Heat Dome und WMO-Warnung: Rekordhitze bis 2030 fast sicher

KLIMAPOLITIK · 29. MAI 2026

Heat Dome über Europa: WMO erwartet neue Temperaturrekorde bis 2030

Während ein Heat Dome die Mai-Temperaturen in weiten Teilen Europas über zehn Grad über den Normalwert treibt, legt die Weltorganisation für Meteorologie ihre neue Fünfjahresprognose vor. Das Ergebnis: Ein globaler Hitzerekord bis 2030 ist nahezu sicher.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 5 Min. Lesezeit LESEN


Die globalen Durchschnittstemperaturen bleiben in den nächsten fünf Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit auf oder nahe Rekordniveau. Das ist die Kernaussage des Global Annual-to-Decadal Update, das die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) am 28. Mai 2026 veröffentlicht hat. Erstellt wurde der Bericht vom britischen Met Office als WMO-Leitzentrum für jährliche bis dekadische Klimaprognosen.

Die zeitliche Nähe ist kein Zufall der Wahrnehmung: Der Bericht erscheint mitten in einer Hitzewelle, die der französische Wetterdienst Météo France auf einen sogenannten Heat Dome zurückführt. Eine Hochdruckzone hält dabei warme Luft wie unter einer Glocke an Ort und Stelle. Die abstrakte Statistik der Klimaforscher und das konkrete Wettergeschehen treffen damit in derselben Woche aufeinander.

Was ein Heat Dome ist und was die WMO-Prognose zeigt

Ein Heat Dome ist ein stabiles Hochdruckgebiet, das erwärmte Luft wie unter einer Glocke über einer Region einschließt und nach unten drückt. Die Luft heizt sich dabei zusätzlich auf, Wolken lösen sich auf, die Hitze staut sich über Tage. Météo France registrierte in dieser Woche Temperaturen, die mehr als zehn Grad über dem für die Jahreszeit Üblichen lagen. Irland verzeichnete mit 29,7 Grad einen neuen Mai-Rekord, in London kletterte das Thermometer auf 34 Grad.

PrognoseWahrscheinlichkeit
Mindestens ein Jahr übertrifft Rekordjahr 202486 %
Mindestens ein Jahr überschreitet vorübergehend 1,5 °C91 %
Fünfjahresmittel über 1,5 °C75 %
Ein einzelnes Jahr über 2,0 °Cunter 1 %
El Niño von Dezember 2026 bis Februar 2027 (NOAA)96 %

Die WMO-Prognose ordnet solche Ausreißer in den längeren Trend ein. Für den Zeitraum 2026 bis 2030 erwartet sie eine globale Mitteltemperatur zwischen 1,3 und 1,9 Grad über dem vorindustriellen Niveau von 1850 bis 1900. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 86 Prozent übertrifft mindestens ein Jahr dieses Zeitraums das bisherige Rekordjahr 2024, das rund 1,55 Grad über dem vorindustriellen Wert lag.

Noch deutlicher fällt eine zweite Zahl aus: Mit 91 Prozent Wahrscheinlichkeit überschreitet die globale Mitteltemperatur in mindestens einem Jahr bis 2030 vorübergehend die Marke von 1,5 Grad. Lead-Autor Leon Hermanson verweist auf einen erwarteten El Niño zum Jahresende. „Es wird ein El Niño für Ende 2026 erwartet, was die Chancen erhöht, dass das Folgejahr 2027 zum nächsten Rekordjahr wird", sagte er. Die US-Wetterbehörde NOAA beziffert die Wahrscheinlichkeit eines El Niño für Dezember 2026 bis Februar 2027 auf 96 Prozent.

Arktis erwärmt sich mehr als dreifach so schnell

Besonders auffällig sind die regionalen Befunde für den hohen Norden. Für die nächsten fünf Winter prognostiziert die WMO in der Arktis Temperaturen, die 2,8 Grad über dem Mittel von 1991 bis 2020 liegen. Das ist mehr als das Dreieinhalbfache der globalen Abweichung im selben Zeitraum. Für das arktische Meereis erwarten die Modelle weitere Rückgänge in Barentssee, Beringsee und Ochotskischem Meer.

Auch die Niederschläge verschieben sich. Höhere Breiten der Nordhalbkugel, die Sahelzone, Alaska und Sibirien dürften zwischen Mai und September feuchter ausfallen, während über dem Amazonasgebiet trockenere Bedingungen wahrscheinlicher werden. Dieses Muster, mehr Regen in Tropen und hohen Breiten, weniger in den Subtropen, entspricht den Erwartungen an ein wärmeres Klima.

Was die Zahlen für das Pariser Ziel bedeuten

Ein einzelnes Jahr über 1,5 Grad bedeutet noch nicht, dass das Pariser Klimaabkommen gescheitert ist. Die dort genannten Schwellen beziehen sich auf eine langfristige Erwärmung, die typischerweise über zwanzig Jahre gemittelt wird. Dennoch verdichtet sich das Bild: Mit 75 Prozent Wahrscheinlichkeit liegt schon das Fünfjahresmittel 2026 bis 2030 über 1,5 Grad. Ein Überschreiten der Zwei-Grad-Marke in einem einzelnen Jahr stuft die WMO dagegen als äußerst unwahrscheinlich ein, mit weniger als einem Prozent.

Für die Belastbarkeit der Prognose spricht, dass an ihr 13 Institute mitwirken, darunter vier globale Produktionszentren. Eines davon ist der Deutsche Wetterdienst. UN-Klimachef Simon Stiell nannte die europäische Hitzewelle einen Weckruf und verwies darauf, dass sauberer Strom inzwischen günstiger und schneller verfügbar sei als fossile Energie. Für Prosumer und Energiewende-Akteure unterstreicht der Bericht, dass jedes vermiedene Zehntelgrad zählt, weil mit jeder weiteren Erwärmung Hitzewellen, Dürren und Starkregen zunehmen. Wer die Ursachen und Folgen der Erderwärmung systematisch einordnen will, findet die Grundlagen in unserem Überblick zum Klimawandel.

Was ist ein Heat Dome?

Ein Heat Dome ist ein stabiles Hochdruckgebiet, das erwärmte Luft wie unter einer Glocke über einer Region einschließt und absinken lässt. Die Luft heizt sich zusätzlich auf, Wolken lösen sich auf, die Hitze staut sich über Tage. Im Mai 2026 lagen die Temperaturen in Europa dadurch mehr als zehn Grad über dem jahreszeitlich Üblichen.

Wann fällt der nächste globale Hitzerekord?

Laut WMO-Prognose vom Mai 2026 übertrifft mit 86 Prozent Wahrscheinlichkeit mindestens ein Jahr zwischen 2026 und 2030 das Rekordjahr 2024. Ein erwarteter El Niño zum Jahresende erhöht die Chance, dass 2027 zum Rekordjahr wird.

Ist das Pariser 1,5-Grad-Ziel damit gescheitert?

Nein. Die Pariser Schwellen beziehen sich auf eine langfristige, über etwa zwanzig Jahre gemittelte Erwärmung. Einzelne Jahre über 1,5 Grad bedeuten noch keine dauerhafte Überschreitung, treten aber mit steigender Erwärmung häufiger auf.

0 0 Bewertungen
Beitragsbewertung
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Kommentare
Neueste
Älteste Meistbewertet
Nach oben scrollen
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x