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Trotz Wasserstoffstrategie: Große Power-to-X-Anlage von Norsk e-Fuel entsteht in Norwegen

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Sunfire, Climeworks, Paul Wurth und Valinor wollen ab 2023 10 Millionen Liter synthetisches Kerosin produzieren.

In Norwegen hat sich mit Norsk e-Fuel ein Industriekonsortium mit deutscher und schweizerischer Beteiligung gebildet, das bis 2023 erstmals Flugzeugtreibstoff auf Basis von Luft, Wasser und Ökostrom herstellen möchte – und zwar im kommerziell und in industriellen Mengen. Beteiligt sind neben den Cleantech-Unternehmen Sunfire und Climeworks auch Sunfire-Investor und EPC-Spezialist Paul Wurth und die norwegische Investmentgesellschaft Valinor.

Die Ankündigung der Partner Sunfire, Climeworks, Paul Wurth und Valinor betrifft Europas erste kommerzielle Anlage für die Herstellung von Flugzeugtreibstoff auf Basis von Wasserstoff. Der Einsatz von klimaneutralem Kerosin könnte die Luftfahrt zeitnah sauberer machen. Insbesondere, weil Technologien wie die von Sunfire-Investor Neste nicht unbegrenzt skalierbar sind.

Zentraler Vorteil für die Platzierung der Power-to-X-Anlage in Norwegen: Das Land verfügt über 100 Prozent erneuerbare Energien, versorgt sich über Wasserkraftwerke selbst mit sauberem Strom. Das Potenzial, die Energieerzeugung für Projekte wie das von Sunfire und Climeworks auszubauen, ist vorhanden.

Die erste Anlage im norwegischen Herøya soll eine Produktionskapazität von zehn Millionen Litern jährlich haben und 2023 in Betrieb gehen, bevor sie bis 2026 auf 100 Millionen Liter erneuerbaren Kraftstoff erweitert wird.

Um dies in die richtige Perspektive zu rücken, kann eine einzige Anlage im industriellen Maßstab genug gemischten erneuerbaren Treibstoff für die fünf wichtigsten inländischen Flugrouten in Norwegen zusammen liefern. Dies würde die derzeitigen Flugemissionen zwischen diesen Städten effektiv um etwa 50 Prozent reduzieren.

Lars Helge Helvig, Gründer von Valinor

Prozess von Norsk e-Fuel

Das Konsortium wird für die Herstellung von umweltfreundlichem Kerosin die Hochtemperatur-Elektrolyse einsetzen, um einem weiteren Schritt zunächst Synthesegas herzustellen. Hierzu wird Kohlendioxid eingesetzt, das über unvermeidbare Emissionen aus Zementfabriken oder die Direct-Air-Capture-Technologie von Climeworks über ein spezielles Filtermaterial direkt aus der Umgebungsluft geholt wird. Es entsteht ein Rohölersatz, der in weiteren Prozessschritten in Raffinerien zu Kerosin weiterverarbeitet wird.

Voraussetzung für die sinnvolle Nutzung des Power-to-X-Verfahrens ist aber, dass ausreichend Ökostrom vorhanden ist. Daher hat sich Sunfire trotz aller Bemühungen der Bundesregierung um die Nationale Wasserstoffstrategie, die heute vorgestellt werden dürfte, für den ersten Standort außerhalb Deutschlands entschieden. Wichtigster Grund: Der schleppende Ausbau erneuerbarer Energien einerseits und das insgesamt geringere Potenzial des Landes.

Wir können in Deutschland gar nicht genug erneuerbare Energien generieren, um den Kraftstoffsektor zu dekarbonisieren. In Ländern wie Norwegen allerdings schon.

Sunfire-CEO Carl Berninghausen im Handelsblatt

Im ersten Schritt wird das Kerosin aus Norwegen aber deutlich teurer sein als herkömmlicher Flugzeugtreibstoff. Aber: Wie im Fall von Synhelion ebenfalls, gibt es mittlerweile Interesse aus der Industrie, von Flughäfen und Fluggesellschaften trotzdem die saubere Alternative einzukaufen. Sunfire rechnet mit einem Liter-Preis von 3,50 Euro zum Einstieg im Jahr 2023.

Perspektivisch sollen die Preise auf 1,50 Euro pro Liter sinken, langfristig auf 1,20 Euro. „Auf der vollen Ausbaustufe werden wir in der Lage sein, den CO2-Ausstoß von schwer zu dekarbonisierenden Sektoren wie der Luftfahrt um ganze 250.000 Tonnen pro Jahr zu reduzieren“, sagt Climeworks-CEO Christoph Gebald gegenüber dem Handelsblatt.

Die Anlage in Norwegen soll als Blaupause für mehrere Projekte im ganzen Land dienen. Aber auch in Deutschland hofft das Industriekonsortium Norsk e-Fuel, irgendwann synthetische Kraftstoffe herstellen zu können. Vorausgesetzt, die Nationale Wasserstoffstrategie ermöglicht die passenden Rahmenbedingungen.

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