Das E-Auto wird zum Solarspeicher des Hauses

SOLARSTROM FÜRS E-AUTO · 29. SEPTEMBER 2026

Wie Hausbesitzer mit der Wallbox PV-Strom vom eigenen Dach tanken

Mittags erzeugen viele Solardächer mehr Strom, als im Haus gebraucht wird. Wer mit der Wallbox PV-Überschuss ins eigene E-Auto lädt statt ins Netz, spart pro Kilowattstunde fast 30 Cent. So funktioniert das Überschussladen, und diese Regeln gelten.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 9 Min. LESEN


Eine Solaranlage auf dem Einfamilienhaus liefert ihren meisten Strom zu einer Zeit, in der kaum jemand zu Hause ist. Kühlschrank und Router verbrauchen mittags nur einen Bruchteil davon. Mit einem Elektroauto in der Garage ändert sich die Lage grundlegend. Seine Batterie fasst nach ADAC-Daten, die die HTW Berlin ausgewertet hat, im Mittel 70 Kilowattstunden (Stand März 2025).

Wie gut Haushalte diesen Speicher auf Rädern nutzen, hat die Forschungsgruppe Solarspeichersysteme der HTW Berlin mit Messdaten aus 730 Haushalten untersucht. In ihrer Studie „Solares Laden von Elektrofahrzeugen“ vom April 2025 stammen im Mittel 53 Prozent der Ladeenergie vom eigenen Dach. Ungesteuert fließt an der Wallbox sofort die volle Leistung, sobald das Auto ankommt. Mit Überschussregelung liegt der Solaranteil laut Studie im Mittel um 25 Prozentpunkte höher.

Wer mit der Wallbox PV-Strom statt Netzstrom laden will, braucht drei Dinge: eine steuerbare Ladestation, eine Messung am Hausanschluss und eine Regelung, die beides verbindet. Hinzu kommen Pflichten gegenüber dem Netzbetreiber, die seit 2024 neu geordnet sind. Grundsätzliches zu Kosten und Installation einer Ladestation steht im Ratgeber (mehr dazu: Wallbox: Vorteile und Nachteile).

Wie sich Solarüberschuss am Hausanschluss messen und ins Auto lenken lässt

Das Prinzip heißt Überschussladen: An der Wallbox PV-Strom zu laden bedeutet, nur den Strom ins Auto zu lassen, der sonst ins Netz flösse. Direkt hinter dem Zähler des Netzbetreibers wird ein Energiezähler eingebaut, an dem sich ablesen lässt, wie viel Strom gerade ins Netz fließt. Aus diesem Wert berechnet ein Energiemanager den Ladestrom für die Ladestation. Steigt die Einspeisung, steigt der Ladestrom; zieht eine Wolke durch, sinkt er wieder.

Die Regelung sitzt je nach System in der Ladestation selbst, im Wechselrichter oder in einer externen Steuerung. Die HTW Berlin stellte im April 2025 fest, dass solares Laden inzwischen zur Standardausstattung vieler Ladestationen gehört. Wichtig ist die Kommunikation zwischen den Geräten: Nur wenn Zähler, Wechselrichter und Wallbox PV-Daten austauschen, folgt die Ladeleistung dem Überschuss im Sekundentakt.

Damit die Ladung bei jedem Wolkenschatten nicht sofort abbricht, programmieren Hersteller eine Verzögerung. Laut HTW-Studie reicht sie je nach Produkt von unter einer bis zu fünf Minuten. Viele Systeme bieten zusätzlich Betriebsarten, die bis zu einer festen Uhrzeit eine Mindestenergiemenge garantieren und fehlenden Solarstrom aus dem Netz ergänzen.

Warum sechs Ampere über ein- oder dreiphasiges Laden entscheiden

Die internationale Norm IEC 61851-1 legt für kabelgebundenes Laden einen Mindeststrom von sechs Ampere fest. Bei 230 Volt ergibt das einphasig 1,4 Kilowatt und dreiphasig 4,1 Kilowatt, wie die HTW Berlin vorrechnet. Unterhalb dieser Schwelle lässt sich ein Auto nicht rein solar laden, die Differenz kommt aus dem Netz oder die Ladung pausiert.

Beim solargesteuerten Laden heißt das: Dreiphasig beginnt die Ladung erst, wenn gut vier Kilowatt übrig sind. Laut HTW-Empfehlung erzielen dreiphasige Geräte deshalb meist erst bei Solaranlagen über 15 Kilowatt höhere Solaranteile als einphasige. Einphasiges Laden beginnt früher, dauert aber länger und verursacht mehr Verluste.

Wer an der Wallbox PV-Strom mit minimaler Leistung lädt, verliert viel. Bei 1,4 Kilowatt erreichen laut HTW-Messungen im Mittel nur 76 Prozent der Solarenergie die Fahrzeugbatterie, bei elf Kilowatt sind es 90 Prozent. Ein Teil verschwindet im Ladegerät des Autos, ein anderer in der Bordelektronik, die 150 bis 350 Watt verbraucht.

