JUGEND FÜR BESSERE BILDUNG UND ECHTEN KLIMASCHUTZ · 30. OKTOBER 2026
Leonhard Lenz / Wikimedia CommonsGen Z regelt gibt der Jugend eine Stimme jenseits der Ränder
Die Jugend in Deutschland fühlt sich angesichts ungelöster Probleme ungerecht behandelt. Wer schon wählen darf, hat zuletzt die Ränder gestärkt. Rund um „Gen Z regelt" formiert sich jetzt eine überparteiliche Bewegung, die an Halloween erstmals auf die Straße geht.
Bei der Bundestagswahl im Februar 2025 stimmte jeder vierte Wähler zwischen 18 und 24 Jahren für die Linke, jeder fünfte für die AfD. Das ergab die Wahlanalyse von Infratest dimap. Die Parteien der Mitte kamen in dieser Altersgruppe zusammen nicht auf die Hälfte der Stimmen. Der Unmut ist da, er hatte bisher nur die Wahlkabine als Ventil.
Jetzt sucht er sich einen zweiten Weg. An Halloween sind in mehr als 30 Städten des Landes erste Großdemonstrationen organisiert. Das Bündnis „Gen Z regelt" organisiert die Hauptproteste in Berlin, Köln, Hamburg, Frankfurt und München. Nach eigener Aussage ist es ein überparteilicher Zusammenschluss von Schülern, Studierenden, Auszubildenden und jungen Berufstätigen. „Ohne uns läuft die Zukunft nicht!", so endet ihr Positionspapier.
Die junge Generation zahlt für Entscheidungen, die andere treffen
Der rote Faden durch alle Forderungen heißt Gerechtigkeit. Gespart werde bei Bildung, Sozialem, Kultur und Gesundheit, während Großunternehmen weiter profitierten und Milliarden in Aufrüstung flössen. Die Kürzungen gingen auf den Rücken der Jungen. Dazu kommt die Wehrpflicht. Dieselbe Generation soll für Kriege ausgebildet werden, über die sie nie mitentschieden hat, und zugleich die Rechnung für verfallende Schulen bezahlen.
Luisa Neubauer sieht darin den Kern des Konflikts. Der Generationenvertrag funktioniere nicht mehr, immer größere Lasten würden auf die Jungen abgeschoben, sagte die Klimaschutzaktivistin am Donnerstag in einem Video auf Instagram. Das sei einer der Gründe, warum sich junge Menschen hierzulande „auf gut Deutsch verarscht" vorkämen. Die Debatte um die Demonstrationen bestätige den Eindruck derer, die sich nicht ernst genommen fühlten. Sie riet dazu, erst einmal zu schauen, was am Samstag passiere.
Am deutlichsten wird das bei den Lebenshaltungskosten. Preissteigerungen, hohe Steuern und Armut belasteten viele Menschen im Alltag, schreibt die Initiative, ihre Sorgen bekämen zu wenig Aufmerksamkeit. Wer heute eine Ausbildung beginnt, zahlt für Miete, Strom und Wärme Preise, die eine Generation zuvor nicht kannte. Dazu erbt er die Folgen der fossilen Abhängigkeit. Die Forderung lautet schlicht: ein bezahlbares Leben.
Die Klimakrise treffe die junge Generation am härtesten, trotzdem werde echter Klimaschutz immer weiter verschoben, schreibt „Gen Z regelt" auf seiner Website. Die Forderung dazu: „Konsequenter Klimaschutz jetzt, damit wir eine Zukunft haben." Wer 2026 achtzehn ist, wird die Welt von 2060 erleben, über die heute im Bundestag entschieden wird. Das ist der Kern der Gerechtigkeitsfrage, die diese Bewegung stellt.
Mitentscheiden statt Protestwahl
Der Unterschied zur Protestwahl liegt im Anspruch. „Gen Z regelt" will nicht gegen das System stimmen, sondern im System mitreden. Die Initiative fordert eine Politik, die in Bildung, soziale Sicherheit, Gesundheit und bezahlbares Leben investiert, statt bei der jungen Generation zu sparen. Und sie will mitbestimmen, wenn über ihre Zukunft entschieden wird. Der 31. Oktober sei erst der Anfang, dauerhafte Probleme bräuchten mehr als einen Protesttag.
Eingeladen ist jeder, der friedlich protestieren und der Jugend eine Stimme geben will. „Wir sind die Mitte von allem", schreibt die Initiative in ihrer Erklärung, egal ob links, rechts, grün oder eine andere Richtung, alle seien willkommen. Man kämpfe für die Menschen, die Jugend und die Zukunft, nicht für eine Partei. Bei ihr gehörten alle dazu, gleich welcher Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht oder Religion. Nur eines schließt sie aus: Gewalt gegen Menschen oder Sachen widerspreche allem, wofür sie stehe.
Es sind offenbar vor allem jene jungen Menschen, die mit Extremismus nichts anfangen können und trotzdem nicht länger zusehen wollen. Den Anstoß gaben Jugendproteste in Frankreich, auch in Belgien und Spanien gehen Jugendliche auf die Straße. Die deutsche Bewegung entstand in sozialen Medien. Ihr Organisationskreis besteht aus 20 bis 30 jungen Menschen, die sich über Tiktok gefunden haben und über ganz Deutschland verteilt leben.
Die Demo-Premiere an Halloween wird zeigen, ob aus der sich gerade formierenden Bewegung ein friedlicher Protest wird, der der jungen Generation künftig auch bei politischen Entscheidungen mehr Stimme verleiht. Bedingung dafür: Keine Gewalt.
QUELLEN
- Gen Z regelt: Positionspapier „Bundesweiter Protest der Generation Z am 31. Oktober 2026".
- Gen Z regelt: Forderungen auf der Website der Initiative, abgerufen am 30.10.2026.
- ZEIT Online/dpa: Neubauer warnt vor „Hyperventilierung" in Protest-Debatte, 29.10.2026.
- n-tv: Wer hinter „Gen Z regelt" und den geplanten Protesten in Deutschland steckt, 24.10.2026.