Wann sich eine Solaranlage ohne Einspeisevergütung noch rechnet

EEG 2027 DURCHGERECHNET · 20. OKTOBER 2026

Mit Wärmepumpe und E-Auto lohnt sich Photovoltaik 2027 am schnellsten

Ab 2027 soll es für neue Solaranlagen keine feste Einspeisevergütung mehr geben. Selbst ohne jede Einspeisung kommt ein Haushalt mit Speicher laut einer Studie ins Plus. Wer die Energiewende ins eigene Haus holt, macht sich unabhängig von Schurkenstaaten wie Putins Russland.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 11 Min. LESEN


Lohnt sich Photovoltaik 2027 auch ohne feste Einspeisevergütung? Ja, wenn der Strom im Haus bleibt. Ein Zwei-Personen-Haushalt mit Speicher braucht im härtesten Fall gut 25 Jahre, bis die Anlage ihre Kosten über gesparten Netzstrom wieder eingespielt hat. Mit Wärmepumpe und E-Auto sind es 15 Jahre. Ohne Speicher und nur mit Haushaltsstrom schafft die Anlage es in 30 Jahren nicht.

Kleine Solaranlagen seien „oft bereits ohne zusätzliche Förderung wirtschaftlich, sofern sie hohe Eigenverbrauchsanteile realisieren können“, heißt es im Regierungsentwurf zum EEG 2027. So begründet die Bundesregierung das Ende der Förderung für Anlagen unter 25 Kilowatt. Der Satz stimmt. Er gilt allerdings nur für Haushalte, die den Strom auch verbrauchen können, während die Sonne scheint, oder ihn für den Abend speichern.

Was der Überschussstrom ab 2027 noch wert ist

Der Bundesrat soll der EEG-Novelle nach dem Zeitplan der Branche am 20. November 2026 zustimmen (mehr dazu: Solaranlage 2027: Jetzt bauen oder warten?). Für Anlagen, die ab Januar 2027 ans Netz gehen, ersetzt eine Übergangsregel die feste Vergütung. 36 Monate lang zahlt der Netzbetreiber 5,2 Cent pro eingespeiste Kilowattstunde. Danach verkauft ein Direktvermarkter den Überschuss an der Börse. In den ersten vier Jahren dort gibt es 1,5 Cent Bonus obendrauf (mehr dazu: EEG-Novelle: die Übergangslösung für kleine PV-Anlagen).

Regel ab 2027 (Regierungsentwurf) Was das für Ihre Anlage heißt
Übergangszahlung 5,2 ct/kWh, höchstens 36 MonateBei Inbetriebnahme 2027 für Anlagen unter 50 kW, 2028 unter 25 kW, 2029 und 2030 unter 7 kW. Ab 2031 entfällt sie.
Danach Direktvermarktung, Bonus 1,5 ct/kWh für 48 MonateEin Dienstleister verkauft Ihren Strom zum Börsenpreis und behält einen Teil des Erlöses.
Einspeisung höchstens 50 % der AnlagenleistungGilt dauerhaft für Dachanlagen unter 100 kW. Balkonkraftwerke bis 2 kW sind ausgenommen.
Kein Geld bei negativen Börsenpreisen2025 fiel rund ein Viertel des Solarertrags in solche Stunden.
Nulleinspeisung wird erleichtertSie verzichten ganz auf Einspeisung. Was das Haus nicht nutzt, wird abgeregelt.

Stand: Bundestags-Drucksache 21/7867, September 2026

Was der Überschuss über 30 Jahre bringt, kann heute niemand seriös beziffern. Die Übergangszahlung endet, bevor die Anlage ein Zehntel ihrer Lebensdauer erreicht hat. Die Direktvermarktung brachte einer Zehn-Kilowatt-Anlage 2025 rund 250 Euro Erlös, davon gingen etwa 160 Euro an den Dienstleister. Für den Strom in Stunden mit negativen Börsenpreisen fließt gar nichts (mehr dazu: Das Paradox der Solarflut). Und mehr als die Hälfte der Anlagenleistung darf ohnehin nicht ins Netz (mehr dazu: Wirkleistungsbegrenzung im EEG 2027).

Cleanthinking rechnet deshalb mit der härtesten Annahme: Der Überschuss ist nichts wert. Die Anlage verdient ihr Geld allein mit dem Strom, der im Haus bleibt. Alles, was Übergangszahlung oder Direktvermarktung später einbringen, kommt obendrauf.

