Waymo: Robotaxis kommen 2027 nach München

ELEKTROMOBILITÄT · 26. AUGUST 2026

Waymo in München: Robotaxis sollen ab Ende 2027 fahren

Die Google-Schwester Waymo macht München zur ersten EU-Stadt mit einem Robotaxi-Dienst. In den nächsten Wochen beginnt die Kartierung, Ende 2027 sollen zahlende Fahrgäste einsteigen.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 6 Min. Lesezeit LESEN


Waymo bringt seine selbstfahrenden Taxis nach Deutschland. Das Unternehmen aus dem Alphabet-Konzern hat bestätigt, dass München die erste Stadt in der Europäischen Union wird, in der es einen kommerziellen Robotaxi-Dienst aufbauen will. Bis Ende 2027 sollen dort vollautonome Ride-Hailing-Fahrten angeboten werden.

In den nächsten Wochen rollen die ersten Fahrzeuge vom Typ Jaguar I-Pace durch die Stadt, noch mit Menschen am Steuer. Sie werden derzeit aus den USA verschifft. Waymo nennt 18 Stadtbezirke als Testgebiet, darunter Altstadt-Lehel, Schwabing-West und Bogenhausen, und will rund um die Uhr fahren, um alle Verkehrs- und Wetterlagen zu erfassen.

Für Waymo ist das der dritte Markt außerhalb der USA nach London und Tokio. Den deutschen Ableger hatte das Unternehmen bereits im Juni gegründet. In den USA fahren nach Angaben der ZEIT rund 4.000 Fahrzeuge in San Francisco und 14 weiteren Städten, Waymo selbst zählt inzwischen mehr als 20 Millionen absolvierte Fahrten.

Erst kartieren, dann fahren: So läuft der Start in München

Der Aufbau folgt dem Muster, das Waymo aus jeder US-Expansion kennt. In der ersten Phase steuern geschulte Fahrerinnen und Fahrer die Autos manuell, während die Sensoren das Straßennetz hochauflösend kartieren und Verkehrsdaten sammeln. Diese Phase kann Monate dauern.

Danach fahren die Fahrzeuge autonom, aber mit Sicherheitsfahrer an Bord. Erst in der dritten Stufe soll der Mensch am Steuer verschwinden. In München kommt die sechste Generation des Waymo Driver zum Einsatz, ein Sensorpaket aus Kameras, Radar und Lidar, das nach Unternehmensangaben bis zu 300 Meter weit und in alle Richtungen gleichzeitig sieht. Wie sich die einzelnen Automatisierungsstufen unterscheiden, erklärt unsere Übersicht zu den SAE-Leveln beim autonomen Fahren.

„München zählt weltweit zu den absoluten Top-Standorten für Mobilität und Technologie", sagt Tekedra Mawakana, Co-Chefin von Waymo. Das Unternehmen will in der Stadt einen eigenen Flottenbetrieb aufbauen und hochqualifizierte Arbeitsplätze schaffen.

Eine offene Frage bleibt der Winter. Waymo-Co-Chef Dmitri Dolgov hat mehrfach eingeräumt, dass Schnee und Eis für selbstfahrende Autos weiterhin zu den schwierigsten Bedingungen zählen. In den USA setzt das Unternehmen in Städten mit strengen Wintern bislang Sicherheitsfahrer ein.

Waymo München darf fahren, aber noch kein Geld verlangen

Deutschland hat 2021 als erstes Land der Welt einen Rechtsrahmen für den Regelbetrieb fahrerloser Fahrzeuge geschaffen. Erprobungsgenehmigungen erteilt das Kraftfahrt-Bundesamt zentral, mehrere Unternehmen halten sie bereits, darunter BMW, Mercedes und eine Tochter der Deutschen Bahn. Angewendet wurde die Regulierung für einen echten kommerziellen Betrieb allerdings noch nie.

Für den fahrerlosen Betrieb in München braucht Waymo mehrere Genehmigungen parallel: den Sicherheitsnachweis beim Kraftfahrt-Bundesamt, den Nachweis der Cybersicherheit, dazu die Freigabe des Betriebsbereichs durch die bayerische Landesbaudirektion und die Abstimmung mit der Stadt. Jedes Bundesland hat dafür eine eigene Behörde.

