KÖPFE DER KLIMAFORSCHUNG · 29. SEPTEMBER 2026
Jan RosenowWas Jan Rosenow über Wärmepumpen und Wasserstoff herausgefunden hat
Der Oxford-Professor für Energie- und Klimapolitik hat 54 unabhängige Studien zum Heizen mit Wasserstoff ausgewertet und Messdaten von Wärmepumpen im Frost gebündelt. Mit seinen Zahlen prüft er die gängigen Einwände gegen die elektrische Wärmewende.
Jan Rosenow arbeitet an einer Frage, vor der Millionen Hausbesitzer*innen in Europa stehen: Womit ersetzt ein Land die Gasheizung, ohne Geld und Strom zu verschwenden? In seinen bekanntesten Arbeiten sammelt er die unabhängige Forschung zu einer Technik und legt offen, wohin sie in der Summe zeigt. Die Studienlisten veröffentlicht er jeweils mit, sodass Leser*innen jede Einzelstudie nachprüfen können.
2026 nahm sich Jan Rosenow mit Marek Miara eine sehr deutsche Frage vor. Warum kostet der Einbau einer Wärmepumpe hierzulande so viel mehr als bei den Nachbarn? Die beiden fanden Gründe von der Mehrwertsteuer bis zum Betonfundament unter dem Außengerät.
Inhalt
Welche Ämter Jan Rosenow heute innehat
An der Universität Oxford lehrt Jan Rosenow als Professor für Energie- und Klimapolitik und leitet das Energieprogramm des Environmental Change Institute. Nach seiner eigenen Website gehören dem Programm 34 Forschende an, Stand September 2026. Am Oriel College hält er die Jackson Senior Research Fellowship.
Den Titel des Full Professor verlieh ihm die Universität im Juli 2025, wie das Institut damals mitteilte. Die Mitteilung nennt weitere Rollen: Senior Associate am Cambridge Institute for Sustainability Leadership und Affiliate Faculty an der University of Sussex. Dem Regulatory Assistance Project (RAP), einer Denkfabrik für Energieregulierung, dient er als Senior Advisor, zuvor war er dort Vizepräsident.
Als Beratungsstationen führt sein Institutsprofil die Weltbank, das Weltwirtschaftsforum, die Internationale Energieagentur und den European Council for an Energy Efficient Economy. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos moderierte Jan Rosenow im Januar 2026 eine Runde über den Aufstieg der Elektrostaaten. Auf dem Podium saßen die Spitzen von Vestas, Tennet und dem südafrikanischen Versorger Eskom.
Wie Rosenow vom Politikberater zum Oxford-Professor wurde
Laut seinem Profil am Oriel College erwarb Jan Rosenow ein Diplom an der Universität Münster. Es folgten ein Master an der London School of Economics und die Promotion in Oxford. Seine Profile beschreiben je zehn Jahre in der Privatwirtschaft und im gemeinnützigen Sektor, als Analyst, Politikberater und Führungskraft.
Das Oriel College zählt mehr als 150 begutachtete Fachaufsätze. Einen Teil davon schrieb Rosenow noch mit doppelter Adresse beim RAP in Brüssel und in Oxford, darunter die erste Wasserstoff-Übersicht von 2022. Das Institutsprofil verweist auf eine Stanford-Auswertung, die ihn zu den meistzitierten zwei Prozent der Forschenden weltweit zählt.
| Arbeit | Journal | Jahr | Kernbefund |
|---|---|---|---|
| Is heating homes with hydrogen all but a pipe dream? | Joule | 2022 | Keine von 32 unabhängigen Studien stützt das breite Heizen mit Wasserstoff |
| Heating up the global heat pump market (mit Gibb, Nowak, Lowes) | Nature Energy | 2022 | Der wachsende Wärmepumpenmarkt braucht mehr politische Unterstützung, um die Klimaziele zu erreichen |
| Reinventing energy efficiency for net zero (mit Eyre) | Energy Research & Social Science | 2022 | Effizienz soll helfen, fossile Brennstoffe durch Elektrifizierung zu verdrängen |
| Coming in from the cold (mit Gibb, Lowes, Hewitt) | Joule | 2023 | Mittlere Leistungszahl 2,74 zwischen plus 5 und minus 10 Grad in sieben Feldstudien |
| A meta-review of 54 studies on hydrogen heating | Cell Reports Sustainability | 2024 | Wasserstoff deckt im Median 1 Prozent der Heizenergie in kostenoptimalen Szenarien |
| Why are heat pump installation costs so much higher in Germany? (mit Miara) | Energy and Buildings | 2026 | Einbau in Deutschland 23.000 bis über 40.000 Euro, in Vergleichsländern 9.000 bis 20.000 Euro |
Quelle: Publikationsliste Jan Rosenow und die genannten Fachaufsätze. Stand: September 2026.