Wie viele Jahre die Anlage im härtesten Fall braucht

Genau diesen Fall haben Johannes Weniger und Kai Buchholz in der PV2027-Studie vom Juni 2026 durchgerechnet. Weniger ist Speicherforscher, Mitautor der jährlichen Stromspeicher-Inspektion und Geschäftsführer des Berliner Unternehmens aquu. Bezahlt hat die Studie der Solarenergie-Förderverein, der für den Erhalt der Vergütung kämpft. Die Annahmen sind trotzdem vorsichtig. Der Strompreis bleibt 30 Jahre lang bei 35 Cent, dem Durchschnitt von 2025. Die Kosten stammen aus 40 echten Angeboten, der Verbrauch aus gemessenen Lastprofilen eines Berliner Eigenheims.

Referenzfall PV2027-Studie Wert
HaushaltEigenheim, zwei Personen, 3.809 kWh Strom pro Jahr
Anlage10 kW auf dem Süddach, Speicher 10 kWh, 19.668 € inklusive Montage
Abgeregelter Solarstrom69 % (7.622 von 11.052 kWh pro Jahr)
Autarkiegrad84 % (Restbezug aus dem Netz: 613 kWh pro Jahr)
Gesparte Stromkosten1.119 € pro Jahr
Amortisation ohne Einspeisung25,3 Jahre
Amortisation mit alter Vergütung (7,7 ct/kWh)15,6 Jahre
Gewinn nach 30 Jahren ohne Einspeisung4.100 €

Sieben von zehn Kilowattstunden, die das Dach liefern könnte, werden im Referenzfall abgeregelt, also gar nicht erst erzeugt. Trotzdem kostet jede selbst genutzte Kilowattstunde den Haushalt 31 Cent und damit weniger als die 35 Cent aus dem Netz. Mehr als 4.100 Euro Gewinn bleiben in 30 Jahren allerdings nicht. Eine Geldanlage ist das nicht. Eine Versicherung gegen jede künftige Strompreiserhöhung schon.

Den Ausschlag gibt der Verbrauch. Für eine Anlage mit 15 Kilowatt haben die Autoren drei Haushaltstypen verglichen, jeweils mit Speicher, ohne Einspeisung und ohne Strompreissteigerung:

Haushalt mit 15-kW-Anlage Stromverbrauch pro Jahr Amortisation
nur Haushaltsstrom3.809 kWh28 Jahre
mit Wärmepumpe8.239 kWh18 Jahre
mit Wärmepumpe und E-Auto10.088 kWh15,4 Jahre

Quelle: PV2027-Studie, Juni 2026

Für die Energiewende ist das Abregeln absurd: Sauberer Strom, für den das Dach längst bezahlt ist, bleibt ungenutzt. Jede abgeregelte Kilowattstunde ersetzt kein Gas im Kraftwerk. Die Studienautoren beschreiben die Folge: Wer nicht einspeisen darf, belegt sein Dach nicht mehr voll. Am schnellsten rechnet sich die Anlage für Haushalte mit hohem Verbrauch und genug Kapital für Speicher, Wärmepumpe und E-Auto. Wer mit kleinem Budget einsteigt, wartet länger.

Was steigende Strompreise an der Rechnung ändern

Die Studie friert den Strompreis für 30 Jahre ein. Das macht die Rechnung nachvollziehbar, aber unwahrscheinlich. Allein für 2027 kürzt der Bund seinen Zuschuss zu den Übertragungsnetzkosten um rund eine Milliarde Euro. Verivox rechnet dadurch mit etwa einem Prozent Aufschlag auf den Haushaltsstrompreis. Cleanthinking hat den Referenzfall deshalb mit anderen Strompreisen nachgerechnet. Kosten und Erträge stammen unverändert aus der Studie, variiert sind nur der Startpreis und seine jährliche Steigerung.

Strompreis im ersten Jahr konstant +2 % pro Jahr +3 % pro Jahr
30 ct/kWh31,8 Jahre (-1.100 €)22,9 Jahre (+9.000 €)20,5 Jahre (+15.700 €)
35 ct/kWh25,3 Jahre (+3.700 €)19,5 Jahre (+15.500 €)17,7 Jahre (+23.300 €)
40 ct/kWh21,0 Jahre (+8.400 €)16,9 Jahre (+22.000 €)15,6 Jahre (+30.900 €)

Amortisation in Jahren, in Klammern Gewinn nach 30 Jahren. Eigener Überschlag von Cleanthinking auf Basis der PV2027-Studie: 10 kW, Speicher 10 kWh, 19.668 €, ohne Einspeisung, Haushalt ohne Wärmepumpe und E-Auto, ohne Zinsen. Die Studie selbst nennt für 35 ct konstant 4.100 € Gewinn, die Abweichung entsteht durch die vereinfachte Rechnung.

Zwei Prozent Preissteigerung im Jahr sparen fast sechs Jahre Wartezeit und vervierfachen den Gewinn. Nur wenn der Strompreis dauerhaft auf 30 Cent fällt, rutscht die Anlage knapp ins Minus. Für Haushalte mit Wärmepumpe und E-Auto wirkt jede Preisänderung stärker, weil sie am meisten Netzstrom ersetzen.

