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LEKO Labs will Baubranche mit Holz, Robotern und maschinellem Lernen umkrempeln

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Luxemburgisches Cleantech-Unternehmen will innovative Mikro-Fabriken für Holzgebäude der nächsten Generation etablieren.

LEKO Labs hat sich auf kohlenstoffneutrales Bauen spezialisiert. Das Cleantech-Unternehmen will den Bauprozess für Gebäude der nächsten Generation nichts weniger als „neu erfinden“. Dabei ist die Kombination aus nachhaltigen Baumaterialien, Robotik und Künstlicher Intelligenz im Mittelpunkt. Neuer CEO des luxemburgischen Bauunternehmens der neuesten Generation ist Dr. Remo Gerber, der zwischenzeitlich als COO beim Cleantech-Startup Lilium Aviation tätig war. Jetzt hat LEKO Labs neue Investoren gewonnen.

LEKO ist das klare Gegenteil eines klassischen Bauunternehmens. Es ist auch deutlich anders aufgestellt als die Fertighaushersteller wie Luxhaus etwa, die sehr stark auf den Baustoff Holz einerseits und in der Produktion vorgefertigte, zusammensteckbare Bauteile setzen. Gründer und Vordenker François Cordier hat LEKO Labs 2017 mit der Idee gegründet, wie die Bauindustrie mit einem radikal neuen Ansatz im Holzbau umgekrempelt werden kann.

Die Mission des Cleantech-Unternehmens ist es – analog zur Mission von Tesla – den globalen Übergang zu nachhaltigem Wohnen zu beschleunigen. Es geht somit um weit mehr als vorgefertigte Holzelemente, um umweltfreundliche, kohlenstoffsparende und recycelbare Häuser zu bauen. Im Kern treibt Cordier der Anspruch an, Bauträgern, eine profitable und nachhaltige Alternative zu traditionellem Mauerwerk zu bieten.

Wir wollen die Art und Weise, wie Gebäude entstehen, revolutionieren, indem wir Technologien einsetzen, um die Ineffizienzen der traditionellen Bauweise zu überwinden.

LEKO Lab Gründer François Cordier

Das Unternehmen hat ein Wand- und Bodenmaterial entwickelt, das vollständig auf Holz und Holzfasern basiert und bis zu 75 Prozent des Betons und Stahls ersetzen kann, die heutzutage für den Bau eines einzigen Gebäudes verwendet werden. Mit Holzwerkstoffen und einem vollständig zirkulären Herstellungsprozess bietet das System nicht nur einen nachhaltigen Ansatz für den Bau, sondern auch hervorragende Dämmeigenschaften mit dünnere Wände, die bis zu zehn Prozent mehr Nutzfläche für ein bestimmtes Gebäude ermöglichen. Die Technologie kann für Gebäude mit einer Höhe von bis zu 100 Metern eingesetzt werden.

Aus den Benelux-Staaten weiter expandieren

In den Benelux-Staaten hat LEKO Labs mehrere Projekte mit dieser Lösung realisiert – von Wohnhäusern über Bürogebäude bis hin zu Rechenzentren. Mit dem frischen Kapital will LEKO Labs seine Software- und Roboterbaulösung in ganz Europa ausrollen – auch fertige Wände für Bauvorhaben nach Deutschland liefern. Das Wandsystem soll den Heiz- und Kühlbedarf eines Gebäudes im Vergleich zu heutigen Standards um bis zu 87 Prozent reduzieren. So kann das Gebäude über die gesamte Lebensdauer hinweg kohlenstoffneutral bleiben.

Nachhaltiges Bauen mit Holz - LEKO Labs Hochhaus

Zur Berechnung und Optimierung der thermischen, akustischen und statischen Eigenschaften der Gebäude dient eine selbst entwickelte Softwareplattform auf Basis von maschinellem Lernen. Die digitalen Pläne eines Architekten werden damit innerhalb von Minuten in das LEKO-Montagesystem übertragen. Probleme typischer Holzgebäude wie Feuchtigkeit und Lärm sollen damit der Vergangenheit angehören. Dank der Methode soll auch der Holzverbrauch im Vergleich zu herkömmlichen Bauten im Idealfall halbiert werden.

Finanzierung: Auch Frank Thelens Freigeist involviert

Die Finanzierungsrunde wurde von dem VC-Fonds 2150 für urbane Nachhaltigkeitstechnologie angeführt, der mit 310 Millionen US-Dollar ausgestattet ist. Der Fonds hat es sich zur Aufgabe gemacht, in Technologien zu investieren, die sich mit den drängendsten Problemen des Klimawandels befassen, und hat insbesondere die bebaute Umwelt als eine der wichtigsten Herausforderungen identifiziert.

Die Serie-A-Finanzierung ist eine der umfangreichsten Kapitalerhöhungen im Bereich des nachhaltigen Bauens in Europa, einem Sektor, der lange Zeit durch Risikokapitalinvestitionen unterfinanziert war. Dies ist besonders wichtig, wenn man bedenkt, dass 39 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen auf den Wohnungsbau entfallen, davon ein Drittel auf die Herstellung von Rohstoffen wie Beton und Stahl und zwei Drittel auf das Heizen und Kühlen unserer Gebäude.

