TESTLAUF 1.500 METER UNTER DEM PAZIFIK · 24. OKTOBER 2026
Endurance EnergyEndurance Energy erzeugt erstmals Strom aus Geothermie am Meeresboden
Das Cleantech-Unternehmen Endurance Energy hat auf dem Meeresboden vor Oregon 8,7 Sekunden lang mehr Strom erzeugt, als die Anlage selbst verbrauchte. In der Spitze waren es 16,5 Kilowatt. Es ist der erste Versuch, der Bohrung, Kraftwerk und Fernsteuerung in der Tiefsee zusammenbringt.
Das Testgerät heißt Adélie und arbeitete im September rund 1.500 Meter unter der Oberfläche des Pazifiks. Ziel war der Axial Seamount, ein aktiver Unterwasservulkan etwa 480 Kilometer westlich von Oregon. Ende September lieferte die Turbine 8,7 Sekunden lang mehr Strom, als das System selbst verbrauchte. Der Überschuss ging in die Pufferbatterie.
Das Unternehmen aus Seattle machte die Ergebnisse Mitte Oktober öffentlich. Gegründet hat es Andrew Redd, früher Ingenieur bei SpaceX, im Januar 2025. Seither sammelte Endurance Energy 63 Millionen Dollar ein, davon 54 Millionen in einer Serie-A-Runde unter Führung von Founders Fund. „Adélie hat es existieren lassen, jetzt wissen wir, dass es geht", sagt Redd.
Heißes Meerwasser trieb die Turbine an
Vom Forschungsschiff Ocean Guardian ließ die Mannschaft zunächst einen umgebauten Bohrer hinab, wie ihn Öl- und Gaskonzerne für Gesteinsproben nutzen. Ferngesteuert entstand am Fuß des Vulkans ein 16 Meter tiefes Bohrloch, aus dem mineralreiches Wasser mit rund 260 Grad strömte. Für den Stromlauf reichte die Strömung nicht. Also setzte ein Unterwasserroboter das Kraftwerk an einen natürlichen Schlot daneben, dessen Fluid knapp 281 Grad heiß war.
Adélie wiegt drei Tonnen, steckt wegen Druck und Salzwasser größtenteils in Titan und beansprucht etwa die Fläche eines Pkw. Im Inneren arbeitet ein Organic Rankine Cycle, in der Branche kurz ORC-Prozess. Er macht aus mäßig heißem Wasser Strom, genau wie die Anlagen an Land. Die Turbine erreichte nach Unternehmensangaben rund 26.000 Umdrehungen pro Minute, netto flossen im Mittel etwa zwei Kilowatt. Beendet wurde der Lauf von der Überstromsicherung der Batterie, kurz darauf fiel ein Stromkabel aus.
Gesteuert wurde die Anlage aus Seattle. Dafür nutzte das Team ein bestehendes Glasfasernetz am Meeresboden, das die University of Washington für die Vulkanforschung betreibt. Temperatur- und Durchflusswerte liefen in Echtzeit in die Zentrale.
Geologin Emily Pope bezweifelt den wirtschaftlichen Nutzen
Pope forscht als Senior Fellow am Center for Climate and Energy Solutions und hält den Ansatz wissenschaftlich für interessant, wirtschaftlich aber für kaum tragfähig. Salz, Druck und Entfernung zum Kunden türmten Kosten auf, die eine Technologie zu tragen habe, nach der es bisher keine große Nachfrage gebe. Abgelegene Inselstaaten, auf dem Papier die naheliegenden Abnehmer, kämen mit Solarstrom und Batterien deutlich billiger an Strom.
Vorläufer gibt es, allerdings aus der Forschung. Chinesische Wissenschaftler erzeugten 2016 an einer hydrothermalen Quelle im Übergang zwischen südwestlichem Indischem und südöstlichem Atlantischem Ozean einige Watt über längere Zeit. In Island bohrte ein staatlich gefördertes Projekt nahe dem Mittelatlantischen Rücken eine Geothermiebohrung, scheiterte aber an korrodierendem Meerwasser. Dieselbe Hürde adressiert Endurance Energy mit Titan, und mit dem Anspruch, von Beginn an auf Größe statt auf Messwerte zu zielen.
In Deutschland dreht sich die Geothermie um planbare Wärme unter der Stadt. Sie gilt als Joker der Wärmewende. Strom aus Erdwärme liefert bislang nur eine Handvoll Anlagen, in Geretsried speist Eavor seit Ende 2025 kommerziell ein. Was Geothermie international antreibt, ist der Strombedarf der Rechenzentren, etwa beim 150-Megawatt-Vertrag zwischen XGS Energy und Meta.
Tonga will Diesel durch Geothermie am Meeresboden ersetzen
Mit dem Königreich Tonga hat Endurance Energy eine Absichtserklärung über ein Projekt von zwei Megawatt geschlossen. Es soll die Hauptinsel Tongatapu versorgen und importierten Diesel ersetzen. Strom soll dort nach Angaben des Unternehmens ab 2027 fließen. Für den kommenden Winter kündigt Redd einen überarbeiteten Nachfolger namens Gentoo an, der länger laufen und mehr leisten soll. Parallel entwickelt das Unternehmen den kommerziellen Generator Leopard.
Die nächste Baustelle liegt im Bohrloch. Das bisherige Bohrsystem reicht etwa 80 Meter tief, genutzt wurden 16 Meter. Mehr Tiefe soll mehr Strömung bringen, und damit die Grundlage dafür, dass eine Anlage am Meeresboden länger als wenige Sekunden Strom liefert.
QUELLEN
- Canary Media: This geothermal startup produced a tiny bit of power from the seafloor, 19. Oktober 2026.
- ThinkGeoEnergy: Endurance Energy demonstrates subsea geothermal power in Pacific Ocean, 20. Oktober 2026.
- Endurance Energy: Mitteilung „Endurance Energy drills world's first subsea geothermal well and runs first net-positive power plant", 19. Oktober 2026.