BÜRGERENERGIE IN OBERBAYERN · 30. SEPTEMBER 2026
Energiegenossenschaft Oberland eGEnergiegenossenschaft aus Oberbayern wartet vergeblich auf den Agri-PV-Bonus
Mehr als 500 Mitglieder der Energiegenossenschaft Oberland haben Geld zusammengelegt und fünf Agri-PV-Anlagen gebaut, kalkuliert mit einem gesetzlich zugesagten Bonus. Weil der Bonus nie kam, klafft eine Finanzierungslücke von 650.000 Euro im Jahr.
Seit 2024 wartet die Genossenschaft aus Peißenberg im Landkreis Weilheim-Schongau vergeblich auf den Agri-PV-Bonus. Der Bundestag hatte ihn im Solarpaket I beschlossen, 2,5 Cent je Kilowattstunde zusätzlich. Ohne ihn fehlen der Genossenschaft rund zwei Fünftel der Einnahmen, auf denen die Finanzierung ihrer Anlagen aufbaut. Das teilte eine Sprecherin auf Anfrage von Cleanthinking mit.
Das Bundeswirtschaftsministerium habe der Genossenschaft wiederholt versichert, die nötige EU-Genehmigung für den Bonus habe höchste Priorität. „Zu einer entsprechenden Genehmigung ist es bis heute jedoch nicht gekommen“, sagt die Sprecherin. Gegenüber dem BR-Magazin quer erklärte das Ministerium inzwischen, die im Solarpaket vorgesehene Förderung werde nicht kommen. Im EEG 2027 will Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) den Bonus auf 0,5 Cent senken.
„Auf dieser Grundlage haben unsere Mitglieder investiert“, sagt die Sprecherin. Für Bürgerenergiegenossenschaften ohne die Rücklagen eines Konzerns könne das Ausbleiben des Zuschlags existenzgefährdend sein. Wenn gesetzlich zugesagte Vergütungen ausblieben, „beschädigt das die Bereitschaft zur bürgerschaftlichen Beteiligung dauerhaft und weitreichend“.
Die EU-Kommission verlangt für den Agri-PV-Bonus eine Abschöpfung
Der Bonus gilt für hoch aufgeständerte Agri-PV und andere sogenannte besondere Solaranlagen. Unter den Modulen bewirtschaften Landwirte ihre Flächen weiter, bei der Energiegenossenschaft Oberland weiden dort Rinder. Zahlen darf Deutschland den Bonus erst, wenn die EU-Kommission ihn als staatliche Beihilfe genehmigt. Die Kommission verlangt dafür einen Abschöpfungsmechanismus, der Erlöse oberhalb des Förderbedarfs zurückholt, wie die ZfK berichtete.
Die Genossenschaft mit nach eigenen Angaben mehr als 500 Mitgliedern hat trotzdem gebaut. Ihre fünf Anlagen in Schongau, Peißenberg, Polling und Ohlstadt sind seit 2024 und 2025 am Netz und versorgen laut Projektübersicht rund 8.700 Haushalte. Für keine davon hat sie den Bonus je erhalten.
Die Bürgerenergiegenossenschaft EnerGeno Heilbronn-Franken mit mehr als 2.400 Mitgliedern hat ihre fertige Agri-PV-Anlage dagegen anderthalb Jahre stillstehen lassen. Im Januar 2026 nahm sie die Anlage ohne Bonus in Betrieb, in der Hoffnung auf eine nachträgliche Genehmigung, berichtete das pv magazine.
Die Bundesregierung will das eigene Agri-PV-Segment streichen
Im Juli 2026 hat das Bundeskabinett den Entwurf für das EEG 2027 beschlossen. Darin sinkt der Bonus für Agri- und Moor-PV auf 0,5 Cent je Kilowattstunde. Das eigene Untersegment für besondere Solaranlagen entfällt. In diesem Topf der Ausschreibungen hätten Agri-PV und Co. laut Solarpaket I zuerst den Zuschlag erhalten sollen, vor gewöhnlichen Freiflächenanlagen.
Bleibt es bei 0,5 Cent, dürfte die Doppelnutzung landwirtschaftlicher Flächen in den Ausschreibungen nach Einschätzung der Genossenschaft nicht mehr wettbewerbsfähig sein. Die Anlagen ließen sich unter diesen Bedingungen nicht mehr kostendeckend errichten und betreiben.
Der Landesbauernverband Landvolk Niedersachsen fordert ebenfalls 2,5 Cent. Mit 0,5 Cent werde der Mehraufwand der aufgeständerten Anlagen nicht annähernd berücksichtigt, sagte Alexander von Hammerstein, Vorsitzender des Ausschusses Erneuerbare Energien, dem Fachmagazin top agrar.
Der Bundesrat fordert 1,5 Cent und ein eigenes Segment
In seiner Stellungnahme zum EEG-Entwurf vom 25. September fordert der Bundesrat einen Bonus von 1,5 Cent je Kilowattstunde. Gelten soll er auch für schwimmende Solaranlagen und für Photovoltaik über Parkplätzen. Das eigene Untersegment für Agri-PV und andere besondere Solaranlagen will die Länderkammer erhalten. Die Bundesregierung muss der Stellungnahme nicht folgen, über das EEG 2027 entscheidet der Bundestag.
Drei weitere Anlagen bei Weilheim hat die Genossenschaft geplant. Mit einem Zuschlag von 2,5 Cent wären sie nach ihrer Einschätzung wirtschaftlich umsetzbar. „Ohne diesen Zuschlag oder eine vergleichbare Förderung ist eine wirtschaftliche Realisierung der Projekte derzeit nicht möglich“, erklärt die Sprecherin.
QUELLEN
- Energiegenossenschaft Oberland eG: Schriftliche Antworten auf eine Anfrage von Cleanthinking, 29. September 2026.