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Power-to-Food: Wie Solar Foods emissionsfreie Nahrungsmittel herstellt

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Finnisches Cleantech-Startup produziert Proteine aus CO2, Wasser und Ökostrom und ersetzt damit landwirtschaftliche Erzeugnisse.

Weltweit bekannt ist, dass man aus CO2, Ökostrom und Wasser einen synthetischen Erdölersatz machen kann, der beispielsweise erneuerbare Energien in die Plastikproduktion bringen könnte. Cleantech-Unternehmen wie Carbon Engineering oder Sunfire arbeiten daran. Dass man aus den gleichen Zutaten auch emissionsfreie Nahrungsmittel herstellen kann, dürfte hingegen eine Überraschung sein. Das finnische Cleantech-Unternehmen Solar Foods produziert ein Kilo Nahrung pro Tag – und nennt das Verfahren Power-to-Food.

Nahrung ist recht unkonkret – Solar Foods produziert Protein, das den Markennamen Solein trägt. Es dient dazu, den nachhaltigen Proteingehalt in Brot, Nudeln, Joghurt oder Fertiggerichten zu steigern. Zutaten, die beispielsweise auch die gehypten Fleischersatz-Startups Beyond Meat oder Impossible Foods benötigen. Solar Foods schafft es mit seiner sauberen Technologie, die Landwirtschaft in Teilen zu ersetzen und den ökologischen Fußabdruck von Nahrungsmitteln erheblich zu reduzieren.

Dabei unterscheidet sich die Technologie in den ersten Schritten gar nicht so sehr von der Lösung, mit der der synthetische Rohölersatz gewonnen werden kann. Einerseits braucht Solar Foods CO2, das beispielsweise direkt aus der Umgebungsluft gefiltert werden kann. Eine solche Technologie bietet etwa das Schweizer Cleantech-Unternehmen Climeworks an.

Dazu brauchen sie Wasserstoff, der natürlich grün sein soll, also per Elektrolyse mit Ökostrom hergestellt. Dafür eignen sich die Verfahren von Unternehmen wie Sunfire, Nel Hydrogen oder Ineratec, die sich allesamt mit effizienter Elektrolyse beschäftigen. Wasserstoff und Kohlendioxid werden dann in einen Bioreaktor gegeben und dienen speziellen Mikroorganismen als Futter. So entstehen die beschriebenen Proteine als Basis für vielfältige Nahrungsmittel.

Solar Foods ist ein Spinoff finnischer Universitäten

Hervorgegangen ist das Startup Solar Foods aus mehreren Universitäten, die sich auch mit Power-to-Liquids-Technologien beschäftigen. Heute produziert das Unternehmen ein Kilo Nahrung pro Tag. Um dieses Kilogramm zu erzeugen, sind 10 Liter Wasser notwendig – zum Vergleich: Soja braucht 2.500 Liter und Fleisch 15.500 Liter, wenn es gewöhnlich landwirtschaftlich angebaut wird.

Das Protein-Produkt aus dem Bioreaktor schmeckt wie Weizenmehl. Es enthält 50 Prozent Proteine, fünf bis zehn Prozent Fett und 20 bis 25 Prozent Kohlenhydrate.

Und: Der Platzbedarf der Technologie ist gering: Die Bioreaktoren können in Containern untergebracht werden, die sich beispielsweise auf unfruchtbaren Böden aufstellen lassen, Klar ist nur, dass Elektrolyse und CO2-Filterung aus der Luft große Mengen erneuerbare Energien benötigen – aber diese Technologien können beispielsweise auch in der Wüste oder in warmen Gefildenaufgestellt werden.

2021 soll der erste große Reaktor in Betrieb genommen werden, der viel größere Mengen Proteine herstellt. Gleichzeitig arbeitet Solar Foods daran, entsprechende Produkte mit Nahrungsmittelherstellern zu entwickeln. Es könnte sein, dass mit dieser Technologie ein ganz wichtiges neues Zeitalter im Umgang mit Nahrung und in der Art, wie wir Nahrungsmittel produzieren, beginnt.

Dieses Video erklärt die technologischen Hintergründe:

Solar Foods will künstliche Proteine erzeugen.

Hintergrund: Finnland will bis 2035 klimaneutral werden

Finnland spielt, wie die anderen nordischen Länder Norwegen, Schweden und Dänemark, eine entscheidende Rolle dabei, Europa klimaneutral zu bekommen. Die neue Regierung Finnlands hat sich mehrere ehrgeizige Ziele gesetzt, die weit über das eigene Land hinausgehen. Die eigene EU-Ratspräsidentschaft, die jetzt beginnt, stellt das Land unter das Motto „Ein nachhaltiges Europa, eine nachhaltige Zukunft“ – Helsinki will alle EU-Mitglieder überzeugen, in Sachen Klimapolitik an einem Strang zu ziehen.

Dies geht konform mit dem, was die neue EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sich für ihre neue Rolle vorstellt. Auch sie will Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent überhaupt machen.

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1 Kommentar
  1. […] Power-to-Food: Wie Solar Foods emissionsfreie Nahrungsmittel herstellt […]

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