Rekord bei Batteriespeicher-Zubau, aber nur ein Fünftel gesichert

SPEICHER · 22. JUNI 2026

Batteriespeicher-Zubau auf Rekordkurs, doch nur ein Fünftel der Projekte gesichert

Der deutsche Speichermarkt wächst rasant: Allein im ersten Quartal 2026 stieg der Batteriespeicher-Zubau um 290 Prozent. Doch eine Enervis-Analyse zeigt, dass nur ein Fünftel der geplanten Projekte bis 2029 als gesichert gilt.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 3 Min. Lesezeit LESEN


Deutschland erlebt einen Boom beim Batteriespeicher-Zubau. Mehr als zwei Gigawattstunden zusätzlicher Speicherkapazität gingen im ersten Quartal 2026 ans Netz, wie der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) im Vorfeld der Intersolar Europe 2026 mitteilt. Besonders dynamisch entwickelte sich das Segment der Großspeicher mit einem Zubau von über einer Gigawattstunde, ein Plus von rund 290 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Insgesamt verfügen die in Deutschland betriebenen Batteriespeicher über eine Gesamtkapazität von rund 30 Gigawattstunden, davon etwa sechs Gigawattstunden Großspeicher. „Speicher werden vom Nischenthema zur kritischen Infrastruktur der Energieversorgung von morgen", sagt Prof. Dr. Katharina Reuter, Geschäftsführerin des BNW Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft.

Wie dynamisch der Markt aktuell ist, zeigt ein Beispiel aus Sachsen-Anhalt: Mitte Juni schloss ECO STOR die Finanzierung für Deutschlands bislang größtes Batteriespeicherprojekt in Förderstedt ab. Die Anlage mit 300 Megawatt Leistung und 718 Megawattstunden Kapazität soll 2027 den Vollbetrieb aufnehmen, finanziert von Banco Santander und NORD/LB. Ein langfristiger Tolling-Vertrag mit Next Kraftwerke sichert die Erlöse, das Projekt kommt ohne öffentliche Fördermittel aus.

Nur 15 Gigawattstunden bis 2029 gesichert

Ob der Boom langfristig trägt, ist allerdings offen. Nach einer aktuellen Analyse der Unternehmensberatung Enervis gelten bis 2029 lediglich rund 15 Gigawattstunden zusätzlicher Großspeicherkapazität als vergleichsweise gesichert. Weitere Projekte mit einer Kapazität von rund 58 Gigawattstunden befinden sich zwar in Planung, ihre Realisierung ist aber mit erheblichen Unsicherheiten verbunden.

Der BSW-Solar sieht darin ein Warnsignal. „Zu lange Netzanschlussverfahren und regulatorische Unsicherheiten bremsen den Ausbau", sagt BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. Fehlende Standardisierung, unzureichende Digitalisierung und unterschiedliche Anforderungen der Netzbetreiber verzögerten zahlreiche Projekte.

Regulierungshemmnisse bremsen den Batteriespeicher-Zubau

Der BSW-Solar fordert von der Bundesregierung eine Beschleunigung und Standardisierung von Netzanschlussverfahren, die regulatorische Ermöglichung des Multi-Use-Betriebs und die konsequente Nutzung von Speichern bei Redispatch-Maßnahmen statt der Abregelung erneuerbarer Energien. Zudem müsse der Anschluss von Batteriespeichern an bestehenden Netzanschlüssen von Erzeugungsanlagen sowie Gewerbe- und Industrieunternehmen vereinfacht werden.

Von der Kraftwerksstrategie erwartet Reuter keine Impulse für die Speicherbranche, da die neun Gigawatt Langzeitkapazitäten Gaskraftwerke bevorzugen. Batteriespeicher stünden „bereits heute als klimafreundliche Lösung zur Verfügung" und sollten bestmöglich genutzt werden.

Die Stärke eines erneuerbaren Energiesystems liege nicht in einer einzelnen Technologie, so Reuter, sondern im intelligenten Zusammenspiel verschiedener Lösungen. Ob Deutschland dieses Zusammenspiel rechtzeitig organisiert, hängt auch davon ab, wie schnell die Bundesregierung die regulatorischen Hemmnisse abbaut.

QUELLEN

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  1. BSW-Solar Pressemitteilung, 22. Juni 2026
  2. ECO STOR Pressemitteilung, 15. Juni 2026
  3. BNW/Meinungsbarometer.info Interview Katharina Reuter: Großbatteriespeicher und ihr Beitrag zur Netzstabilität, 18. Juni 2026
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