Kommunale Wärmeplanung Saarbrücken: Die Saar wird zur Wärmequelle

KOMMUNALE WÄRMEPLANUNG · SAARLAND · 17. AUGUST 2026

Kommunale Wärmeplanung Saarbrücken: Die Saar wird zur Wärmequelle

Saarbrücken hat seinen Wärmeplan kurz vor der gesetzlichen Frist beschlossen. Anders als in Köln oder Mannheim steht noch kein fertiges Großprojekt, sondern eine Kraftwerksfläche, an der ab 2029 eine Flusswärmepumpe entstehen soll.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 6 MIN. LESEN


Saarbrücken, rund 180.000 Einwohner, Landeshauptstadt des Saarlands: Der Stadtrat hat die kommunale Wärmeplanung am 23. Juni 2026 beschlossen, eine Woche vor der Frist, die das Wärmeplanungsgesetz (WPG) für Großstädte über 100.000 Einwohner setzt (30. Juni 2026). Anders als etwa Köln kann Saarbrücken sich noch nicht auf ein fertiges Leuchtturmprojekt stützen. Der Plan setzt auf eine Fläche, die es bereits gibt: den Kraftwerksstandort Römerbrücke, an dem der lokale Versorger Energie SaarLorLux ab 2029 eine Flusswärmepumpe in Betrieb nehmen will, die der Saar Wärme entzieht.

Status der Wärmeplanung in Saarbrücken

Das Amt für Klima- und Umweltschutz hat den Plan nach eigenen Angaben in rund zwölf Monaten erarbeitet, fachlich begleitet von den Büros Rödl und Greenventory. Eingebunden waren städtische Ämter, die Stadtwerke Saarbrücken, Energie SaarLorLux sowie weitere Fachstellen. Der Stadtrat beschloss die kommunale Wärmeplanung am 23. Juni 2026. Die Planung ist eine strategische Fachplanung ohne unmittelbare rechtliche Bindung für einzelne Eigentümer, sie soll alle fünf Jahre fortgeschrieben werden.

Der jährliche Wärmebedarf der Stadt liegt laut Wärmeplan bei rund 1.835 Gigawattstunden. Das Fernwärmenetz versorgt aktuell mehr als 11.000 Haushalte sowie zahlreiche Unternehmen und öffentliche Einrichtungen, der erneuerbare Anteil daran liegt nach dem Effizienzausweis für das Saarbrücker Fernwärmenetz derzeit bei rund 2,7 Prozent. Der Plan empfiehlt einen weiteren Ausbau der Fernwärme in der Innenstadt und in dicht bebauten Vierteln, während der Großteil des Stadtgebiets auf dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen setzen soll.

Römerbrücke: Wärme aus dem Fluss statt aus der Kohle

Der Kraftwerksstandort Römerbrücke ist seit sechs Jahrzehnten das Rückgrat der Saarbrücker Fernwärme, ursprünglich als reines Kohlekraftwerk gebaut. Energie SaarLorLux will dort ab 2029 die erste Flusswasser-Wärmepumpe des Unternehmens in Betrieb nehmen, sie soll der Saar Wärme entziehen und auf Fernwärme-Temperaturniveau anheben.

Die Flusswärmepumpe ist Teil eines breiteren Transformationsplans für das Fernwärmenetz, den Energie SaarLorLux zusammen mit den Stadtwerke Saarbrücken aufgestellt hat. Parallel prüft der Versorger die Nutzung industrieller Abwärme, die Wärme aus Abwasser sowie Power-to-Heat-Anlagen, die überschüssigen erneuerbaren Strom in Wärme umwandeln.

Der gesetzliche Rahmen ist eng gesteckt: Bis 2030 muss der erneuerbare Anteil im Fernwärmenetz auf mindestens 30 Prozent steigen, bis 2040 auf 80 Prozent. Vollständig dekarbonisiert soll die Wärmeversorgung spätestens 2045 sein. Gemessen am aktuellen Stand von rund 2,7 Prozent ist das eine der ambitionierteren Kurven unter den deutschen Großstädten, die ihre Wärmepläne 2026 vorgelegt haben.

Akteure und Perspektiven

Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) hat den Beschluss politisch begleitet. Der Stadtrat wurde im März 2026 neu gewählt.

Energie SaarLorLux und die Stadtwerke Saarbrücken waren als technische Partner von Beginn an in die Planung eingebunden, ähnlich wie in anderen Großstädten der lokale Versorger auch hier maßgeblich an den eigenen Ausbauzielen mitgeschrieben hat. Aus der Immobilienwirtschaft ist der Einwand bekannt, der Wärmeplan biete Eigentümerinnen und Eigentümern keine verbindliche, grundstücksscharfe Aussage, sondern nur eine strategische Orientierung.

Ausblick

Der nächste sichtbare Schritt ist der Baubeginn der Flusswärmepumpe an der Römerbrücke, mit Inbetriebnahme 2029. Bis dahin muss Energie SaarLorLux zeigen, dass die 30-Prozent-Marke für 2030 im Fernwärmenetz erreichbar bleibt, ausgehend von einem heutigen erneuerbaren Anteil von nur rund 2,7 Prozent. Die kommunale Wärmeplanung selbst wird alle fünf Jahre fortgeschrieben, die erste Aktualisierung ist damit für 2031 zu erwarten.

Saarbrücken zeigt damit einen anderen Fall als Köln oder Mannheim: Der Wärmeplan wurde beschlossen, bevor das zentrale Infrastrukturprojekt Baufortschritt vorweisen kann. Das macht die Landeshauptstadt zu einem Testfall dafür, wie belastbar solche Pläne sind, wenn sie auf ein Projekt setzen, das erst in der Planungsphase steht.

UPDATES

17. August 2026: Erstveröffentlichung.

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