Kölns Wärmeplan: früh fertig, mit Rückgrat aus dem Rhein

KOMMUNALE WÄRMEPLANUNG · NORDRHEIN-WESTFALEN

Kommunale Wärmeplanung Köln: Der Rhein als Rückgrat

Köln hat seinen Wärmeplan als eine der ersten deutschen Großstädte fertiggestellt, fast vier Monate vor der gesetzlichen Frist. Tragende Säule ist ein einzelnes Bauprojekt am Rhein.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 6 MIN. LESEN


Köln, rund 1,1 Millionen Einwohner, größte Stadt Nordrhein-Westfalens: Der Stadtrat hat die kommunale Wärmeplanung am 4. März 2026 beschlossen, mit den Stimmen von Grünen, CDU und SPD. Das Wärmeplanungsgesetz (WPG) setzt für Großstädte über 100.000 Einwohner den 30. Juni 2026 als Frist, Köln war damit fast vier Monate früher fertig als vorgeschrieben. Zentrale Säule des Plans ist ein Projekt, das längst im Bau ist: eine Flusswasser-Großwärmepumpe am RheinEnergie-Kraftwerksstandort Niehl, mit 150 Megawatt Leistung die größte Anlage ihrer Art in Europa.

Status der Wärmeplanung in Köln

Die Stadtverwaltung hat den Plan seit 2023 erarbeitet, in enger fachlicher Abstimmung mit RheinEnergie, RheinNetz und nach eigenen Angaben rund 150 weiteren Fachleuten aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Nach dem Ratsbeschluss ging die kommunale Wärmeplanung an das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen und wurde anschließend veröffentlicht. Sie soll alle fünf Jahre fortgeschrieben werden.

Heute deckt Fernwärme rund 8 Prozent des Wärmebedarfs in Köln, Erdgas dominiert mit etwa 78 Prozent. RheinEnergie will das Fernwärmenetz von aktuell rund 380 auf etwa 580 Kilometer ausbauen und den Anteil an der Wärmeversorgung auf rund 30 Prozent steigern. Der Plan unterscheidet Fernwärme-Vorranggebiete in der dichten Innenstadt und in Vierteln wie Nippes, Ehrenfeld und Lindenthal von Gebieten, in denen dezentrale Wärmepumpen die wahrscheinlichere Lösung sind. Nach aktuellem Planungsstand sollen langfristig etwa ein Viertel der Gebäude an Wärmenetze angeschlossen werden, der große Rest bleibt auf dezentrale Versorgung angewiesen.

Niehl: Wie eine Wärmepumpe zum Fundament der Wärmeplanung wird

Die Kölner Wärmeplanung steht und fällt mit einem einzelnen Projekt: der Flusswasser-Großwärmepumpe am Kraftwerksstandort Niehl. RheinEnergie hat den schlüsselfertigen Bau an Everllence vergeben, das Unternehmen, das bis Juni 2025 als MAN Energy Solutions firmierte. Die Investitionssumme liegt bei rund 280 Millionen Euro. Die Anlage besteht aus drei Modulen zu je 50 Megawatt und kommt damit auf 150 Megawatt Gesamtleistung, nach Betreiberangaben die größte Flusswasser-Wärmepumpe Europas.

Das Funktionsprinzip ist einfach beschrieben: Rheinwasser mit im Schnitt rund zehn Grad Celsius liefert die Wärmequelle, die Pumpe hebt das Temperaturniveau auf bis zu 110 Grad für das Fernwärmenetz an. Als Kältemittel dient Ammoniak, ein natürlicher Stoff ohne Treibhauspotenzial, in einem geschlossenen Kreislauf. RheinEnergie rechnet mit rund 50.000 versorgten Haushalten und jährlichen Einsparungen von etwa 100.000 Tonnen CO₂ gegenüber der bisherigen fossilen Wärmeerzeugung.

Die Hauptbauphase begann am 8. Juni 2026 und soll rund zwei Jahre dauern, die Inbetriebnahme ist für 2028 geplant, ein Jahr später als ursprünglich vorgesehen. Grund für die Verzögerung sind laufende Prüfungen zum Fischschutz und zu den Auswirkungen der Rückkühlwassereinleitung auf die Rheinfauna. Zum Vergleich: Mannheims Flusswasser-Wärmepumpe am Rhein, bei Inbetriebnahme 2023 die bis dahin größte Deutschlands, kommt auf 20 Megawatt. Niehl liegt damit um mehr als das Siebenfache darüber, ein Sprung in der Größenordnung, den es in dieser Form in Deutschland noch nicht gab.

Akteure und Perspektiven

Im Rat trugen Grüne, CDU und SPD den Beschluss gemeinsam. Die Kölner Grünen-Ratsfraktion wertete die Wärmeplanung als „wichtige Orientierung für die Wärmewende" und als zentrales Planungsinstrument für den schrittweisen Umbau der bislang von fossilem Erdgas geprägten Wärmeversorgung.

RheinEnergie und die Netzgesellschaft RheinNetz waren als technische Partner der Verwaltung von Beginn an eingebunden, was in der Sache naheliegt, aber auch bedeutet: Der größte Fernwärmeversorger der Stadt hat die eigenen Ausbaupläne mitgeschrieben, die der Wärmeplan nun bestätigt. Aus der Immobilienwirtschaft kommt ein anderer Einwand: Der Plan sei eine strategische Grundlage ohne unmittelbare rechtliche Bindung für einzelne Eigentümer und biete keine maßgeschneiderte Lösung fürs eigene Haus.

Ausblick: Bau, Netzausbau, Fortschreibung

Die nächsten Meilensteine sind terminiert. Die Hauptbauphase in Niehl läuft bis voraussichtlich 2028, RheinEnergie plant den Netzausbau um 200 zusätzliche Kilometer parallel dazu. Die kommunale Wärmeplanung selbst wird alle fünf Jahre neu aufgelegt, die erste Fortschreibung ist damit für 2031 zu erwarten.

Der Kölner Fall zeigt ein Muster, das über die Stadt hinausweist: Wärmepläne sind nur so belastbar wie die Infrastrukturprojekte, auf die sie sich stützen. Köln hat mit Niehl ein Projekt, das schon vor dem Ratsbeschluss im Bau war, das gibt der Planung eine seltene Verbindlichkeit. Ob die übrigen drei Viertel der Gebäude tatsächlich in der geplanten Geschwindigkeit auf Wärmepumpen umsteigen, hängt von Förderbedingungen und Handwerkskapazitäten ab, die der Wärmeplan selbst nicht beeinflussen kann.

UPDATES

28. Juli 2026: Erstveröffentlichung.

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