KOMMUNALE WÄRMEPLANUNG · SACHSEN · 22. JUNI 2026
Wikimedia / CC0Kommunale Wärmeplanung Zwickau: Klimapositive Fernwärme durch Pyrolyse
Eine Pyrolyseanlage soll den biogenen Fernwärme-Anteil in Zwickau von 47 auf 59 Prozent steigern und dabei aktiv CO₂ binden. Die sächsische Stadt hat ihren Wärmeplan zwei Jahre vor der Frist fertig.
Die Kommunale Wärmeplanung Zwickau ist abgeschlossen, zwei volle Jahre vor der gesetzlichen Frist. Die rund 88.000 Einwohner zählende Stadt in Sachsen muss laut Wärmeplanungsgesetz erst bis zum 30. Juni 2028 einen Wärmeplan vorlegen. Dass Zwickau bereits jetzt fertig ist, liegt an einer Kombination aus Bundesförderung, externer Expertise und einem konkreten Leuchtturmprojekt: einer Pyrolyseanlage, die ab 2027 klimapositive Fernwärme liefern soll.
Status der kommunalen Wärmeplanung Zwickau
Der Zwickauer Stadtrat hat den Wärmeplan im Mai 2026 bestätigt. Erarbeitet hat ihn das Institut für nachhaltige Energieversorgung (INEV) aus Rosenheim im Auftrag der Stadt. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz förderte das Vorhaben zu 90 Prozent über die Nationale Klimaschutzinitiative, Projektträger war die Zukunft-Umwelt-Gesellschaft (ZUG). Die Stadt betont, dass der Wärmeplan keine bindende Endlösung darstellt, sondern eine Arbeitsgrundlage für die kommenden Jahre.
Zwickau verfügt bereits über ein ausgebautes Fernwärmenetz in sieben Stadtteilen: Eckersbach, Pölbitz, Nordvorstadt, Innenstadt, Mitte/West, Niederplanitz und Neuplanitz. Der Wärmeplan definiert Fernwärme-Vorranggebiete und Bereiche für dezentrale Wärmeversorgung, etwa durch Wärmepumpen. Die Zwickauer Energieversorgung GmbH (ZEV) betreibt das bestehende Netz und treibt dessen Transformation voran.
Klimapositive Fernwärme durch Pyrolyse
Die eigentliche Besonderheit der kommunalen Wärmeplanung in Zwickau ist ein konkretes Großprojekt: Die ZEV und die Prolignis-Gruppe haben im Mai 2025 einen Wärmeliefervertrag über 20 Jahre geschlossen. Kern des Vorhabens ist der Bau einer Pyrolyseanlage, die das Biokohlenwerk Zwickau GmbH betreiben wird. Die Anlage soll nicht nur Wärme liefern, sondern aktiv CO₂ aus der Atmosphäre binden, was sie zu einer sogenannten Negative-Emissionstechnologie macht.
Die Pyrolyse läuft bei rund 650 Grad Celsius unter Sauerstoffausschluss ab. Dabei entsteht Biokohle, auch Pflanzenkohle genannt, sowie ein brennbares Gas, das zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt wird. Die entstehende Abwärme fließt über eine neue Leitung vom Heizkraftwerk Zwickau-Süd in das kommunale Fernwärmenetz. Die Technologie stammt vom österreichischen Unternehmen Syncraft, das den Anlagentyp als „Rückwärtskraftwerk" vermarktet.
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Mit der Pyrolyseanlage soll der biogene Anteil der Zwickauer Fernwärme von derzeit 47 auf 59 Prozent steigen. Die Anlage ist für rund 8.000 Betriebsstunden pro Jahr ausgelegt und soll zur Mittel- und Spitzenlastversorgung beitragen. Als Einsatzstoffe dienen biogene Reststoffe: holzartiges Material aus der Forstwirtschaft, Landschaftspflege und dem Straßenbegleitgrün. Naturbelassene Biomasse, die nicht stofflich verwertet werden kann, wie die ZEV betont.
So funktioniert das Rückwärtskraftwerk von Syncraft:
Die produzierte Biokohle wird als „grüner Kohlenstoff" vermarktet und findet Verwendung in Bauindustrie, Landwirtschaft und Metallurgie. Studien zufolge bleibt der darin gebundene Kohlenstoff über 1.000 Jahre stabil.
Akteure und Perspektiven
ZEV-Geschäftsführer Andre Hentschel nennt die Pyrolyse die „effizienteste Lösung unter den verfügbaren Optionen, sowohl technisch als auch finanziell". Man habe alle Varianten geprüft und verschiedenste Erzeugungsoptionen berechnet. Neben den klimapolitischen Zielen sichere das Projekt auch regionale Wertschöpfung, da die Biomasse aus der Umgebung stamme. Für die Projektentwicklung zeichnet die Procarbic Management GmbH verantwortlich, eine Tochter der Prolignis-Gruppe.
Die Bürgerbeteiligung verlief in Zwickau verhalten. Bei der ersten Informationsveranstaltung im Juli 2025 im Ubineum kamen rund 35 Teilnehmer, um sich über Ziele und erste Ergebnisse der Wärmeplanung zu informieren. Für eine Stadt mit 88.000 Einwohnern ist das wenig. Allerdings ist die geringe Beteiligung kein Zwickauer Phänomen: In vielen Kommunen bleibt das Interesse an Wärmeplanung überschaubar, solange keine konkreten Veränderungen am eigenen Heizungskeller anstehen.
Oberbürgermeisterin Constance Arndt, seit 2020 im Amt, hat die Wärmeplanung als Teil der städtischen Klimaschutzstrategie vorangetrieben.
Ausblick
Der Baubeginn der Pyrolyseanlage ist für 2026 vorgesehen, die Inbetriebnahme für 2027. Damit könnte Zwickau schon im kommenden Jahr klimapositive Fernwärme produzieren. Für eine Stadt unterhalb der Großstadtschwelle ist das beachtlich. Während viele Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern um die Einhaltung ihrer Frist am 30. Juni 2026 ringen, hat Zwickau die Pflichtaufgabe erledigt und arbeitet bereits an der Umsetzung.
Das macht die sächsische Stadt zu einem Referenzbeispiel dafür, wie kleinere Kommunen die Wärmewende angehen können: mit Bundesförderung, externer Beratung und einem greifbaren Leuchtturmprojekt, das die Fernwärme nicht nur klimaneutral, sondern klimapositiv machen soll.
QUELLEN
- Stadt Zwickau Kommunale Wärmeplanung Zwickau ist abgeschlossen
- Freie Presse Zwickau macht Tempo bei kommunaler Wärmeplanung
- Radio Zwickau ZEV-Partner produziert Biokohle und liefert grüne Wärme
- Prolignis Klimapositive Fernwärme aus Pyrolyseanlage für Zwickau
- Stadt Zwickau Kommunale Wärmeplanung - Hintergrund, Ziel und Inhalt