GEOTHERMIE · 22. AUGUST 2026
Sage GeosystemsSage Geosystems: EGS-Pilotanlage in Texas zeigt niedrigen Wasserverlust
Bei San Antonio hat das Houstoner Unternehmen Sage Geosystems seine erste Next-Gen-Geothermieanlage ans Netz gebracht. Seit über 120 Tagen läuft die 3-Megawatt-Anlage stabil, und der Wasserverlust liegt bei mehreren Messungen unter 10 Prozent.
Seit April 2026 speist die Pilotanlage von Sage Geosystems bei San Antonio, Texas, Strom ins texanische Netz ERCOT ein. Nach mehr als 120 Tagen im Netzbetrieb zieht das Unternehmen eine erste technische Bilanz, und die fällt laut Canary Media besser aus als erwartet. Es ist erst die dritte enhanced geothermal system-Anlage (EGS) der USA, die überhaupt ans Netz gegangen ist, nach einer Demonstrationsanlage von Ormat im Jahr 2013 und dem Fervo-Energy-Projekt für Google in Nevada 2023.
EGS-Technologie bohrt tief in heißes, trockenes Gestein, frakturiert es und presst Wasser hindurch, das sich erhitzt und an der Oberfläche Turbinen antreibt. Anders als klassische Geothermie ist sie nicht an vulkanisch aktive Regionen mit natürlichen Wasserreservoirs gebunden, sondern lässt sich theoretisch überall dort bauen, wo tief genug gebohrt werden kann.
Der Wasserverlust ist der eigentliche Fortschritt
Die Netzkopplung selbst ist die Schlagzeile, der entscheidende Messwert steckt aber woanders: Bei mehreren Zyklen verlor Sage weniger als 10 Prozent des Wassers, das durch das unterirdische System gepumpt wurde, an das umliegende Gestein. Genau an diesem Wert hängt die Wirtschaftlichkeit von EGS. Geht zu viel Wasser verloren, muss teuer nachgespeist werden, und die Stromgestehungskosten steigen.
„Die Ergebnisse werden die geplante Zusammenarbeit in Nevada direkt informieren und entrisiken", sagt Cindy Taff, CEO von Sage Geosystems, laut Canary Media. Für ein Unternehmen, das seine Technologie erst noch zur Marktreife bringen muss, ist ein belastbarer Betriebswert nach vier Monaten mehr wert als eine reine Ankündigung.
Mit 3 Megawatt bleibt die Anlage bei San Antonio eine Pilotgröße, kein Durchbruch im Maßstab. Zum Vergleich: Das Fervo-Energy-Projekt für Google erreichte 2023 in Nevada bereits 3,5 Megawatt, und Fervo baut inzwischen in Utah eine 500-Megawatt-Anlage, die im Oktober teilweise ans Netz gehen soll. Der Wert der texanischen Anlage liegt nicht in ihrer Größe, sondern darin, dass sie über Monate belastbare Betriebsdaten liefert, statt eine Ankündigung zu bleiben.
Nevada als nächster Schritt vor dem Meta-Vertrag
Der nächste Schritt führt nach Nevada. Dort kooperiert Sage Geosystems mit dem etablierten Geothermie-Betreiber Ormat, der sich im Januar 2026 mit 25 Millionen US-Dollar an Sages Series-B-Finanzierung beteiligt hatte. Die Bohrung soll Ende 2026 beginnen, erste Stromerzeugung ist für 2027 angepeilt, der Vollbetrieb für 2028.
Erst danach greift der bereits unterschriebene Liefervertrag mit Meta über 150 Megawatt Geothermiestrom für dessen Rechenzentren. Der Konzern hat mit dieser Bestellung sein wachsendes Interesse an Geothermie als Stromquelle für Rechenzentren untermauert: grundlastfähig, wetterunabhängig, rund um die Uhr verfügbar. Das Nevada-Projekt mit Ormat gilt als Vorstufe, die das Meta-Geschäft technisch absichern soll, bevor im großen Maßstab gebaut wird.
Abgesagter Speicher-Pivot in Texas
Sage Geosystems hatte ursprünglich zusätzlich einen zweiten Geschäftszweig verfolgt: Langzeit-Energiespeicher unter der Erde, bei denen überschüssiger Strom genutzt wird, um Wasser in geflutete Kavernen im Gestein zu pressen und später wieder durch eine Turbine zu entlassen. Dieses Vorhaben hat das Unternehmen laut Canary Media aufgegeben. Texas hat inzwischen eine der größten Batterieflotten weltweit aufgebaut, die genau die Rolle als kurzfristiger Netzpuffer bereits übernimmt. Für eine neue, unerprobte Speichertechnologie blieb in diesem Markt kein Platz mehr, weshalb sich Sage künftig auf Stromerzeugung aus EGS konzentriert.
Diese Verschiebung zeigt, wie schnell sich die Wirtschaftlichkeit von Speichertechnologien verändert, sobald eine ausgereifte Alternative den Markt bereits besetzt hat. Für Sage bedeutet es eine Fokussierung: Der Wettbewerbsvorteil liegt jetzt nicht mehr in der Speicherung, sondern in einem möglichst niedrigen Wasserverlust bei der Stromerzeugung selbst, dem Wert, den die Anlage bei San Antonio gerade belegt hat.
QUELLEN
- Canary Media: Sage Geosystems brings its first next-gen geothermal plant online, 19.08.2026.
- Canary Media: Sage Geosystems and Meta sign 150MW geothermal power agreement, 26.08.2024.
- Canary Media: This Texas geothermal startup is storing energy in the ground, 2024.