Warum das elektrische Haus am schnellsten im Plus ist

Jede Kilowattstunde, die im Haus bleibt, ersetzt teuren Netzstrom. Jede abgeregelte bringt nichts. Mit Wärmepumpe und E-Auto steigt der Verbrauch des Referenzhaushalts von 3.809 auf 10.088 Kilowattstunden im Jahr. Ein großer Teil davon fällt an, wenn das Dach liefert: Das E-Auto lädt mittags in der Einfahrt, der Akku des E-Bikes in der Garage. Die Wärmepumpe braucht ihren Strom vor allem im Winter. Trotzdem verkürzt sie die Wartezeit in der Studie um zehn Jahre (mehr dazu: Was eine Wärmepumpe 2026 wirklich kostet).

Der Speicher trägt den Mittagsstrom in den Abend (mehr dazu: Stromspeicher für Photovoltaik). Ein dynamischer Stromtarif, dessen Preis stündlich der Börse folgt, passt zur Solaranlage nur mit Speicher oder steuerbaren Verbrauchern. Ohne Speicher verlängert er die Amortisation laut Studie um 13,3 Jahre. Netzstrom ist ausgerechnet mittags billig, wenn das eigene Dach ohnehin liefert (mehr dazu: Dynamischer Stromtarif: Wer spart, wer draufzahlt).

Das elektrische Haus ist noch selten. Nach dem KfW-Energiewendebarometer 2024 kombinieren nur sechs Prozent der Haushalte mit Solaranlage auch Batterie, Wärmepumpe und E-Auto. Für alle anderen liegt die Rechnung von oben noch vor ihnen.

Womit Prosumer*innen künftig zusätzlich verdienen

Vier Wege, mit der Anlage zusätzlich Geld zu verdienen, stehen Stand Oktober 2026 im Gesetz oder in der Festlegung, aber noch nicht im Alltag:

Erlösquelle Stand 2026 Hürde
Energy SharingSeit Juni 2026 dürfen Haushalte Überschuss über das Netz mit Nachbar*innen teilen.Smart Meter nötig, volle Netzentgelte auf geteilten Strom, keine IT-Standards bei 850 Netzbetreibern. Massenmarkt frühestens 2029.
Bidirektionales LadenSeit Januar 2026 zahlen E-Autos als Speicher Netzentgelte nur noch einmal.Erste Angebote wie bei Elli von Volkswagen zahlen bis 720 € Bonus im ersten Jahr. Markterlöse gibt es noch nicht.
MiSpeLSeit Oktober 2026 dürfen Heimspeicher Netzstrom laden, ohne die Förderung für den Solaranteil zu verlieren.Übergangszeit bis September 2027, Smart Meter und dynamischer Tarif nötig.
Direktvermarktung mit SpeicherFür Neuanlagen nach der Übergangszeit Pflicht.Für kleine Anlagen 2025 kaum lohnend. Mehr wert ist Strom, den der Speicher abends einspeist.

Die Studienautoren fordern, dass Speicher abends und nachts einspeisen dürfen und dafür Anreize bekommen. Technisch können Heimspeicher und E-Autos das längst, es fehlen Smart Meter und gemeinsame Standards der Netzbetreiber (mehr dazu: Energy Sharing, bidirektionales Laden, MiSpeL).

Wie Sie sich mit eigenem Solarstrom von Schurkenstaaten unabhängig machen

Am 13. September 2026 kostete der Liter Super E10 im Bundesschnitt 2,273 Euro, so viel wie nie zuvor. Den Preis trieben der Konflikt um die Straße von Hormus und Drohnenangriffe auf eine saudische Pipeline. Wer tankt oder mit Gas heizt, finanziert solche Konflikte mit, bei jeder Tankfüllung und mit jeder Heizkostenabrechnung (mehr dazu: Ölpreisschock 2026 als Beschleuniger).

Ein anderer Lieferant hilft nicht. Ob Wladimir Putin das Gas liefert, die Golfstaaten das Öl oder die USA das Flüssiggas: Den Preis machen Autokraten und Kartelle, und Deutschland zahlt. Billig war selbst das russische Gas nie (mehr dazu: Gazprom gewährte Deutschland nie einen Gasrabatt). Europa kostet die Abhängigkeit über 100 Milliarden Euro zusätzlich.

Wer mit Strom vom eigenen Dach heizt und fährt, ist raus aus diesem Spiel. Schon der Referenzhaushalt der Studie deckt 84 Prozent seines Stroms selbst. Mit Wärmepumpe und E-Auto ersetzt dieser Strom auch Heizöl, Gas und Benzin. Diesen Wert enthält keine Amortisationstabelle: An jeder Kilowattstunde vom eigenen Dach verdient kein Autokrat mit.

