SCHWEDEN UND ITALIEN SIND FERTIG · 28. OKTOBER 2026
1Komma5°Deutschland hat die zweitniedrigste Smart-Meter-Quote Europas
Die EU-Regulierungsagentur ACER hat ausgewertet, wie viele Haushalte in 25 europäischen Ländern einen Smart Meter haben. In 16 Ländern sind es mindestens drei Viertel. Die deutsche Smart-Meter-Quote liegt bei sechs Prozent.
Schweden, Dänemark, Italien und Estland melden eine Smart-Meter-Quote von 100 Prozent. Spanien, Finnland, Portugal und Norwegen kommen auf 99 Prozent, Frankreich und die Niederlande auf 94 Prozent. Knapp vor Deutschland liegen Tschechien mit acht und Ungarn mit neun Prozent, dahinter folgt nur noch Griechenland mit zwei Prozent. Über die EU und Norwegen gerechnet haben 66 Prozent der erfassten Haushalte einen Smart Meter, teilt die Agentur mit.
Die Zahlen stammen aus dem Monitoringbericht zu den europäischen Endkundenmärkten für Strom und Gas. ACER hat ihn Ende Juli zusammen mit dem Rat der europäischen Energieregulierer CEER veröffentlicht. Die Werte gelten für 2025 und beruhen auf Meldungen der nationalen Regulierungsbehörden aus 24 EU-Staaten und Norwegen. Für Bulgarien und Rumänien weist der Bericht keine Daten aus.
Für Deutschland merkt ACER an, dass ein Smart Meter nur ab 6.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch Pflicht ist. Die Quote bezieht sich auf alle Kund*innen, bei den Pflichtfällen liegt sie deutlich höher. Die EU-Kommission hat Mindestquoten vorgeschlagen, mindestens 50 Prozent bis 2030 und mindestens 75 Prozent bis 2033. Der Vorschlag steckt noch im Gesetzgebungsverfahren (mehr dazu).
| Land | Smart-Meter-Quote der Haushalte 2025 (%) |
|---|---|
| Schweden | 100 |
| Italien | 100 |
| Spanien | 99 |
| Österreich | 98 |
| Frankreich | 94 |
| Niederlande | 94 |
| EU und Norwegen (gesamt) | 66 |
| Polen | 48 |
| Deutschland | 6 |
| Griechenland | 2 |
Quelle: ACER/CEER, Retail Monitoring Report 2026, Abbildung 15, Daten der nationalen Regulierungsbehörden; Gesamtwert EU und Norwegen laut ACER-Mitteilung vom Juli 2026.
Schweden und Italien setzten ihren Netzbetreibern eine Frist
Schweden beschloss 2003 ein Gesetz, nach dem der Stromverbrauch aller Kund*innen ab dem 1. Juli 2009 monatlich abgelesen werden musste. Die Verteilnetzbetreiber setzten die Vorgabe zwischen 2003 und 2009 um. So beschreiben es Fallstudien des europäischen Verteilnetzverbands GEODE aus dem Jahr 2019.
In Italien schrieb die Regulierungsbehörde AEEG 2006 vor, bis Ende 2013 alle herkömmlichen Stromzähler gegen Smart Meter zu tauschen. Den Einbau mussten die örtlichen Verteilnetzbetreiber übernehmen.
1Komma5° hat die ACER-Zahlen zusammen mit Daten der Bundesnetzagentur ausgewertet. Das Hamburger Cleantech-Unternehmen bietet Solaranlagen, Speicher und Energiemanagement an. In anderen Ländern habe es früh klare gesetzliche Vorgaben für die Netzbetreiber gegeben, erklärt Produktchef und Mitgründer Jannik Schall. In Deutschland bremsten die mehr als 800 Netzbetreiber mit oft veralteten, analogen Prozessen den Ausbau. „Hier muss die Bundesnetzagentur deutlich stärker durchgreifen”, sagt er.
Deutschland hebt seine Smart-Meter-Quote im Halbjahr um 1,5 Prozentpunkte
Den deutschen Stand für Mitte 2026 meldet die Bundesnetzagentur. Ende Juni hatten 3,17 Millionen der gut 54 Millionen Messlokationen ein intelligentes Messsystem, also einen digitalen Stromzähler mit Kommunikationseinheit, der Verbrauchsdaten viertelstündlich übermittelt. Das entspricht einer Smart-Meter-Quote von 5,9 Prozent. Im ersten Halbjahr kamen rund 765.000 Geräte hinzu, Ende 2025 hatte die Quote noch bei 4,4 Prozent gelegen. Bei den Pflichteinbaufällen sind 26,1 Prozent ausgestattet (mehr dazu).
Mit dem ACER-Wert ist diese Zahl nur bedingt vergleichbar. Die Bundesnetzagentur zählt alle Messlokationen, ACER nur Haushalte, und die deutsche Zahl ist ein halbes Jahr jünger. Den Pflichteinbau verantworten in Deutschland 803 grundzuständige Messstellenbetreiber. Von ihnen betreuen 591 weniger als 30.000 Messlokationen.
Haushalte brauchen den Smart Meter für dynamische Tarife
Wer einen dynamischen Stromtarif nutzen will, braucht ein intelligentes Messsystem. Dasselbe gilt für Paragraf 14a des Energiewirtschaftsgesetzes, die Regel, nach der Netzbetreiber Wärmepumpen und Wallboxen bei Netzengpässen zeitweise drosseln dürfen, im Gegenzug für reduzierte Netzentgelte. ACER weist darauf hin, dass ein Smart Meter allein weder einen dynamischen Tarif noch einfachen Zugang zu den eigenen Verbrauchsdaten garantiere.
Der Regierungsentwurf zur EEG-Novelle sieht vor, die feste Einspeisevergütung für neue Anlagen abzuschaffen. Dachanlagen unter 25 Kilowatt sollen sie bis Ende 2028 noch bekommen, allerdings nur für drei statt 20 Jahre (mehr dazu). Neue Dachanlagen unter 100 Kilowatt sollen laut Entwurf dauerhaft höchstens die Hälfte ihrer Leistung einspeisen. Wer seinen Solarstrom künftig selbst vermarktet, rechnet nach Viertelstunden ab, und diese Werte liefert nur ein intelligentes Messsystem. Das Gesetz soll 2027 in Kraft treten, Bundestag und EU-Kommission müssen noch zustimmen.
QUELLEN
- 1Komma5°: Deutschland ist EU-Schlusslicht: Nur 5,9 Prozent der Stromanschlüsse haben einen Smart Meter (Pressemitteilung), 28. Oktober 2026.