Deutsche Autokonzerne: Verschleppte E-Mobilität reduziert Margen

ELEKTROMOBILITÄT · 8. JUNI 2026

Deutsche Autokonzerne verlieren weiter: Margen auf Zehn-Jahres-Tief

Eine neue EY-Analyse zeigt das Ausmaß der Krise. Während US-Hersteller Rekordgewinne melden, fallen VW, Mercedes-Benz und BMW bei Umsatz und Gewinn zurück. Der verschleppte Elektro-Hochlauf rächt sich.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 4 Min. Lesezeit LESEN


Die deutsche Autoindustrie ist mit deutlichem Gegenwind ins Jahr 2026 gestartet. Während der Umsatz der 19 größten Autokonzerne der Welt im ersten Quartal insgesamt um knapp zwei Prozent zulegte, mussten die drei deutschen Hersteller ein Minus von vier Prozent hinnehmen. Das geht aus einer Quartalsanalyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY hervor.

Besonders alarmierend ist die Entwicklung der Profitabilität. Über alle Hersteller hinweg sank die Gesamtmarge von 5,3 auf 3,5 Prozent, den zweitniedrigsten Stand der vergangenen zehn Jahre. Nur im Corona-Jahr 2020 lag sie mit 1,9 Prozent noch tiefer. Die deutschen Konzerne kamen zusammen auf 4,6 Prozent. Vor vier Jahren, im ersten Quartal 2022, waren es noch 13,2 Prozent.

Der zögerliche E-Auto-Hochlauf wird zum Problem

Hinter den nackten Zahlen steht eine Verschiebung der Kräfteverhältnisse. Constantin M. Gall, der bei EY den Bereich Mobilität verantwortet, beschreibt einen tiefgreifenden Strukturwandel: wegfallende Auslandsmärkte, teure Überkapazitäten, hohe Software-Investitionen und einen langsamen Hochlauf der Elektromobilität.

Gerade der letzte Punkt entscheidet zunehmend über den Erfolg. Im wachsenden Elektrosegment greifen chinesische Käufer*innen bevorzugt zu einheimischen Marken, die mit niedrigeren Preisen und technologischer Leistungsfähigkeit punkten. Für die westlichen Hersteller bleibt dort derzeit wenig zu holen.

Das schlägt direkt auf den wichtigsten Auslandsmarkt durch. In China sank der Absatz der deutschen Konzerne im ersten Quartal um 16 Prozent. Der China-Anteil am Gesamtabsatz fiel von 28,9 auf 26,4 Prozent. Im Rekordjahr 2020 stammten noch 39,4 Prozent des weltweiten Pkw-Absatzes der deutschen Hersteller aus China.

„Von der Cashcow zum Sorgenkind: China bleibt eines der größten Probleme", sagt Gall. Hochpreisige Premium-Fahrzeuge verkauften sich aufgrund der schwachen Konjunktur schlecht. Genau in jenem Segment, das künftig wächst, fehlt den deutschen Bauern das überzeugende Angebot.

US-Rekordgewinne mit Zoll-Sondereffekt

Auffällig im Ranking sind die US-Hersteller. Sie steigerten ihren Umsatz um fünf Prozent und ihren Gewinn um 83 Prozent, während die deutschen Konzerne ein Gewinnminus von 23 Prozent verbuchten. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine operative Trendwende.

Der Schein trügt. Ein wesentlicher Grund für den Gewinnsprung sind die vom Obersten Gerichtshof der USA teilweise gekippten Einfuhrzölle. Die Rückzahlungen an die Hersteller fließen als Sondereffekt in die Bilanzen. Donald Trumps protektionistische Zollpolitik, die den US-Markt abschotten sollte, ist juristisch gescheitert und produziert nun ausgerechnet einen einmaligen Gewinnschub. Mit dauerhafter Wettbewerbsstärke hat das wenig zu tun.

Hinzu kommt: Chinesische Hersteller haben aktuell keinen Zugang zum US-Markt. Die amerikanische Konkurrenz profitiert also von einer Abschirmung, die den deutschen Konzernen auf ihren Märkten in Europa und China fehlt. In Europa legten chinesische Anbieter im ersten Quartal beim Absatz um 155 Prozent zu.

Was die Krise wirklich treibt

In der Debatte werden gern die deutschen Strompreise zum Hauptschuldigen erklärt. Die EY-Daten weisen in eine andere Richtung. Sie benennen den langsamen Elektro-Hochlauf, den China-Einbruch im E-Segment und die Abhängigkeit von gleich drei umkämpften Top-Märkten als zentrale Lasten. Industriestrom spielt in dieser Aufstellung keine tragende Rolle.

Das Bild ist eindeutig: Wer im Elektrosegment zu spät und zu teuer antritt, verliert dort, wo der Markt wächst. Die chinesischen Wettbewerber brauchen keine regulatorische Peitsche, um zu elektrifizieren. Sie tun es, weil das Produkt überzeugt. Genau diese Logik haben die deutschen Konzerne zu lange unterschätzt.

Gall erwartet für das laufende Jahr keine spürbare Belebung. Die Nachfrage nach Verbrennern dürfte wegen hoher Spritpreise und sinkender Kaufkraft weiter sinken, während Elektroautos Marktanteile gewinnen. Für die deutschen Hersteller heißt das: Der Strukturwandel lässt sich nicht aussitzen.

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