Eine automatische Phasenumschaltung löst den Zielkonflikt. Bei wenig Sonne fließt der Strom aus der Wallbox über eine Phase, bei viel Überschuss wird auf drei Phasen umgeschaltet. Nach der HTW-Studie ist eine solche Ladestation meist etwas teurer, ermöglicht aber die höchsten Solaranteile.

Wie viel Haushalte mit Solarstrom im Tank sparen

Wer an der Wallbox PV-Strom lädt, verzichtet für diese Menge auf die Einspeisevergütung. Neue Dachanlagen bis zehn Kilowatt erhalten bei Teileinspeisung 7,70 Cent je Kilowattstunde, wenn sie zwischen dem 1. August und 31. Dezember 2026 in Betrieb gehen. Das weist die Bundesnetzagentur in ihrer Übersicht der EEG-Fördersätze aus (Stand September 2026).

Netzstrom kostet Haushalte nach der BDEW-Strompreisanalyse Herbst 2026 im Durchschnitt 37,0 Cent je Kilowattstunde (Stand August 2026). Die Differenz zur Vergütung beträgt 29,3 Cent. Für einen typischen Haushalt aus der HTW-Stichprobe ergibt sich folgende Rechnung; die Eingangswerte stammen von BNetzA, BDEW und HTW Berlin.

GrößeWert
Einspeisevergütung bis 10 kW, Teileinspeisung (ab 1.8.2026, BNetzA)7,70 ct/kWh
Haushaltsstrompreis 2026 (BDEW, August 2026)37,0 ct/kWh
Vorteil je selbst geladener Kilowattstunde29,3 ct/kWh
Zu Hause geladene Energie, Median (HTW 2025)2.228 kWh/Jahr
Solaranteil an der Ladung, Mittel (HTW 2025)53 %
Davon Solarstrom (eigene Rechnung)rund 1.180 kWh
Ersparnis gegenüber Netzstrom (eigene Rechnung)rund 346 Euro/Jahr

Ladeverluste und Anschaffungskosten für Solaranlage und Ladestation fehlen in dieser Rechnung. Mit der Größe des Solardachs ändert sich das Ergebnis stark. Bei 10.000 bis 15.000 Kilometern im Jahr decken Anlagen mit fünf bis zehn Kilowatt laut HTW im Mittel 46 Prozent des Ladebedarfs. Bei 15 bis 20 Kilowatt steigt der Anteil auf 62 Prozent (mehr dazu: Photovoltaik: Vorteile und Nachteile).

Die Vergütungssätze gelten auf Basis des EEG 2023, das bis Ende 2026 befristet ist; eine Nachfolgeregelung berät das Parlament laut BNetzA noch (Stand September 2026). Für neue Anlagen hat der Gesetzgeber mit der Energierechtsnovelle zur Vermeidung von Stromspitzen die Vergütung in Zeiten negativer Börsenpreise gestrichen. Jede Kilowattstunde, die dann ins Auto statt ins Netz fließt, gewinnt an Wert (mehr dazu: Negative Strompreise nutzen).

Wann Netzbetreiber die Wallbox drosseln dürfen

Jede Ladestation muss dem Netzbetreiber vor der Inbetriebnahme gemeldet werden, so verlangt es Paragraf 19 der Niederspannungsanschlussverordnung. Übersteigt die Summen-Bemessungsleistung zwölf Kilovoltampere, braucht der Betreiber zusätzlich die Zustimmung des Netzbetreibers. Eine Station mit elf Kilowatt ist damit meldepflichtig, eine mit 22 Kilowatt zustimmungspflichtig.

Seit dem 1. Januar 2024 gelten neue Ladestationen mit mehr als 4,2 Kilowatt als steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach Paragraf 14a Energiewirtschaftsgesetz. Droht eine Überlastung, darf der Netzbetreiber ihren Bezug auf bis zu 4,2 Kilowatt reduzieren, wie die Bundesnetzagentur erläutert. Diese Mindestleistung muss immer zur Verfügung stehen. Das gilt unabhängig davon, ob an der Wallbox PV-Überschuss oder Netzstrom ins Auto fließt.

Im Gegenzug sinken die Netzentgelte. Modul 1 bringt eine Pauschale, die laut BNetzA zwischen 110 und 190 Euro im Jahr liegt (Stand 2023). Modul 2 senkt den Arbeitspreis des Netzentgelts auf 40 Prozent, verlangt aber einen separaten Zähler. Seit April 2025 lässt sich Modul 1 mit dem zeitvariablen Modul 3 kombinieren, das nach Hoch-, Standard- und Niedertarifzeiten staffelt.

