ENERGIEWENDE · 20. August 2026
HuaweiRechenzentren mit sauberer Energie: China zieht an den USA vorbei
China verpflichtet neue Rechenzentren in acht staatlich festgelegten Regionen dazu, mindestens 80 Prozent ihres Stroms aus sauberen Quellen zu beziehen. In den USA erschwert die Trump-Administration dagegen den Ausbau sauberer Energie und setzt auf die Reaktivierung von Kohlekraftwerken, während Genehmigungen für neue Solar- und Windparks oft Jahre dauern.
Peking verordnet neuen Rechenzentren saubere Energie per Quote, und die ersten Beispiele laufen bereits: Ein Rechenzentrum in der Inneren Mongolei bezieht seinen Strom aus 200 Megawatt Windkraft, 100 Megawatt Solar und 45 Megawatt Batteriespeicher, wie die staatliche Aufsichtsbehörde SASAC mitteilt. In der Provinz Qinghai läuft ein Pilotprojekt vollständig über ein Solar-Mikronetz von Huawei Digital Power. Ein weiteres Rechenzentrum in Nordchina ist an 500 Megawatt Solarleistung und 1,5 Gigawatt Windkraft angeschlossen.
Solche Kombinationen aus Erzeugung und Speicherung sind nötig, damit Rechenzentren auch nachts und bei Flaute mit sauberem Strom laufen. In den USA verfolgt Planted Solar mit robotisch gebauten Solarparks für Rechenzentren einen verwandten Ansatz.
China macht Rechenzentren saubere Energie zur Pflicht
Die Projekte gehen auf die sogenannte East-West-Computing-Strategie zurück. Peking hat damit acht große Rechenzentrums-Hubs in Regionen mit viel erneuerbarer Erzeugung geschaffen. Für neue Rechenzentren in diesen Hubs gilt die 80-Prozent-Quote für sauberen Strom: Grüne Rechenzentren sind dort Pflicht, nicht Kür.
Im Mai 2026 legte die chinesische Regierung laut South China Morning Post einen Aktionsplan mit 29 Einzelmaßnahmen vor, der den Ausbau sauberer Energie an Rechenzentren weiter beschleunigen soll. Eingebettet ist das in Chinas neuesten Fünfjahresplan, der bis 2030 ein umfassendes sauberes Energiesystem vorsieht, weit über Rechenzentren hinaus. Die Erzeugung aus erneuerbaren Quellen soll bis dahin um 53 Prozent wachsen, während Kohle- und Ölverbrauch ihren Höhepunkt erreichen und danach sinken sollen.
China bleibt trotzdem der größte Emittent von Treibhausgasen weltweit, auch wenn sich der Kohle-Boom zuletzt verlangsamt hat. Verbesserungen bei der Stromversorgung haben dort deshalb überproportionale Wirkung auf das globale Klima.
Nach Schätzung von Rystad Energy wird sich Chinas Stromverbrauch für Rechenzentren bis 2030 mehr als verdoppeln. Laut einer Bloomberg-Schätzung vom Februar 2025 könnte sich der Verbrauch des Sektors sogar verdreifachen, auf bis zu 600 Terawattstunden und damit mehr, als Deutschland heute insgesamt verbraucht. Am Gesamtstrombedarf Chinas, der weiterhin von der Industrie dominiert wird, bleibt der Anteil der Rechenzentren dabei klein.
Warum China schneller baut als die USA
China baut seit Jahren unabhängig vom KI-Boom saubere Energie für seine Industrie aus. Diese Ausgangslage erlaubt es dem Land, den zusätzlichen Bedarf der Rechenzentren vergleichsweise schnell mit abzudecken. In den USA war die Stromnachfrage dagegen jahrzehntelang flach, bevor der plötzliche KI-Bedarf ein Netz traf, das darauf nicht vorbereitet war.
„Ich denke, chinesische Entscheidungsträger nehmen den Klimawandel ernst“, sagt Kyle Chan, Fellow bei der Brookings Institution mit Schwerpunkt chinesische Technologiepolitik, gegenüber Fast Company. Das Land habe über Jahre kontinuierlich Kapazitäten für den Ausbau erneuerbarer Energien aufgebaut, während vergleichbare Strukturen in den USA lange brachgelegen hätten. Als weiteren Vorteil nennt Chan, dass lokale Regierungen in China viel Genehmigungs-Autorität gebündelt haben und mit dedizierten Teams als eine Art One-Stop-Shop für Lizenzierung und Anschluss neuer Anlagen fungieren.
In den USA dauern Genehmigungsverfahren für Solar- und Windparks samt Netzanbindung dagegen oft mehrere Jahre. Das Verteidigungsministerium hat seine Genehmigungen für Onshore-Windprojekte de facto eingefroren, mehr als 155 Vorhaben stecken fest. 18 Bundesstaaten und Washington, D.C. klagen dagegen, wie Canary Media berichtet.
Ganz eindeutig ist die Lage trotzdem nicht: Auch in den USA wächst Solarenergie schneller als Kohle. Projekte wie Googles Geothermie-Kooperation mit Fervo Energy für seine Rechenzentren in Nevada oder die Geothermie-Kooperation von Meta mit XGS Energy in New Mexico zeigen, dass auch dort saubere Rechenzentren entstehen.
Offen bleibt in China vor allem, wie gut sich die schwer prognostizierbare KI-Nachfrage mit dem Netzausbau synchronisieren lässt. Neue Übertragungsleitungen sind nötig, und nicht jede KI-Anwendung eignet sich für entlegene Standorte nahe Wind- und Solarparks.
Die Regierung prüft deshalb, welche Workloads zeitlich flexibel genug sind, um an entfernten Standorten zu laufen. Städte greifen bislang vor allem auf Offshore-Wind und etwas Kernenergie zurück, während der Großteil der neuen sauberen Kapazität fernab der Bevölkerungszentren entsteht.
QUELLEN
- Fast Company: How China is powering new data centers with clean energy, 24. Juli 2026.
- South China Morning Post: Beijing pushes AI data centres to adopt green energy under action plan, 9. Mai 2026.
- Canary Media: States join fight against Trump administration's wind farm blockade, 20. Juli 2026.