„Die Technologien der Energiewende haben enormes ökonomisches Potenzial - für Privathaushalte und für die Industrie“, sagt Moritz Wussow von der Universität Freiburg. Der Leiter des Climate Action Research Lab erwartet im ntv-Podcast „Klima-Labor“, dass gerade hohe Spritpreise mehr Menschen diesen Nutzen erkennen lassen. In seiner repräsentativen Umfrage schätzten die Befragten sehr unterschiedlich ein, ob sich eine Solaranlage rechnet, Desinformation sei weit verbreitet. Dagegen hilft laut Wussow vor allem die Nachbarschaft: Hat eine Person eine Solaranlage, schaffen sich viele in ihrem Umfeld ebenfalls eine an.

Wann lohnt sich Photovoltaik 2027 nicht

Weniger und Buchholz nennen mehrere Konstellationen, in denen sich eine Anlage innerhalb von 30 Jahren nicht oder nur knapp bezahlt macht.

Konstellation Ergebnis laut PV2027-Studie Was Sie tun können
Nur Haushaltsstrom, kein SpeicherAmortisation länger als 30 JahreSpeicher einplanen, Wärmepumpe oder E-Auto ergänzen
Anlage kostet 2.000 €/kW oder mehrLänger als 30 Jahre, unabhängig vom SpeicherpreisMehrere Angebote vergleichen, die Studie rechnet mit 1.526 €/kW
Dynamischer Tarif ohne Speicher13,3 Jahre längerDynamischen Tarif erst mit Speicher wählen
Anlage unter 9 kW in der DirektvermarktungNulleinspeisung ist günstiger, unter 7,5 kW übersteigen die Kosten die ErlöseNulleinspeisung prüfen
Kein eigenes DachDie Studie rechnet nur EigenheimeBalkonkraftwerk, künftig Energy Sharing

Für Mieter*innen bleibt vorerst das Balkonkraftwerk, die 50-Prozent-Grenze gilt dafür nicht (mehr dazu: Balkonkraftwerk: Vorteile und Nachteile). Für eine Solaranlage habe man bisher ein eigenes Haus gebraucht, sagt Wussow, das Gesetz zum Energy Sharing solle das ändern.

Wer ohnehin baut, sichert sich bis zum 31. Dezember 2026 noch die alte Vergütung: 7,70 Cent pro Kilowattstunde für 20 Jahre bei Anlagen bis zehn Kilowatt. Im Referenzfall der Studie verkürzt das die Amortisation von 25,3 auf 15,6 Jahre.

Häufige Fragen zu Photovoltaik 2027

Gibt es 2027 noch eine Einspeisevergütung für neue Solaranlagen?

Nach dem Regierungsentwurf zum EEG 2027 (Stand Oktober 2026) erhalten neue Anlagen keine feste Einspeisevergütung mehr. Stattdessen gibt es eine befristete Übergangszahlung von 5,2 Cent pro Kilowattstunde für höchstens 36 Monate, danach müssen Betreiber*innen den Strom direkt vermarkten. Anlagen, die bis zum 31. Dezember 2026 in Betrieb gehen, behalten die bisherige Vergütung für 20 Jahre.

Lohnt sich ein Stromspeicher zur Solaranlage ab 2027?

Ohne Speicher braucht ein Zwei-Personen-Haushalt laut PV2027-Studie vom Juni 2026 länger als 30 Jahre, bis er seine Investition zurückhat. Mit einem Speicher von zehn Kilowattstunden sind es ohne Einspeisung und ohne Strompreissteigerung 25,3 Jahre. Mit Wärmepumpe und E-Auto verkürzt sich die Zeit weiter.

Was bedeutet Nulleinspeisung bei einer Solaranlage?

Bei der Nulleinspeisung gibt eine Solaranlage keinen Strom ins öffentliche Netz ab. Was das Haus nicht verbraucht oder speichert, wird abgeregelt; im Referenzfall der PV2027-Studie sind das 69 Prozent des möglichen Ertrags. Die Bundesregierung will diese Betriebsart mit dem EEG 2027 erleichtern.

Gilt die 50-Prozent-Einspeisegrenze auch für Balkonkraftwerke?

Nein. Nach dem Regierungsentwurf zum EEG 2027 dürfen neue Dachanlagen unter 100 Kilowatt dauerhaft höchstens die Hälfte ihrer installierten Leistung einspeisen. Balkonkraftwerke bis zwei Kilowatt beziehungsweise 800 Voltampere sind davon ausgenommen.

c624ee53c4ff4fee97da5fb3b72da151
0 0 Bewertungen
Beitragsbewertung
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Kommentare
Neueste
Älteste Meistbewertet
Nach oben scrollen
0
Ihre Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x