Die entscheidende Hürde liegt aber woanders. Im Personenbeförderungsgesetz fehlt bislang eine Klausel für autonome Fahrzeuge. Waymo könnte den Dienst als Mietwagenunternehmen anmelden, müsste dann aber nach jeder Fahrt ohne Anschlussauftrag zum Betriebssitz zurückkehren, im Zweifel leer. Ohne eine Anpassung des Gesetzes durch die Bundesregierung wird aus dem Robotaxi kein Geschäftsmodell.

Aus Berlin und München kommen freundliche Signale, verbunden mit einer Mahnung. Man müsse „autonome Mobilitätsangebote aus Europa heraus entwickeln", sagt Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr. Der Anspruch sei, diese Technologien in Europa nicht nur zu nutzen, sondern hier zu entwickeln und zu betreiben.

Bayerns Staatskanzleichef Florian Herrmann kündigt an, die Technologie müsse jetzt schnell auf die Straße: Man werde die Rahmenbedingungen verbessern, Bürokratie abbauen und regulatorische Hürden beseitigen.

Uber, Wayve und MOIA: Das Rennen um deutsche Straßen

Waymo ist nicht allein. Uber will 2027 in München selbstfahrende Autos testen, in zwei getrennten Projekten mit dem israelischen Unternehmen Autobrains und dem chinesischen Anbieter Momenta. Das britische Start-up Wayve hat in Deutschland bereits Testkilometer gesammelt, Volkswagen fährt mit MOIA und Mobileye in Hamburg, und die Münchner Verkehrsgesellschaft bereitet Tests mit autonomen Bussen und Shuttles vor. Neu ist die Szene in der Stadt nicht: Mobileye testete bereits 2020 rund um München.

Beim Sensorkonzept unterscheidet sich Waymo klar vom zweiten großen Anbieter. Tesla setzt allein auf Kameras und hat mit dem Cybercab am 3. September in Austin den Start eines Robotaxis ohne Lenkrad angekündigt, während die US-Verkehrsbehörde NHTSA parallel eine Untersuchung zu 3,2 Millionen Fahrzeugen führt. Waymo kombiniert Kameras mit Lidar und Radar und begründet das mit der Redundanz bei Nacht, Nebel und Blendung.

Zur Sicherheitsbilanz gibt es inzwischen Daten von unabhängiger Seite. Eine Untersuchung des Insurance Institute for Highway Safety verglich Unfälle pro gefahrener Meile in den Waymo-Städten zwischen 2021 und 2024. Ergebnis: 81 Prozent weniger Unfälle mit Verletzten als bei menschlichen Fahrern. Waymo selbst weist für mehr als 350 Millionen autonom gefahrene Kilometer noch günstigere Werte aus, unter anderem 16-mal weniger Unfälle mit schweren Verletzungen.

Einen Adressatenkreis nennt Waymo ausdrücklich: Menschen, die auf verlässliche Mobilität angewiesen sind. „Wir freuen uns sehr über die Unabhängigkeit, die autonome Fahrzeuge unserer Gemeinschaft ermöglichen werden", sagt Maik Schubert, Geschäftsführer der Blindenführhundeschule Schubert & Wetzel. Blinde und sehbehinderte Menschen stoßen bei klassischen Taxis und Fahrdiensten regelmäßig auf Ablehnung, wenn sie mit Führhund unterwegs sind. Waymo betont zugleich, den Dienst als Ergänzung zu Nah-, Rad- und Fußverkehr zu verstehen, nicht als Ersatz.

Für München heißt das zunächst wenig mehr, als dass ab Herbst weiße Jaguar mit rotierenden Sensoren im Verkehr auffallen werden. Ob daraus Ende 2027 ein bezahlbarer Dienst wird, entscheidet sich weniger an der Technik als an einem Gesetzestext in Berlin.

QUELLEN

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  1. Waymo: Servus München: Waymo is Coming to Germany (Pressemitteilung, deutsche Fassung), 25. August 2026.
  2. ZEIT Online: Waymo bringt Robotaxis nach München, 25. August 2026.
  3. ZEIT Online: Brauchen unsere Kinder noch einen Führerschein, Dmitri Dolgov?, aktualisiert 25. August 2026.
  4. automotiveIT: Robotaxi: Waymo startet Testbetrieb in München, 25. August 2026.
  5. Insurance Institute for Highway Safety: Crash rates of Waymo vehicles compared with human drivers, 2026.
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