Was Rosenow in 54 Wasserstoff-Studien gefunden hat
Im Oktober 2022 veröffentlichte Jan Rosenow im Fachjournal Joule eine Evidenzübersicht zu 32 unabhängigen Studien über das Heizen mit Wasserstoff. Keine davon stützte den breiten Einsatz des Gases in Wohngebäuden. Studien im Auftrag von Gas-, Öl-, Strom- oder Heizungsbranche nahm er bewusst nicht auf.
Rosenow begründet den Befund mit dem Wirkungsgrad. Elektrolyse und Heizkessel kommen nach seiner Rechnung zusammen auf rund 70 Prozent. Eine Wärmepumpe macht aus einer Einheit Strom drei bis vier Einheiten Wärme. Ein Haus mit Wasserstoffheizung braucht deshalb etwa fünfmal so viel Strom wie dasselbe Haus mit effizienter Wärmepumpe.
Im Januar 2024 erweiterte er die Übersicht in Cell Reports Sustainability auf 54 unabhängige Studien. Im Median lagen die Systemkosten der Wasserstoffpfade 24 Prozent über denen der Elektrifizierung, die Kosten für Verbraucher*innen 86 Prozent darüber. In kostenoptimalen Szenarien deckte Wasserstoff im Median ein Prozent des Endenergiebedarfs fürs Heizen.
Elektrifizierung und Fernwärme schnitten in der großen Mehrheit der ausgewerteten Arbeiten besser ab. „Bestenfalls eine Nischenrolle beim Heizen von Gebäuden“ bleibe für Wasserstoff, bilanziert Rosenow. Die Politik solle sich auf erprobte Technik wie Wärmepumpen und Wärmenetze konzentrieren und die Gebäudeeffizienz weiter verbessern.
Was Rosenows Team über Wärmepumpen bei Frost herausfand
Ein verbreiteter Einwand lautet, Luftwärmepumpen versagten im Winter. Duncan Gibb, Jan Rosenow, Richard Lowes und Neil Hewitt werteten dazu 2023 im Journal Joule Rohdaten aus sieben Feldstudien in fünf Ländern aus. Zwischen plus fünf und minus zehn Grad lag die mittlere Leistungszahl aller Anlagen bei 2,74. Aus einer Kilowattstunde Strom wurden also im Schnitt 2,74 Kilowattstunden Wärme.
Unter null Grad blieb die Leistungszahl in allen Studien deutlich über zwei (mehr dazu: Studie: Wärmepumpen sind bei Kälte doppelt so effizient). Die Autoren folgern, die Geräte seien „mehr als doppelt so effizient wie Verbrennungs- oder elektrische Widerstandsheizungen“.
Auch für echte Kälte nennen die Autoren Werte. Das Oak Ridge National Laboratory testete in Alaska eine Kaltklima-Wärmepumpe im Feld. Bei minus 25 Grad erreichte sie eine Leistungszahl von 2,0, bei minus 35 Grad noch 1,8. Kaltklima-Geräte erreichen nach der Auswertung selbst bei minus 30 Grad Leistungszahlen über 1,5.
Warum deutsche Haushalte mehr für Wärmepumpen zahlen
2026 verglichen Marek Miara und Jan Rosenow im Journal Energy and Buildings die Einbaukosten von Wärmepumpen in Europa. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe im bestehenden Einfamilienhaus kostete in Deutschland brutto 23.000 bis über 40.000 Euro. In vergleichbaren europäischen Ländern lag die Spanne bei 9.000 bis 20.000 Euro. Die Daten decken die Jahre 2022 bis 2025 ab.
