KOMMUNALE WÄRMEPLANUNG · BAYERN
gabriel-daalmans auf PixabayKommunale Wärmeplanung Nürnberg: früh beschlossen, schon im Bau
Nürnberg hat seinen Wärmeplan ein Jahr vor der gesetzlichen Frist beschlossen. Der Fernwärme-Ausbau mit N-ERGIE läuft in einzelnen Gebieten bereits, noch bevor das Gesamtkonzept überall greift.
Nürnberg, 530.065 Einwohner, zweitgrößte Stadt Bayerns: Der Stadtrat beschloss den kommunalen Wärmeplan am 4. Juni 2025, ein volles Jahr vor der gesetzlichen Frist für Großstädte am 30. Juni 2026. Ziel ist es, den Anteil der Fernwärme an der Nürnberger Wärmeversorgung von derzeit rund 25 Prozent bis 2040 auf bis zu 50 Prozent zu verdoppeln. Umgesetzt wird das gemeinsam mit dem lokalen Energieversorger N-ERGIE, dessen Netzausbau in ersten Gebieten bereits läuft, noch bevor die Detailplanung für die gesamte Stadt steht.
Status der kommunalen Wärmeplanung Nürnberg
Der Nürnberger Stadtrat verabschiedete den Wärmeplan am 4. Juni 2025 nach einem mehrjährigen Erarbeitungsprozess durch das Referat für Umwelt und Gesundheit. Am 23. Juni 2025 stellte die Stadt den Plan der Öffentlichkeit in einer Infoveranstaltung vor. Während viele Großstädte erst kurz vor dem gesetzlichen Stichtag im Sommer 2026 liefern, hatte Nürnberg zu diesem Zeitpunkt bereits ein Jahr Vorlauf für die Umsetzung.
Der Plan teilt das Stadtgebiet in Wärmeversorgungsgebiete ein und legt für jeden Baublock fest, ob und wann Fernwärme infrage kommt. In dicht bebauten Quartieren mit hohem Wärmebedarf, allen voran die historische Altstadt mit ihrem denkmalgeschützten Baubestand, soll das Fernwärmenetz verdichtet und ausgebaut werden. In weniger dicht bebauten Gebieten setzt der Plan auf dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen, Biomasseanlagen oder neue Nahwärmenetze.
Kommunale Wärmeplanung: Was das Gesetz vorschreibt → Kommunale Wärmeplanung in Deutschland
Vorpreschen statt Abwarten: Der Netzausbau läuft schon
Was Nürnberg von vielen anderen Kommunen unterscheidet: N-ERGIE hat mit dem Fernwärme-Ausbau begonnen, bevor der Wärmeplan für alle Gebiete im Detail steht. Bislang hat der Versorger vier Ausbaugebiete definiert, zwei davon werden bereits umgesetzt: Friedrich-Ebert-Platz Ost/Meuschelstraße Süd und den Nordostpark. Im Gebiet um Friedrich-Ebert-Platz und Meuschelstraße begannen die Bauarbeiten für neue Fernwärmeleitungen und Hausanschlüsse im August 2025, rund 200 neue Anschlüsse sollen dort entstehen. Im Nordostpark, einem Gewerbe- und Industriestandort, sind es rund 70 Anschlüsse.
Dieses Vorgehen kehrt die übliche Reihenfolge um. Statt zu warten, bis jedes Detail des Wärmeplans amtlich feststeht, nutzt N-ERGIE die bereits erkennbaren Verdichtungsgebiete, um früh zu bauen. Städte wie Wiesbaden oder Berlin haben ihre Wärmepläne erst nahe an der gesetzlichen Frist im Sommer 2026 verabschiedet. Dort beginnt die konkrete Bauplanung erst jetzt. In Nürnberg standen die ersten Bagger schon, während andernorts noch am Konzept gefeilt wurde.
Die Verdopplung des Fernwärme-Anteils von rund 25 auf bis zu 50 Prozent bis 2040 ist das zentrale quantitative Ziel des Plans. Schon jetzt stammen laut N-ERGIE mehr als 30 Prozent der Nürnberger Fernwärme aus nicht-fossilen Quellen.
Akteure und Perspektiven
N-ERGIE, der kommunale Energieversorger Nürnbergs, trägt sowohl den Netzausbau als auch die Umstellung der Erzeugung. Am Kraftwerksstandort Sandreuth soll die Wärmeerzeugung bis 2035 CO₂-neutral werden. Der Plan dafür setzt auf einen Mix aus energetischer Altholzverwertung und Großwärmepumpen, ergänzt um Tiefengeothermie und perspektivisch Wasserstoff. Für das geplante Altholz-Heizkraftwerk reichte N-ERGIE die Genehmigungsunterlagen im Sommer 2025 ein, der Baubeginn ist für 2026 vorgesehen, die Inbetriebnahme für Ende 2029. Zusätzlich verfolgt der Versorger eine Großwärmepumpe am Klärwerk 1, die Abwärme aus der Abwasserreinigung nutzen soll.
Umweltreferentin Britta Walthelm ordnet die Wärmeplanung als Teil des städtischen Klimaschutzkonzepts ein: „Die Wärmeplanung ist ein wichtiger Baustein des neuen Klimaschutzkonzepts der Stadt Nürnberg." Die Stadt betont zugleich, den Weg zur Wärmeplanung schrittweise und transparent zu gestalten, mit Infoveranstaltungen für Bürger*innen und Beratungsangeboten zu den Auswirkungen auf einzelne Grundstücke.
Für Eigentümer*innen in den Ausbaugebieten ist der frühe Zeitplan handfest: Wer weiß, dass sein Grundstück in einem der vier definierten Gebiete liegt, kann die nächste Heizungsentscheidung direkt auf den Fernwärme-Anschluss ausrichten, statt Jahre auf Klarheit zu warten.
Ausblick
Die Regelungen des Gebäudeenergiegesetzes greifen in Verbindung mit dem Wärmeplan in Nürnberg ab dem 1. Juli 2026 verbindlich. Die nächsten Meilensteine liegen bei N-ERGIE: der Baubeginn des Altholz-Heizkraftwerks in Sandreuth 2026, die schrittweise Erweiterung der Ausbaugebiete über die bisherigen vier hinaus, und die für 2035 gesetzte CO₂-Neutralität der Wärmeerzeugung am Kraftwerksstandort.
Ob die Verdopplung des Fernwärme-Anteils bis 2040 gelingt, hängt an mehreren Stellschrauben zugleich: am Tempo der Genehmigungsverfahren für Altholzkraftwerk und Großwärmepumpen, an der Investitionskraft von N-ERGIE über 15 Jahre und an der Bereitschaft der Eigentümer*innen, sich in den ausgewiesenen Gebieten tatsächlich anschließen zu lassen. Der Vorsprung aus dem frühen Ratsbeschluss ist real, ersetzt aber keine der offenen Fragen.
UPDATES
30. Juni 2026: Erstveröffentlichung.
QUELLEN
- Stadt Nürnberg, Referat für Umwelt und Gesundheit: Kommunale Wärmeplanung Nürnberg
- Bayern Innovativ, 2025: Nürnberg erweitert Fernwärme schon vor dem Wärmekonzept
- ZfK, 2025: Nürnberg baut Fernwärme weiter aus
- energie & management, 2025: Nürnberg erweitert Fernwärme schon vor dem Wärmekonzept
- Stadt Nürnberg, Pressemitteilung 4.6.2025: Kommunaler Wärmeplan für die Stadt Nürnberg