche Kapazitäten dienen in der Branche zunehmend auch als Sicherheit für Fremdkapital, ähnlich wie andernorts ein Gigawatt-Datenzentrum als Finanzierungshebel für eine Fabrik dient.
Das stärkste Argument bleibt der Track Record. Musk hat mit Falcon 9 einmal bewiesen, dass er die Kostenkurve einer ganzen Branche um eine Größenordnung drücken kann. Wer das für einen Einzelfall hält, unterschätzt, was in Hawthorne und Boca Chica tatsächlich gelungen ist.
Was daraus für die Energiewende folgt
Bleibt der Maßstab. Der Bernstein-Analyst Stacy Rasgon fasst die Skepsis der Branche so zusammen: „a true Terafab feels like a stretch to us, especially if the current compute paradigm is followed“, eine echte Terafab wirke weit hergeholt, zumal wenn das heutige Rechenparadigma bestehen bleibe.
Auch frühere Ansagen mahnen zur Vorsicht. Tesla stellte den KI-Supercomputer Dojo im August 2025 nach sechs Jahren ein und nahm die Entwicklung im Januar 2026 wieder auf. Die Zusage, Robotaxis würden bis Ende 2025 die halbe US-Bevölkerung erreichen, wurde nicht eingelöst: Im Juli 2026 fuhren rund 25 unbeaufsichtigte Fahrzeuge in texanischen Städten.
Wer Chipbedarf in Terawatt beziffert, ohne die Einheit an eine Referenzgröße zu binden, entzieht die eigene Aussage der Prüfung. Ob 1 Terawatt eine installierte Spitzenlast, einen jährlichen Zubau oder eine ferne Zielgröße meint, steht nirgends. Die Berichterstattung glättet diese Unschärfe, wenn daraus ein „1 Terawatt pro Jahr“ wird, wie bei Tom's Hardware am 7. August 2026.
Für die Energiewende zählt, was Terafab schon jetzt real bindet: Gasturbinen, Wasserrechte und Netzkapazität. ERCOT rechnet in seiner vorläufigen Langfristprognose vom 15. April 2026 bis 2032 mit rund 368 Gigawatt Spitzenlast, getrieben von Rechenzentren, Krypto-Mining und Industrie. Der Netzbetreiber schränkt selbst ein, dass er diese Zahl für höher hält als das tatsächlich zu erwartende Lastwachstum.
Der bisherige Spitzenlastrekord in Texas liegt bei 91.089 Megawatt, aufgestellt am 22. Juli 2026. Wie viel des Zubaus am Ende aus Sonne kommt, entscheidet sich an Genehmigungen für Gasturbinen, die längst laufen. Dass es anders ginge, zeigen andernorts Solarparks, die Roboter für Rechenzentren bauen.
Häufige Fragen zu Terafab
Was ist Terafab?
Terafab ist eine gemeinsame Chipfabrik von SpaceX und Tesla, die in Grimes County in Texas entsteht. Sie soll Logik, Speicher und Advanced Packaging an einem Standort bündeln und Chips für humanoide Roboter, selbstfahrende Autos und Rechenzentren im Orbit fertigen.
Was bedeutet ein Terawatt Rechenleistung?
Terawatt ist eine Einheit für elektrische Leistung, nicht für Rechenoperationen. SpaceX beziffert den eigenen Chipbedarf damit in Stromaufnahme: Ein Terawatt entspricht 1.000 Gigawatt und liegt in der Größenordnung von drei Vierteln der gesamten US-Kraftwerkskapazität. Ob damit eine Spitzenlast, ein jährlicher Zubau oder eine ferne Zielgröße gemeint ist, lässt die Ankündigung offen.
Wird Terafab mit Solar- oder Gasstrom betrieben?
Nach Recherchen von Electrek versorgt SpaceX die Fabrik mit eigenen Erdgaskraftwerken und großen Batteriespeichern, ohne Netzanschluss über ERCOT. Tesla-Solar taucht im Strom-Plan nicht auf, obwohl Tesla an dem Projekt beteiligt ist und selbst Solar mit Speichern an Rechenzentren verkauft.
Warum ist Kühlung im Weltraum schwieriger als auf der Erde?
Im Vakuum fehlt das Medium für Konvektion, Wärme kann nur abgestrahlt werden. Ein beidseitiger Radiator gibt bei Raumtemperatur netto rund 633 Watt pro Quadratmeter ab. Ein Rechenzentrum mit einem Megawatt bräuchte damit etwa 1.600 Quadratmeter Radiatorfläche, ein Gigawatt rund 1,6 Quadratkilometer.
QUELLEN
- SpaceX: Breaking Ground on Terafab in Texas, 6.8.2026.
- SpaceX: xAI joins SpaceX to accelerate humanity's future, 2.2.2026.
- IEA: Energy and AI, Energy demand from AI, 2025.
- EIA: Electricity in the U.S., generation capacity and sales, 2026.
- Bundesnetzagentur: Kraftwerksliste, Datenstand 26.6.2026.
- ERCOT: Preliminary Long-Term Load Forecast 2026-2032, 15.4.2026.
- Electrek: Musk's Terafab chip plant will run on gas, not Tesla solar, 10.8.2026.
- Tom's Hardware: Analyzing Elon Musk's Terafab, 7.8.2026.
- Tony Pan im Weltwirtschaftsforum: The hype is real for space-based data centres. So are the challenges., 2.6.2026.