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Auswege aus der Wasserkrise

Beim Weltwasserforum (World Water Forum 2012) in Marseille diskutieren 20.000 Experten und Regierungsvertreter die globale Wasserkrise.

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Wasserkrise Weltkarte WWF 300x187 Auswege aus der WasserkriseCleantech & Effizienz News / Berlin, Frankreich. Der Kampf um die in vielen Ländern der Erde höchst Ressource Trinkwasser, wird sich nach Ansicht des WWF in den kommenden Jahren weiter zuspitzen. In den vergangenen Jahren hat es – etwa in Indien, China, Pakistan oder Afghanistan – seit dem Jahr 2000 immer wieder zu “Wasserkonflikten mit Gewalteinwirkung”. Wann und wie häufig die Konflikte um Wasser entstanden und wo Wasserknappheit der Bevölkerung zu schaffen macht, zeigt die Weltkarte des WWF, die Sie links sehen und durch einen Klick darauf vergrößern können. Welche Auswege aus der Wasserkrise gibt es? Darüber diskutiert seit gestern das Weltwasserforum unter dem Motto “Time for Solutions” in Marseille.

Mitten in der globalen Wasserkrise

World Water Forum 2012 Auswege aus der Wasserkrise

World Water Forum 2012 (Foto: 6th Water World Forum / Christophe Taamourte)

“Das Weltwasserforum muss klare Zielvorgaben definieren, die als Beschlussgrundlage für den UN-Umweltgipfel Rio+20 im Juni dienen können”, so Martin Geiger, Leiter Bereich Süßwasser beim WWF Deutschland. “Auch wenn in Deutschland und Westeuropa die Situation derzeit weitgehend entspannt ist, kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir uns bereits mitten in einer globalen Wasserkrise befinden”, warnt Geiger. Allein die Tatsache, dass neun Staaten, nämlich Brasilien, Russland, China, Kanada, Indonesien, Indien, Kolumbien, die Demokratische Republik Kongo und die USA, über 60 Prozent der weltweit verfügbaren Süßwasservorkommen haben, könne bei einer Verschärfung der Wasserkrise wie ein Brandbeschleuniger wirken. Die Ressource Wasser würde, so der WWF-Experte, immer knapper. Das sei in erster Linie eine Folge von Verschwendung, Missmanagement und ineffizienter Bewässerung.

900 Millionen Menschen ohne Trinkwasser-Zugang

H2O Ballett beim Weltwasserforum Auswege aus der Wasserkrise

Wasserballett beim Weltwasserforum (Foto: 6th Water World Forum / Christophe Taamourte)

Wie dramatisch die Lage ist, zeigt ein aktueller Bericht der Unesco, der im Rahmen des Experten-Forums in Marseille vorgestellt wurde. Demnach haben fast 900 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, während 2,6 Milliarden Menschen keinen Zugang zu adäquaten sanitären Einrichtungen hat. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen werden im Jahr 2025 zwei Drittel der Weltbevölkerung von Wasserknappheit betroffen sein.

Die Umweltschutzorganisation WWF hat einen Forderungskatalog aufgestellt, der dazu beitragen soll, dass effizienter mit der Ressource Wasser umgegangen wird. Die wichtigsten Forderungen an Regierungen und Unternehmen im Überblick:

  • Wassernutzung an natürlichen und nicht an politischen Grenzen ausrichten
  • Wasser-Fußabdruck von Städten vermindern und das Wasser-Risiko in städtischen Gebieten reduzieren
  • Den Wasser-Fußabdruck der Landwirtschaft reduzieren
  • Finanzielle Anreize für private Investitionen in eine regenerative, verlässliche und nachhaltige Energieversorgung in Entwicklungsländern einführen

Cleantech aus Deutschland als Teil der Lösung

BASF uebernimmt inge watertechnoloigies 200x300 Auswege aus der Wasserkrise

Cleantech aus Deutschland: Ultrafiltration von BASF / inge watertechnologies

Zahlreiche dieser Forderungen lassen sich durch gezielte Investitionen in saubere Technologien – zumindest langfristig – erfüllen. Gerade deutsche Ingenieure und Unternehmen arbeiten etwa an dezentralen Anlagen zur Trinkwasseraufbereitung, die über Solarenergie betrieben werden. Hier zeigt sich insbesondere im globalen Zusammenhang, welche Bedeutung es hat, wenn der Standort Deutschland auch in Zukunft in Cleantech investiert. Forschung, Entwicklung sowie Produktion vieler Technologien sind ganz entscheidend.

Denn das Nicht-Helfen und Nicht-Eingreifen bei der Wasserkrise, wird selbst für Deutschland und andere Industrienationen heftige finanzielle Folgen haben, ist sich Geiger sicht. “Eine Verschärfung der weltweiten Wasserkrise wird die öffentlichen Gesundheitskosten steigen lassen, die wirtschaftliche Entwicklung ausbremsen, ökologische Probleme verschärfen und schwerwiegenden sozialen und geopolitischen Spannungen und Konflikten führen”, fasst Geiger die Ergebnisse der WWF-Analyse zusammen. Die Folgen würden auch Deutschland und die EU treffen. Es drohten Landflucht in Südeuropa, Kollaps der Landwirtschaft in Teilen des Mittelmeers und ein Ende des Tourismus in einigen beliebten Urlaubsregionen, so der WWF-Experte.

WWF sieht Bundesregierung in der Verantwortung

Der WWF sieht auch die Deutsche Bundesregierung in der Verantwortung, immerhin importiert die Bundesrepublik über Nahrungsmittel und Industriegüter jedes Jahr 106 Milliarden Kubikmeter Wasser. “Wir sind Verantwortlicher und Betroffener zugleich”, so Martin Geiger. “Unsere Versorgung mit Agrargütern ist direkt von Wasserressourcen der Erzeugerstaaten abhängig, so sind derzeit die Supermärkte voll mit Gemüse und Obst aus der Mittelmeerregion und dem Nahen Osten. Wir können es uns daher allein aus ökonomischer Sicht nicht leisten, dass sich die Wasserproblematik weiter verschärft.”

Das Weltwasserforum findet seit 1997 alle drei Jahre statt und ist eine der größten, internationalen Konferenzen von Wissenschaftlern, Politikern und Experten aus aller Welt. Vom 12. bis 17. März werden mehr als 20.000 Teilnehmer in Marseille erwartet, darunter zahlreiche Staats- und Regierungschefs.

Weitere Informationen: WWF Analyse – “Water Conflict - Myth or Reality?” (pdf-Download)

Lesen Sie auch: 5 Fragen an Ralph Prudent von ÖKOWORLD

(13. März 2012 / Martin Jendrischik / CleanThinking)

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