Von Jacques Descloitres, MODIS Land Rapid Response Team, NASA/GSFC, Gemeinfrei, Wikimedia
Iran-Angriff: Fossile Energie ist geopolitische Waffe und die Energiewende Sicherheitspolitik
Energie ist Macht: Was der Iran-Angriff über unsere fossile Abhängigkeit verrät.
Der Iran-Angriff von USA und Israel erschüttert die Welt. Khamenei ist tot. Trump bricht Völkerrecht, riskiert eine Eskalation mit globalen Folgen – und die Welt hält den Atem an. Warum der Iran? Warum jetzt? Durch die Straße von Hormus laufen 30 % des weltweiten Öl-Tankerverkehrs und bis zu 20 % des globalen LNG-Handels. Wer den Iran angreift, spielt mit dem Nervensystem der fossilen Weltwirtschaft – und zeigt, warum fossile Abhängigkeit ein Sicherheitsrisiko ist. Das ist kein Nebeneffekt. Das ist der Punkt.
Und derselbe Donald Trump, der dieses geopolitische Pulverfass gezündet hat, erzählt seinen Wählern, Windräder würden Vögel töten, Elektroautos nicht funktionieren und der Klimawandel sei eine Erfindung. Er pumpt Milliarden in fossile Infrastruktur, rollt Umweltgesetze zurück und nennt die Energiewende einen „Scam“.
Das ist kein Widerspruch. Das ist ein System. Es heißt: Fossile Panik.
Fossile Macht erzeugt Abhängigkeiten. Abhängigkeiten erzeugen Konflikte. Konflikte treiben Preise. Und steigende Preise treffen am Ende genau die Menschen, die Trump vorgibt zu schützen – an der Zapfsäule, auf der Heizkostenabrechnung, im Supermarkt.
Claudia Kemfert nennt dieses System treffend „Fossilokratie„. Wer Energie kontrolliert, kontrolliert die Wirtschaft und die Geschäftsmodelle. Wer Energiesysteme beherrscht, bestimmt geopolitische Machtverhältnisse. Wer die Energiewende blockiert, entscheidet über die Zukunft des Planeten.

Nicht weil er es kann. Sondern weil er Angst hat, die Kontrolle zu verlieren.
Und genau diese fossile Panik erleben wir auch in Deutschland. Nicht mit Bomben, aber mit Politik: Ein Gebäudemodernisierungsgesetz, das fossile Optionen wieder stärkt. Kürzungen bei der Solarförderung. Ein Diskurs, der die Energiewende zum Sündenbock macht für Probleme, die das fossile System selbst verursacht hat.
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Deutschland schwächt die Unabhängigkeits-Instrumente
Das eigentlich Perfide: Während Trump im Nahen Osten die Risiken fossiler Abhängigkeit in Echtzeit demonstriert, schwächen wir in Deutschland genau die Instrumente, die uns unabhängig machen würden.
Solar und Wind brauchen keine Straße von Hormus. Wärmepumpen brauchen kein LNG aus Krisenzonen. Ein saniertes Haus braucht kein russisches Gas und kein amerikanisches Fracking.
Erneuerbare Energien sind keine Ideologie. Sie sind Souveränitätspolitik, Sicherheitspolitik, Friedenspolitik. Und bedeutsamer denn je. Elektrostaaten werden die geopolitische Macht gewinnen. Wenn das Chaos durch den fossilen Zusammenbruch vorüber ist. Lesen Sie hierzu den Artikel Energietransformation: Entsteht mit Indien der nächste Elektrostaat?
Die wirkliche Frage ist nicht, ob wir uns die Energiewende leisten können. Die Frage ist, ob wir es uns leisten können, in einer Welt fossiler Panik weiter von Öl und Gas abhängig zu sein. Die Antwort liegt gerade in Trümmern im Iran.
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Martin Ulrich Jendrischik, Jahrgang 1977, beschäftigt sich seit 20 Jahren als Journalist und Kommunikationsberater mit sauberen Technologien. 2009 gründete er Cleanthinking.de – Sauber in die Zukunft. Im Zentrum steht die Frage, wie Cleantech dazu beitragen kann, das Klimaproblem zu lösen. Die oft als sozial-ökologische Wandelprozesse beschriebenen Veränderungen begleitet der Autor und Diplom-Kaufmann Jendrischik intensiv. Als „Clean Planet Advocat“ bringt sich der gebürtige Heidelberger nicht nur in sozialen Netzwerken wie Linkedin und Facebook über die Cleanthinking-Kanäle ein.
Die Rohstoffe und Produkte für PV, Wind, E-Autos, Wärmepumpen kommen vor allem aus China.