An der Runde beteiligten sich auch der Microsoft Climate Innovation Fund, Tencent, AMAVI, Rise PropTech Fund, Extantia und Frank Thelens Freigeist. In der jetzigen Finanzierungsrunde wurden 18,57 Millionen Euro an das Unternehmen gegeben.

Mikro-Fabriken sollen Skalierung ermöglichen

Für die Skalierung des Geschäftsmodells setzt LEKO Labs auf viele kleine Fabriken, in denen Holzteile automatisiert gefräst und anschließend von Robotern zu Wänden zusammengesetzt werden. Auf weniger als 2.000 Quadratmetern soll so eine Fertigung von 500 Gebäuden pro Jahr gelingen. Laut Cordier ein skalierbares Mikrofabrik-Konzept, das den Anforderungen durch die Klimakrise zur Verkürzung von Lieferketten klar entgegenkommt.

Diese kleinen Fabriken sollen an Standorten errichtet werden, die die Nähe zu den Rohstoffquellen und den Baustellen der Kunden optimieren, um die Lagerbestände gering zu halten und lange Transportwege zu vermeiden.

Neuer CEO: Dr. Remo Gerber

Neben der Finanzierung gab das Unternehmen auch bekannt, dass der ehemalige CCO von Lilium (einem Luftfahrt-Startup), Dr. Remo Gerber, dem Unternehmen als CEO beigetreten ist. Der derzeitige CEO und Gründer von LEKO Labs, Francois Cordier, wird in die Rolle des CTO zurückkehren und sich auf die Weiterentwicklung seiner bahnbrechenden nachhaltigen Baumaterialien, Robotik und Softwareentwicklung konzentrieren.

Ich könnte nicht aufgeregter sein, mich mit Francois und dem gesamten LEKO Labs Team auf die Reise zu begeben, es ist eine so wichtige und entscheidende Mission. Wir machen schon heute einen Unterschied, jede unserer Wände spart hier und jetzt mehrere Tonnen CO2. Indem wir unsere Lösung mit Hilfe der Automobilrobotik erweitern, werden wir in den kommenden Jahren eine globale Wirkung erzielen.

Dr. Remo Gerber, CEO LEKO Labs

Kühne Vision für die Baubranche

Ist es kühn von Cordier und seinem Team, die traditionellen Vorstellungen und Konzepte des Bau- und Holzbausektors in Frage zu stellen? Die Inspiration dafür bezieht der Unternehmer aus anderen Branchen – so kommen in der Fertigung in Luxemburg beispielsweise Roboter aus der Automobilindustrie zum Einsatz, betont Cordier „Ich glaube, dass der Hochbau im Wohnungsbau veraltet ist: Wir müssen weg von der Massivbauweise und hin zu einer höheren Materialeffizienz und Raffinesse, wie in der Automobil- und Luftfahrtindustrie.“

LEKO Labs Video von 2017.

Cordier ist sich bewusst, dass seine kühne Vision, den nachhaltigen Wohnungsbau zu beschleunigen, nur dann Wirklichkeit werden kann, wenn sie rentabel für Bauträger und Investoren sowie für die Kunden gleichermaßen attraktiv ist. LEKO bietet Bauträgern neben der Substitution von kohlenstoffintensiven Baumaterialien durch nachhaltige und kreislauffähige Materialien zwei weitere Wertversprechen.

Schneller bauen für schnellere Rentabilität

Erstens können LEKO-Häuser in der Hälfte der Zeit gebaut und fertiggestellt werden. Für Immobilienentwickler bedeutet dies schnellere Rentabilität. Zweitens sind die Elemente so konzipiert, dass die Dicke der Wände im Vergleich zu herkömmlichen Betonwänden mit vergleichbaren statischen und energetischen Eigenschaften um etwa 40 Prozent reduziert werden können. Diese geringere Wandstärke führt zu einer größeren Wohnfläche und wiederum zu höherer Rentabilität für den Bauträger. Im Vergleich zu traditionellen Bautechniken gewinnen die LEKO-Systeme etwa zehn Prozent mehr Wohnfläche bei gleicher Baufläche, führt Cordier aus.

Passt LEKO Labs zur großen Transformation?

LEKO Labs ist ein extrem gutes Beispiel für den Wandel, den wir gerade auch im Gebäudesektor brauchen, um die Klimaziele zu erreichen. Deutschland etwa hinkt den eigenen Klimazielen konsequent hinterher – und will jetzt sogar noch mehrere Hunderttausend zusätzliche Wohnungen bauen.

Das luxemburgische Cleantech-Unternehmen kann aus meiner Sicht einen relevanten Beitrag zu ressourcenschonenderem und nachhaltigerem Bauen leisten – und damit zur größten Menschheitsaufgabe, der ökologischen Transformation beitragen.

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