Für Stationen, die vor 2024 angeschlossen wurden, gelten die neuen Regeln spätestens ab dem 1. Januar 2029; ein früherer freiwilliger Wechsel ist möglich. Dass netzdienliches Laden den Alltag kaum einschränkt, zeigte sich schon in frühen Feldversuchen (mehr dazu: Wallbox als steuerbare Verbrauchseinrichtung).

Wozu Haushalte Smart Meter und dynamische Tarife brauchen

Für die netzorientierte Steuerung nach Paragraf 14a ist ein intelligentes Messsystem mit Steuerungseinrichtung nötig. Wer eine steuerbare Verbrauchseinrichtung betreibt, zahlt dafür laut der Bundesnetzagentur höchstens 50 Euro im Jahr, nach den seit dem 25. Februar 2025 geltenden Preisobergrenzen (mehr dazu: Smart Meter in Deutschland).

Für neue Solaranlagen zwischen zwei und 100 Kilowatt ist das Smart Meter doppelt relevant. Nach der Energierechtsnovelle dürfen sie laut FAQ des Bundeswirtschaftsministeriums höchstens 60 Prozent ihrer maximalen Wirkleistung einspeisen, bis ein steuerbares Messsystem installiert ist. Die Grenze betrifft die Einspeisung, sodass Haushalte mit der Wallbox PV-Spitzen über der Grenze selbst nutzen können, statt sie abzuregeln.

Mit dem Smart Meter können Haushalte auch dynamische Stromtarife nutzen. Seit 2025 müssen alle Stromlieferanten solche Tarife anbieten, deren Arbeitspreis sich laut Bundesnetzagentur am Börsenpreis orientiert und mehrmals täglich ändern kann. Im Winter, wenn an der Wallbox PV-Strom knapp wird, lässt sich das Auto damit in günstige Stunden legen. Steigt der Börsenpreis, steigt allerdings auch der Arbeitspreis.

Wann sich ein Heimspeicher neben der Wallbox lohnt

Mit einem Batteriespeicher im Keller steigt der Solaranteil an der Fahrzeugladung weniger stark, als viele erwarten. Laut HTW beträgt das Plus im Mittel neun Prozentpunkte, in drei Vierteln der Haushalte um weniger als 15. Der Grund: Die meisten laden ohnehin mittags, wenn an der Wallbox PV-Strom direkt vom Dach ankommt. Auf den ganzen Haushalt bezogen steigt der Autarkiegrad mit Speicher laut Studie im Mittel von 47 auf 73 Prozent.

Die HTW rät, den Speicher zunächst auf den nächtlichen Haushaltsverbrauch auszulegen. Größer lohnt er sich nur, wenn er zusätzlich die mittlere Energiemenge eines Ladevorgangs aufnehmen soll. Das hängt davon ab, wann das Auto zu Hause steht und angesteckt ist.

Bisher verlor ein Speicher seine EEG-Förderung, sobald Netzstrom hineinfloss. Die MiSpeL-Festlegung der Bundesnetzagentur soll das ändern und nach aktueller Planung am 1. Oktober 2026 veröffentlicht werden. Für Solaranlagen bis 30 Kilowatt-Peak sieht sie eine vereinfachte Pauschaloption vor (mehr dazu: MiSpeL und der Heimspeicher).

Wann Haushalte das Auto als Stromspeicher nutzen können

Als nächster Schritt gilt das bidirektionale Laden. Dabei wird die Autobatterie mittags mit Solarstrom geladen und versorgt abends das Haus oder speist ins Netz zurück. Die HTW Berlin stellte im April 2025 fest, dass bisher nur wenige Ladestationen dafür vorbereitet sind; die Technik steht damit am Anfang des Marktes.

Regulatorisch schafft die Bundesnetzagentur mit MiSpeL die Grundlage. Laut Behörde stellt die Festlegung Ladepunkte erstmals Stromspeichern gleich und eröffnet ihnen anteilig die Förderfähigkeit, auch bei bidirektionaler Nutzung. Für den Haushalt heißt das: Die Wallbox solargerecht zu planen, bedeutet künftig auch, auf Rückspeisefähigkeit zu achten.

Für die Energiewende zählt dabei weniger das einzelne Haus als die Summe. Wird Solarstrom mittags in Autobatterien geladen, sinkt die Last im Verteilnetz genau in den Stunden, in denen viel Einspeisung auf niedrige Börsenpreise trifft. Wer die Wallbox mit Überschussregelung, Phasenumschaltung und Smart Meter einrichtet, hat die Bausteine dafür bereits im Haus.

QUELLEN

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  1. Gesetze im Internet: § 19 Niederspannungsanschlussverordnung, Betrieb von Kundenanlagen, abgerufen 28.09.2026.
  2. Bundeswirtschaftsministerium: FAQ zur Energierechtsnovelle zur Vermeidung von Stromspitzen und zum Biomassepaket, abgerufen 28.09.2026.
  3. Bundesnetzagentur: Dynamische Stromtarife, abgerufen 28.09.2026.
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