Trump erlaubt Öl-Bohrungen in Alaska ohne Umweltprüfung

FOSSILE PANIK · 29. AUGUST 2026

Ölbohrungen in Alaska: Trump-Regierung will Umweltprüfung per Ausnahme umgehen

Das US-Innenministerium bereitet eine Ausnahme vor, die Winter-Ölbohrungen und Seismik-Untersuchungen in Alaskas Nationaler Erdölreserve ohne projektspezifische Umweltprüfung erlaubt, ohne öffentliche Kommentierungsfrist. Die Ausnahme geht auf eine Petition der Öl- und Gaslobby zurück, deren frühere Chefin heute im Ministerium sitzt.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 4 MIN LESEN


Das US-Innenministerium will nach Recherchen des Journalisten Adam Federman noch in dieser Woche eine sogenannte kategoriale Ausnahmeregelung veröffentlichen: einen Verfahrensweg nach dem US-Umweltprüfungsgesetz NEPA, der Winter-Ölexploration in Alaskas Nationaler Erdölreserve (NPR-A) künftig ohne projektspezifische Umweltprüfung genehmigungsfähig macht. Federman veröffentlichte die Recherche am 26. August 2026 auf Public Domain Media, co-publiziert mit High Country News.

Die Nationale Erdölreserve umfasst rund 93.000 Quadratkilometer im Nordwesten Alaskas und ist die größte vom Innenministerium verwaltete öffentliche Landfläche der USA. Betroffen wären seismische Untersuchungen mit über 15 Tonnen schweren Spezialfahrzeugen sowie Explorationsbohrungen im Winter. Bislang durchläuft jedes einzelne Vorhaben eine eigene Umweltprüfung. Die geplante Ausnahme würde diese Einzelfallprüfung komplett abschaffen.

Wie die Ausnahme für Ölbohrungen in Alaska zustande kam

Grundlage ist Trumps Exekutivanordnung „Unleashing Alaska's Extraordinary Resource Potential" vom ersten Tag seiner zweiten Amtszeit, Teil seiner Politik des fossilen Zeugverbrennens. Den konkreten Anstoß gab eine Petition der Alaska Oil and Gas Association (AOGA), des Branchenverbands der Ölindustrie im Bundesstaat. Die personelle Verflechtung ist eng: Kara Moriarty, bis vor Kurzem AOGA-Präsidentin, arbeitet inzwischen als Beraterin im Innenministerium. Die Lobby, die die Ausnahme beantragt hat, und die Behörde, die sie erlässt, teilen sich faktisch das Personal.

Rechtlich möglich wird das Verfahren, weil der Umweltrat des Weißen Hauses (CEQ) im Februar 2025 seine Aufsichtspflicht über NEPA-Ausnahmen abgegeben hat. Damit entfiel auch die bis dahin übliche 30-tägige öffentliche Kommentierungsfrist. Ted Boling, ehemaliges CEQ-Mitglied, hält das Vorgehen für rechtlich angreifbar.

„Bohrungen und seismische Untersuchungen für Öl und Gas in der Arktis sind großflächige, industrielle Aktivitäten mit erheblichen, dauerhaften negativen Auswirkungen auf die Umwelt und die umliegenden Gemeinden", kritisiert Jeremy Lieb, Senior Attorney bei der Umweltrechtsorganisation Earthjustice.

Karibu-Herden und Eisbären als Kollateralschaden

Die ökologischen Risiken sind dokumentiert. Seismikfahrzeuge beschädigen die Tundra-Vegetation, deren Regeneration Jahrzehnte dauern kann, und stören Eisbären-Weibchen in ihren Wurfhöhlen an der Küste. Studien des US Geological Survey zeigen zudem, dass Bohrinfrastruktur die Wanderrouten von Karibu-Herden verändert. Zwei Populationen in der Region sind in den vergangenen zehn Jahren deutlich zurückgegangen. Ein von der Biden-Regierung vereinbartes Schutzgebiet für die Teshekpuk-Herde strich das Trump-Team; die betroffene Gemeinde Nuiqsut erwirkte im März 2026 eine einstweilige Verfügung dagegen.

„Es fühlt sich an, als würde unsere Gemeinde einfach übergangen", sagt Rosemary Ahtuangaruak, frühere Bürgermeisterin des 500-Einwohner-Orts Nuiqsut.

Im März 2026 hatte das Innenministerium bereits knapp 200 Parzellen mit über 5.000 Quadratkilometern Fläche versteigert, unter anderem an ExxonMobil, ConocoPhillips und Shell. Ein Teil der Exxon-Flächen liegt ausgerechnet in der Karibu-Schutzzone südlich des Teshekpuk Lake. Wie schnell Exploration in der Arktis schiefgehen kann, zeigte sich im Januar 2026: Eine ConocoPhillips-Bohranlage kippte beim Transport zum Willow-Ölprojekt um und fing Feuer, begünstigt durch ungewöhnlich warmes Winterwetter. Tausende Gallonen Öl liefen in die Tundra, die Aufräumarbeiten dauerten vier Monate.

Das Innenministerium verteidigt das Vorgehen: Die Entscheidung stütze sich auf Dutzende bereits durchgeführte Umweltprüfungen und solle Genehmigungsverfahren effizienter machen, ohne Umweltstandards aufzugeben.

Signal über Alaska hinaus

Für die Trump-Regierung ist die NPR-A-Ausnahme kein Einzelfall, sondern Teil eines Musters: Erneuerbaren-Projekte werden per Rückkauf gestoppt, fossile Vorhaben per Verfahrensabkürzung beschleunigt. Mit der kategorialen Ausnahmeregelung entfällt genau der Schritt, an dem Umweltverbände und betroffene Gemeinden bislang rechtlich ansetzen konnten. Klagen von Umweltorganisationen und der Gemeinde Nuiqsut gelten als wahrscheinlich, sobald der Text vorliegt.

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