KULTIVIERTES FLEISCH · 05. AUGUST 2026
Aleph FarmsAleph Farms erhält Zulassung für kultiviertes Rindfleisch in Singapur
Die Singapore Food Agency hat den Verkauf des kultivierten Steaks des israelischen Cleantech-Unternehmens Aleph Farms genehmigt, die zweite Zulassung weltweit für dieses Produkt nach Israel. Verkauft wird es aber erst ab 2027, ausgerechnet in einem Land, das alternative Proteine gerade aus seiner Ernährungsstrategie gestrichen hat.
Die Genehmigung der Singapore Food Agency (SFA) macht Aleph Farms zum einzigen Unternehmen mit einer Zulassung für kultiviertes Rindfleisch in zwei Märkten. Das israelische Unternehmen hatte im Dezember 2023 bereits in seinem Heimatland die erste Freigabe für dieses Produkt erhalten. Für Singapur ist es die sechste Zulassung für kultiviertes Fleisch insgesamt, damit hat der Stadtstaat die USA bei der Zahl zugelassener Produkte überholt.
Den Antrag hatte Aleph Farms im September 2022 eingereicht, wie Yifat Gavriel, Leiterin Regulatory Affairs des Unternehmens, mitteilt. Bis zur Freigabe im August 2026 vergingen damit fast vier Jahre.
Aleph Farms plant Marktstart erst 2027
Aleph Farms plant den Marktstart für das kultivierte Rindfleisch erst für das erste Halbjahr 2027, zunächst über ausgewählte Restaurantpartner, deren Namen das Unternehmen noch nicht nennt.
Produzieren lässt Aleph Farms das Fleisch beim Auftragsfertiger Cell Agritech in Singapur. Größere Mengen sollen später im malaysischen Penang entstehen, der Technologietransfer dorthin läuft bereits.
Das Produkt kombiniert nicht gentechnisch veränderte, nicht immortalisierte Zellen einer Black-Angus-Kuh mit einer pflanzlichen Proteinmatrix aus Soja und Weizen. Aleph Farms verkauft es unter der Marke Aleph Cuts und hatte die Technologie dahinter erstmals mit einem Ribeye-Steak aus Rinderzellen öffentlich gezeigt.
Singapur stuft alternative Proteine herunter
Singapur war 2020 das erste Land der Welt, das kultiviertes Fleisch überhaupt zugelassen hat, damals ein Hühnchenprodukt von Eat Just im Restaurant 1880. Inzwischen hat sich die politische Priorität gedreht.
Alternative Proteine sind nicht mehr Teil der Ernährungsstrategie des Stadtstaats. Umweltministerin Grace Fu begründet das mit höheren Produktionskosten und einer weltweit schwächer als erwartet ausgefallenen Verbraucherakzeptanz. Singapur konzentriert sich stattdessen auf Forschung und Entwicklung, um den Sektor wettbewerbsfähiger zu machen.
Die Zulassung für Aleph Farms fällt damit in eine Phase, in der Singapur den Sektor politisch zurückstuft, während das Prüfverfahren selbst weiterläuft wie zuvor.
Konsolidierung in der Branche
Aleph Farms hat bislang 147 Millionen US-Dollar eingesammelt und betreibt in Rehovot eine rund 6.000 Quadratmeter große Anlage mit einer Anfangskapazität von etwa zehn Tonnen kultiviertem Steak im Jahr. Das Unternehmen ist auf eine Asset-light-Strategie umgeschwenkt und setzt statt eigener Fabriken auf Auftragsfertiger.
In Europa übernimmt das Schweizer Unternehmen The Cultured Hub diese Rolle, in Asien Cell Agritech. Die Umstellung ging mit mehreren Entlassungsrunden einher, auch die eigene Produktion in Israel wird schrittweise an Dritte abgegeben.
Eine technoökonomische Analyse, die das Unternehmen selbst anführt, kommt bei Preisgleichheit mit konventionellem Rindfleisch auf 47 Prozent Bruttomarge, Stückkosten von 6,45 Dollar je Pfund und eine Amortisation nach 2,5 Jahren. Sinkende Herstellungskosten sind ein wiederkehrendes Argument der Branche, auch beim niederländischen Unternehmen Mosa Meat.
Rindfleisch sei „Premium und Massenmarkt zugleich”, sagt Aleph-Farms-CEO Didier Toubia. Seine Strategie setzt auf regionale Partner und bestehende Lieferketten statt eigener Werke, kultiviertes Fleisch soll die konventionelle Produktion ergänzen.
Der Sektor konsolidiert: Believer Meats ist insolvent, Upside Foods bietet für die Anlage. In Deutschland war Alife Foods bereits 2024 insolvent.
Weitere Zulassungsanträge laufen
Aleph Farms hat nach eigenen Angaben weitere Anträge in Großbritannien, der Schweiz und Thailand laufen. Auch die EU-Zulassung für kultiviertes Fleisch ist beantragt, bislang ohne Entscheidung.
In Großbritannien hatte zuvor bereits das Unternehmen Meatly eine Zulassung erhalten, allerdings nur für Tierfutter. Für kultiviertes Fleisch zum menschlichen Verzehr steht die erste Freigabe im Vereinigten Königreich noch aus.
QUELLEN
- Green Queen: Aleph Farms Secures Singapore Approval for Cultivated Beef, Targets 2027 Restaurant Launch, 04.08.2026.
- AgFunderNews: Aleph Farms plans 2027 cultivated beef launch in Singapore after securing green light from regulators, 03.08.2026.
- FoodNavigator: Cultivated beef steak to hit Singapore food scene with historic approval, 04.08.2026.