KLIMAFORSCHUNG · 27. OKTOBER 2026
UN Web TV / WMODie CO2-Konzentration steigt 2025 auf den Rekordwert von 426,8 ppm
Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hat für 2025 die höchste je gemessene CO2-Konzentration erfasst. Sie liegt bei 153 Prozent des vorindustriellen Werts von 1750, der Zuwachs von 2,8 ppm übertrifft den Schnitt der zehn Vorjahre. Für 2026 erwartet die Organisation den nächsten Anstieg.
„Ein neues Jahr, ein neuer Rekord", sagt Ko Barrett, Vizegeneralsekretärin der WMO. Hinter dem Rekordwert von 426,8 ppm stehen Messungen von 179 Stationen durch Global Atmosphere Watch, dem Messnetz, mit dem die WMO die Zusammensetzung der Atmosphäre überwacht. Als das Treibhausgas-Bulletin 2004 zum ersten Mal erschien, lag der Jahreswert bei 377,5 ppm. Der Zuwachs von 2024 auf 2025 fiel etwas geringer aus als der außergewöhnliche Sprung des Vorjahres.
Die Stationen erfassen Konzentrationen, also die in der Atmosphäre angesammelte Menge. Die neuen Emissionen eines Jahres zählen sie nicht. Von dem CO2, das jedes Jahr ausgestoßen wird, bleibt rund die Hälfte in der Luft, den Rest nehmen Landökosysteme und Ozeane auf. Deshalb steigt die Konzentration weiter, selbst wenn der Ausstoß nicht mehr wächst.
Am Mauna-Loa-Observatorium auf Hawaii läuft seit 1958 die längste CO2-Messreihe der Welt. Ihr Verlauf, die Keeling-Kurve, zeigt neben dem Anstieg ein jährliches Sägezahn-Muster: Im Frühjahr und Sommer entzieht die Vegetation der Nordhalbkugel der Luft Kohlendioxid, im Herbst und Winter gibt sie es zurück. Die Station auf der Nordhalbkugel liegt dabei über dem globalen Mittel der WMO. Ihr Jahresmittel für 2025 beträgt 427,4 ppm, das Saisonhoch im Mai 430,5 ppm.
Seit den 1960er Jahren hat sich das Tempo verdreifacht. Damals kamen im Schnitt 0,8 ppm pro Jahr hinzu, im Jahrzehnt 2011 bis 2020 waren es 2,4 ppm.
Mit dem Tempo wächst die Wärmewirkung. Der Index der amerikanischen Wetter- und Ozeanbehörde NOAA weist für 1990 bis 2025 einen um 56 Prozent stärkeren Strahlungsantrieb der langlebigen Treibhausgase aus. Rund 81 Prozent dieses Zuwachses gehen auf CO2 zurück.
Methan und Lachgas erreichen neue Höchstwerte
Methan liegt 2025 bei 1.948 ppb und damit bei 267 Prozent des Werts von 1750. Rund 35 Prozent des Methans stammen aus natürlichen Quellen wie Feuchtgebieten. Die übrigen 65 Prozent gehen auf Rinderhaltung, Reisanbau, die Förderung fossiler Energieträger, Deponien und die Verbrennung von Biomasse zurück. Lachgas erreicht 339,1 ppb, 126 Prozent des vorindustriellen Werts; es entsteht in der Natur, bei Bränden, beim Düngen und in industriellen Prozessen.
Am Erwärmungseffekt der langlebigen Treibhausgase hat CO2 einen Anteil von 66 Prozent, Methan von 16 Prozent, Lachgas von sechs Prozent. Methan verschwindet dabei deutlich schneller wieder aus der Atmosphäre als CO2. „CO2 bleibt sehr lange, es wirkt über Jahrzehnte und Jahrhunderte", sagt Barrett.
Schwefelhexafluorid steigt mit der Elektrifizierung
Seit drei Jahrzehnten nimmt die Menge an Schwefelhexafluorid in der Atmosphäre parallel zur weltweiten Elektrifizierung zu. Das Gas löscht Lichtbögen in der Stromverteilung, also die Funkenstrecken, die beim Schalten unter Spannung entstehen. Gemessen wird SF6 in Teilen pro Billion, nicht wie CO2 in Teilen pro Million. Der Anstieg im Jahr 2025 war der höchste je gemessene.
Das Gas bleibt über 1.000 Jahre in der Atmosphäre. Über 100 Jahre gerechnet erwärmt es rund 24.300-mal so stark wie CO2. Gegenüber 1995 liege die Konzentration 2025 um 249 Prozent höher, rechnet Barrett in ihrem Statement vor.
Die EU drängt das Gas deshalb aus neuen Schaltanlagen heraus. Anlagen bis 24 Kilovolt dürfen seit Anfang 2026 keine fluorierten Treibhausgase mehr enthalten, in der Klasse über 24 bis 52 Kilovolt gilt das ab 2030. Für höhere Spannungsklassen greifen Grenzwerte ab 2028 beziehungsweise 2032, wie das Umweltbundesamt in seinem Factsheet zu Schaltanlagen aufschlüsselt. Die Messreihen der kommenden Jahre zeigen, ob die Regeln greifen.
Beim molekularen Wasserstoff ist die Konzentration zwischen 2010 und 2024 um 5,3 Prozent gestiegen. Wasserstoff ist kein Treibhausgas, er greift aber in die Chemie der Atmosphäre ein und wirkt dadurch indirekt stark erwärmend. Welche Herstellungswege dahinterstehen, zeigt der Überblick zu den Farben des Wasserstoffs und ihrem Klimapreis. Sorge macht der WMO das Entweichen aus Produktionsanlagen, Pipelines, Speichertanks und Brennstoffzellen.
Den Energiewandel selbst stellt die Organisation damit nicht in Frage. Er sei notwendig und willkommen, hält sie fest, müsse aber klug gemacht und von Umweltbeobachtung begleitet werden.
Für 2026 erwartet die WMO eine höhere CO2-Konzentration
Den etwas moderateren Zuwachs erklärt Oksana Tarasova, leitende wissenschaftliche Mitarbeiterin der WMO, mit den Landsenken. Diese hätten sich nach dem starken El Niño 2023/24 erholt, und die Kohlenstoff-Emissionen aus Vegetationsbränden seien zurückgegangen. Der El Niño hatte die Biosphäre zuvor über Dürre, trockenere Vegetation und mehr Brände geschwächt.
Für 2026 rechnet die WMO mit einem weiteren Anstieg der Konzentration. Zwei Gründe nennt sie: die Verbrennung fossiler Energieträger und den sehr starken El Niño, den die Organisation für 2026/27 erwartet. Er schwächt die Landsenken wie schon 2023/24. Auch das Risiko steigt, dass der Ozean weniger CO2 aufnimmt.
Das Bulletin erscheint zwei Wochen vor der COP31, der UN-Klimakonferenz vom 9. bis 20. November 2026 in Antalya. Mit der heutigen Klimapolitik steuert die Welt laut dem Emissions Gap Report 2026 auf 2,8 Grad Erderhitzung zu.
QUELLEN
- WMO: Greenhouse gas levels once again reach record high, 27. Oktober 2026.
- WMO: Record greenhouse gases trap in more heat for the future, 27. Oktober 2026.
- Spiegel: CO2 in der Atmosphäre steigt auf Rekordwert, 27. Oktober 2026.