PHOTOVOLTAIK · 02. SEPTEMBER 2026

Photovoltaik senkt Strompreise: 15,7 Milliarden Euro Ersparnis für Stromkunden
Photovoltaik senkte die Großhandelsstrompreise 2025 um 20,8 Prozent. Eine Studie im Auftrag des Solarverbands BSW beziffert den wirtschaftlichen Gesamtnutzen auf 15,7 Milliarden Euro, erstmals mehr als die EEG-Förderkosten für Solarstrom.
Photovoltaik hat die deutschen Großhandelsstrompreise 2025 im Schnitt um 20,8 Prozent gesenkt. Das geht aus einer Studie der Beratungsgesellschaft Enervis im Auftrag des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar) hervor, die an diesem Mittwoch veröffentlicht wurde. Ohne die 2025 installierten rund 118 Gigawatt Solarleistung hätte der durchschnittliche Börsenstrompreis bei 112,8 statt 89,3 Euro pro Megawattstunde gelegen.
Enervis beziffert den wirtschaftlichen Gesamtnutzen der Photovoltaik für 2025 auf 15,7 Milliarden Euro. Davon entfallen 13,1 Milliarden Euro auf vermiedene Strombeschaffungskosten und 2,6 Milliarden Euro auf zusätzliche Erlöse aus Solarstrom-Exporten. Zum Vergleich: Die EEG-Förderkosten für Photovoltaik lagen 2025 laut Mittelfristprognose des Leipziger Instituts für Energie bei 10,9 Milliarden Euro. Der volkswirtschaftliche Nutzen übertrifft die Förderkosten damit erstmals um 44 Prozent.
Wie der Rechenmodell-Vergleich funktioniert
Enervis hat mit einem stündlich auflösenden europäischen Strommarktmodell zwei Szenarien für 2025 durchgerechnet: eines mit der real installierten Solarleistung, eines ohne jede Photovoltaik. Der übrige Kraftwerkspark blieb in beiden Fällen unverändert. Ohne Solarstrom wäre laut Studie rund 50 Terawattstunden mehr Strom aus fossilen Kraftwerken nötig gewesen, zusätzlich rund 50 Terawattstunden mehr Importe. Der Grünstromanteil im deutschen Strommix wäre von 63 auf 45 Prozent gefallen.
Warum Solarstrom den Preis überhaupt drückt, erklärt das Merit-Order-Prinzip: Kraftwerke werden an der Strombörse nach ihren Grenzkosten sortiert, das teuerste noch benötigte Kraftwerk setzt den Preis für die gesamte Stunde. Solarstrom hat praktisch keine Grenzkosten und verdrängt deshalb teure Gas- oder Kohlekraftwerke aus dem preisbestimmenden Bereich, vor allem mittags und im Sommer. Die Autoren der Studie, Jan Ohler und Paul Thoma von Enervis, weisen selbst darauf hin, dass ihr Modell keine Netzengpässe und keine Marktreaktionen wie zusätzlichen Kraftwerksbau berücksichtigt.
Was bei Haushalten und Unternehmen ankommt
Für einen Haushalt mit vier Megawattstunden Jahresverbrauch beziffert die Studie die rechnerische Entlastung 2025 auf 94 Euro. Ein Industriebetrieb mit zehn Gigawattstunden Jahresverbrauch hätte ohne Photovoltaik rund 234.567 Euro mehr für Strombeschaffung gezahlt. Beide Werte beziehen sich ausschließlich auf den Beschaffungsanteil des Strompreises. Netzentgelte, Steuern und Abgaben bleiben unberührt, weshalb die Entlastung bei der Endkundenrechnung geringer ausfällt als die 20,8 Prozent am Großhandelsmarkt.
Wer den Effekt direkt nutzen will, braucht einen dynamischen Stromtarif und ein intelligentes Messsystem: Der Preisrückgang konzentriert sich laut Studie auf die Mittagsstunden und die Sommermonate, in denen Solarstrom die teuren Kraftwerke am stärksten verdrängt. Wer Wärmepumpe, Elektroauto oder Heimspeicher in diese Stunden legt, zahlt den Großhandelspreis, den die Photovoltaik gerade drückt. Für alle anderen wirkt die Entlastung indirekt über die Beschaffungskosten des Versorgers, mit Verzögerung und abhängig davon, wie viel davon der Anbieter weitergibt.
„Auch wer keine eigene Solaranlage besitzt, profitiert vom Ausbau der Solarenergie“, sagt BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. Die Studie zeige, dass der wirtschaftliche Nutzen des Solarausbaus weit über die Betreiber von Solaranlagen hinausreiche.
Der Preisdämpfungseffekt hat eine Kehrseite, mit der sich Betreiber von Solaranlagen zunehmend auseinandersetzen: Je mehr Photovoltaik zur Mittagszeit einspeist, desto häufiger fallen die Börsenpreise in diesen Stunden gegen null oder sogar ins Negative. Im Enervis-Szenario ohne Photovoltaik treten rund 90 Prozent weniger Stunden mit negativen Preisen auf als im realen Jahr 2025. Was das für den Marktwert neuer Solaranlagen bedeutet, hat Cleanthinking bereits eingeordnet: Negative Strompreise durch die Solarflut. Speicher und mehr Flexibilität im Stromsystem gelten als wichtigste Antwort auf dieses Problem.
BSW warnt vor Bremsspuren bei EEG-Novelle
Der BSW-Solar appelliert an Bundesregierung und Bundestag, bei der EEG-Novelle 2027 und dem Netzpaket auf Einschnitte zu verzichten, die den Solarausbau ab 2027 bremsen könnten. Beide Vorhaben hat das Bundeskabinett im Juli beschlossen, das parlamentarische Verfahren im Bundestag steht noch aus. Dort entscheidet sich, ob etwa das Ende der festen Einspeisevergütung für neue Anlagen und die stärkere Verlagerung des Abregelungsrisikos auf Erneuerbaren-Betreiber so kommen wie vom Kabinett vorgesehen.
„Wer den Solar-Ausbau bremst, riskiert nicht nur die Klimaziele, sondern auch einen wichtigen preisdämpfenden Faktor am Strommarkt“, sagt Körnig. Deutschland brauche weiterhin einen kraftvollen Ausbau der Photovoltaik und zugleich deutlich mehr Speicher und Flexibilität im Stromsystem.
Die Studie wurde von einem Branchenverband in Auftrag gegeben, der von einem starken Solarausbau wirtschaftlich profitiert. Die Methodik selbst, ein Vergleich zweier Marktmodell-Szenarien mit unveränderter Kraftwerksstruktur, ist in der Energiewirtschaft ein Standardverfahren. Die von den Autoren offengelegten Grenzen, etwa die fehlende Berücksichtigung von Netzengpässen und Marktreaktionen, mindern die Aussagekraft der Größenordnung, nicht aber die grundsätzliche Richtung des Effekts.
QUELLEN
- BSW-Solar: Pressemitteilung „Studie: Ohne Solarstrom wären Börsenstrompreise rund 20 Prozent höher“, 02.09.2026.
- Enervis energy advisors: Studie zur Auswirkung von Photovoltaik auf Strompreise 2025, 18.06.2026.