LANDWIRTSCHAFT · 3. NOVEMBER 2026
YaraCO2-reduzierter Dünger aus Rostock geht an Landwirte in Norddeutschland
Der norwegische Düngerhersteller Yara und der Agrarhändler team agrar haben einen Liefervertrag über CO2-reduzierten Dünger geschlossen. Das Ammoniak dafür kommt aus Sluiskil, wo Yara das CO2 seit September unter die Nordsee bringt.
Die erste Lieferung umfasst 2.500 Tonnen Dünger. Bei ihrer Herstellung seien rund 900 Tonnen CO2-Äquivalent weniger angefallen als bei konventioneller Ware, teilten die Unternehmen mit. Das entspricht rund 0,36 Tonnen je Tonne Dünger. Die Menge reiche für 3.500 bis 4.000 Hektar.
Der Händler team agrar sitzt in Osterrönfeld bei Rendsburg und gehört zur dänischen Genossenschaftsgruppe DLG. Er verkauft den Dünger über seine Standorte in Norddeutschland. Yara produziert ihn im Werk Rostock. Preise und weitere Liefermengen nennen die Unternehmen laut top agrar nicht.
Es sei nach Angaben der Unternehmen der weltweit erste Vertrag dieser Art. Dünger aus grünem Ammoniak liefert Yara aus Rostock schon länger unter dem Namen Climate Choice, laut Yara mit einem um 75 bis 90 Prozent kleineren CO2-Fußabdruck. Abnehmer waren unter anderem Nordzucker, die Mühlengruppe Bindewald & Gutting mit Harry-Brot und Dossche Mills. Am Projekt mit Dossche Mills war team agrar bereits beteiligt. Neu ist der Vertrag über Dünger aus Ammoniak mit abgeschiedenem CO2.
„Wir wollen hier Vorreiter sein“, sagt Bent Nissen, Geschäftsführer von team agrar. Er verweist auf ein Milchprogramm in der Lebensmittelkette, das den Einsatz CO2-reduzierter Dünger fördere. Lebensmittelverarbeiter und Handel sollen die Einsparung künftig in ihrer Klimabilanz geltend machen können, wenn der Dünger in dieselbe Region geht, aus der die Ernte stammt. Eine Rückverfolgung bis zum einzelnen Feld sei dafür nicht nötig, berichtet die Welt.
Sluiskil fängt CO2 schon seit den 1980er-Jahren auf
Im niederländischen Sluiskil fällt bei der Ammoniakherstellung ein reiner CO2-Strom an. Rund 2,2 Millionen Tonnen davon fängt das Yara-Werk seit den 1980er-Jahren jedes Jahr auf und verkauft sie als Rohstoff weiter. Die übrigen 800.000 Tonnen gingen bisher in die Atmosphäre.
Die EU-Kommission hat die nach ihren Angaben größte industrielle CCS-Anlage Europas am 7. September eingeweiht, gemeinsam mit den Regierungen der Niederlande und Norwegens. Seitdem verflüssigt Yara bis zu 800.000 Tonnen CO2 im Jahr. Die Schiffe stellt Northern Lights, ein Unternehmen von Equinor, Shell und TotalEnergies. Sie bringen das CO2 nach Øygarden in Norwegen, wo es rund 2.600 Meter unter dem Meeresboden lagert. Über 15 Jahre sollen so rund zwölf Millionen Tonnen zusammenkommen.
Technisch ist das der einfachste CCS-Fall, weil Yara den reinen CO2-Strom nur noch verflüssigen und verschiffen muss. Das Projekt umfasst laut Factsheet des Konzerns Verflüssigung, Lagertanks, Schiffsverladung und Landstrom. Im Zementwerk Brevik muss Heidelberg Materials das CO2 erst aus dem Abgas des Ofens waschen. Für das abgeschiedene CO2 muss Yara laut Enerdata keine CO2-Kosten mehr tragen, daran hängt die Rechnung des Projekts.
Yara teilt seinen Dünger in drei Klassen ein
Konventionelles Ammoniak entsteht aus Erdgas, dessen CO2 im Fußabdruck jedes Stickstoffdüngers steckt. Yara unterscheidet deshalb Klasse A aus grünem Ammoniak, hergestellt mit erneuerbarer Energie, Klasse B aus blauem Ammoniak mit CO2-Abscheidung und Klasse C ohne beides. Der Händler team agrar bezieht Klasse B.
Auf einer Pressekonferenz 2024 bezifferte Yara den Fußabdruck von Dünger aus blauem Ammoniak auf 20 bis 60 Prozent des konventionellen Düngers aus der EU. Dünger aus grünem Ammoniak kommt demnach auf zehn bis 30 Prozent. Dünger von außerhalb der EU liegt bei 170 bis 200 Prozent.
Seit dem 1. Juli 2026 gilt die zweite Stufe höherer EU-Zölle auf Dünger aus Russland und Belarus. Russland finanziert mit seinen Düngerexporten den Krieg gegen die Ukraine. Seit Januar erfasst der CO2-Grenzausgleich CBAM auch Stickstoffdünger, vorerst mit reduziertem Aufschlag. Eine Aussetzung hat die EU-Kommission abgelehnt.
Den Schritt zu Klasse A bereitet Yara selbst vor. Im norwegischen Herøya hat der Konzern 2024 einen Elektrolyseur eingeweiht. Für Ammoniak taugt CCS als Übergang, weil der CO2-Strom rein anfällt und sonst in die Luft ginge. Vermeiden lassen sich die Emissionen mit grünem Ammoniak aus Wasserstoff, den Elektrolyseure mit Strom aus Wind und Sonne erzeugen.
CO2-reduzierter Dünger senkt den kleineren Teil der Emissionen
Yara-Deutschland-Chef Marco Fleischmann nennt CO2-reduzierten Dünger eine der größten und zugleich einfachsten Stellschrauben, um die Lebensmittelproduktion zu dekarbonisieren. Beim Weizen entfallen laut Yara 33 Prozent der Klimawirkung auf die Herstellung von Dünger und anderen Betriebsmitteln. Auf Stickstoffverluste auf dem Feld, vor allem in Form von Lachgas, entfallen 41 Prozent.
Der Dünger aus Sluiskil setzt beim ersten Anteil an. Gegen das Lachgas hilft ein genaueres Düngemanagement auf dem Acker, das Yara nach eigenen Angaben mit seinem Dünger kombiniert.
QUELLEN
- Welt: So will der Konzern Yara die Klimabilanz der Landwirtschaft verbessern, Olaf Preuß, 27. Oktober 2026.
- Yara: Pioneering industrial decarbonization in Europe, Projektseite Sluiskil.
- Yara Deutschland: Präsentation zur Pressekonferenz 2024, 2024.
- North Sea Port: Yara Sluiskil to realize world's first project for cross-border CO2 capture and storage (Pressemitteilung).