Rund die Hälfte der Differenz führen die Autoren auf Gerätepreise, Vorgaben für Fundament und Elektroanschluss sowie die Arbeitszeit zurück. Ein weiteres Drittel geht auf die Mehrwertsteuer: Deutschland erhebt 19 Prozent, Großbritannien null. Das letzte Fünftel erklären sie vor allem mit den Anreizen einer prozentualen Förderung, dazu mit Marktdynamik und dem Wechsel der Kältemittel.
Daraus leiten Miara und Rosenow ein Förderparadox ab. Trotz eines der großzügigsten prozentualen Förderprogramme Europas zahlen deutsche Haushalte netto mehr als britische mit einem bescheidenen Festzuschuss. Die Autoren empfehlen technische Standardisierung, eine andere Förderlogik und Eingriffe in die Marktstruktur (mehr dazu: Deutschland kann sich die Wärmewende leisten).
Wie Rosenow Effizienz und Elektrifizierung zusammendenkt
Schon 2022 forderten Jan Rosenow und Nick Eyre in Energy Research & Social Science, Energieeffizienz für Netto-Null neu zu denken. Lange hieß Effizienz, fossile Technik durch sparsamere fossile Technik zu ersetzen. Für Netto-Null müsse sie helfen, fossile Brennstoffe ganz zu verdrängen, vor allem durch Elektrifizierung.
Aus derselben Logik stammt ein Begriff, mit dem Rosenow gegen verzerrte Vergleiche argumentiert: der Primärenergie-Trugschluss. Wer Wind- und Solarstrom am gesamten Primärenergieverbrauch misst, zählt die Umwandlungsverluste fossiler Kraftwerke mit und unterschätzt ihren Beitrag. Einen Fachaufsatz dazu führt seine Publikationsliste im September 2026 als in Begutachtung bei npj Clean Energy.
Im April 2026 schrieb Jan Rosenow in Nature Energy, der Krieg im Nahen Osten gebe Europa eine weitere Chance, seine fossile Abhängigkeit zu brechen. Strom deckt nach seiner Rechnung nur 23 Prozent des europäischen Energieverbrauchs. Neue Förderlizenzen und LNG-Terminals lösten das Problem nicht, argumentiert er. Europa müsse die fossile Nachfrage in Gebäuden, Verkehr und Industrie senken.
Im selben Jahr erschien sein Strategiepapier „The Road to Energy Security“ (mehr dazu: Wie Europa zwei Billionen Euro Energiekosten spart). Darin behandelt Jan Rosenow Elektrifizierung, Effizienz und saubere Energie als ein System. Mit E. Archer-Brown untersuchte er 2026 in Energy Policy, warum Großbritannien nach 32 Jahren seine Effizienzverpflichtungen für Energieversorger beendete.
Wo Rosenows Befunde an Grenzen stoßen
Wer Rosenows Wasserstoff-Übersichten liest, sollte ihre Auswahl kennen. Er schließt branchenfinanzierte Studien aus und begründet das mit Interessenkonflikten, räumt aber ein, dass auch solche Analysen solide sein können. Die Kostenschätzungen der 54 Studien streuen weit. Beim Systempreis reicht der Aufschlag der Wasserstoffpfade von null bis 400 Prozent, bei den Verbraucherkosten von 27 bis 650 Prozent.
Nischen lässt Rosenow ausdrücklich offen, etwa Hybridheizungen, Spitzenlast in Wärmenetzen und regionale Wasserstoff-Cluster. 2022 fand er dafür aber noch zu wenige Belege. Auch die Autoren der Frost-Auswertung benennen eine offene Frage: In den kältesten Regionen brauchen Wärmepumpen sehr hohe Heizleistung, deshalb empfehlen die Autoren Hybridsysteme als Forschungsfeld.
Für die Wärmewende in Deutschland liefert Jan Rosenow damit vor allem Prüfsteine. Wer Wasserstoff als Heizungsoption verspricht, Wärmepumpen im Winter für nutzlos hält oder hohe Einbaukosten für naturgegeben, findet in seinen Arbeiten die Gegenrechnung samt Studienliste. Mit der Einbaukosten-Studie zeigen Miara und Rosenow zugleich, wo die Politik selbst nachsteuern kann: bei Normen, Steuern und Förderlogik.
QUELLEN
- Oriel College, University of Oxford: Jan Rosenow, abgerufen September 2026.
- Jan Rosenow: Publications, abgerufen September 2026.
- Nature Energy: Heating up the global heat pump market, 7. September 2022.