PHOTOVOLTAIK · 7. JUNI 2026
Planted SolarPlanted Solar: Roboter installieren Solaranlagen für Rechenzentren in Rekordtempo
Das Cleantech-Startup Planted Solar nutzt Roboter und digitale Zwillinge, um Solaranlagen für KI-Rechenzentren deutlich schneller zu bauen als herkömmliche Methoden. In sechs Monaten hat das Unternehmen 42 Megawatt installiert - ein Gigawatt soll 2027 folgen.
Planted Solar, 2020 in der Bay Area gegründet, hat in den vergangenen Monaten eine Nische besetzt, auf die viele Energieunternehmen bisher kaum geachtet haben: Solaranlagen direkt an oder für KI-Rechenzentren, gebaut nicht von Handwerkern, sondern von Robotern. Das Unternehmen verfügt laut eigenen Angaben über eine Pipeline von mehr als 20 Gigawatt, der größte Teil davon für Co-Location-Projekte oder die direkte Stromversorgung von Rechenzentren. Zu den Kunden zählen die ganz Großen aus der ersten und zweiten Reihe der Tech-Industrie, deren Namen Planted Solar noch nicht öffentlich nennt.
In sechs Monaten hat das Unternehmen 42 Megawatt installiert. Darunter ist ein 28-Megawatt-Projekt hinter dem Zähler für einen Rechenzentrumsbetreiber im Südosten der USA, das vom ersten Kundenkontakt bis zur fertigen Anlage nur zehn Monate dauerte. Zum Vergleich: Herkömmliche Utility-Scale-Solarparks brauchen von der Entwicklung bis zur Inbetriebnahme typischerweise mehrere Jahre. CEO Eric Brown plant für 2027 eine Installationskapazität von einem Gigawatt.
Digitaler Zwilling trifft Roboter auf unebenem Gelände
Der Prozess beginnt mit einem digitalen Zwilling des Grundstücks, erstellt per Aerial-Lidar. Alle Komponenten werden darin virtuell geplant, von einzelnen Fundamentpfählen bis zu Modulen und Verkabelung. Anschließend fahren modifizierte Caterpillar-Traktoren mit einem Bediener øber das Gelände und setzen die Pfähle millimetergenau nach dem 3D-Plan.
Der entscheidende Unterschied zu konventionellen Einachstracker-Anlagen liegt in der Geländeflexibilität. Single-Axis-Tracker erfordern nahezu ebene Flächen, was aufwendiges Planieren vor der Bauphase bedingt - und damit Bodeneingriffe, längere Genehmigungsverfahren und verzögerte Fertigstellung. Planted Solar installiert stattdessen feste, dichte Reihen, die dem natürlichen Geländeprofil folgen, ohne den Oberboden zu stören.
Das Ergebnis: Die Anlagen sind nach Unternehmensangaben fønfmal schneller zu bauen und erreichen auf derselben Fläche doppelt so viel installierte Leistung wie Standard-Solarparks mit Tracker-Technologie. Weil die Vegetation weitgehend erhalten bleibt, entfallen zudem aufwendige Genehmigungsverfahren før größere Bodeneingriffe.
Der Engpass ist nicht der Preis, sondern die Baugeschwindigkeit
Brown beschreibt die aktuelle Lage in der Solarbranche präzise: Der limitierende Faktor für Solardeployments ist heute nicht mehr der Preis, sondern die Installationskapazität. Wer Solar als nennenswerten Bestandteil des KI-Infrastrukturausbaus positionieren will, muss schnell am richtigen Standort liefern können. Das gilt besonders für Co-Location-Projekte direkt am Rechenzentrum, wo Fläche knapp und Timing entscheidend ist.
Die aktuelle Roboterflotte aus modifizierten Caterpillar-Maschinen leistet pro Gerät rund zwei Megawatt pro Woche. Bei bisherigen Rechenzentrum-Projekten arbeiteten jeweils vier Roboter parallel. Der Weg von gut 100 Megawatt in diesem Jahr auf ein Gigawatt 2027 soll vor allem durch den Ausbau der Maschinenflotte gelingen - nicht durch mehr Personal.
Planted Solar sieht sich selbst als „Execution Layer“ für die hybride Energieversorgung der nächsten Rechenzentrumsgeneration: Solar als erneuerbares Fundament, ergänzt durch Batteriespeicher, Netzanschluss und Gas als Absicherung. Im wachsenden Markt für Speed-to-Power-Lösungen, zu dem auch modulare Gaskraftwerke und Brennstoffzellensysteme zählen, setzt Planted Solar auf die spezifische Fähigkeit, erneuerbare Kilowattstunden schnell und flächeneffizient an den richtigen Standorten zu installieren.
Vollautonome Roboter sollen Solar Rechenzentren-Markt skalieren
Die nächste Robotergeneration befindet sich bereits in der Fertigung und im Test auf einem Demonstrationsgelände östlich von San Francisco. Diese Maschinen werden vollständig autonom fahren, ohne Bediener in der Kabine, und den digitalen Zwilling selbstständig abarbeiten. Sie koordinieren sich als Flotte und lernen aus den Installationsdaten jedes einzelnen Projekts.
Die Zykluszeit pro gesetztem Pfahl hat sich laut Brown bereits von 55 auf 47 Sekunden verkørzt. Mit wachsender Datenbasis soll dieser Wert weiter sinken. Brown beschreibt das Modell als fabrikähnliche Skalierung: wiederholbare, parallelisierbare Schritte, die von Projekt zu Projekt schneller werden, weil die Systeme kontinuierlich aus ihren eigenen Daten lernen.
Planted Solar wurde 2020 von Eric Brown gegründet, der zuvor bei Cogenra Solar tätig war - einem Cleantech-Startup der ersten Welle, das 2015 von SunPower übernommen wurde. Die Kernlektion aus dieser Zeit, so Brown, war, dass nach dem Preisverfall bei Solarmodulen nicht mehr die Module das Problem darstellten, sondern „alles andere“: Planung, Genehmigung, Installationskapazität. Planted Solar wurde gegründet, um genau diese Engpässe anzugehen.
QUELLEN
- Latitude Media, Maeve Allsup (5. Juni 2026): Planted is pitching solar for the data center era