WASSERSTOFF · 19. AUGUST 2026
LanxessLanxess Wasserstoff: Großanlage in Krefeld auf Erdgas-Alternative umgestellt
Lanxess setzt am Standort Krefeld-Uerdingen erstmals auf Wasserstoff statt Erdgas: Ein Sprühtrockner für Eisenoxidpigmente läuft seit Kurzem vollständig und dauerhaft damit. Den Brennstoff liefert der Nachbar Covestro per eigener Pipeline.
Die Anlage produziert Eisenoxidpigmente, die unter anderem in Baustoffen, Farben und Lacken landen. Nach Angaben von Lanxess spart die Umstellung rund 6.000 Tonnen CO₂ pro Jahr ein, so viel wie etwa 1.500 Haushalte mit einem jährlichen Erdgasverbrauch von 20.000 Kilowattstunden verursachen. Der Konzern erklärt, es sei ihm keine vergleichbare großtechnische Anlage in Deutschland bekannt, deren Prozessfeuerung in dieser Größenordnung mit Wasserstoff betrieben wird.
Die 6.000-Tonnen-Zahl ist dabei kein garantierter Jahreswert, sondern eine Rechnung auf Basis durchschnittlicher Produktionsmengen. Sie steigt mit der Auslastung der Anlage. Auch zu den Kosten der Umrüstung und zum genauen jährlichen Wasserstoffbedarf macht Lanxess aus Wettbewerbsgründen keine Angaben.
Lanxess-Wasserstoff kommt vom Nachbarn, nicht aus der Ferne
Besonders ist die Herkunft des Wasserstoffs. Er wird nicht extra erzeugt oder herangeschafft, sondern fällt bei Covestro nebenan als Nebenprodukt der Chlorelektrolyse an. Das Umweltbundesamt bezeichnet solchen Wasserstoff aus chemischen Prozessen als „weißen Wasserstoff“: Anders als grüner Wasserstoff wird er nicht gezielt hergestellt, sondern entsteht nebenbei in einem Prozess, dessen eigentliches Ziel die Chlorproduktion ist. Eine eigens verlegte Pipeline bringt ihn direkt zu Lanxess.
„Der Schritt vom Erdgas- zum Wasserstoffbrenner markiert für uns einen technologischen Meilenstein hin zu treibhausgasarmen Prozessen. Wir zeigen damit, dass die Dekarbonisierung der Industrie nicht nur in Modellprojekten funktioniert, sondern im laufenden Betrieb großer Produktionsanlagen“, sagt Michael Ertl, Leiter des Lanxess-Geschäftsbereichs Inorganic Pigments.
Covestro-Produktionsleiter Rob Eek ordnet das Projekt als Beleg für die Stärke des Verbundstandorts ein: „Das Projekt zeigt, dass Industriepartner in einem Verbundstandort den Wandel hin zu einer klimaschonenden Produktion besonders erfolgreich gestalten können.“
Lanxess und Covestro tauschen an dem Standort seit Jahrzehnten Rohstoffe aus: Covestro liefert Nitrobenzol für die Eisenoxidproduktion, dabei entsteht Anilin, das wiederum als Kunststoff-Rohstoff zu Covestro zurückgeht. Die neue Wasserstoffleitung fügt sich in diese bestehende Verflechtung ein.
Was die Umrüstung in Krefeld-Uerdingen bedeutet
Der Eisenoxid-Komplex in Krefeld-Uerdingen hat nach Unternehmensangaben eine Nennkapazität von rund 300.000 Tonnen jährlich und ist die weltgrößte Produktionsanlage für Eisenoxidpigmente. Lanxess fertigt dort seit 100 Jahren. Der neue Wasserstoffbrenner wurde Ende 2025 installiert und seither schrittweise in Betrieb genommen, inzwischen läuft er im Vollbetrieb. Der Umbau umfasste neben der Pipeline angepasste Brenner- und Messregeltechnik sowie zusätzliche Sicherheits- und Steuerungssysteme.
Lanxess prüft, das Konzept auf weitere Anlagen am Standort zu übertragen. Zu Umfang und Zeitplan gibt es noch keine Details.
Warum Nebenprodukt-Wasserstoff der günstigere Weg ist
Der eigentliche Unterschied zu vielen anderen Wasserstoffprojekten liegt im Modell. Wo sonst neue Elektrolyseure gebaut oder Wasserstoff über weite Strecken importiert werden muss, wie es etwa die geplante Pipeline Aquaductus aus der Nordsee vorsieht, reicht in Krefeld-Uerdingen eine kurze Leitung zwischen zwei Nachbarn. Covestro produziert den Wasserstoff ohnehin, der nun bei Lanxess eingesetzte Anteil wurde bislang extern verbrannt. Jetzt verdrängt er Erdgas in einem Produktionsprozess. Für Lanxess entfällt damit der teuerste Teil vieler Wasserstoffprojekte: der Aufbau eigener Erzeugunskapazität.
Diese Verbundstandort-Logik unterscheidet sich von Speicher- und Transportkonzepten wie dem LOHC-Verfahren, mit dem auch ein Covestro-Standort in Dormagen Wasserstoff bindet. Dort geht es darum, Wasserstoff über Distanz verfügbar zu machen. In Krefeld-Uerdingen fällt diese Aufgabe komplett weg, weil Erzeuger und Verbraucher unmittelbar nebeneinander liegen.
QUELLEN
- RP Online: Lanxess startet ins Wasserstoff-Zeitalter, 17.08.2026.
- Lanxess: LANXESS befeuert erstmals Großanlage mit Wasserstoff, 11.08.2026.